Experiment 94: An das denken, was die anderen machen
Dauer: 10- 15 Minuten; Material: keines; Wirkung: auflösend
Sie sind einen Augenblick allein. Zu Recht oder Unrecht lastet die Einsamkeit auf ihnen. Sie fühlen sich vom Rest der Welt abgeschnitten. Das ist natürlich unbegründet. Um eine Ahnung davon zu bekommen, wie sehr Sie sich irren, fragen Sie sich zunächst, was in diesem Augenblick Ihre Angehörigen machen, Ihre Familie, die Freunde. Malen Sie sich auch ihre räumliche Anordnung aus. Sind sie im Verhältnis zu dem Punkt, den Sie gegenwärtig einnehmen, vor ihnen? Hinter ihnen? Rechts? Links? Höher? Tiefer? Stellen Sie sich ihre relativen Entfernungen vor. Vergegenwärtigen Sie sich verschiedene Blickwinkel, Silhouetten, die genauen Gesten. Vergrößern Sie nun nach und nach ihr Blickfeld. Führen Sie die Menschen ein, mit denen ihre Angehörigen und Freunde zusammen sind. Malen Sie sich aus, was alle diese Menschen in ihren Dörfern oder Stadtvierteln tun. Was sie arbeiten, reden oder umherlaufen. Wie viele schlafen in diesem Augenblick? Betrachten Sie die Frage unter globaler Perspektive. Welcher Prozentsatz der Menschheit gähnt in genau diesem Augenblick? Schneidet sich die Nägel? Windet sich in Schmerzen? Erwacht lächelnd? Ist Suppe? Brüllt vor Freude? Langweilt sich zu Tode? Wieviele spielen grad Klavier? Hören Bach? Fliehen vor der Polizei? Treten aus einer Bibliothek hinaus? Sitzen in einem Flugzeug? Wischen sich den Hintern ab, waschen sich die Hände, putzen sich die Zähne oder die Nase? Wie viele weinen und wie viele lachen? Sprechen vor einer Zuhörerschaft? Hören zu? Versuchen, sich das Leben zu nehmen? Wie viele stellen sich in diesem Augenblick die gleichen Fragen?
Für meine vom Alltag gelangweilten.
Auszug aus: "Fünf Minuten Ewigkeit" 101 Alltagsexperimente von Roger- Pol Droit. ISBN 3-453-87891-4 (7,95€)






Kommentare
@Sternenwanderin Meine Güte, der Text steht schon 5 Jahre hier. "Damals" habe ich viele der Experimente in der freien Zeit gelebt. Manche mache ich manchmal immer noch, so wie das hier. Es ist aber auch schön, zu wissen, dass es noch eine Möglichkeit gibt, für den Fall der Fälle.
15.08.2011, 16:01 von SirMCPedtaAlso: beide Fragen beantworte ich mit Ja.
@[Benutzer gelöscht] Das selbe dachte ich mir auch und konnte es niemandem vorenthalten.
05.08.2006, 17:43 von SirMCPedta