derHalbstarke 28.12.2012, 04:20 Uhr 5 23

Hinterhofgerammel

Von buntem Kübelgestrüpp, Lauschvoyeuren, akrobatischer Beweglichkeit und der leidigen Sache mit der Geilheit. Oder so.

Da gibt es bei uns schräg gegenüber im Hinterhofgebäude gewisse Nachbarn. Genauer gesagt, ein gewisses junge Nachbarpärchen, das nächtens ab und zu und unverschämt öfter bei gewissen indiskutablen Aktionen das Schlafzimmerfenster sperrangelweit offen stehen lässt und welches dazu beiträgt, dass der unschuldige Nachbarskreis ein jedes Mal der erstaunlichen und recht bitteren Tatsache gewahr wird, nämlich jener, dass nicht nur Karnickel wie die Karnickel rammeln können und manch einer aus dem Kreis der Nachbarn allzu gerne wüsste, wie Karnickeln doch gleich noch mal geschrieben wird und dies grün vor Neid, versteht sich.

Oder anders, kurz, knapp und mit einer nicht minderen Bitterkeit innewohnend auf den Punkt gebracht: die Ferkels rammeln was ihre verferkelte Kondition hergibt und das jede Nacht und länger als unsereins das „Ave Maria“ mit dem guten alten Teekessel von Oma pfeifen kann, Gott hab sie selig, die Gute. Aber zurück zu der Sache mit den Karnickeln und dem Neid.

Da steht man nun als kleiner Lauschvoyeur neuerdings den ein oder anderen Abend zwischen allerlei buntem Kübelgestrüpp drapiert auf dem heimischen Balkon und das natürlich nur, weil man ne Fluppe in die frische Luft qualmen will – und es ehrlicher Weise beiseite gefluppt kaum abwarten kann, dass das ludrige Fräulein Nachbarin erleichtert kreischend von röhrend begleitenden Siegeslauten und verbalen Anfeuerungen des spritzig lümmelnden Herrn Nachbarn in den durchgesabberten Zipfel des Kissens beißt, während unsereins sich mit einem gewissen wehmütigem gar nostalgischem Lendenziehen an Dinge erinnert, die einem von K über arnickel bis n dereinst auch den ein bis anderen Jauchzer entlockt hatte, ohne buntem Balkongestrüpp aber dafür ziemlich jauchzend. Allerdings auch mit der prägenden Gewissheit, dass einem nicht zu allem passende Worte einfallen müssen und beim gemeinsamen Hoppeln schon mal gar nicht, aber deshalb heißen Erfahrungen ja auch Erfahrungen, weil man etwas erfährt, auch wenn man’s eigentlich nicht erfahren wollte.

Holen wir nicht weiter aus und kommen zum Punkt, nämlich der Sache mit dem tonalen nach Worten ringenden Sex. Man war sich damals einig, no Breakfast but Sex and nothing else but Sex und scharf bis experimentierfreudig wie es nun mal mit dem Sex ohne Brötchen und Aufschnitt plus einem Klacks Marmelade nebst Getränk am nächsten Morgen sein kann, wurde das ein und besonders das andere von Sinnen krächzend ausprobiert – hier verzückt hechelnd oder dort rammelig kichernd, dieses oder jenes je nach durchführbarer oder nicht durchführbarer Aktion durchgeturnt und selbstverständlich immer darauf bedacht, seinen Gegenpart lustig ins verquiekte Jauchzen zu verlustieren. Aber wie das bei so nem lockerem Karnickelverhältnis sein kann, ist schnell mal das Stroh durchgerubbelt und Neues muss her. Blöd nur, wenn das neue Stroh irgendwie unangenehm am Hintern piekt und man geneigt ist, selbigen schnellstens aus der Affäre zu ziehen. Wenn da nicht die dumme Sache mit der Geilheit wäre.

Zunächst war erstaunlicherweise im ständigen Gehechel und Geturne gar nicht so recht aufgefallen, dass das aktuelle Lustobjekt auf verbale Schweinereien stand. Das ludrige Ding wollte nicht nur ordentlich durchgeschweinderlt werden, nein, derb grunzende Beschimpfungen sollten es zudem sein – da gerät man schnell in schwitzende Bedrängnis, denn es ist schon recht anstrengend, sich beim Rammeln fast den Rücken zu verrenken und gleichzeitig auch noch Sauereien aufsagen zu müssen und es klingt schon mal seltsam, vollmundig an einem der Weichteile seines Betthupferls zu hängen und gleichzeitig versucht, anfeuernde „…ifff fffick fich furch fiffe freiffst!“ Parolen einigermaßen verständlich und überzeugend auszustoßen. Geradezu unverstanden kommt man sich auf Dauer dabei vor, zumal man ja nicht mit vollem Mund sprechen sollte. Hat Mutti gesagt.

Und überhaupt, bedenklich wird’s spätestens dann, wenn die Hundenummer zwar fesch kommt, sich das Besteigungsgut ferkelchenquiekend und auf allen Vieren ins Laken krallt und man brav und inbrünstig wie geheißen den strammen Eber gibt – dabei schön streng Zotiges röhrt und seine kleine versaute aber durchaus unschuldige Welt ach du Schreck in Hascherl stecken bleibt – weil im Raum plötzlich mehrere Polizisten stehen – und dies hektisch mit ihren Waffen wedelnd und im Chor „Hände hoch!“ brüllend. Kein Wunder, ließ doch das mörderische Gekreische Unbeteiligte auf eine ganz andere Art von Angriff auf Leib und Seele schließen und den besorgten Nachbarn sei gedankt, auch wenn man ihnen mit dieser Steilvorlage so manch gehässigen Lacher geliefert hatte – die Nummer war damit durch und unsereins die Sorge los, sich ständig Notizen machen zu müssen, welche kleinen schmutzigen Beschimpfungen denn in der nächsten Nacht zu schimpfen wären.

Dass es durchaus auch seine lustigen Seiten hatte, mag an dieser Stelle mitnichten abgestritten werden, im Gegenteil, dennoch – seinem Objekt der Begierde bei jedem Akt der Begehrlichkeit neben körperlicher Ausdauer und akrobatischer Beweglichkeit immerzu verbale Ergüsse bieten zu müssen und dabei die Gefahr allgegenwärtig ist, dass das erniedrigt werden wollende Miststück jenes derb von sich gegebene „Miststück“ wie gewohnt entzückt winselnd entgegennimmt und meint, einem dafür zum Dank auch noch und wieder einmal unsachgemäß die Vermehrungsmurmeln feste quetschend einen Tick zu deftig lang und blau ziehen zu müssen. Da wäre man auch ohne nachbarschaftliche Hilfe baldigst über Sinn und Zweck tonaler Sauereien ins Grübeln gekommen, das macht man nicht lange mit und die runden Sensibelchen im Schritt erst recht nicht.

Da ist man, wie nun im aktuellen Fall und eingangs beschrieben, wenn schon denn schon doch lieber der nachbarschaftliche Lauschvoyeur und überlässt anstrengende Turnakrobatik plus Flüstertüte den anderen, also den Nachbarn von gegenüber – auch wenn zugegeben werden muss, dass einem das leuchtende Grün des Neides nicht wirklich schick zu Gesichte steht, so spätabends, zwischen der frisch zart blühenden Balkonflora verweilend und nostalgiegeschwängert an dem unverzichtbaren Glimmstängel ziehend – und für den man ja schließlich und eigentlich selbstredend derlei tonale Strapazen auf sich nimmt. Natürlich.

Naja, so sind’s die Nachbarn und sowieso, rauchen ist ja doch irgendwie ziemlich ungesund.

Auf Dauer.


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5 Antworten

Kommentare

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    Hätte mich, wie immer bei deinen Texten, vor Lachen fast nass gemacht.

    11.01.2013, 10:46 von jebus
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    Die Sache mit der Polizei ist lustig. Bei mir im Haus gibt es auch so ein Pärchen. :-)

    08.01.2013, 00:31 von Premiumgirl
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    *LOL*

    Herrlich geschrieben!

    04.01.2013, 09:56 von BlueAmalthea
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    Die Fehlerchen nerven, aber Rest hat mich zum lachen gebracht.

    02.01.2013, 12:15 von Jimmy_D.
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    versteh das ende nich, liebe aber:
    "mag an dieser Stelle mitnichten abgestritten werden, im Gegenteil, dennoch"

    29.12.2012, 14:56 von Loo
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