Konstruktivist 30.11.-0001, 00:00 Uhr 40 1

Hilfe! Meine Katze bestimmt mein Leben

Du fühlst dich so langsam erwachsen und denkst darüber nach, dir ein eigenes Haustier anzuschaffen? Überleg es dir nochmal...

Als wir aus unseren kleinen, leicht versifften Studenten-Wohnklos aus- und in eine richtige Wohnung zusammenzogen, schien es für zwei mit Tieren groß gewordene und katzenverzückte Menschen wie uns eine prima Idee zu sein: Endlich auch ein eigenes Haustier!
Zwei süße kleine Kätzchen sollten es sein, zum liebhaben, dran-erfreuen und umsorgen. Vielleicht auch, um mal ein bisschen Verantwortung zu üben und sich ein wenig in dem schmeichlerischen Gefühl zu sonnen, dass da ein kleines Wesen von deiner Fürsorge abhängig ist.

Das Blatt hat sich schnell gewendet. Die Verhältnisse in unserer Wohnung geben heute nicht die Menschen vor, sondern die Katzen.

Nicht nur, dass ich damit lebe, jeden Morgen auf dem Weg zum Klo meine nackten Fußsohlen erstmal mit einer Schicht in der halben Wohnung verteilten Katzenstreus zu bedecken. Um schließlich, im Bad angekommen, zugleich zu bereuen, am Abend zuvor gefährliche Gegenstände wie Taschentücher oder Wattestäbchen nicht ausreichend gesichert zu haben. Überhaupt beginnt mein Tag in der Regel damit, erst einmal die gröbsten während meines Schlafes entstandenen Schäden zu beseitigen.

Auch über die Einrichtung unserer Wohnung entscheiden weitgehend unsere Katzen. Beispielsweise wird jeder sich in unseren vier Wänden befindende Keramikblumentopf statistisch betrachtet jährlich 2,3 Mal ersetzt. Anscheinend haben die Beiden öfter mal das Bedürfnis nach was Neuem. Das Schicksal unserer Blumentöpfe hat im Laufe der Zeit auch viele weitere Einrichtungsgegenstände ereilt. Was nicht gefällt, wird abgeräumt. Manche Regalinhalte lassen sich mühelos (naja...) täglich wieder einräumen, andere sind für immer verloren.

Außerdem sind unsere Katzen wählerisch. Zum Beispiel fressen sie zwar das Dosenfutter von Lidl, aber nicht das von Aldi, während sie aber das Trockenfutter von Aldi mögen, das von Lidl jedoch links liegen lassen. Alles einfach im gleichen Supermarkt einkaufen, womit ich selbst mich für meine Verpflegung ja durchaus zufrieden geben würde? Keine Chance, ich habe diesen Machtkampf versucht, und die Beiden haben ihn gewonnen, indem sie für mehrere Tage die Nahrungsaufnahme verweigerten. Kleine Erpresser!
Wasser wird prinzipiell nur fließend konsumiert. Da kann der Wassernapf neben dem Futter so lange rumstehen, bis sich Algen darin bilden, getrunken wird nur, wenn einer von uns ihnen den Wasserhahn aufdreht, unter dem sie dann wie unter einem geöffneten Bierfass liegen. Wonach auch mehrmals täglich lautstark verlangt wird.

Trotzdem bin ich froh, dass sie den Wasserhahn (noch?) nicht selbständig bedienen können.
Denn einen enormen Machtzuwachs konnten die Beiden schon verzeichnen, als sie lernten, Türen zu öffnen.
Dinge kurzzeitig durch Schließen der Türen einzelner Räume in Sicherheit bringen, zum Beispiel wenn du möchtest, dass die Wäsche zum Trocknen bitte auch mal auf dem Wäscheständer hängen bleibt? Oder mal ungestört Sex haben, ohne dass deine Haustiere dabei zusehen und versuchen mitzumischen? Vergiss es!

Natürlich gehen die Beiden auch sehr gerne ins Freie auf Entdeckungsreise. Eigentlich ja sehr begrüßenswert, denn so lange sie draußen unterwegs sind, können sie drinnen nichts zerstören. Und du kannst endlich einmal wieder in Ruhe lüften, ohne einen Herzinfarkt zu bekommen, weil diese Chance sofort dazu genutzt wird, auf der äußeren Fensterbank zu balancieren. Du kannst bei solchen Gelegenheiten auch endlich einmal in Ruhe deinen Boden wischen, ohne dass jemand ständig den Schrubber attackiert und die noch nasse Fläche direkt mit Pfotenmuster bedruckt.
Blöderweise liegt unsere Wohnung aber im dritten Stock eines Mietshauses, was bedeutet, dass du die Katzen jedes Mal nach unten begleiten, ihnen die Haustür aufmachen, eventuell noch fünf Minuten warten, bis sie den Flur ausreichend untersucht haben und unten angekommen sind, und schließlich wieder drei Stockwerke hochgehen musst.

Und die Beiden kommen recht oft auf die Idee, jetzt sofort unbedingt nach draußen zu wollen. Und diese Zeitpunkte bestimme leider nicht ich. Entweder gibt es dann vor der Wohnungstür so lange Psychoterror in Form von anhaltendem wehleidigen Miauen, bis ich genug davon habe und meinen Hintern vom Sofa bewege. Oder die neu erworbene Fähigkeit des Türenöffnens wird genutzt, und die Beiden gehen einfach schon mal vor, womit ich dann gar keine andere Wahl habe als hinterherzugehen, wenn ich nicht schon wieder Ärger mit den Nachbarn bekommen will.

Denn bei unseren Nachbarn haben die Katzen uns ohnehin schon unbeliebt gemacht. Diese pflegen nämlich mit größtem Enthusiasmus den “Garten“ unseres Mietshauses, also die zwei Meter zwischen Hauswand und Gehweg. Dazu gehört unter anderem auch ein adrett angerichtetes und mit hübschen roten Rindenstückchen bedecktes Blumenbeet. Blöd nur, dass unsere Katzen die Blumen ganz gerne ausbuddeln und ein Haufen Rindenstückchen ein prima Katzenklo für sie darstellt. Naja, wer will denn schon von seinen Nachbarn gegrüßt werden?

Immer wieder führen mich die Analysen des sozialen Gefüges in unserer Wohnung zu der Erkenntnis, dass die Machtverhältnisse sich täglich weiter zu Gunsten der Katzen verschieben.
Leider sind die aber auch vollkommen immun gegen jede Form von Autorität, im Zweifelsfall hauen sie einfach irgendwohin ab, wo du mit deinem Riesenkörper nicht hinterherkommst.
Und ob wir in den nächsten fünfzehn Jahren nochmal in den Urlaub fahren können werden, weiß ich auch nicht.

Aber was soll`s, ich hab sie doch so lieb und kann ihnen einfach nicht böse sein!
Oder ist das etwa nur ein fieser Trick, mich immer gerade dann so niedlich und unschuldig anzugucken und am lautesten zu schnurren, wenn in der Sekunde zuvor meine Lieblingstasse zu Bruch gegangen ist oder meinem Teddybären aus Kindertagen die Füllung entzogen wurde?
Sollte man vielleicht mal drüber nachdenken... aber Moment, gerade hab ich wieder was umfallen gehört...

1

Diesen Text mochten auch

40 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    und trotzdem liebst du sie. :)

    ich kenn das problem. gott sei dank ist meine kleine zerstörerin allein und kann nur halb soviel blödsinn anrichten. aber ja, meine lieblingsdekoobjekte mussten schon weichen. weil auf dem regal halt nicht genug platz für mieze UND deko war. und wer setzt sich durch? genau.

    10.01.2009, 17:22 von dryad
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Nun ja die Geschichte kommt mir sehr bekannt vor!

    Kaum hatte ich meine eigene Wohnung (1-Zimmer, 2.OG, Balkon), habe ich 2 schwarze Katzen geschenkt bekommen.
    Ja ich stellte mir zwei süsse kätzchen vor, die abends auf mich warten und ruhig neben mir schlafen.
    Tja, schlussendlich habe ich mein leben vollkommen den Samtpfötchen angepasst. Bin in eine grössere Wohnung gezogen(1. OG mit Katzentür und Katzenleiter), weil mich die Nachbarn als Tierquälerin verurteilten, weil das arme büsi 8 h alleine draussen bleiben musste und immer nach Futter schrie (logo, wenn die Nachbarn bei diesen Lauten milch bereitstellen)!!!

    So neue Wohnung und nächste Woche bekommen sie auch noch eine dritte Katze hinzu!!!
    Ich hoffe sie versteht sich mit meinem schmusekater und meiner kleinen Prinzessin (das wird wohl eher problematisch)

    29.03.2006, 14:42 von jilli
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich bin langsam auch soweit, mich wieder von so einem majestätischen Fellknäuel versklaven zu lassen.

    18.11.2005, 18:49 von Asphaltblume
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Echt schön geschrieben, Dein Artikel! :-) Wir haben auch 2 Katzen hier in der WG. Die eine ist erst vor ca. 1 Woche eingezogen und sie zicken sich noch ziemlich an.
    Und Du hast Recht- man wird irgendwie doch von den Katzen bestimmt, das läßt sich kaum vermeiden.
    Aber sie sind soooo klasse.
    Merke aber auch, daß manche Freunde oder Bekannte das überhaupt nicht nachvollziehen können und mich schon für bekloppt halten...! ;-) *g*
    Was mich echt erstaunt: Daß Deine beiden aus dem fliessenden Wasserhahn trinken- und NUR so! Das hab ich noch nie gehört. Hatte zwar mal einen Kater, der das auch machte (aber auch nur von der Seite schleckend), aber der hat auch "normal" getrunken.
    Lustig.

    14.09.2005, 18:33 von Butterkeks
    • Kommentar schreiben
  • 0

    JAAA! genau so ist es bei uns auch! gott sei dank, ich dachte schon, meine katze ist schwierig, dabei ist sie halt eben e i n e katze :)

    19.07.2005, 21:58 von laly
    • Kommentar schreiben
  • 0

    JAAA

    19.07.2005, 21:56 von laly
    • Kommentar schreiben
  • 0

    DAAAAAS hättet ihr euch wohl vorher überlegen sollen!!!
    ...würden unsere eltern jetzt wohl sagen.

    aber ich liebe sie (die katzen - und die eltern natürlich auch). gerade weil sie so frech wie dreck sind.

    und sie bedanken sich ja auch regelmäßig und ausgiebig.
    neulich erst bin ich früh morgens um halb sechs aufgewacht und hab mit einem toten vogel in meinem bett geschmust.

    DANKE MITZI! DANKE!

    13.07.2005, 21:38 von Fey
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
Seite: 1 2 3 4

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare