tim.krieger 28.05.2004, 11:36 Uhr 19 5

Drei Monate indischer Reis mit Scharf

Mein Praktikum in Pune, Indien war bestätigt worden. Es gab keine Ausflüchte mehr.

Es ist kein Zufall, dass in keiner Sprache der Welt die Redewendung “so angenehm wie ein Interkontinentalflug” existiert. Dennoch wiegen die damit verbundenen Erlebnisse die Strapazen meist um ein Vielfaches auf. Mein Trip begann in einer der bezaubernden Siegener Februarwochen. Das romantische Grau halbgetauter Schneematschhuegel unterstrich die in Wiederaufbauseuphorie errichteten Waschbetonsiedlungen spielerisch mit dem eleganten Schwung jenes unbekannten adoleszenten Hauptschülers, dessen Tupac CD ihn dazu bewegt hatte, “Policeifackarsch 9” an den Baumarkt meines Viertels zu sprühen. Ich folgte dem Ruf der Strasse. Deutschland wird seinen nächsten Superstar ohne mich wählen müssen, denn mein Ziel sollte 7000 Km in der Ferne liegen: Indien, ein Land mit über einer Milliarde Einwohnern. Ein Land dessen Kultur mir bis vor kurzem lediglich durch Apu Nahassapimapetilan von den Simpsons und dem sympathischen Gastalkoholiker aus Pakistan, den ich während meiner Gastrozeit so häufig bedienen durfte, näher gebracht wurde. Beide Quellen sollten sich als unzureichend erweisen.

Der Flug nach Bombay war erträglich, ganz im Gegensatz zu Bombay selbst. Jeder, der im Hochsommer schon mal in einem halbleeren Heizöltank gefangen war, um den ein Spielmannszug mit hoffnungslos verstimmten Instrumenten auf Vesparollern kreist, kann sich den Flug sparen. Glücklicherweise lag unser Ziel in einer klimatisch angenehmeren Zone, was bedeutet dass die Temperatur im Februar 35 Grad nicht übersteigt. Meine gute Laune scheint allerdings solarbetrieben zu sein, und aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit machte mir die Hitze kaum zu schaffen. Der Spielmannszug auf den Vesparollern ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Was einem recht früh beim Versuch die täglichen Lebensmittel einzukaufen auffällt, ist, das es praktisch keine Supermärkte gibt. Alles was man braucht kauft man an kleinen Ständen am Straßenrand. Die Warenvielfalt dieser Stände ist verblüffend: Ein “Grocery Shop”, nicht größer als 3 Meter breit und 4 Meter tief, hat tatsächlich die komplette Warenpalette einer Durchschnittsdrogerie zu bieten. Inder sind große Stapelkünstler.

Auf einem großen Markt jedoch lief ich jedoch in den Shop mit dem minimalistischsten Warenangebot, das ich in meinem Leben je gesehen habe. Der Laden, mit solider Glasfassade und großer Reklametafel, verkaufte Eimer.
Ausschließlich Eimer. Aus Plastik.
Es gab Eimer in zwei Grössen, und in zwei Farben, schön nebeneinander auf 4 Haufen bis zur Decke gestapelt. Sollte ich in Indien mal einen Eimer benötigen, würde ich mit Sicherheit zum Fachhändler gehen. Was nutzt einem schon ein japanischer Billigeimer mit geringen Anschaffungskosten, der dann doch alle 6 Monate in die Werkstatt muss?
Der Eimerladen wurde nur noch von dem großen Hantuchladen-Schlussverkauf in meiner Strasse übertroffen, bei dem man seine Handtücher nach Gewicht zahlte.

Indien ist laut. Indien hat über eine Milliarde Einwohner. Indien hat recht liberale Kinderarbeitsgesetze. Und Indien besitzt die größte Filmindustrie der Welt, scherzhaft genannt Bollywood. In eben diese wurde uns ein Einblick gewährt, als uns in einer Hippie-Backpackerabsteige eine dreadgelockte Frau in feinstem New Yorker Platt eine bezahlte Statistenrolle in der bis dato teuersten Bollywoodproduktion Indiens schmackhaft machte. Uns, den Backpackern, den verrückten Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Auch-Die-Maenner-Osho-Ashram-Jüngern und den hängen gebliebenen Althippies, kurz, einfach jedem weißhäutigen Traveller der den Eindruck erweckte, noch ein paar Stunden gerade vor einer Kamera stehen zu können. So schlugen wir uns die ersten 3 Nächte in Indien als englische Kolonialsoldaten mit angeklebten Schnurrbärten inmitten eines Bollywoodfilmsets um die Ohren, als Teil einer internationalen Chaotentruppe die bunter nicht mehr zusammengewürfelt sein hätte können. Die nette Mittdreißigerin, die in der großen Ballsaalszene neben mir stand, erzählte mir mit sympathischen finnischen Akzent von ihren vier Kindern, von denen sich zwei nachts um vier am Set vergnügten, ihren Finanzproblemen, dass 2012 die Welt untergehe und dass LSD geeignet sei, um die Channel zu öffnen. Ich mochte sie gerne. Auch den Amerikaner, der angesichts der aufwändigen Dekoration lauthals bedauerte dass einfach keine antiken Möbel mehr hergestellt würden, hatte ich tief ins Herz geschlossen. Peter, der deutsche Aussteiger jenseits der Vierzig, der außer tantrischem Sex und seiner “Chinesischen Quietschmaus” keine weiteren Gesprächsthemen hatte, flog leider vom Set weil er statt im Hintergrund zu stehen ausschließlich Fotos der weiblichen Dekoltees schoss. Die Drehs waren lang und anstrengend, doch nach drei Nächten war der Spuk vorbei und die bizarre Truppe verteilte sich wieder in alle Richtungen Indiens, wie Kakerlaken auf einer Bombayer Toilette wenn man den Lichtschalter betätigt und der Strom funktioniert.
Als Ersatz für die esoterische Muppetshow auf Yellow Sunshine sollte Ranjid zu uns treffen, Sohn unseres Gastdozenten, motivierter Stadtführer und Indiens einziger Fan von Daniel Küblboeck. Wer sich schon immer gefragt hat, wer eigentlich den ganzen Eurodisco-Dancefloor-Rotz kauft, den Vivaplus so jährlich ausspeit, das sind die Inder, und davon gibt es über eine Milliarde!
Das Amerikanische Militär experimentiert bei seinen Hubschraubern neuerdings mit Antischall, eine künstliche Tonfrequenz die die Schallwellen der Rotorblätter so trifft, dass sich die beiden Töne gegenseitig aufheben. Indische Restaurants nutzen übersteuerte europäische Dancefloormusik, um das Gehupe der vorbeifahrenden Automassen aufzuheben. Beide Projekte befinden sich noch im frühen Experimentalstadium.

Die landestypische Popkultur erinnert stark an den tragischen deutschen Dancefloor-Hype der Neunziger Jahre, es singt eine Frau den Hook in sehr hoher Tonlage und für europäische Ohren zu laut zu einem meist recht blechern gesampleten Beat, und dann fängt noch ein Inder an holprig zu rappen. Indische Popmusik klingt eigentlich genau so, als würde man einen Schlumpf auspressen.

In Indien selbst werden neben der offiziellen Landessprache Englisch noch 80 weitere regionale Sprachen gesprochen. Die verbreitetste ist Hindi, wird aber bei weiten nicht von jedem verstanden. Jeder Staat hat seinen eigenen Dialekt, manchmal versteht das eine Dorf das Nachbardorf nicht mehr. Der Europäer nimmt nun natürlich an, dies führe zu Verständigungsproblemen. Die Indische Art mit dem Dilemma umzugehen ist jedoch, es völlig zu ignorieren. So wurde ich zum Beispiel in einem kleinen Supermarkt von einem anderen Kunden überschwänglich in Hindi begrüßt, und er begann mir offensichtlich seine Lebensgeschichte oder ein Kochrezept zu erzählen. Kleinliche Einwände meinerseits meiner Unfähigkeit Hindi zu verstehen betreffend hielten ihn in keinster Weise davon ab, seine umfangreichen Ausführungen zu beenden. Das Endszenario beinhaltete einen verwirrten Europäer, aber einen zufriedenen Inder. Die Moral dieser Geschichte ist mir im Augenblick entfallen.

Das indische Gemüt ist freundlich und sehr sehr gelassen. Wenn etwas nicht funktioniert dann wartet man eben bis es wieder funktioniert. Es ist kein Zufall, dass dies das Land ist, in dem die Meditation erfunden wurde. Sie wurde vor hunderten von Jahren zufällig vor einem Fahrkartenschalter entdeckt, während des Wartens auf einen Kellner weiterentwickelt und in diversen Amtsstuben perfektioniert.
Die kleinste denkbare Zeitspanne, sozusagen die Plancksche Zeiteinheit für einen indischen Beamten ist ein Tag. Jeder Arbeitsschritt dauert genau einen Tag. Einen Stempel auf das Dokument? “Come back tomorrow.” Im sympathischen Gegenzug kann man dafür aber auch zwei Wochen in einer Mietwohnung wohnen, bevor der Eigentümer nach der Miete fragt. Shanti Shanti, wie der Tibetaner sagt.
Inder privat sind meist ungeheuer hilfsbereit und in ihrem Eifer oft durch nichts und niemand zu stoppen. So auch der Kameraexperte unseres Filminstitutes, der uns fröhlich und gestenreich in einer leider völlig unverständlichen Mischsprache aus Hindi und Englisch einen halbstündigen Vortrag über die im Institut verwendeten Filmkameras hielt, den niemand von uns zu dekodieren in der Lage war. Lediglich die fünfminütige Aufzählung von Seriennummern der Kameras bestätigte mir, das wir noch beim Thema waren. Mein Beitrag zu der Diskussion bestand hauptsächlich aus nicken und lächeln. Ich glaube so wird man Buddhist.

Was dem kollektivschuldgeplagten deutschen Traveller zuerst auffällt, sind die allgegenwärtigen Hakenkreuze. Man findet sie handgemalt an fast jeder Tür, auf den Rickshaws, auf LKWs, einfach überall. Es gibt sogar einen Kautabak, der das Hakenkreuz als Markenzeichen trägt. Der Westeuropäer sei aber beruhigt: Es handelt sich hierbei um das Sonnenrad, ein altes indisches Glückssymbol, welches zufälligerweise in der Vergangenheit von einem österreichischen Landschaftsmaler und Hobbystrategen in den turbulenten Dreißigern zweckentfremdet wurde.

Indien mag arm sein, Handys und Handyklingeltoene gibt es aber trotzdem zu genüge. Die ganze Stadt piepst und dudelt dass es eine wahre Freude ist. Besonders gut hat mir gefallen, dass indische Autos beim Rückwärtsfahren als Warnsignal für passierende Fußgänger Melodien piepsen. Meine Top-3 der gepiepsten Auto-Rückwärtsfahrtöne sind:
3. Stille Nacht (ganzjählich)
2. Der Titelsong aus “Love Story”
1. Der Lambada
Womit wir eine schöne Überleitung zum indischen Straßenverkehr geschlagen hätten. Auf eine Kreuzung rasen zwei Auto/Fahrrad/Rickshaw/Kuhmassen auf Kollisionskurs zu, aber anstatt zusammenzuprallen fahren sie gleichzeitig unter lautem Dauergehupe durcheinander durch. Der Europäer weiß nicht wieso, aber es funktioniert jedes Mal. Eine Rickshaw ist ein motorisiertes Dreiradtaxi. Rickshawfahrer funktionieren wie Delphine oder Fledermäuse nach dem Echolotsystem. Die Schallwellen der ständig betätigten Hupe werden von den umgebenden Autos zurückgeworfen, und erzeugen im Rickshawfahrerhirn ein dreidimensionales Radarbild der gesamten Umgebung. Im Umkehrschluss ist ein nicht hupender Rickshawfahrer blind. Fünf Kilometer Rickshawfahren kostet übrigens etwa 50 Cent, die “oh, ein unwissender Touri”-Abzocke bereits eingerechnet. Indische Strassen kennen wenige Autos, hauptsächlich werden sie von Rollern, Motorrädern und Rickshaws bevölkert. Die wenigen Autos, die es gibt, sind eindeutig in der obersten Preisklasse angesiedelt. Tatsächlich fahren hier auf vier Rädern fast nur die vieldiskutierten amerikanischen SUVs herum, die sündhaft teuren Sport Utility Vehicles, die etwa soviel Sprit verbrauchen wie ein mittlerer Schützenpanzer, aber eben auch einen vergleichbaren Schutz gegen Auffahrunfälle bieten. Finanzielle und physische Überlegenheit geht so auf indischen Strassen Hand in Hand, und mit zunehmender Größe des Wagens kommt auch das eingebaute Vorfahrtsrecht. Was auffällt ist, egal ob bei Auto, Motorrad oder Rickshaw, Außenspiegel werden grundsätzlich eingeklappt oder ganz entfernt. Im Gedränge des indischen Stadtverkehrs hätte er etwa die Lebenserwartung eines Schneeballs in der Hölle. Tatsächlich fordert das manövrieren eines Autos im indischen Stossverkehr vom Fahrer permanent Augenmass und Konzentration, wie man es in Deutschland lediglich vom Einparken kennt.

Der indische Nationalsport ist Krickett, ein Spiel englischen Ursprungs, dessen verwirrende Regeln sich dem Laien nicht durch bloßes Zuschauen offenbaren. Da kein einziges europäisches Volk Lust hatte, mit den Briten Krickett zu spielen, ist dieser Sport alleinverantwortlich für den englischen Kolonialismus.
Was mich zunächst verblüffte, war, das über die Dauer eines Matches keine genauen Aussagen getroffen werden kann. Ein einzelnes Match kann sich durchaus über mehrere Tage erstrecken. Viel passiert nicht, ein Bowler wirft einen Ball und versucht das Wicket-Tor der Gegenmannschaft zu treffen. Der Schlagmann versucht das zu verhindern, die Feldspieler stehen meistens nur in der Sonne. Das Spiel lässt sich auch bequem bei 35 Grad spielen, denn es muss nur gelegentlich mal gerannt werden. Ebenfalls befremdlich mutet dem Abendländer die Tatsache an, dass die Teams eine halbstündige Lunchpause zwischen den Halbzeiten einlegen, um später dann mit vollem Magen weiterzuspielen. Während meines Aufenthalts gab es 5 Matches zwischen Indien und Pakistan, während denen die Strassen für indische Verhältnisse wie ausgestorben waren und die Zeitungen praktisch kein anderes Thema behandelten.
Irgendwie erinnert der Sport an indische Amtsstuben, da er zwar eine ordentliche Mittagspause garantiert, sonst aber keinerlei zeitliche Voraussagen gemacht werden können.

Man trifft nicht besonders viele Europäer in Pune, umso erstaunter war ich, eine nette Deutsche in meinem Alter kennen zu lernen. Sie stellte sich mir als “Sahara” vor. Sahara reiste seit 2 Jahren durch Indien. Ich mag falsch liegen, doch bei diesem Vornamen schien es mir als könne ich zuverlässige Voraussagen über Haarlänge und Hobbies der Parentalgeneration treffen. Natürlich könnte es sich bei “Sahara” durchaus um die Tochter eines konservativen Bundeswehr-Afrikakartographen vom alten Schlag handeln, die sich auf einem Kreuzzug gegen die von kalter Disziplin und militärischem Drill geprägten elterlichen Erziehung zu einem Selbstfindungstrip durch Indien entschlossen hat, aber ich tippe mal ihre Alten waren Hippies.

Sollte ich zu früherem Zeitpunkt dieser Exkurse schlecht über Bombay geredet haben, mochte ich das hier nach einiger Reiseerfahrung relativieren. Wenn Bombay das Herz Indiens ist, dann ist Delhi mit Sicherheit die Achselhöhle.
Der Reiseführereintrag zur indischen Hauptstadt beginnt mit den warmen Worten “…Wenige Traveller haben gutes über Delhi zu berichten…”
Ich gehöre zur Mehrheit der Traveller. Wie jede indische Grosstadt ist Delhi laut, die Luft ist pulverförmig und Touristen ziehen den üblichen bunten Rattenschwanz aus Händlern, Taschendieben, Taxifahrern und Vätern, die ihre Tochter verheiraten wollen hinter sich her. Soweit alles wie immer. Der Unterschied liegt unter anderem darin, dass die Idee der Toilette an sich in Delhi zwar meines Wissens bekannt ist, es ihr aber an Fans in der Bevölkerung mangelt. Ich bin beim Überqueren der Strasse in Delhi in absolut jede Körperflüssigkeit getreten, die der menschliche Körper produzieren kann. Außerdem sind überall Fliegen und die Taxifahrer kiffen während der Fahrt. Vergesst Delhi.

Indien bereist man traditionellerweise mit der Bahn. Bahnfahren in Indien an sich wäre ein eigenes Buch wert. Die günstigste Klasse für Touristen ist die “No AC Sleeper Class”, was bedeutet dass man die Bänke zum Liegen umklappen kann, und es keine Klimaanlage gibt. Ist man das alte “Abteil” in Deutschland gewöhnt, trifft einen hier der erste Schock: Indien ist nicht das Land für Privatsphäre. Alle sitzen zusammen, es gibt keine Trenntüren, und die Sitzplatznummern kümmern eigentlich auch niemanden. Zugfahrten in dem weitläufigen Land können sich über Zeiträume von leicht 35 Stunden erstrecken. Diese Zeit ist aber keinesfalls langweilig oder ruhig, denn zu den durch Schlafmangel und Hitze in stoische Reisestarre verfallenen zahlenden Passagieren gesellen sich noch mal mindestens die selbe Menge an Verkäufern, die in einer Station zusteigen, die nächste wieder aussteigen und in der Zwischenzeit mit Stimmen, die beweisen dass sie diesen Job schon seit 15 Jahren machen, die unterschiedlichsten Waren in unglaublicher Lautstärke anpreisen. Oh, die Stimmen der Zugverkäufer. Sie rauben einem den Schlaf. Es sind raue, knarzige Stimmen, bei Frau und Mann. Sie unterwandern schnarrend alle Hintergrundgeräusche und Gespräche. Sie klingen wie ein verzweifelter Durchbruchsversuch durch eine Schiefertafel mit nichts als einem rostigen Blechnapf als Werkzeug.
Das umfangreiche Warenangebot der Händler umfasst Tee, Kaffee, Snacks, Spielkarten, Bücher, Ketten, Schuhsohlen, Souvenirs, Seife, Flöten und Plastikgewehre, die elektronisch und sehr laut “Peng” machen.

Kleines Gedankenexperiment: Ein gelangweiltes Kind erhält von seinen Eltern auf einer 25-stuendigen Zugfahrt in einem vollbesetzten Zug als einziges Spielzeug ein Plastikgewehr, das elektronisch und sehr laut “Peng” machen kann. Wie viele elektronische, sehr laute “Pengs” ergibt das pro Stunde, und welcher zurechnungsfähige Elternteil kann dafür körperlich zur Rechenschaft gezogen werden?

Neben den Händlern treibt es auch noch jede Menge Bettler in die Abteile, die teilweise kleine Performances vorführen, um ein paar Rupien abzustauben.
Hochwillkommen war auch jene Künstlergruppe, die aus einem übermotivierten Akkordeonspieler und einer indischen Opernsängerin bestand, die nach 18 Stunden Zugfahrt um 6 Uhr 30 morgens das Abteil betraten, um mit bebendem Organ und in voller Lautstärke klassische indische Opern zu rezitieren.
Hier und da kommt auch mal ein Transvestit vorbei, der zehn Rupien dafür verlangt, nicht seinen Schniedel rauszuholen. Interessanterweise war der Transvestit der finanziell erfolgreichste Bettler.

Indien ist aufgrund seiner Weitläufigkeit kombiniert mit günstigen Transportmöglichkeiten wie gemacht zum Traveln auf Low-Budget Niveau. Egal welche Zeitspanne man hier verbringt, es wird niemals genug sein, um alle Sehenswürdigkeiten dieses Landes zu erkunden. Dennoch ist es jeden Versuch wert.
Indien von der schönsten Seite kann man beispielsweise in Dharamsala erleben, der Exilheimat des Dalai Lamas. Buddhistische Mönche, westliche Studenten, Traveller und entspannte Tibetaner bevölkern das idyllische Bergdörfchen. Abends kann man sich auf der Dachterrasse von “McLeos” buddhistische Philosophie von britischen Studenten gehobenen Semesters bei ein paar Bier erklären lassen. Die ganze Atmosphäre des Örtchens ist freundlich und gelassen. Für Bergtouren sollte man aber abklären ob der vermeintliche Guide tatsächlich ein Bergführer ist, und nicht einfach ein Tibetaner der Geld braucht, sonst findet man sich schnell in der Situation, aufgrund des verpassten Fußpfades große Teile des Himalajas auf dem Hintern herunterzurutschen, nur um einen ausgetrockneten Wasserfall im Wettlauf gegen den Sonnenuntergang herunterzuhetzen.

Interessant sind auch die Sadus, eigentlich wandernde heilige Männer in orangen Kutten, die keinen Besitz hegen dürfen. Sadus essen nur das, was die Bevölkerung ihnen schenkt. Sadus rauchen aber auch alles, was am Wegesrand wächst. Die meisten Sadus die ich getroffen habe schienen mir weniger heilig als über alle Massen bekifft, dadurch aber nicht weniger unterhaltsam. Mit ihren Dreadlocks sehen manche aus wie Bob Marley. Schöne Szene mit Sadu und amerikanischen Arzt und Reisegefährten:

Sadu: “You come to Shiva-Café. Smoky Smoky.”

Amerikanischer Kardiologe: “I can’t smoke weed, they’re gonna test me for drugs in my Job”

Sadu: “What?”

Amerikanischer Kardiologe: “They’re gonna test my urine. They make me piss in a cup.”

Sadu:(entgeistert) “Don’t piss in a cup. You drink from a cup. Piss in the toilet!”

Sowohl Sadus als auch Rastafaris, beide Religionen bekannt für unbekümmerten Graskonsum, haben eine ähnliche Pluralität im Weltbild entwickelt. Während Bob Marleys jamaikanisches Völkchen statt von “wir” von “Ich und Ich” redet, antworteten mir Sadus auf die Frage, wer Shiva sei, “You are Shiva. I am Shiva. We are all Shiva.” Schönes Thema für die Diplomarbeit eines kiffenden Anthropologen.

Ebenfalls die Reise wert ist Goa, man sollte es allerdings außerhalb der Saison besuchen. Während der Tourismussaison soll es Mallorcaähnliche Züge annehmen, als wir im April dort ankamen waren aber selbst die Hauptstrände praktisch leer. Mit seinem kristallklarem, warmen Wasser, Palmen, Strandhütten und weißem Sand bietet Goa absolut alles, was in deutschen Großraumbüros als Kalender an der Wand hängt. Während man abends auf seinen frischen Grillfisch wartet, kann man schnell vom Tisch aufstehen und 2 Meter weiter ins Meer springen. Fernab der Touristenstrände findet man süß duftende Hippiekolonien, in denen teilweise in die Jahre gekommene europäische Aussteiger mit sonnengegerbter Lederhaut jungen Travellern die langen Papers reichen.
An den großen Stränden treiben sich mehrheitlich Briten herum, das einzige Völkchen dieser Erde deren Sprache ich zwar gut verstehe, deren Kultur und Motivation mir aber vollkommen verschlossen geblieben ist. Man fährt aber gut mit dem Grundsatz, mit einem nuschelnden Briten, der “Love” und “Hate” auf die Fingerknöchel tätowiert hat, nicht über Außenpolitik oder Fußball zu diskutieren. Gute Themen sind Indien, Bikinis und Parties. Im Zweifellsfalle ist man besser Schweizer.

Inder sind immer hochinteressiert, woher man stammt. Am ersten Tag meines Goaaufenthaltes tippten viele zielsicher auf Deutschland, nach meinem ersten Sonnenbrand hielten mich viele für einen Briten, und nach der ersten Bräunungswirkung war ich Schwede.
Die bekannte Goatrance-Szene ist zwar geschrumpft, aber noch existent.
Schöne Szene auf goanischem Mobilklo am Strand: Nach einigen Bieren musste ich platz für neue schaffen. Ab auf ein Klo, welches in einer Minihütte aus Palmwedeln stand. Mein Vorhaben war gerade im vollen Gange, als sich, wie in Ridley Scott’s Alien, die Wasseroberfläche im Becken bewegte, und mich mit ein grünes stacheliges Ungeheuer von gut 20 cm Länge anstarrte. Die Toilette war Heimat eines Leguans. Und Frauen fragen sich warum Männer sich nicht hinsetzen können..

Gute Doppelzimmer mit Bad kosten ca. 5 Euro die Nacht, durch die portugiesische Vorgeschichte der Region ist Alkohol billiger als im Rest von Indien und alle wollen Freunde sein. Ich gebe zu, es klingt ein wenig nach Pauschaltouri, aber Goa ist traumhaft. Merken: Offseason.

Die niedrigen Lebenserhaltungskosten in Indien sind wahrscheinlich noch vor der angeblichen Spiritualität des Landes der Hauptgrund für die hohe Hippie- und Slackerdichte in Indien. Als Europäer lässt es sich hier sehr günstig in schöner Umgebung leben.
Ein luxuriöses Abendessen für 7 Personen inklusive Getränke liegt bei ca. 7 Euro, eine SMS zu versenden kostet 2 Cent, genauso viel wie eine Tasse Tee. Das einzige Luxusgut, welches tatsächlich teurer als in Europa ist, ist Toilettenpapier. Indische Toiletten haben statt Papier eine Art Duschbrause, und der traditionelle indische Willkommensgruss beinhaltet nicht, jemandem die Hand zu reichen. You do the maths. Eine Viererpackung Toilettenpapier (“King Size Family Pack”) jedenfalls kostet 3 Euro. Nüchtern betrachtet wäre es in diesem Falle günstiger, die entsprechenden Rupienscheine anstatt des zweilagigen Klopapiers zu benutzen, aber auf den indischen Rupien ist Mahatma Ghandi abgebildet, und sich mit Ghandi den Hintern zu wischen überlasse ich den Amerikanern.
Sensationell günstig hingegen sind Video-CDs bekannter Hollywood- und Bollywood Filme. Bollywoodfilme unterscheiden sich in erster Linie von ihrem amerikanischen Pendant durch den erhöhten Kitschfaktor und durch unvermeidliche, die Story nicht vorantreibende Tanz- und Gesangsszenen, die es dann auch meistens ins indische Radio und die Charts schaffen. Interessanterweise tendieren Inder auf musikalischer wie auf filmischer Ebene zu Remakes erfolgreicher amerikanischer Originale. Im cinematographischen Bereich reicht die Bandbreite hier von ET über Lola rennt bis hin zu Reservoir Dogs. Letzteren Film will ich unbedingt noch in der indischen Fassung sehen, da ich den unbestätigten Verdacht hege, die skandalöse Folter / Tanzszene des Originals zu “Stuck In The Middle With You” könnte durch ein paar wohlplazierte Bauchtänzerinnen durchaus noch an Reiz gewinnen. Essen.

A propos Essen. Eskimos haben über hundert verschiedene Worte für “Schnee”. Inder haben über hundert verschiedene Worte für “scharf mit Reis”. Europäer haben keine Worte für die Geschmacksnouancen, die scharf von scharf unterscheiden, hauptsächlich weil scharf ein recht dominanter Geschmack ist. Einen aromatischen Unterschied der Gerichte zu finden ist das geschmackliche Gegenstück zu dem Versuch, im vollbesetzten Westfahlenstadion, in dem zigtausend Kehlen “Boooooruuuussiiiiiiaaaaaa” grölen, akustisch vier Leute auszumachen, die unanständige Limericks flüstern, und das ganze bei Nacht. Von “Continental Food”, wie man hier die europäische Küche nennt, ist eher abzuraten, denn Inder betrachten zum Beispiel “Spaghetti Carbonara” als eine Süßspeise.
Gegen Verstopfung hilft Leitungswasser, bei McDonalds gibt’s nur Hühnchen, außerdem ist es keine Futterkrippe für den verfetteten sozialen Bodensatz, sondern ein Inlokal mit schicken Leuten und Eurodancefloor-Musik, in das reiche Inder gehen um ihre neuen Handys neben ihrem Maharaja-Mac auf dem Tisch zu platzieren. Man kann Musikwünsche abgeben. Inder mögen Bryan Adams. Vielleicht funktioniert er aber auch nur besonders gut als akustisches Negativ zu einer verstimmten Rickshawhupe.
Indische Kellner sind auch ein Thema für sich. Jedes Restaurant hat zwar nur einen Koch, dafür aber etwa dreimal mehr Kellner als vernünftigerweise angebracht wären, so dass jeder Kunde seinen persönlichen Mineralwassereinschenker bekommt. Dieser steht dann in unmittelbarer nähe des Tisches in Lauerposition und springt nach vorne um das Glas wieder aufzufüllen, sobald man einen Schluck davon genommen hat. Dies hat den Nebeneffekt, dass es unmöglich ist, das alte deutsche Ritual namens “austrinken und gehen” durchzuführen, und man muss auch viel öfter aufs Klo als normal.
Indische Limonade zu trinken erfordert ebenfalls Übung, da Indische Geschmacksnerven bereits im Kindheitsalter auf die schärfe der nationalen Küche eingestellt sind. Es erfordert daher einen großzügigeren Einsatz von Zucker, um der morgenländischen Zielgruppe den gewünscht süßen Geschmack zu liefern. Man fühlt sich am Anfang, als sei man im Winterurlaub in eine Lawine aus Zuckerwatte geraten.
Im Grunde ist es das selbe mit dem Kitschfaktor: Egal ob niedliche Plastikpüppchen auf dem Lenkrad eines Lastwagens, unschuldige Liebe in Bollywoodfilmen, in denen noch immer weitgehendes Kussverbot herrscht oder neonfarbene Heiligenreliquien, die Schmerzgrenze des Kitsches scheint hierzulande noch ausgelotet zu werden.

Inder, vor allem junge Inder, sind westlichem Besuch unglaublich zugetan. Der Börsenmakler aus dem Büro unter unserer Wohnung war sogar so überaus freundlich dass wir uns zunächst absolut sicher waren dass es sich um einen verrückten Massenmörder handeln musste. Er stellte sich als Mitglied der bekanntesten Yogaschule der Welt heraus, die er uns an einem Sonntag auch zeigte. Außerdem erklärte er uns, er entwickle Yogatechniken für Pferde. Das Yogainstitut war beeindruckend, überall standen Marmorstatuen von Menschen in unglaublich verbogenen Posen, die Wände waren von unten bis oben mit Zertifikaten gepflastert, und die Schränke standen voller Trophäen. Ich kam mir ein wenig ketzerisch vor, angesichts der puren Pracht des Gebäudes und der Freundlichkeit unseres Führers, doch ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen wie man eine Trophäe bei einem Yogaturnier gewinnt. Geh das nach Punkten? Gibt es Pflichtküren? Es gibt ja keine Tore die man zählen könnte.

Inder lieben weiße Haut. Inder in Goa gehen nicht in die Sonne, um nicht dunkler zu werden, als sie bereits sind, und tragen langärmelige Hemden. Dieses Phänomen geht soweit, das es in indischen Drogerien so genannte “Fairness Cream” zu kaufen gibt, eine Crème die die Haut bleicht. Die Werbung dafür geht so:
Eine Inderin sitzt alleine im Park und kommentiert das Kricketspiel von ein paar Kindern enthusiastisch in eine zusammengerollte Zeitung. Später kommentiert sie couchsitzenderweise eine Fernsehübertragung eines Kricketmatches, abermals in eine zusammengerollte Zeitung. Ihre fürsorglich-gewitzte Mutter sieht dies, kommt von hinten angetänztelt und nimmt ihr schwungvoll die Zeitung ab, drückt ihr jedoch die Bleichcreme in die Hand. Die somit gebleichte und in ihrem Selbstbewusstsein unermesslich gewachsene Trockenkommentatorin wird sofort von einem Sportsender entdeckt und kommt noch in der nächsten Einstellung groß raus. In Deutschland würde Rat der Minderheiten mit der Frauenbeauftragten in denselben Eimer kotzen. Hier ist das OK.

Es ist übrigens quasi unmöglich eine indische Strasse zu überqueren, ohne dass man in ein Gespräch mit einem Inder verwickelt wird. Das dieses nach “Whats Your Name” und “What’s Your Country” meist rapide abflaut liegt meiner Erfahrung nach an der Tatsache, das dies die einzigen zwei englischen Sätze sind, die der Grossteil der indischen Bevölkerung beherrscht. Von einer Reisegefährtin wurde ich darauf hingewiesen, dass für weibliche Europäer an dieser Stelle der traditionelle Heiratsantrag folgt.

Interessant war auch der Besuch einer Disco an einem Samstagabend. Interessant schon daher, da Pärchennacht war, was bedeutete dass man ohne Partner nicht hineinkam, und das alleine tanzende Typen vom heftig zum Takt mitnickenden DJ lautstark über das Mikrofon von der Tanzfläche geschickt wurden. Leute mit Bierflaschen oder Zigaretten ebenfalls. Als ich dann ohne beides mit Begleitung einen Musikwunsch beim vermeintliche DJ abgeben wollte, wurde ich von ihm in Kenntnis gesetzt, dass sich der DJ im Stockwerk darunter befände. Sein Auftrag war demnach ausschließlich Leute mit Bierflaschen und Zigaretten von der Tanzfläche zu ordern und heftig mitzuwippen. Es gibt schlechtere Jobs in Indien. Es fällt schwer meine Überraschung zu beschreiben, als in dieser indischen Disco, in der sich junge Männer mit Turbanen auf dem Kopf mit indischen Frauen in auffällig westlichen Outfits mischten, plötzlich ein wohlbekanntes Stück deutschen Kulturgutes erklang. Man ist eigentlich nie richtig darauf vorbereitet, rechnet aber noch weniger damit Modern Talkings “You’re My Heart, You’re My Soul” in einer Tanzbar 7000 KM entfernt von Frankfurt zu hören, und das 20 Jahre nach dem Debüt der beiden unsäglichen Solariumskasper. Fairerweise muss man dazu sagen, dass es sich um eine Retroparty handelte, was aber eigentlich eine dürftige Erklärung ist, da Indien seine Pforten dem westlichen Markt erst von ca. fünf bis sechs Jahren geöffnet hat, sich folglich absolut keiner an dieses dunkelste Kapitel deutscher U-Musik erinnern kann. Ich kam zu dem Ergebnis dass die Inder, die 60 Jahre westliche Popmusik praktisch verpasst haben, diese jetzt mit aller Gewalt nachholen. Anders kann ich mir die CD Sammlungen der Straßenverkäufer nicht erklären, auf deren ausgebreiteten Tüchern sich Best Of The Eagles sich neben CC Catch, Abba und Jay Z befinden. Das Genre heißt dann “westlich”, weiter differenziert wird nicht.

Meine Zeit in Indien nähert sich langsam dem Ende, und ich kann sagen dass es eine hochinteressante, lehrreiche und überaus witzige Erfahrung war. Sämtliche Sorgen und Ängste, die einem Reiseführer und Hausärzte untergejubelt haben, stellten sich als himmelschreiende Übertreibungen oder veraltete Informationen heraus. Das vielzitierte Krankheitsrisiko ist meiner Einschätzung nach wesentlich geringer als das, hinterrücks von einer Rickshaw erlegt zu werden.
Ich habe mich in diesen 3 Monaten hier immer sehr wohl gefühlt, mein Magen hat brav alles mitgemacht, einschließlich Chicken Vindaloo (der größten Herausforderung für den westlichen Gaumen), und im Gegensatz zu manchen europäischen Großstädten habe ich mich auch nachts sicher auf den Strassen gefühlt.

Die Veränderungen, die die westlichen Einflüsse im Straßenbild wie in der Kultur an sich auslösen, sind so enorm wie rasant. Junge Inder tragen Nikesneaker, hören westlichen Pop, schauen MTV India und essen bei Pizza Hut, auch wenn eine Pizza hier das Dreifache von einem indischen Standartessen kostet. Wer es sich leisten kann, wirkt westlich. Und eben daher hätte ich es mir, trotz all der Annehmlichkeiten die diese Öffnung in Richtung Westen dem reisenden Europäer beschert, manchmal gewünscht, dieses Land ein paar Jahre früher besucht zu haben. Unverfälschte indische Impressionen findet man abseits der Metropolen, in kleinen Dörfern und Städchen, deren Namen mir teilweise unbekannt geblieben sind, da die Schilder der Bahnhöfe nur in Hindi beschriften waren.

Eine schöne, teilweise chaotische, gänzlich neue und witzige Erfahrung. Fahrt nach Indien wenn zuhause der Schneematsch dominiert.

Namaste

Tim

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19 Antworten

Kommentare

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    Hi Tim,
    ohhh mann! echt genialer Artikel. Ich kann nur zustimmen. Bin jetzt schon fast ein halbes Jahr hier in Bombay, gewöhne mich also schon dran. Ich musste aber ziemlich laut lachen als ich deinen Bericht gelesen hab. Mit so viel Humor. Ich könnte es auf keinen Fall besser!!! Es ist natürlich nicht alles lustig. Die Armut ist eben allgegenwärtig und das ist nicht immer einfach.
    Wollte fragen ob du auch Erfahrungen mit Schimmel gesammelt hast? Das ist hier während des Monsuns so ne Angelegenheit. Wir sind im Sommer hergezogen und mir ist gleich der halbe Rucksack abgeschimmelt weil ich nicht aufgepasst hab als ich ihn im Schrank gelagert hatte. Und noch eine Sache: Toilettenpapier...hahaha Ich hab da auch so ne kleine Geschichte zu: Grad hat mich ein Freund besucht. Wir sind durch den Norden gereist. Er musste also mal und es gab kein Klopapier weit und breit....nur die schöne Brause...ahhh. Und kennst du den Unterschied zwischen einer normalen Toilette und einer "Western Toilet"? Die western toilet hat eine Kloschüssel! :)
    Grüße aus Indien
    Carolin

    08.01.2007, 18:47 von caro29
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    gut geschrieben... kann bei den meisten Sachen sagen: So isses!
    Bin aber ganz froh, nicht in einer Grossstadt zu wohnen, sondern in einem 40 000-Kaff.

    26.10.2006, 15:20 von Matraque
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    Sehr guter Artikel und ausgezeichnet geschrieben. Das Einzige was nicht ganz so gut passte waren die "ausgepressteh Schlümpfe". Ansonsten kann ich die Story nur bestätigen. Indien pur ist für "normale" gutbürgerliche Deutsche eine Attacke auf Gewohntes und Gewohnheiten. Indien ist für Europäer eine ständige Herausforderung - in fast allen Dingen des Alltags.

    10.08.2006, 21:37 von Karlaushohenlohe
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    genauso ist das!cooler artikel und super geschrieben!ich war selber ein halbes jahr in Indien und habe während dem lesen so richtig fernweh bekommen. offseason in goa und kerela ist wirklich die beste zeit. namaste

    29.06.2006, 20:53 von doggy
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    Fand das mit dem Schlumpf jetzt nicht sooo toll (sorry, bin nur ehrlich), dafür aber viele andere Sachen umso amüsanter. Alles in allem ein wirklich informativer Artikel, den ich gleich an eine Freundin weitergeleitet habe, die in ein paar Monaten nach Indien reist, um dort "mindestens n halbes Jahr" rumzureisen (backpackerstyle). Sie wird sich sicher freuen, da auch sie viel negatives Feedback auf ihre Pläne bekommen hat. Und ich? Ich bin nun plötzlich noch neidischer, dass ich weder Zeit noch Geld habe, um sie dorthin zu begleiten und selbst so lustige Erfahrungen zu machen.
    Wirklich schöner Artikel. Du solltest ihn dir ausdrucken und für spätere Zeiten aufheben ;)
    Ist zusätzlich zu den unvergesslichen Erinnerungen sicher ein toller "Reminder" *smile*

    Schöne Grüße!:)

    25.05.2006, 23:25 von Herzstillstand
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    suuuper :)

    23.05.2006, 19:03 von lamorata
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    Das ist ein Super Artikel ich habe gut gelacht , vielleicht sollte ich mir das doch nochmal überlegen, ob ich 4 Wochen dort verbringen möchte, aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit darüber nachzudenken.
    mit diesem Text : "Indische Popmusik klingt eigentlich genau so, als würde man einen Schlumpf auspressen" haben jetzt endlich meine Freunde eine beschreibung für das was sie bei mir immer ertragen müssen.( Ich gehöre nämlich zu denen die diese Musik hört und sich sogar die Bollywood Filme im Original ansieht.)
    Goa habe ich auf alle Fälle mit auf meine Liste geschrieben.
    Danke für die netten und überaus amüsanten Einblicke in die Indische Kultur.

    05.09.2005, 00:03 von trizipa
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    Superklasse Text, bin auch Indienfan, aber noch aus der Ferne.
    Ich bin begeistert von Deiner Sprache!

    27.06.2005, 23:31 von Saphira
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    ein hammer artikel, ich hab mich echt schlapp gelacht! ich fahre im sommer 3 monate an die südspitze zu einem tsunamihilfsprojekt und jetz freu ich mich wirklich noch mal doppelt so sehr darauf. meine freunde reden ständig von tollwut und kakerlaken und meine mutter macht mich auch völlig verrückt, ich hab den eindruck, sie plant schon halb meine beerdigung... vieleicht sollten sie den artikel auch mal lesen... :-)

    15.04.2005, 10:52 von indiansummer05
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