B.tina 30.11.-0001, 00:00 Uhr 116 57

Mein gemoppter Haushaltsentwurf

Herdschmerz und feuchte Wäsche ganz ohne Porno

In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Das eine hasst Haus- und Heimarbeit und das andere Unordnung und Unsauberkeit, was dazu führt, dass ich ununterbrochen, ungerne und allerhöchstens oberflächlich putze, aufräume, bügle, koche, häkle und so weiter, aber sofort.

Ich habe keine Ruhe, etwas im Detail ordentlich zu machen. In mir geistert eine gute Idee für einen Pulli, früher oder später schlampe ich aber in der Umsetzung, was dazu führt, dass kein noch so winziger Schrumpfkopf durch den von mir geklöppelten Kragen passt, dafür aber die Ärmel bis zu den Knien reichen. Genauso sieht es aus, wenn ich etwas nähe. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Ich habe ganze Baumwollplantagen auf dem Gewissen ...

Beim Kochen läuft das ähnlich. Ich schaffe es einfach nicht, nach Rezept zu brutzeln. Mir fehlt a.) grundsätzlich die Hälfte der angegebenen Zutaten, b.) kenne ich davon oft die Hälfte noch nicht einmal und c.) nervt es mich, beim Rühren zu lesen. Ich hole mir im Kochbuch im besten Fall Anregungen, kreiere etwas Eigenes, was auf dem Herd oder im Backofen vielleicht noch nach Essen aussieht, sich aufgetischt aber als eine für Mutti typische Einheitspampe entpuppt, wenn es nicht sogar ungenießbar oder gesundheitsgefährdend ist. 

Das passt zu meinem Beruf. Als Grafikerin kümmere ich mich einfach lieber ums Layout als um die Reinzeichnung. Da ich mich aber – dank eines abgeschlossenen Studiums – Diplom-Designerin nennen darf, könnte ich interessantmachenderweise meine missratene Layout-Lasagne, mit Recht und Fug „Designer-Lasagne“ betiteln. 

Mein Putzverhalten würde ich als „Wischen impossible“ bezeichnen. Ungefähr so: Ich könnte die Spülmaschine einschalten, gehe aber zuvor ins Zimmer meiner Tochter, da ich dort eine verknaste Kaffeetasse habe stehen sehen, welche noch mit in die Maschine gehört. Im Kinderzimmer fällt mir extremes Chaos ins Auge, was ich rigoros beseitige. Danach begebe ich mich ins benachbarte Bad, putze es auf die Schnelle und stelle fest, dass die Waschmaschine ausgeräumt werde muss. Um die nasse Wäsche aufzuhängen, trage ich sie in Richtung Balkon, durchs Schlafzimmer. Dort mache ich erst mal das Bett, bemerke nebenbei ein abgestandenes Weinglas, das ich zur Spülmaschine befördere, woraufhin ich diese in Gang setze. 

In der Küche finde ich den Nintendo DS 3D meiner Tochter, räume ihn in ihre Räumlichkeiten, wo mir auffällt, dass ich die olle Kaffeetasse vergessen habe, in die Spülmaschine zu räumen. War klar! Mir fällt die aufzuhängende Wäsche ein, auf dem Weg zum Balkon erspähe ich Schmierspuren: dreckige Fußabdrücke auf dem Boden. Die kann ich so nicht stehenlassen, will wischen. Bevor ich den Mopp schwinge, sollte ich erst saugen, sonst sind zu viele Krümel und Staubmäuse im Wischwasser. Also hole ich den Sauger aus der Abstellkammer, dort lagern auch Getränkevorräte. Von denen muss ich dringend was kalt stellen. Ich fülle den Kühlschrank auf, bemerke dabei verklebte Griffe und Verkrustungen im Innenbereich. Ich schalte und räume das Kühlgerät aus, reinige es, schlage das Eis im Tiefkühlfach mit dem Brotmesser ab. Abtau’n in Downtown. Beim Einräumen kontrolliere ich die Haltbarkeitsdaten der lebensmittelmäßigen Ladenhüter. Der Kühlschrank ist daraufhin nur noch halbvoll. Ich muss unbedingt einkaufen gehen.

Wieso steht eigentlich der Wischmopp hinter mir?

Ich fange an, die komplette Wohnung zu schrubben und bereue schnell, dass ich das Saugen vorher vergessen habe. Im Schlafzimmer fällt mir ein, dass ich die Wäsche noch nicht aufgehängt habe. Ich stelle den Wischer in die Ecke und gucke raus auf den Balkon. Dort sehe ich, dass die Balkonbepflanzung ihre Köpfchen hängen lässt. Schnell gießen. Ich hole eine viel zu kleine Gießkanne, wässere die Töpfchen, hole neues Wasser, begieße die Blümchen, hole wieder und wieder neues Wasser. Beim Wasserholen in der Küche registriere ich richtwertüberschreitenden Feinstaub auf einem Regal. Ich schnappe mir den Staubwedel und entstaube die ganze Bude. 

Im Schlafzimmer stehen mittlerweile wie bestellt und nicht angeholt: feuchte Wäsche und feuchter Wischer. Ich breche das Abstauben ab und wische weiter. Abschließend entsorge ich das dreckige Wischwasser in der Gästetoilette. Anschließend stelle ich Nudelwasser für einen Spaghetti-Entwurf auf den Herd, denn irgendwann kommt meine hungrige Brut nach Hause. Beim Ausziehen der Schuhe verwandelt die den Eingangsbereich in einen Sandkasten, was ich nicht leiden kann. Flugs schmeiße ich den Staubsauger an und sauge natürlich direkt noch das Wohnzimmer mit, wobei mein Blick ins Schlafzimmer fällt, wo immer noch die klamme Wäsche aufs Aufhängen wartet. Ich schalte den lärmenden Sauger aus und höre, wie in der Küche das Wasser zischend überkocht. Ich bringe den Herd noch während des Garprozesses auf Hochglanz, denn ich kann das von mir verkochte Gericht nur genießen, wenn die Küche in einem Tipp-Topp-Zustand ist.

Langsam breitet sich das wohlige Gefühl in mir aus, die Wohnung in einen oberflächlich betrachtet akzeptablen Zustand versetzt zu haben. Tja, so ist das, wenn man sonst keine Psychosen hat. I wish you what und stelle jetzt mal die Wäsche online.





Wischen impossible


Tags: Mopping
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116 Antworten

Kommentare

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    Ohhh, das ist ja ganz ohne Porno

    01.11.2014, 10:37 von SteveStitches
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  • 1

    ...typisch Betty, zum Piepen! ^^

    Zu blöd, kannste nicht mal auf FB melden wenn du mal wieder nen neuen Text hast? Du hast auch Fans die hier nicht mehr so oft rumhüpfen und nix mehr mitkriegen...

    20.08.2012, 21:11 von derHalbstarke
    • 0

      Okay ... Mach ich. Aber ich schreib ja nur sehr selten noch.

      20.08.2012, 21:33 von B.tina
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    • 1

      Hätte fast das Lied verlinkt ...

      12.06.2012, 16:54 von B.tina
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  • 1

    Sehr erleichternd zu wissen, dass ein gewisses Chaos auch ausgewachsenen Frauen mit Kindern zusteht :) In einem Bekanntenkreis mit PERFEKT organisierten Hausfrauen hab ich mich als chaotische Studentin schon als in ein paar Jahren hoffnungsloser Fall gesehen :D danke :3

    08.06.2012, 18:54 von psychowildlife
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  • 1

    Danke, so gehts mir auch. Dabei fand ich nicht nur "wischen impossible" sondern auch die "Designer Lasagne" und "Abtau’n in Downtown" einfach großartig!

    08.06.2012, 16:37 von thadeuspunkt
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  • 0

    Für 50€ steuerfrei bekommt man das von einer netten Frau aus Osteuropa erledigt, die sonst keine großen Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

    08.06.2012, 12:17 von Boahmaschine
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