Kalou 18.05.2009, 11:11 Uhr 2 0

Fiktive Optionen

Ob ich unterbewusst entschieden habe kann ich so nicht sagen, vielleicht hatte ich ja nie die Wahl.

7:30 Uhr zeigt der Wecker neben meinem Bett an. Der anfänglich dumpfe Ton des Weckers ist nun ganz klar. Wird immer schriller, kaum noch auszuhalten. Das nervenzerfetzende Unwesen findet seinen jähen Tod durch einen kräftigen Schlag meinerseits mitten auf sein zentrales Nervensystem. Absolute Stille im Raum. Nur mein Herzschlag zu erahnen, immer noch rasend. Der abrupte Abbruch der Ruhephase war nicht spurlos an mir vorbeigegangen.

Nun stand ich an einem Scheidepunkt. Als würde sich die Zeit im Kreis drehen, war es derselbe, jeden Tag. Irgendwie komisch nicht? Das mit der Zeit, die sich im Kreis dreht. Betrachtet man so eine analoge Armbanduhr scheint das der einzig logische Schluss. Sie dreht sich im Kreis. Wir sehen das nur meistens nicht, mag an der Einführung der Digitaluhren liegen, aber dazu müsste man betrachten wie es früher war. Aber jetzt Schluss damit, zurück zum eigentlichen Thema, ich schweife wieder einmal ab.

Ich stand also an einem Scheidepunkt. Mein Tag barg grob zwei Optionen für mich in sich. Welche Wahl würde ich heute treffen? Welche war vielleicht schon vorprogrammiert?
Ich könnte direkt aufstehen, die Morgentoilette verrichten und voller Elan in den Tag starten. Ich wäre bereit all meine Aufgaben und Verpflichtungen anzugehen. Hätte vor allem die Zeit dazu. Um die Mittagszeit hätte ich schon vieles erledigt und der Tag hätte quasi gerade erst begonnen. Entspannt könnte ich alles angehen, am späten Nachmittag die Arbeit ruhen lassen. Noch etwas unternehmen und danach, angenehm erschöpft von einem erfolgreichen Tag ins Bett sinken.

Ich könnte mich allerdings auch noch einmal für einige Sekunden umdrehen. Etwas vor mich hin dösen und mich meiner Müdigkeit geschlagen geben. Ich würde wieder einschlafen, später entsetzt nach oben schrecken. Wieder der Blick auf den Wecker. Die Vermutung bestätigt, die Zeit war nicht mein Freund, der Tag schon halb vorbei. Ich würde also aufspringen und überhastet mit immenser Verspätung in einen Tag voller Stress und Hektik starten. Zum Frühstücken zu spät, vielleicht ein Kaffee, eine Zigarette unterwegs. Der Magen rebelliert, der Kopf versucht zu ignorieren. Ich würde spät abends wieder nach Hause kommen, die Hälfte der Vorhaben verschoben und total übermüdet und dennoch zu überdreht sein um schlafen zu können. Bis tief in die Nacht würde ich wach liegen, der Puls konstant auf 180, die Wahrnehmung vor Erschöpfung getrübt. Die Zeit tickt. Noch fünf Stunden, noch vier, noch drei, noch…
Somit wäre so gut wie sicher, wie die Wahl morgen früh ausgehen würde. Ein Teufelskreis den es zu durchbrechen galt.

Wofür ich mich letztendlich entschieden habe? Es kam zu keiner bewussten Entscheidung! Während meiner Überlegungen schlief ich wieder ein. Ob ich unterbewusst entschieden habe kann ich so nicht sagen, vielleicht hatte ich ja nie die Wahl. Eventuell war Option Nummer eins nur eine fiktive Option. Vielleicht wollte ich so Einfluss auf etwas nehmen, dass mir ohnehin vorherbestimmt war, um das ganze etwas erträglicher zu gestalten. Schließlich lag es ja in meiner Hand – glaubte ich zumindest. Warum sonst hätte es zum Beispiel Speisekarten in den Gaststätten damals in der DDR gegeben. Oder warum finden in China Wahlen statt. Manchmal erscheint einem eine fiktive Option eben angenehmer als gar keine.

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Kommentare

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    Langweilig.

    18.05.2009, 12:19 von DarenBRens
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