Metrophonie
Stuttgarter Platz. Aus dem 4. Stock.
Autoreifen quietschen, gefolgt von einem blechernen Knall, in den sich die kreischenden Bremsen einer einfahrenden S-Bahn mischen. Danach kurz Stille. In der Ferne ist das hohe Surren einer S-Bahn zu hören. Immer lauter, kreischender, höher steigert sich das Quietschen der Bremsen, bis der Zug beim höchsten Ton zum Stehen kommt. Vor dem Bahnhofseingang steigt ein Passant von seinem Rad. Dicht über seinem Kopf rauschen die Schwingen einer Taube, die irritiert vom Knall umherschwirrt. Laute, aufgebrachte Stimmen aus Richtung Autoquietschen durchmischen die sich entfernenden Flügelschläge. Langsam setzt sich die S-Bahn wieder in Bewegung. Zunächst schwerfällig, dann schneller, höher und lauter werdend. Im nächsten Moment klingt ihr streichender Klang in der Ferne aus und wird von einem näher kommenden Martinshorn durchdrungen. Die Stimmen rufen, schimpfen und toben weiter. Sie scheinen gegen die herankommende Sirene anschreien zu wollen. Zusammen mit dem grellen Blaulicht wiegen sich beide Stimmen zum finalen Duett. Die Taube flattert mit hektischen Flügelschlägen hin und her. Eine weitere S-Bahn erreicht den Bahnhof. Flattern, Kreischen, Rufen und Heulen erhöhen sich gegenseitig, bauen aufeinander auf und durchschneiden die Luft. Dann verstummt das Martinshorn. Die Stimmen der Menschen beruhigen sich ein wenig. Am Bahnsteig reden und wuseln Menschen in und aus den Abteilen. Der Vogel hat sein Nest unterhalb des Bahnhofsdachs erreicht. Seinem Flügelschlag folgt ein beruhigtes Gurren. Langsam ertönen wieder die brummenden Motoren der Autos auf der Straße. Wie ein Meer aus Motoren rauscht es in der Ferne. Gleichmäßig und ruhig.





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