NEON 10.08.2012, 16:10 Uhr 0 0

"Ich bin ein Mathe-Depp"

Unser Autor stellt sich seinem Jugendtrauma - der Mathematikprüfung.




In einem Besprechungszimmer empfängt mich Frances Bühn, eine junge Lerntherapeutin mit geschult beruhigender Stimme. Ich bin trotzdem nervös. Einen passenden Dyskalkulietest für Erwachsene gibt es nicht, also machen wir einen für Zweit- bis Sechstklässler. Ich muss Zahlen auf dem Zahlenstrahl zeigen. Ich muss abschätzen, wie viele Hunde auf einem Bild zu sehen sind - "zehn?". Ich muss Fragen beantworten wie: "Wenn du dreißig Buntstifte in deiner Federmappe hast, ist das viel oder wenig?" "Viel!", sage ich, und Frances Bühn nickt ermunternd. "Läuft", denke ich. Doch dann: Kopfrechnen, Bühn greift nach einer Stoppuhr.

Stoppuhr? Mir wird war. 6 plus 24 löse ich noch in fünf Sekunden. Bei 57 plus 35 fange ich an zu schwitzen. Nach zehn Sekunden wird es mir zu peinlich. "82!" rufe ich. Falsch. Für 630 durch 9 brauche ich über eine halbe Minute. Und 6 mal 17 ist nicht 92. Es ist erschreckend. Ich würde jetzt gern aus der Praxis rennen. Frances Bühn nickt dagegen an.

(Wie sich unser Autor Lars Gaede neben der fünfzehnjährigen Sandra in der Prüfung zum qualifizierenden Abschluss geschlagen hat, lest ihr in Ausgabe 09 der NEON)

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