Weltsprache 13.03.2010, 12:44 Uhr 1 2

Eine Heimreise von vielen...

Wir sind die Freier der unzähligen Kalorien die sich wie billige Schlampen nehmen lassen!

Gemütlich sitze ich auf dem Boden einer schäbigen
S-Bahn Linie, es geht von Frankfurt aus nach Hause. Ich
sitze dort und Lausche den Klängen meiner Musik, blende
all die zerfurchten und entkräftenden Gesichter der
Fahrgäste aus und habe das umwerfende Panorama von
Frankfurt bei Nacht im Kopf. Ein traumhafter Anblick
wie sich hunderte Lichter der unterschiedlichsten
Farben ein stummes Konzert liefern, ich sollte öfters
einfach mal nur abends Zug fahren um solch ein Anblick
genießen zu können. Man kommt ins Schwärmen, will den
Moment am liebsten mit jemandem Teilen und schweigend
an der Skyline vorbeirauschen. Im Bahnhof angekommen
ist der kurze Moment Romantik verflogen, man steigt aus
und wird in den wilden Trubel der Realität geworfen.
Ich denke es ist überall gleich aber nur an einigen
wenigen schätze ich diese Atmosphäre. Dieses Gefühl von
Anziehung und Widerwillen, man schlängelt sich durch
die Massen unterschiedlichster Menschen, vom reichen
Snob bis zum Bettelarmen Aidskranken ist alles dabei
und alle sind sie für einen gleich. Menschen die es am
heutigen Tage auch an diesen Bahnhof verschlagen hat,
das ist ihre Gemeinsamkeit mit mir und nur das zählt in
diesem Augenblick, man blendet die Welt um sich herum
aus und versucht sich alle Gesichter einzuprägen, ihre
Geschichten zu verschlingen und zu ergründen was sich
hinter ihren Maske verbirgt. Man geht weiter und
bemerkt vielleicht die vielen Geschäfte die sich Mutig
den täglichen Kampf eines Bahnhofgetümmels stellen, wie
sich dutzenden Passanten einer Flut gleich in die
Geschäfte quetschen. Nur schnelle Ware wird geboten,
Fastfood in Hülle und Fülle reiht sich aneinander wie
in Kleinstädten die Handyläden. Wir sind die Freier der
unzähligen Kalorien die sich wie billige Schlampen
nehmen lassen. Ich gehe weiter und erhasche einen Blick
auf eine Bücherei oder nein, man sollte ein solch edles
Wort nicht an einem Ort wie diesem verwenden. Es war
eine hell erleuchtete Buchhandlung die in mir einen
empfindlichen Brechreiz auslöste. Die leuchtende
Reklame in sattem Weiß und roten Lettern zählten in
Deutsch sämtliche Angebote auf, nur bei dem Wort Bücher
kam man wohl auf die Idee ein wenig ins Englische zu
rutschen: „Books“ strahlte als letztes Wort der Kette
durch den Bahnhof und ließ mich einen kurzen Moment
innehalten. Reagierten Menschen nicht mehr auf das Wort
„Bücher“? sollten sie sich von einem etwas kürzeren
Wort eher angezogen fühlen? Leider blieb mir keine Zeit
meinen von Fragen getränkten Blick noch ein wenig gegen
die Reklame zu werfen. Denn selbst wenn auf der ganzen
Welt jemals Frieden Herrscht, so würde in Bahnhöfen
stets ein stummer Krieg herrschen und das immer nach
dem Motto: „wer zu spät kommt…“. Es geht die Rolltreppe
hinunter, Plakate zieren die Wände und Wandgemälde
preisen die Messestadt als etwas besseres an, als etwas
das die Welt voranbringt, als der Messias der Welt
vielleicht? Ich erreiche die zwischen Etage, es sind
nun nur noch wenige Schritte und ein weiterer Abstieg
auf den stählernen Treppen die das laufen lernten.
Unten angekommen ist man in einer etwas anderen Welt,
ein Gewölbe aus Stahl und Beton bewahrt die
Konstruktion davor in sich zusammenzubrechen und uns
alle zu beerdigen. Kaugummis kleben am Boden und Müll
flattert wild umher. Die Menschen stehen alle für sich
allein, Paare unterhalten sich, manch einer liest und
andere so wie ich lauschen der Musik ihrer Kopfhörer.
Man will sich nicht unterhalten, man will seine Ruhe.
Ich denke an Zuhause, was ich zuerst tun werde und
lasse es im Rausch der einfahrenden S-Bahn in meinem
Bewusstsein untertauchen. Ich steige ein.

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1 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Genau der Eindruck, den ich hatte, als ich vor einigen Tagen dort war.

    13.03.2010, 16:15 von EmmaLoft
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