kuhmilchexplosion 20.06.2005, 11:01 Uhr 28 0

Gespaltene Gesellschaft

Mann und Frau, Alt und Jung, Arm und Reich, Wessi und Ossi. Diese Unterscheidungen gab es früher.

Im Prinzip ist es viel einfacher. Die Menschen unterscheiden sich nämlich nicht in dem, was sie sind oder haben, sondern ganz einfach in dem, was sie können. Jüngst führte eine empirische Untersuchung einer bekannten amerikanischen Universität zu dem Ergebnis, dass es lediglich zwei Arten von Menschen gibt.

Der weitaus größere Teil der Bevölkerung benutzt in Ermangelung von adäquaten Alternativen, insbesondere aber aufgrund mangelnder feinmotorischer Fähigkeiten, zum Öffnen von Bierflaschen einen ordinären Flaschenöffner. Der priviligiertere und somit ungleich begabtere Teil (natürlich brauche ich an dieser Stelle für den aufmerksamen Leser nicht zu erwähnen, dass es sich hierbei um den kleineren Teil der Menschheit handelt, da der größere bekannterweise einen Flaschenöffner benutzt) verwendet indes für diesen Vorgang, welcher das Tor zur Löschung des Bierdurstes öffnet, unter Einsatz größtmöglicher Geschicklichkeit ein handelsübliches Einweg-Gasfeuerzeug. Exkurs: In seltenen Fällen wird davon berichtet, dass es ausgebildete Spezialisten geben soll, die einzig und allein unter Zuhilfenahme einer zweite Flasche in der Lage sind, einen Kronkorken zu öffnen.

Den größten Teil meines Lebens gehörte ich zur Gruppe 1 (unbegabt). Als Nichtraucher, der als einzige Feuerquelle ausschließlich Streichholzbriefchen bei sich zu führen pflegt, war ich selbstredend nicht in der Lage, mit einem Feuerzeug eine Bierflasche zu öffnen. Mit Blick hierauf schenkten mir in meiner Zivildienstzeit meine alles Mögliche rauchenden Kollegen einst einen Flaschenöffner, welchen ich noch heute in Ehren halte. Um derartig peinliche Situationen zu vermeiden, bin ich allerdings im Laufe der Zeit – der praktischen Bügelflasche wegen – auf den Konsum von Flensburger Pilsener umgestiegen.

Dieses Wochenende jedoch hat sich mein Leben total verändert. Mit Freunden saß ich am Strand und es war weder ein Flaschenöffner, noch ein Pils in einer Bügelflasche in greifbarer Nähe. Kurz vor dem Verdursten gelang es mir unter Anleitung ohne Verwendung eines speziell hierfür gefertigten Instrumentes eine Flasche zu öffnen. Und das sogar in der Königsdisziplin: Flasche mit Flasche.

Der Schritt zurück zum Feuerzeug, welches ich nun stets bei mir zu tragen pflege, war dann nur noch ein kleiner. Mein Bruder ist übrigens Zimmermann – und der kann die letzte Flasche mit einem Zahn öffnen.

28 Antworten

Kommentare

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    bzw vielleicht ist das ja was für dich kuhmilchexplosion: http://stuff.twoday.net/stories/685803/

    07.07.2005, 11:20 von hannes
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      @hannes Danke für den Link, hannes. Mittlerweile bin ich zum Profikiller in Sachen Bieröffnerei aufgestiegen (sogar schon mit Tageszeitung!). Da blieb mir dieser phantastische Link natürlich nicht unbekannt ;-)

      Beste Grüße

      kme

      08.07.2005, 01:25 von kuhmilchexplosion
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    vote for kronkorken mit schraubverschluss!!

    mal ehrlich: schöner text und viel spaß mit diesem link: http://stuff.twoday.net/

    07.07.2005, 11:13 von hannes
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    ... das Anliegen, eine neue absolute gesellschaftliche Teilung zu propagieren, die stärker ist als die bekannten (bpsw. arbeiter-beamte).

    Aber ich sehe: Du assimilierst die neue Thematik und arbeitest sie in Deine These ein, sehr geschickt!

    Insofern hast Du noch nicht verloren...

    06.07.2005, 21:47 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin Ich will nicht spalten, sondern versöhnen:
      Flaschenöffner aller Länder vereinigt Euch.

      06.07.2005, 22:46 von kuhmilchexplosion
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    Kommen wir also auf "Gespaltene Gesellschaft" zurück wie man sie kennt: "Baubudenrülpse" gegen "Sesselfurzer"

    Kumi-Deto: Scheitert hier Dein Anliegen?

    06.07.2005, 02:24 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin Die Bauarbeiter sind sicher geschickter im Öffnen von Flaschen mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln. Mehr Bier können natürlich die Staatsdiener trinken - die haben ja den ganzen Tag Zeit fürs Training.

      Welches meiner Anliegen sollte denn scheitern?

      06.07.2005, 11:57 von kuhmilchexplosion
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      @der_mueller Das Schöne an Vorurteilen ist ja, dass sie meistens stimmen ...

      06.07.2005, 11:52 von kuhmilchexplosion
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    ich bin bauingenieurin und bevor ich mein studium abgeschlossen hatte, habe ich mir erstmal beibringen lassen, bier mit nem feuerzeug außzubekommen... brauch man ja aufm bau ;-)

    mittlerweile gehts auch mit diversen anderen gegenständen.. löffel, galbel etc...

    an der uni in hh, gabs mal ein seminar für frauen: wie bekomm ich das bier auf, war selbst nicht da, aber die frau die da war, war fitter als ich...

    sehr schöner text übrigens...

    01.07.2005, 12:41 von frena
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      @frena Macht man, um das zu lernen, als angehende Bauing. nicht dieses ausgedehnte Praktikum auf dem Bau?

      01.07.2005, 16:33 von kuhmilchexplosion
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      @kuhmilchexplosion Eben.
      Wobei sich generell das BAU-Prinzip dahinter versteckt, daß die Dinge nicht alle nur so verwendet und benutzt werden müssen, wie sich das irgendein Schreibtischtäter mal ausgetüftelt hat. ;-)

      03.07.2005, 15:41 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin Das zweite Prinzip auf dem Bau ist das des "Pfuschs". Das darf man sich allerdings beim Flaschenöffnen nicht erlauben ...

      04.07.2005, 11:58 von kuhmilchexplosion
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      @kuhmilchexplosion Man lernt sozusagen was ganz Wesentliches: Wo man pfuschen darf - und wo NICHT.

      04.07.2005, 14:23 von LudwigMartin
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    Super Text! Und ... Prost!

    27.06.2005, 15:39 von Etienne1
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    Ich bin übrigens mittlerweile in der Olymp der Flaschenöffner aufgestiegen. Freitagabend habe ich es mit der Zeitung geschafft.

    26.06.2005, 22:47 von kuhmilchexplosion
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    Na wenn das so ist, dann kann ich stolz berichten, zu der begabten Minderheit zu gehören die es schafft eine Flasche mit einem Feuerzeug zu öffnen. Allerdings gehören meine männlichen Freunde allesamt zu der wohl hochbegabten Art Mensch die es schafft ihre Flaschen mit allem zu öffnen was griffbereit ist. Mit dem Feuerzeug, anderen Flaschen, an Tisch- und Stuhlkanten, mit Ästen, Kehrblechen und Besteck, mit den Zähnen, dem Freundschaftsring ihrer Freundin und sogar gelegentlich mit einem gefaltetem Stück Papier. Tja, Not macht erfinderisch ;-)

    26.06.2005, 15:46 von Yomi
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    Hey, moep.

    Der Artikel soll, glaube ich, nur und ausschließlich zur Belustigung dienen und auf unterhaltsame Weise Techniken ans Tageslicht befördern, mit denen man eine Bierflasche öffnen kann.

    Es wurde doch teilweise äußerst humoristisch kommentiert... *g* Zum Grinsen gut, aber wenn du auf der Suche nachnem tieferen Sinn bist, moep, wirst du hier wohl nicht fündig...

    Zum "Inhalt" (ich hab gerade keine Lust auf Tiefsinniges...) : schlägt mein Freund vor, es einfach mit Bügelverschlüssen zu versuchen. (er kann das zwar mit dem Feuerzeug und auch Flasche an Flasche...- aber ich nicht)

    24.06.2005, 16:45 von Juli.
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      @Juli.
      Und da gibts gute Sorten:
      Kultiges Flensburger (erst am Wochenende wieder geschlürft, lecker), Altenburger (eignet sich für Skatabende a la Corporate Identity bezüglich Biersorte und Skatblatt) und Torgauer (ist billiger, wirds aber nicht überall geben).

      --- ende der werbepause ---

      03.07.2005, 15:38 von LudwigMartin
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