Minkel 17.06.2007, 16:11 Uhr 39 7

Monokultur tötet Innenstädte

Bin ich in Krefeld, Hamburg oder München? Von der schwindenden Individualität unserer Städte.

Die ein oder andere Stadt hab ich in meinem Leben ja schon gesehen. Sei es in Deutschland oder bei unseren Nachbarn, z.B. Frankreich, wo manchmal kleinere Läden das Stadtbild ausmachen. Es hat richtig Spaß gemacht, mal einen Nachmittag nur mit Bummeln und Einkaufen in der jeweiligen Stadt zu verbringen, weil man das ein oder andere entdecken konnte.

Aber bei unseren Städten sticht vor allem eines stark heraus: Eine Monokultur.
Eine Monokultur der sich wiederholenden Geschäfte, so dass es eigentlich kaum noch einen Unterschied macht, ob man in München oder Hamburg einkauft. Wenn ich am Wochenende mal durch meine Heimatstadt streife, sehe ich vor allem eines: Handygeschäfte, Ramschläden (die werden immer mehr), H&M, Orsay, Kamps, McDonald´s etc. So ziemlich die gleichen Geschäfte, die man auch in anderen Städten wie München sehen kann. Teilweise sogar in dreifacher Ausführung, irgendeiner war der Meinung, drei Kamps-Bäckereien auf der gleichen Straße innerhalb von 300 Metern errichten zu müssen.

Auf den Gedanken, mal bei einem kleinen Bäcker von nebenan etwas fürs Mittagessen zu besorgen bekam ich als Antwort nur pure Verzweiflung - welcher kleine Bäcker? Außer diversen Kamps-Filialen und Selbstbedienungsbäckern ist bei uns kaum noch was übrig geblieben. Ein Geschäft, das nicht zu irgendeinem Konzern gehört? Fehlanzeige. Selbst Cafes gehören mittlerweile einem deutschlandweiten Filialnetz an, die Kleinen vom Bild der Innenstadt fast vollständig verdrängt. Vor ca. sieben Jahren eröffnete hier unser erster "99-Pfennig"-Laden - mittlerweile besteht ein Drittel der Einkaufsstraße aus diesen Geschäften.

Es hat schon was Gutes, die gleichen Läden zu haben wie größere Städte, aber es sollte auch eine gewisse Individualität jedes Ortes zu erkennen sein. Sonst besteht doch kaum noch ein Anreiz, mal fürs Einkaufen eine kleine Reise zu tätigen. Selbst in größeren Städten dominieren die Filialen großer Konzerne und fördern dadurch nur die Entwicklung solch einer Monokultur.

Ich habe sogar die Befürchtung, dass die Kunden mit ihren Anforderungen und dementsprechend ihren Kaufgewohnheiten diese Entwicklung über Jahre hinweg gewollt und gefördert hat. Doch was dagegen tun? Eigentlich nur eines: Sich die Mühe machen, die kleinen Läden zu finden und dort mal einkaufen. Dass man seinen Bedarf durch solch ein Einkaufsverhalten vollständig abdecken kann ist unwahrscheinlich, aber sorgt dafür, dass es bald überhaupt keinen Unterschied mehr macht, in welcher Stadt man gerade bummeln ist.
Das einzige was mich wundert ist, dass wir noch keinen Starbucks haben.

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39 Antworten

Kommentare

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    Wir leben in einer massengesellschaft.niemals zuvor lebten so viele menschen so dich gedrängt zusammen,wie in unserer zeit.
    die wollten alle versorgt werden,und das möglichst schnell und billig.
    da bietet sich systemgastronomie(McD,burgerking),einheitslook(H&M) und billige unterhaltungselektronik an(Mediamarkt).

    irgwendwie seltsam,da reist man in ne andere stadt um was neues zu sehn uund landet doch wieder beim vertrautem
    schade und doch verständlich,fortschritt eben.

    03.08.2007, 10:39 von Joey4.0
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    Grüne gibts dafür wohl viele,

    die Bequemlichkeit der Menschen (was ich nich kenn ess ich nich etc.)

    der reine Kostendruck, nen kleiner Händler, der nen Karton Kaffee kauft, kann halt nich den gleichen Einkaufs (und damit auch Verkaufs)preis erzielen, wie´n riesen Konzern, der gleich drei Containerschiffe Kaffee kauft

    außerdem drängen sich ja in immer mehr Innenstädte diese konzentrierten Einkaufszentren (z.b. Arkaden Hauptbahnhof in Leipzig, Altmarktgalerie in Dresden, Potsdamer Platz in Berlin - alle vom gleichen Betreiber) in denen man problemlos den ganzen Tag zubringen kann, ohne noch extra in die Stadt "raus" zu müssen, in diesen Centren sind dann natürlich auch fast immer die gleichen Ketten present

    damit wirds natürlich für den kleinen individuellen Händler immer schwerer sich durchzusetzen

    ich hab mir angewöhnt, in einer "fremden" Stadt ganz bewusst immer die kleinen Strassen in größerem Umkreis rund ums Zentrum anzuschauen, da findet man (ausser in Dresden) eigentlich immer noch paar interessante Geschäfte und die Bäcker sind da meist auch besser und billiger als die großen Ketten direkt in der Fussgängerzone

    das ganze ist auch nicht nur in Deutschland so, sondern glaub ich in ganz Europa so zu beobachten, hab letztes Jahr sogar in Dänemark schon nen "Deichmann" gesehen

    und, irgendwer hat es hier schon gesagt, schade das die schicken kleinen Plattenläden immer weniger werden

    02.07.2007, 19:33 von JulesWinfield
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    Die Stadt München subventioniert mittlerweile kleinere Geschäfte in der Innenstadt um attraktiv zu bleiben. Ansonsten empfehle ich zum Thema Max Goldts Artikel über das Aussterben der guten alten Samenschluckerei.

    29.06.2007, 09:53 von HerrCarson
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    starbucks kommt auch noch ....


    ... ich muss sagen, das grundsätzlich man nur näher hinschauen muss ... die individualität jeder stadt wird einem jetzt nicht mehr aufgedrängt sondern sie muss gezielt gesucht werden ...

    29.06.2007, 09:09 von jd
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    zustimmung.
    wobei das gleiche aber auch beim thema wohnen passiert : neubausiedlungen, wo ein haus dem anderen bis auf die farbe gleicht.

    29.06.2007, 08:21 von lila-hexe
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    dat wundert mich auch.
    aber: RECHT HAST DU. HOCH ZEHN!!!!!

    28.06.2007, 23:05 von barcafan
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    Also, ich finde, Minkel hat Recht!
    Wo man hingeht, die selben Langweiler-Mainstream-Geschäfte... würg.
    Billig, schön und gut. Aber man sollte sich vielleicht echt mal Gedanken darüber machen, wie solche Produkte zustande kommen... das klingt jetzt belehrend, und es ist ja nicht so, dass ich ein Öko-Engel wäre, aber... gerade Waren aus den Billigbäckereien sind doch wohl zum großen Teil aus Massen(tier)produktion. Anders geht das doch gar nicht.

    27.06.2007, 19:50 von steinfeder
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    SENF, SENF und nochmals SENF.
    SENF, SENF und noch mehr SENF.
    SENF, SENF und VGJH

    PS:
    ...die bösen Ketten vs. die lieben Tante Emmas
    ...die bösen Miethaie vs. die gute alte Zeit
    ...die bösen Geizkäufer vs. die Weltverbesserer
    ...schwarz gegen weiß
    ...gähn.

    27.06.2007, 15:41 von bemmenbuechse
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