coronaria 10.02.2010, 10:13 Uhr 40 13

Ich habe dich nicht geliebt, weil du reich bist.

Seit ich dich kenne, hast du mir das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Bei unserer ersten Begegnung war es nur ein Blick.

So faszinierend wie durch deine Augen habe ich mich nie gefühlt. Vorher nie und danach nie wieder.

Ich habe es nicht ernst genommen. Ich war fast halb so alt wie du. Und vergeben. Du warst der Boss. Ich zum Glück nicht angestellt. Habe trotzdem für dich gearbeitet. Manchmal. Meist hast du mich vom Arbeiten abgehalten.

Ich war geschmeichelt durch deine Aufmerksamkeit. Du warst mächtig. Reich. Faszinierend. Spannend. Es war nicht meine Welt und ausgeschlossen, dass es mehr sein würde. Wir waren fern voneinander. Auch räumlich. Wir haben uns zweimal im Jahr gesehen. Irgendwann hast du angefangen, mir Emails zu schreiben. Mich auf Feste eingeladen. Du hast mich gefragt, warum ich glücklich bin. Ich habe erkannt, dass du es auch gern wärst. Das hat mich fasziniert. Deine Macht. Dein Geld. Deine Möglichkeit, alles zu kaufen. Außer Glück. Außer mich. Deine Mischung aus Selbstsicherheit nach Außen und Unsicherheit mir gegenüber.

Irgendwann diese Nacht. Nach einem Sommerfest. Ausgelassen. Schön. Nah. Wir saßen nebeneinander. Es knisterte. Du warst so unglaublich anziehend in deiner Unsicherheit. Du hast gezittert, als du näher kamst. Den Kuss werde ich nie vergessen.

Mehr passierte nicht. Ich war vergeben. Ich fuhr nach Hause. Und trennte mich von meinem Freund. Für die Trennung warst du nur der Auslöser. Nicht der Grund. Aber was war der Grund, der dich zum Auslöser werden ließ? Dass du süß warst? Nett warst? Aufgeregt und unsicher warst? Ja, sicher. Wichtiger aber war dein Geld.

Ich habe früh gelernt, dass man Menschen nicht wegen Ihres Geldes, sondern wegen ihrer inneren Werte lieben soll. So wie ich früh gelernt habe, dass ein Hauptgrund für Sorgen von Erwachsenen fehlendes Geld ist. Dass viel arbeiten keine Lösung ist. Ich habe mir früh gewünscht, einmal einen netten Mann zu heiraten. Mit viel Geld.

Ich habe gelernt, dass dieser Wunsch nicht nett ist. Da ich nett sein wollte, habe ich behauptet, dass mir das Geld egal ist. Und habe gelernt, selbst daran zu glauben.

Ich habe nette Männer kennengelernt. Mit wenig Geld. Ich habe sie geliebt. Eine Zeit. Ich habe reiche Männer kennengelernt. Ich habe mich beeindrucken lassen. Von Dachterrassen, teurer Kleidung, teuren Partys, teuren Autos. Nie von den arroganten Männern.

Du warst anders. Reich und nett. Ein Leben mit dir glänzte sorgenfrei. Ich wollte dich nicht wegen des Glanz des Geldes. Nicht wegen der Dächer, Feste, Shoppingtouren oder Autos. Aber wegen des Glanzes der Sorglosigkeit. Wegen des Wissens, mit einem Millionär an meiner Seite müsste ich mir keine Gedanken um Arbeitslosigkeit machen. Keine Sorgen, ob ich mal eine Familie ernähren kann. Mich nicht fragen, ob ich meine Eltern unterstützen kann, wenn sie mich brauchen. Dieses Leben wäre leicht.

Am nächsten Wochenende bin ich wieder gekommen. Und blieb. Für dieses Wochenende und die folgenden. Wir hatten Spaß zusammen. Es war schön, dein Gästehaus einzurichten. Im Club vom Türsteher per Handschlag begrüßt zu werden. Die Kellnerin bei 20? Trinkgeld strahlen zu sehen. Die 100 km zum Konzert in der nächsten Stadt mit dem Taxi zu fahren. Mich in deinem großen Haus wie ein Kind im verwunschenen Schloss zu fühlen. Ein Bad für mich zu haben. Es war auch schön, mit dir essen zu gehen. In Restaurants, die ich mir sonst nicht leisten konnte.

Aber schöner als das war es, gemeinsam zu kochen. Zu lachen, zu reden. Mit dir über Wiesen zu laufen, deinen Hund zu erziehen, zu schlafen.

Taxis und Restaurants waren ungewohnter Luxus. Angenehm. Und unangenehm. Das blöde Gefühl. Das Gefühl, dich bezahlen zu lassen. Als Studentin hatte ich kein Geld. Ich mochte meine WG, Nudeln mit Tomatensauce und den öffentlichen Nahverkehr. Du mochtest Platz, Trüffel und Taxis. Du mochtest es besser. Besser gewinnt. Was ich für die Zugfahrten zu dir bezahlt habe, habe ich in der nächsten Woche am Essen gespart. Du wirst es nicht gemerkt haben. Du wirst vielleicht gemerkt haben, dass du fast immer bezahlt hast. Bestimmt hast du nicht gemerkt, wie blöd ich mich dabei gefühlt habe. In meiner Erinnerung festgefroren, der Moment, als ich mir so fest vorgenommen habe, mal das Essen zu bezahlen und dann mein Portemonnaie nicht dabei hatte. Du wirst auch das nicht gemerkt haben und hast wie immer wie selbstverständlich bezahlt. Ich habe mich schlecht gefühlt.

Ich habe mich oft schlecht gefühlt. Wenn ich meine Gedanken nicht aussprechen konnte, wie ich es sonst immer tue, weil ich Angst hatte, dass du mich nicht verstehst. Dass du meine Gedanken über Geld nicht nachvollziehen kannst. Weil du nicht darüber nachdenkst. Ich habe mich schlecht gefühlt, wenn wir Freunde von dir getroffen haben und ich in ihren Augen gesehen habe, was ich für sie war. Zu jung. Nicht ernst zu nehmen. Ich habe mich mit ihnen verstanden, irgendwie. Aber sie waren nicht meine Welt, deine Richter, Spekulanten und Politiker. Haben sie geglaubt, ich wäre hinter deinem Geld her? Hätten sie unrecht gehabt?

Ich mochte dich wirklich.

Aber immer öfter gab es Momente, in denen ich dich nicht mochte. In denen du erzählt hast, wie du jemandem gekündigt hast, wie du deine Mitarbeiter ausspioniert und den Konkurrenten ausgetrickst hast. Das warst nicht du. Nicht so, wie ich dich kannte. Oder kennen wollte? Das warst wohl mehr du, als ich wusste. Aber ahnte. Ich ahnte böses. Und wurde bestätigt. Durch Kleinigkeiten. Kleinigkeiten wie fehlende Zeit, die sich einschlich und festbiss.

Dein Job war dir wichtiger als ich. Was ich verstehen konnte. Aber nicht akzeptieren. Als die Verliebtheit verschwand, blieb nichts. Keine Liebe. Also trennte ich mich.

Es war erleichternd.

Ein Jahr später sehen wir uns wieder. Du hast eine Party veranstaltet. In meiner Stadt. Wir stehen nachts auf der Dachterrasse der Präsidentensuite und blicken über ein Lichtermeer. Deinem Versuch mich zu küssen weiche ich aus. Bin froh, dass du das akzeptierst. Auch akzeptierst, dass ich mit jemand anderem glücklich bin. Froh, dass wir uns noch verstehen. Froh, dass du akzeptierst, dass ich wieder in meiner Welt bin. Nur zu Besuch in deiner. Froh, dass du so nett bist, wie am Anfang.

"Es war gut, dass wir uns getrennt haben", sagst du in die Stille hinein. "Wir haben nicht zusammengepasst". Ich lächele leise, zustimmend. Froh über deine Einsicht und dass wir jetzt so verstehend nebeneinander stehen. Dann sagst du: "Sexuell warst du ja auch sehr unerfahren".

Ein Hieb unter die Gürtellinie. Der mich treffen soll. Weil du die Kontrolle haben musst? Doch nicht akzeptieren kannst, dass ich die Entscheidungen getroffen habe? Weil du mächtig bist und reich und ich glücklich, ohne dich. Es trifft mich. Leicht. Was erwartest du? Dass ich widerspreche? Das tue ich nicht. Ich war unerfahren. Ich war unschuldig. Jetzt bin ich es nicht mehr. "Danke" sage ich. Es ist mir egal, wie du das verstehst.

Ich habe dich nicht geliebt. Weil du reich bist.

13

Diesen Text mochten auch

40 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Sehr gut rübergebracht.
    Das Ende rundet den Anfang perfekt ab.

    22.05.2011, 19:26 von topfbluemchen
    • Kommentar schreiben
  • 0

    es ist wunderbar geschrieben!
    ich habe mich vorallem über die ironie am schluss gefreut: er spricht von unerfahrenheit und ist doch im selben moment derjenige, der ziemlich unerfahren mit der situation umgeht...

    10.08.2010, 18:49 von eela
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Heißt es, ich habe dich genau aus dem Grund nicht geliebt, WEIL du reich bist! Oder; ich habe dich geliebt, aber nicht weil du reich bist!?

    29.07.2010, 00:18 von tabulara
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    wow. schon lange her dass mich ein neon-artikel so getriggert hat. thx. toll geschrieben

    15.02.2010, 10:54 von Changi
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Grandios.

    ... die Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Nur, dass ich wohl am Ende das Geld noch mehr geliebt habe, als den Menschen. Die Erkenntnis ist die selbe: Es war und ist nicht meine Welt und wenn ich mal wieder zu Besuch bin, zur Afterparty bei Kaviar und Champagner, dann bin ich regelrecht glücklich, kein Teil mehr zu sein und vielmehr noch - nie wieder ein Teil sein zu WOLLEN.

    Schöner Text. Schöne Selbstreflexion deinerseits. Bravo.

    13.02.2010, 08:19 von polyIntoxikation
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Der letzte Satz ist wirklich sehr gelungen und die Story an sich finde ich jetzt nicht sooooooo schlecht gelungen.

    Was ich aber grad um Längen amüsanter finde, sind die zum Teil absolut unlogischen Kommentare, die mangelnde korrekte Rechtschreibung vieler Kritiker und das die Hauptdiskussion von einer Person ausgeht, die mal so gar keine Ahnung von Leerzeichen zwischen einzelner Wörter, der Rechtschreibung, geschweige denn der korrekten Benutzung von Fremdwörtern hat und gern mal ein "äh" einschiebt.

    Wirklich ganz großes Kino :-D

    12.02.2010, 19:49 von Fishli
    • 0

      @Fishli ....bei mir hat sich wohl auch der ein oder andere Fehler eingeschlichen. Da seht ihr mal, wozu ihr mich treibt!!!!! ^^

      12.02.2010, 19:51 von Fishli
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    michael ammer hat nunmal einen charme, dem nicht jede gewachsen ist..

    11.02.2010, 11:29 von Kocmonabt
    • Kommentar schreiben
  • 0

    gefällt. ich kann da gut mitfühlen. nicht weil ichs kenne, wegen deinem text, den beschreibungen und beispielen.

    10.02.2010, 23:11 von anna_stereo
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Februar 2012

Neueste Artikel-Kommentare