Ich steh auf liegenbleiben.
Warum mein Name Programm ist.
Wahrscheinlich war ich in meinem letzten Leben Hamster. In meinem tiefsten Inneren bin ich nachtaktiv. Wobei ich mich frage, ob man als Hamster besonders gut oder böse gewesen sein muss, um als Mensch wiedergeboren zu werden? Mein perfekter Rhythmus wäre jedenfalls: zwischen 1 und 2 Uhr ins Bett gehen und dann bis 10 oder 11 Uhr schlafen.
Leider gab es in meinem Leben noch keine Phase, in der ich mich diesem Rhythmus entspannt hingeben konnte. Schule, Studium, Arbeit, Kinder. Dafür muss man einfach früher aufstehen und sich vernünftigerweise auch eher hinlegen.
Jeden Morgen, von montags bis freitags, klingelt der Wecker um kurz vor 7 Uhr und ich bereue, dass ich mich am Abend vorher nicht rechtzeitig ins Bett begeben habe. Der Impuls aufzustehen, lässt gerne auf sich warten, was nicht sein darf, da ich Schutzbefohlene wecken und in die Schule jagen muss. Noch in der Horizontalen liegend halte ich mich an dem Gedanken aufrecht, mich wieder hinzulegen, wenn die Brut aus dem Haus ist, was ich allerdings nie mache, da mich auch meine Arbeit ruft.
Nachmittags - gegen 16 Uhr - falle ich in ein totales Müdigkeitsloch. Dort nehme ich mir vor, abends auf jeden Fall zu einer christlichen Zeit in die Falle zu tappen. Haue ich mich in dem Zustand mittäglicher Umnachtung aufs Sofa, wuselt sofort mindestens ein Kind um mich herum und verhindert mütterliches Einschlummern. Gedenke ich, tatsächlich vorsätzlich einen Mittagsschlaf zu vollziehen, muss ich mich auf den harten Boden legen. Denn erst wenn man auf der Erde liegt, legt sich keiner mehr zu einem. Im Ernst. Ich habe schon oft auf kratzigem Sisal gelegen und bin ungestört eingenickt. Man kann ja ganz schnell, ganz tief versinken. Hach, tut das gut.
Und dann erklingt: "Mama, der Opa ist am Telefon!", "Mama, darf ich was Süßes?" "Mama, ich brauche neue Fußballschuhe!" Mama hier, Mama da. Ich nehme diese Worte zunächst nur schemenhaft wahr, wie durch dichten Nebel oder einen langen Tunnel dringen sie zu mir. Manchmal meine ich auch zu antworten. Dem ist aber angeblich nicht so. Außer letztens. Da lag ich mal wieder irgendwo in der Wohnung herum und meine Tochter gähnte lauthals in meiner Nähe. Woraufhin ich gesagt haben soll: "Du sprichst mir aus der Seele."
Nun denn. Die Intensität der Plärrerei holt mich immer flugs auf den Boden der Tatsachen zurück und macht mich glockenwach, was gut ist, denn nur Minuten-Schläfchen sind effektiv. Zu lange pennen ist kontraproduktiv, dann gestaltet sich der Resttag bräsig.
Wenn er dann da ist, der ersehnte Abend, alle Mitbewohner schlafen, ich noch in den letzten hauswirtschaftlichen Zügen liege, dann kommt's: Ich erreiche meinen biorhythmischen Höhepunkt. Gegen 22 Uhr, praktischerweise gerade rechtzeitig zu meinem Feierabend, bin ich urplötzlich quietschfidel. Wieso sollte ich dann in die Koje? Alle guten Vorsätze werden über Bord geworfen und ich mache es mir vorm Fernseher, Rechner oder auf dem Balkon gemütlich. Meistens kriege ich dann sogar noch Appetit, den ich selbstverständlich stille.
Und ich denke mir allabendlich, dass es okay ist, unfrüh ins Bett zu gehen, schließlich schaffe ich es doch jeden Morgen rechtzeitig aus den Federn! Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um kurz vor 7 Uhr und ich bereue, dass ich mich am Abend vorher nicht rechtzeitig ins Bett begeben habe. Ewig grüßt das Murmeltier...
Samstags und sonntags lasse ich mich dann endlich gehen, bzw. liegen. Wer als Erster aufsteht, hat verloren. Ha! Das bin ich nie. Es gibt doch nichts Schöneres als sich immer wieder umzudrehen und weiterzudösen. So gleiche ich das angestaute Schlafdefizit der vergangenen Woche aus und es ist mir auch komplett wurscht, ob Kinder auf mir herumturnen. Mama schnarcht weiter, bis der Frühstückstisch gedeckt ist, Kaffee duftet und der Sohn frische Brötchen beim Bäcker geholt hat.
Das klingt nach fauler Mutter? Da lächle ich nur müde und sage: liegen und liegen lassen.



Kommentare
"Du sprichst mir aus der Seele."
25.04.2012, 20:26 von PredacoMir auch. :D
"Es gibt doch nichts Schöneres als sich immer wieder umzudrehen und weiterzudösen."
02.03.2012, 10:19 von Danny0511So true! Schöner Text.
mag ich sehr - super geschrieben! und ich habe gehofft, sowas legt sich spätestens, wenn man kinder hat ;)
16.12.2011, 20:24 von fritiertes.monchichiich liebe den satz noch immer!
25.10.2011, 21:23 von der_muellerach wie gut! herrlich!
13.05.2011, 13:19 von PlasticMonsterwenn ich am wochenende arbeiten musste, dann hab ich dieses triumphierende gefühl, wenn ich mich unter der woche einfach mal um elf wieder in die falle haue. draußen der fette verkehrs-riot und alle in ihren büros. nur ich, ich darf dann machen, was ich will. super!
13.05.2011, 11:21 von lavishEs gibt übrigens ein schönes Buch für Leute wie uns: "Anleitung zum Müßiggang". Darin steht zum Beispiel, warum Leute, wohnhaft in Südeuropa, es besser haben als wir: weil die nämlich abends so lange aufbleiben können, wie sie wollen, haben sie doch die Gewissheit, dass sie sich am nächsten Tag während der Siesta schön ausruhen können. (Anmerkung eines Spielverderbers dazu: "Ja, aber diese Länder sind auch hochverschuldet.")
12.05.2011, 18:51 von LenulitschkaOh man, mir geht's ganz genauso! Abends bin ich immer putzmunter, während alles um mich herum mit den Augen plinkert. Hausarbeiten hab ich grundsätzlich am späten Abend oder in der Nacht geschrieben. Das komische ist: wenn ich um zwei ins Bett gehe und um neun aufstehe, bin ich trotz gleicher Schlafstundenzahl um einiges ausgeruhter, als wenn ich um elf ins Bett gehe und um sechs aufstehe.
12.05.2011, 18:48 von LenulitschkaAber zur Zeit ist ja sowieso alles durcheinander: Abends um elf/zwölf hinlegen, morgens um fünf wach, wenn Baby dann gefüttert und gewickelt, selber viel zu munter um gleich weiter zu pennen, um sieben doch wieder eingenickt, um neun ein weiteres Mal geweckt und dann RICHTIG knülle. Und kalt ist mir dann auch immer.
@Lenulitschka Schlafmangel durch Baby ... Ich erinnere mich. Zum Glück hatten meine einen einigermaßenen Rhythmus. Ganz schlimm: Wenn man gerade so ein bis zwei Stündchen geschlafen hat und dann geweckt wird. So aus dem Tiefschlaf. Grauenhaft!
12.05.2011, 19:05 von B.tinaUnd morgens das erste Stillen, habe ich ja grundsätzlich im Bett zelebriert und bin dann dabei nebst Säugling wieder eingeschlummert.
@B.tina Ja, das mit dem Rhythmus läuft immerhin schon etwas. Nachts sieben Stunden durchschlafen ist schon ganz gut, finde ich, vor allem wenn ich höre, dass es Babys gibt, die bis zum neunten Monat nachts alle drei Stunden wach werden.
12.05.2011, 20:06 von LenulitschkaUnd ich bleib morgens auch immer mit ihr im Bett liegen. Zumindest ging das noch ganz gut, als sie noch nachts um drei wach wurde. Aber jetzt drückt sie meistens gleich nachm Trinken in die Windel, da MUSS man ja dann leider aufstehen. :-/
Das hat mich munter gemacht. Sehr schön. :)
12.05.2011, 18:08 von Tiger.Enteich kann das voll nach vollziehen bis auf das ich keine kinder habe aber dafür eine super aktive hündin die will halt auch beschäftigt werden wenn ich von der arbeit heim komme. dann erst komme ich, essen kochen und alles andere was so vom vortag liegen geblieben ist. und mein wecker läutet schon um 5:15!
12.05.2011, 16:31 von wat