laratamina 22.06.2012, 13:37 Uhr 15 3

Krisenland und Hirn verbrannt

Zu meinen Füßen im feinen, weißen Sand stecken Tamariskenzweigchen und Zigarettenstummel.

Es ist ein warmer Frühsommertag, die Zikaden zirpen und den größten Teil des Tages verbringt man am besten bei einer Siesta vor dem Ventilator. Und später, nachdem man genug vom Fernsehen, sozialen Netzwerken und anderen harmlosen Betäubungsmitteln hat, begibt man sich zum Strand.
Dort werden nicht viele Touristen sein, die Saison hat noch nicht wirklich begonnen. Und doch liegt der Geruch von Sonnencreme und Shisharauch aus den Strandbars in der Luft. Zu meinen Füßen im feinen, weißen Sand stecken 
Tamariskenzweigchen und Zigarettenstummel.
Neben mir liegt meine Freundin und liest. Links über uns stehen die Duschen, dort versucht eine junge Frau gerade ihren strampelnden Sohn 
abzuduschen. Von unserem Platz aus können wir hervorragend die Bar und die Toilettentür der Strandbar im Auge behalten. Rechts neben uns sind mehrere Liegen aufgetürmt und verbergen einen Großteil der Grüppchen die sich ebenfalls im Schatten der Tamarisken niedergelassen haben. Unterhalb von uns ergießt sich der restliche Strand, voll gesteckt mit bunten Sonnenschirmen und Liegen.
Das Geräusch, welches die Tennisbälle verursachen wenn sie von einem Holzschläger zum anderen geschleudert werden, lernt man bald 
auszublenden. Es ist zu allgegenwärtig, genauso wie das dumpfe "Paff-Paff" der Volleybälle auf den nackten Unterarmen.
Mit von der Sonne und dem Salzwasser ausgeblichenen Haaren, bräunlicher Haut, und ich übersät mit winzigen Sommersprossen, liegen ich und meine Freundin 
bäuchlings im Sand und unterhalten uns. Zu meinen dramatischen Teenagersorgen mischen sich zusätzlich diverse große und kleine Alltagsprobleme.
Das Moped muss neu versichert werden und ist (
ohh, welche Überraschung!) seit einem halben Jahr illegal auf den holprigen, griechischen Straßen unterwegs. Der Arbeitgeber des neuen Ferienjobs, sagt bedauernd "Es ist leider im Moment noch zu relaxed, völlig tote Hose. Ich hab ja deine Nummer, wir rufen an sobald wir dich brauchen." Die Wirkung dieser Worte wird mir erst jetzt richtig bewusst, obwohl alle sagen, es sei ziemlich still dieses Jahr. Es herrscht Flaute und genau in derartigen Zeiten, wo es kaum vorwärts geht, wünscht man sich die anstrengenden bisweilen, stressigen Wellen des Lebens zurück.
Die Krise hat so einiges eingebüßt. Auch die süßen 
Urlauberjungs, die einem auf freundliche Weise zu einer spontanen Bootsfahrt einluden, ohne dass, man sich selber großartig anstrengen musste. Hier in diesem ländlichen Fleck Griechenlands war die Krise nicht übermäßig zu spüren, auch wenn sie mindestens einmal am Tag von irgendjemandem erwähnt wurde. Hier und da hörte man eine schlimme Geschichte über Arbeitsplatzverlust und Rentenkürzung, aber es war lang nicht so schlimm wie in den größeren Städten. Obwohl es einem auch dort nicht sofort ins Auge sprang, die Griechen waren ein stolzes Volk.
Über solche Dinge dachte ich nach, nachdem ich meine Freundin nach Hause gebracht hatte und die Straße wieder in Richtung Meer hinab fuhr.
Während ich das Panorama genoss, das sich mir bot, dachte ich unweigerlich an 
Didos Lied "It's not so bad".
Die Olivenbäume und Zypressen auf dem felsigen, von Büschen und 
goldfarbenen Gräsern bedeckten Hügeln, dazwischen Steinhäuser, die großteils als Touristenunterkünfte dienen. Über allem der Himmel, von Morgens früh, bis zum feurigen Abendrot klar und blau. Der Himmel, der sich dann in eine dunkle Sternendecke verwandelt, unter der es sich vorzüglich schlafen lässt. Und schließlich das Meer, das für sich selbst spricht, dem man keine bestimmte Eigenschafft oder Farbe zuordnen kann. Es ist in jedem meiner Träume vorhanden, ob es nun eine wesentliche oder eine unwesentliche Rolle spielt.
Kein Wunder, dass sich in dieser Gegend auch Plagen wie Moskitos, Waldbrände und die Finanzkrise wohl fühlen. Lebe ich im Paradies oder in der Hölle? Wie immer liegt es im Blickwinkel des Betrachters. Von einem bin ich jedenfalls überzeugt: Das Gute ist nicht das Gegenteil vom Bösen, sondern sein Gegenstück oder vielmehr die Ergänzung. Ohne das eine gäbe es das andere gar nicht erst. Und sie haben eines gemeinsam, beide erscheinen oft völlig unerwartet.


Tags: Griechenland, Finanzkrise, Paradies
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15 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Startseitenreif, definitiv!!!   Äh. Hallo?

    22.06.2012, 23:42 von Die.sass.da
    • 1

      Hach, Desaster :) Ich mag es, wenn Du vorgehst und alles schon klar machst ;-)

      23.06.2012, 00:25 von Mrs.McH
    • 0

      Wenn Elias das schon nicht macht... :D

      23.06.2012, 10:02 von Die.sass.da
    • 1

      Na, wenn der das macht, verschwinden die Texte manchmal schneller als man Piep sagen kann :)

      23.06.2012, 11:07 von Mrs.McH
    • 0

      Hahaha. Allerdings!

      23.06.2012, 11:08 von Die.sass.da
    • 0

      ...laaaaangweilig, bringt ihr keine vernünftige Kritik zustande?

      25.06.2012, 12:38 von laratamina
    • 1

      Doch bei vernünftigen Texten schon ;-) Nein, ernsthaft jetzt: ich habe keine Kritik, der Text steht für sich und stellt eine Meinung dar und ist eine Beschreibung. Dazu kann ich nix sagen und ich habe vielleicht eine andere Meinung, von der ich sehr wahrscheinlich nicht abweiche, von daher enthielt ich mich.

      25.06.2012, 22:17 von Mrs.McH
    • 0

      Auch recht :P

      26.06.2012, 11:33 von laratamina
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  • 0

    Ich kann die brennende Hitze und das schon fast unnatürliche Glück fast spüren, das unserer wunderbarer und total unentbehrlicher Strand immer übermittelt. Ich freu mich, ganz bald wieder zurück ins Paradies zufahren, meiner Meinung nach, ist dieses provinz Kaff am Arsch der Welt nähmlich das Paradies schlecht hin, auch wenn die UFO´s für -fast alle- ausgegangen sind dieses Jahr!
    Ich liebe euch und Griechenland <3

    22.06.2012, 14:41 von Lealine
    • 1

      Vielen Dank! Das ist so treffend formuliert! Komm bald wieder :*

      22.06.2012, 14:44 von laratamina
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  • 0

    Bei solchen Themen verhebt man sich leicht. Banal.

    22.06.2012, 14:41 von EliasRafael
    • 0

      Danke für die Einschätzung, komm doch einfach Mal hierher und mach dir dein eigenes Bild...

      22.06.2012, 14:46 von laratamina
    • 0

      ja, EliasRafael, und dann bitte HIER posten, damit wir alle was von haben :)

      23.06.2012, 11:07 von Mrs.McH
    • 1

      Ich finde eher, das man sich bei 90% der anderen Artikel, hier auf Neon die um Sex und rauchen gehen sehr leicht verhebt...

      24.06.2012, 12:10 von Sofmof
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  • 1

    Startseitenreif, definitiv!!!


    Links über uns stehen die Duschen, dort versucht eine junge Frau gerade ihren strampelnden Sohn abzuduschen.

    Mag ich!!!!

    22.06.2012, 14:21 von Sofmof
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