Mein erster Cappuccino
Nein ? Dann wissen sie auch nicht die Qualität eines exzellent zubereiteten Cappuccinos zu schätzen.
Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Mal, als ich süchtig nach diesem cremigen, heißen, Etwas wurde.
Es war auf der Abschlussfahrt in Südtirol gewesen, am letzten Tag, so gegen 11 Uhr. Wir mussten die Zeit bis zur Abfahrt totschlagen. Ich hatte noch ein paar italienische Lira übrig und so ging ich hinüber in dieses Cafè. Ich war vorher noch nie in einem Cafè gewesen, aber das war die Abschlussfahrt und der Abschluß eines Lebensabschnittes.
Ich griff nach der alten und abgenutzten Türklinke. Schwer öffnete sich die Holztür. Ich betrat einen dunklen Raum. Nur spärlich traf Sonnenlicht durch die bunten Glasfenster auf die Bistro-Tische und Stühle. Es lag eine Geruch von altem Holz und Kaffeebohnen in der Luft. Noch war niemand weiteres im Cafè und so ging ich zur Theke. Beim Laufen ächzte der gebohnerte Holzfußboden unter mir. Da erblickte ich sie, groß und mächtig, wie aus purem Gold, thronte sie auf der Theke. Sie zog mich in ihren Bann. Ich erklomm den Barhocker direkt vor ihr. Mein Gesicht spiegelte sich im polierten Messing. Neugierig zeigte ich auf die Maschine. Der Mann hinter der Theke mit der schwarzen Weste und der weißen Schürze fragte: Cappuccino ? Und ich sagte einfach ja. Schon erwachte die goldene Maschine zu leben. Sorgfältig wurden Hebel umgelegt und Ventile geschlossen. Langsam brodelte es in dem Kessel und Dampf stieg aus der Maschine. Frischer Kaffeeduft durchzog das Cafè. Mit einem ebenfalls goldenen Kännchen wurde die Sahne aufgeschäumt. Die Maschine brodelte und ruckelte jetzt immer lauter. Mit einem lauten Pfiff ergoss sich der Inhalt des Dampfkessels in eine große weiße Tasse. Es roch jetzt noch stärker nach Kaffee. Sehr sorgfältig wurde die aufgeschäumte Sahne zugefügt. Auf dem Sahnehäubchen streute er etwas feine Schokolade. Nicht ohne einen gewissen Stolz schob mir der Kellner sein Cappuccino-Meisterwerk über die Theke. Vorsichtig stocherte ich zuerst mit dem Löffel in der Sahnehaube herum. Dann nahm ich die Tasse langsam in beide Hände und führte sie zum Mund. Fast tauchte ich meine Nase in die Sahnehaube. Ich kippte die Tasse leicht und dieses wunderbare Zaubergetränk berührte meine Zunge. Der Geschmack war einzigartig, heiß und aromatisch, ein Genuss für die Sinne. Jeden Schluck ließ ich auf der Zunge zergehen.
An diesem Tag verfiel ich dem Cappuccino. Aber so einen Cappuccino wie damals, an dessen Geschmack und Zubereitung ich mich jetzt noch, nach so langer Zeit, erinnern kann, habe ich nie mehr bekommen.
E N D E





Kommentare