init-admin 19.01.2007, 14:52 Uhr 0 1

Endlich verstehen... das Horoskop

Für den Small Talk eignen sich Horoskope prima, für die Selbsterkenntnis kaum. Das sagen aber auch diejenigen, die insgeheim doch daran glauben.

Ich seh’ nur Sterne
»Er wird keinen Reichtum anhäufen, und sein Essen wird gerade reichen, den Hunger zu stillen. « Das hat der Mensch, der gemeint war, im Jahr 253 vor unserer Zeitrechnung vermutlich ungern gehört, aber im Nachhinein darf er sich trotzdem geehrt fühlen: Etwa aus seiner Zeit stammen die ältesten überlieferten Geburtshoroskope der Welt. Die Jahrhunderte oder auch Jahrtausende davor – wann die Astrologie allgemein entstand, ist umstritten – hatte man sich mit Abbildungen begnügt, die bloß die Stellung der Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigten, plus generelle Aussagen darüber, welche Tage sich für Gemüseanbau oder Familiengründungen eignen. Professionalisiert wurde die abendländische Astrologie im 16. Jahrhundert: Papst Leo X. richtete 1520 einen Lehrstuhl für Astrologie an der päpstlichen Universität ein, und Wallenstein, der große Feldherr des 30-jährigen Krieges, ließ sich vom Astrologen Johannes Kepler Horoskope erstellen. Danach jedoch folgte das Zeitalter der Aufklärung, und der Einfluss der Astrologie ebbte ab. Populär wurde sie erst wieder im 20. Jahrhundert. Das erste Zeitungshoroskop erschien 1930, als der Astrologe R. H. Naylor anlässlich der Geburt von Prinzessin Margaret ihr Horoskop im britischen »Sunday Ex press« veröffentlichte. Die Leser waren so begeistert, dass Naylor eine tägliche Seite bekam. Heute arbeiten nach Schätzungen des Deutschen Astrologen-Verbandes 6000 Astrologen in Deutschland; 15 Prozent der Deutschen lesen ihr Horoskop regelmäßig und weitere 62 Prozent ab und zu, ergab eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie in Allensbach von 2001. Auch in der Politik spielt die Astrologie noch immer oder wieder eine Rolle: Konrad Adenauer, François Mitterand und Ronald Reagan zogen Astrologen zu Rate. In China setzen selbst Arbeitgeber auf die Sterne: Dort suchte eine Personalvermittlung in einer Stellenanzeige ausdrücklich nach Hundegeborenen. Kein Wunder – das chinesische Horoskop bescheinigt ihnen ausgeprägte Intelligenz und Loyalität.

Typisch Tanne

Früher glaubten die Menschen, dass die Sonne um die Erde kreise. Diese vermeintliche Umlaufbahn der Sonne nannten die Astrologen Tierkreis, den sie in zwölf Abschnitte teilten, die Tierkreiszeichen. Als Sternzeichen eines Menschen gilt das Tierkreiszeichen, in dem die Sonne bei seiner Geburt gerade stand. Außerdem wichtig: das Zeichen, das in diesem Moment am östlichen Horizont auftauchte, der sogenannte Aszendent. Dieser steuert, wie Astrologen etwas vage erklären, unsere unmittelbaren Reaktionen auf die Umwelt. Auch die Planeten spielen eine Rolle. So bedeutet »Sie haben eine doppelte Venus- Pluto-Thematik«, dass man dringend Geld braucht. Dass Gerhard Schröder einst am Zaun des Bundeskanzleramtes rüttelte und »Ich will da rein!« rief, wird Sterndeuter nicht weiter verblüffen. Schließlich ist Schröder im Tierkreiszeichen des Widders geboren, und solche Menschen können nicht anders, die sind nun einmal stürmisch – heißt es. Doch wer mit seinem Sternzeichen unzufrieden ist, kann auf die astrologische Konkurrenz ausweichen. Elvis Presley zum Beispiel ist, weil geborener Steinbock, unserem klassischen Horoskop zufolge etwas unterkühlt. Nach dem keltischen Horoskop hingegen ist er eine fleißige Tanne.
Und laut dem chinesischen ein treuer Hund.

Wir sind alle Serienmörder

»Sie lieben es, die Dinge, die zu tun sind, gut zu machen. Sie arbeiten genau und gründlich. Ihr Weg zum Zenit kann lang sein, jedoch ist die Ernte entsprechend groß.« Klingt prima, oder? Das fanden auch die 200 Personen, denen die Macher der Fernsehsendung »Quarks und Co« ein Horoskop zuschickten, das unter anderem diese Sätze enthielt – mit der Anmerkung, es handle sich um ihr persönliches Geburtshoroskop. 76 Prozent empfanden sich als korrekt charakterisiert und 15 Prozent meinten sogar, die Beschreibung passe perfekt. Der Clou an der Sache: Alle Personen bekamen ein gleichlautendes Horoskop geschickt, und zwar das des Serienmörders Franz Haarmann. Und selbst wenn Astrologen sich wirklich Mühe geben, ist es mit ihrer Treffsicherheit nicht weit her: In einer amerikanischen Untersuchung lasen Astrologen das Geburtshoroskop einer Testperson sowie drei Charakterbeschreibungen, von denen sich nur eine tatsächlich auf diese Person bezog. In nur 34 Prozent der Fälle ordneten die Astrologen das Horoskop dem richtigen Persönlichkeitsprofil zu – ganz wie ein Zufallsgenerator. Dass wir trotzdem so beharrlich an Horoskope glauben, liegt wohl daran, dass man in der Regel keine Zufälle mag, nach Mustern und kausalen Zusammenhängen im Leben sucht. Begegnet man dann einem Widder-Mann, der an irgendwelchen Gitterzäunen zupft, bestätigt dieser Mann den tieferen Sinn der Sterne. All die anderen Widder, die bloß mit gesenktem Blick vorübertrotten, hat man sofort wieder vergessen.

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