zwanzig.wolken.kratzer 23.03.2018, 13:31 Uhr 0 0

Klinsch aufm Dorf

Ein Text zur summertime madness

An einem warmen, ja eigentlich schon heißen Tag, an dem zum Glück auch die Welt so warmherzig war, ihr wenig Aufgaben zukommen zu lassen, lag Molly auf der sonnengetränkten Terrasse & döste. Sie hatte es sich auf einer dicken Patchworkdecke in allen möglichen Rottönen gemütlich gemacht, hielt die Augen geschlossen & lauschte den lauten Geräuschen der Vögel, die von einem Baum zum anderen flogen, Nester bauten und Beziehungen klarstellten. Gerade kam ihr in den Sinn, dass diese Vögel immer ein wenig angriffslustig und aufgeregt klangen, ja so als warteten sie geradewegs darauf, dass jemand auf sie zugeht & sie beruhigt, ihnen erklärt, dass der Garten für andere ein Ruheort darstellt, ein Ort zum Schlafen & Entspannen. Doch Molly erschien es sogar schon zu anstrengend, auch nur diesen Gedanken  zu Ende zu führen; sie schweifte lieber ab & ließ die Sonne ihre Arbeit machen. So lange schon hatten die Strahlen nicht so schön ihre dunklen Haare gewärmt, oder mit beinahe brachialer Kraft in ihre Augen geleuchtet, sodass sie sogar hinter den geschlossenen Lidern noch weißes und rotes Licht wahrnahm. Das machte sie so träge, Molly wäre beinahe eingeschlafen, als Carlos auf die Terrasse kam. ,,Na, Mäuschen, du hast dir wieder den besten Platz ausgesucht, was?!", fragte er mit einer so lauten & unangenehmen Stimme, dass Molly leicht seufzte &  sich tatsächlich die Mühe machte ein Auge zu öffnen, um ihn vorwurfsvoll anzusehen. ,,Machst du mal ein bisschen Platz, damit ich auch auf die Decke kann?" - schon während er das fragte, drängte sich Carlos auf eine freie Ecke & versuchte es sich so bequem wie möglich zu machen, indem er sich lang ausstreckte und seinen Hals komisch verdrehte, um den Kopf auf eine andere Ecke legen zu können. ,,Hmm", knurrte Molly, die sich von ihm eingeengt fühlte, obwohl sie objektiv gesehen noch sehr viel Platz hatte - er erkennt oft nicht, wo meine Komfortzone liegt, dachte sie genervt. Doch sie blieb trotzdem liegen - zu schön war dieser Platz, an dem sie schon so mancher fantastischer Tagtraum verfolgte. Auch Carlos lag für eine Weile ruhig da, sodass die Gedankenwelt für Molly wieder ihren gewohnten Gang gehen konnte. Doch sie konnte nicht ganz abschalten, jede seiner Bewegungen schickte einen ganz geringen, kühlen Luftzug in ihre Richtung & ließ sie kurz erschaudern und die Wärme der Sonne vergessen. ,,Was willst du denn hier? Gönnst du mir nie einen schönen Platz für mich alleine?", dachte sie - doch scheinbar hatte sie diese Worte nicht nur gedacht, sondern auch ausgesprochen! Carlos schnaubte verächtlich. ,,Tzz, ich habe dir alles gegönnt - bis du mir nichts mehr gegönnt hast!" Molly schaute ihn bissig an, doch Carlos machte einfach weiter: ,,Du wirst von allen gemocht, tagein, tagaus schwärmen alle von dir - doch wenn die wüssten, wie du dich benimmst, wie sehr du denkst, dass dir das alles zusteht - nur das beste Essen, das schönste Zimmer, die ganze Aufmerksamkeit von allen Typen aus der Nachbarschaft! Es ist eklig, mitanzusehen, wie du dich bei allen beliebt machst, wenn es dir gerade in den Kram passt - alle anderen sind dir doch egal, hauptsache, du hast alles, was du willst! Wenn die wüssten, wie du wirklich, bist, dann.." ,,Sei still!!", fauchte Molly, ,,lass mich in Ruhe! Du hast meinen Nachmittag versaut, vielen Dank!" Sie sprang von der Decke auf, schaute ihn noch einmal strafend an & lief dann durch die Tür ins Haus, geradewegs auf ihren Fressnapf zu. Er war leer. Da, siehst du, du hast Unrecht - ich habe nicht immer alles!, dachte sie & ging langsam durch das Zimmer, bis sie ein Bein fand, das sie schnurrend umgarnen konnte.

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