Zerdenkerin 30.11.-0001, 00:00 Uhr 51 21

Die sind alle krank.

Ich sehe ihm nach, wie er sich aufmacht, um alleine irgendwo zu sterben. Wenn er Glück hat. Wenn nicht, erledigt er das hier.

"Ich fürchte, das müssen wir noch einmal versuchen", sage ich, öffne den Stauschlauch und ziehe die Nadel aus dem Handrücken des Mannes, an dessen Bettrand ich knie. "Ernsthaft? Machst du das hier zum ersten Mal?" herrscht der mich an und zieht seine Hand weg. Ich lasse die benutzte Nadel in den Abwurfbecher fallen und sehe ihn an. "Sie haben mich doch schon die ganze Woche über bei Ihren Nachbarn gesehen, Sie wissen, dass ich das jeden Tag mache", antworte ich und gebe mir Mühe, freundlich zu klingen. "Jetzt verstehe ich auch, warum Herr Y. sich das letzte Mal so beschwert hat!", herrscht der Mann und blickt mich zornesrot an.

Ich starre leer auf den rechten oberen Zipfel seines Kopfkissens und rufe mir in Erinnerung, dass Herr K. allen Grund hat, mies drauf zu sein. Sein Knochenmark verwandelt sich gerade in nutzloses zähes Bindegewebe, in seinen Blutgefäßen schwimmen nur noch wenige funktionierende Zellen, und bisher kann ihm keiner sagen, was er hat, und erst recht nicht, womit er das verdient hat. Immerhin ist er erst Mitte 40. Und hat vielleicht mal eine Zigarette geraucht, aber ansonsten war da nix. Noch nicht mal fett ist er geworden. Und trotzdem liegt er jetzt hier und muss sich von jemandem Nadeln in die Arme stecken lassen, der aussieht wie Anfang 20 und über hervorragend funktionierendes Knochenmark verfügt. "Von dir lass ich mir keinen Zugang mehr legen, üb doch woanders", knurrt er jetzt und ich kann nicht umhin, Herrn K. trotzdem scheiße zu finden. Ich finde sein Gesicht scheiße, ich finde scheiße, dass er mich duzt, ich finde seine Attitüde scheiße, und am liebsten würde ich ihm jetzt den neuen Famulanten schicken, der Nadeln verlegt, als sei er auf der Suche nach Erdöl. Ich schließe die Tür hinter mir und versuche, mich nicht aufzuregen. Versuche, an die Oma zu denken, der mir letzte Woche prophezeite, was für eine tolle, gefühlvolle Ärztin ich mal würde. Voller Gefühle bin ich jedenfalls schon mal.

Im Arztzimmer sitzen sich M. und A. gegenüber und hämmern auf ihre Tastaturen ein. Ich drehe auf meinem Schreibtischstuhl und reibe an dem Kaffeefleck in meinem Kittel. "Auf dem Flur wartet der Mann von Frau C. auf dich, der will dich ein paar Dinge fragen", sage ich zu A. "Wundervoll, wir sind aber noch nicht in den Sprechzeiten", sagt A. und zeigt auf die Uhr. Es ist 20 vor. "Und wenn ich dir eine Sache beibringen kann für nächstes Jahr, dann die: Angehörige warten grundsätzlich eine Viertelstunde. Die müssen das lernen. Sonst gehst du hier unter." Ich nicke und drehe noch eine Runde. Mir wurde in diesem Jahr schon so viel beigebracht. Dass man gleichzeitig eine hervorragende Ärztin sein und solche Ratschläge Ernst meinen kann, zum Beispiel.

Später am Nachmittag wird Herr N. abgeholt. Herr N. hat einen Tumor in der Lunge, und vorgestern ist Wasser aus seinem linken Arm herausgelaufen wie aus einem vollgesogenen Schwamm. Vermutlich wächst der Tumor mittlerweile auch in seiner Achselhöhle. Vermutlich muss sich Herr N. keine Gedanken mehr darum machen, wo er Weihnachten 2014 verbringen will. Hätte er wohl sowieso nicht, er hat weder Frau noch Kinder noch sonst wen. Ich sehe ihn in seinem Bett sitzen, wie er da auf sein Taxi wartet, zum ersten Mal in seiner eigenen Kleidung statt im Krankenhaus-Karo. Herr N. sieht uralt aus und ein bisschen wie ein Uhu, er hat sich gekämmt und trägt Hosenträger unter seinem Jacket. Zu allem Überfluss dankt er mir noch für die tolle Betreuung, und lächelt mich an, während er meine Hand schüttelt. Ich sehe ihm nach, wie er mit dem Taxifahrer den Gang hinunter trottet, und sich aufmacht, um alleine irgendwo zu sterben. Wenn er Glück hat. Wenn nicht, erledigt er das hier. Ich verbringe die nächsten 15 Minuten auf der Fensterbank in der Personaltoilette und konzentriere mich auf meine Handflächen.

Auf dem Heimweg fällt mir mein Handy aus der Jackentasche, das Display zerplatzt in tausend Einzelteile. Ich bin für den Rest des Tages angepisst. Dass ich Weihnachten 2014 mit meiner Familie und ohne Tumor verbringen werde, habe ich momentan nicht auf dem Schirm.

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51 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Wow sehr fesselnd geschrieben, wenn auch etwas bedrückend.

    19.06.2015, 05:42 von manubaer
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  • 1

    Mir als (ex) alleinerziehender Mutter sagte mal eine wohlmeinende Kollegin, als ich um Flexibilität bat: "selbstgewähltes Elend".
    Ja, die Kollegin ist ein A***, aber das fällt mir leider auch nur zu Deinem Text ein.

    Zur Textkritik: mir fehlt ein Ende, eine Quintessenz, es ist eine reine Beschreibung von Einzelerfahrungen. Was zieht die Figur aus den Erfahrungen? Schlussfolgerungen? Lerneffekt?

    Ich habe fast nur gute Ärzte erlebt in meinem Leben, wohl Glück gehabt.
    Und ich gehe davon aus, dass die alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Leider hinterlässt mich der Text unbefriedigt. Warum hast Du ihn geschrieben?

    04.06.2015, 12:48 von RedSonja
    • 1

      Ich habe keine abschließende Schlussfolgerung und was ich durch meine Zeit im Krankenhaus konkret über Menschen oder mich selbst gelernt habe, kann ich dir auch nicht sagen. Ich bin ja auch noch nicht fertig mit dem Lernen. Als elendig würde ich meine Arbeit jedenfalls nie bezeichnen, und beschweren tu ich mich auch nicht. Ich habe mir den Beruf ja ausgesucht. Kann mir auch keiner erzählen, dass er während 7 Jahren Medizinstudium nie gemerkt hat, dass es im Krankenhaus halt nicht immer superschön abläuft. Deshalb trifft "Beschreibung von Einzelerfahrungen" es auch ziemlich gut.

      06.06.2015, 00:21 von Zerdenkerin
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  • 0

    Guter Artikel.
    Packend geschrieben.

    Man macht sich als
    »Kunde« viel zu wenig
    Gedanken, was die
    ewig lächelnden
    Ladies & Gentlemen in Weiss

    so alles mitmachen »müssen« ...

    Dank Ihnen / Euch allen:

    Andreas W. Reiske / Berlin.

    04.06.2015, 12:22 von Alexander13
    • 1

      Danke sehr!
      Und ich will mich eigentlich gar nicht so sehr über Patienten beschweren. Die meisten sind doch sehr dankbar und füttern einen mit Pralinenmitbringseln und selbstgemachtem Eierlikör fett.

      06.06.2015, 00:27 von Zerdenkerin
    • 0

      Na bitte ....

      06.06.2015, 13:16 von Alexander13
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  • 0

    Gefällt mir richtig gut. Das Ende hast du besonders gut getroffen.

    03.06.2015, 14:57 von -Maybellene-
    • 1

      Vielen Dank!

      03.06.2015, 17:36 von Zerdenkerin
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  • 5

    einen der interessantes Punkte am Arztsein, Ärzte, die vorwiegend den Körper behandeln ist, dass vielen, mindestens etlichen unter ihnen mal bewusst war, dass sie einen nicht kleinen Teil Symptome behandeln, leidliche Zeichen, nicht Ursachen. Dass sie ihre Aufgabe und Daseinsberechtigung daraus zu schöpfen haben, die Symptome einer mangelhaften Welt, vielmehr Gesellschaft zu korrigieren, die von Anfang bis Ende hauptsächlich den Teil des Körpers betreffen, der die eigentliche Heilung vom krankmachenden Unwissen, vom Schadhaften braucht: Das Gehirn.       

    03.06.2015, 01:21 von schauby
    • 0

      liebe Tante Edit im HTML-Himmel, erlöse uns von Tippfehlern .. und vom Blöden natürlich auch ..  

      *einer der interessantesten* 

      03.06.2015, 01:38 von schauby
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  • 2

    Ups, Medizin studiert für den Kittel, der so gut zu den Haaren passt, und dann die Kranken vergessen. Könnte so schön sein!

    02.06.2015, 22:28 von Boahmaschine
    • 0

      ^^ Ich finde ihn ganz gut (den Text).

      02.06.2015, 22:54 von TheCaptainsFiancee
    • 3

      Say what? Wenn's mir um den Kittel gegangen wäre wär ich Fleischermeisterin geworden. Da gibt's wenigstens nonstop Lioner. Könnte so schön sein!

      02.06.2015, 23:43 von Zerdenkerin
    • 1

      Es könnte in der Tat sehr viel schöner sein, Boahmaschine, wenn der Mensch im Mittelpunkt der Medizin stünde & nicht der Profit, den unser Gesundheitswesen nun auch noch widersinnigerweise abwerfen soll. Dann könnten nämlich all die vergessenen Kranken wieder öfter auf Ärzte & Pflegepersonal treffen, die über Kittel & Haare hinaus auch noch ein wenig mehr Zeit & Geduld für ihre Patienten erübrigen könnten.

      03.06.2015, 00:13 von jeanmidinuit
    • 0

      Ich weiß nicht, Ärzte sind von Grund auf die am meisten überschätzten Menschen der Welt. Der Profit sorgt wenigstens dafür, dass neue Medikamente erforscht werden. Und diese irrsinnige Selbstüberschätzung junger, hübscher Medizinerinnen kommt hier sehr herrlich auf den Punkt.

      03.06.2015, 00:48 von Boahmaschine
    • 1

      #fleischermeisterin


      Das ist ja Käs'. Es würde dann doch die Großartigkeit der Corporate Identity fehlen. Und was würden erst die Verwandten sagen?

      03.06.2015, 00:59 von Boahmaschine
    • 2

      Dein Kommentar zeugt von großer Unkenntnis der Realität in den Krankenhäusern. Ich habe das über ein Vierteljahrhundert kennen gelernt, als Krankenpfleger. Seit der 1. so genannten Gesundheitsreform 1996 ist unser Krankenhauswesen systematisch heruntergewirtschaftet & kaputt gespart worden. Das, was diese junge, hübsche (?) Medizinstudentin da schreibt, kenne ich sehr gut aus eigener Erfahrung. Wie ungleich schwerer ist es, mit dem Leid der Menschen in einem emotional immer wieder stark fordernden Beruf umzugehen, wenn allein schon die Strukturen einem permanenten Druck machen & man gezwungen ist, wie am Fließband mit Werkstücken zu arbeiten, obwohl es (kranke!) Menschen sind, mit denen wir zu tun haben. Ein simpler Autoschrauber bei Mercedes bekommt dafür Akkordzulagen, über die sich Assistenzärzte & Pflegende in Krankenhäusern freuen würden, selbst, wenn es an der unerträglichen Situation, in der ihnen zugemutet wird zu arbeiten, nichts ändert. Was Zerdenkerin schreibt, hat wohl weitaus weniger mit ihrer Naivität oder Selbstüberschätzung zu tun, als mehr mit einem System der Gesundheitsversorgung, dass einfach nur zynisch ist, weil es Menschen, die dort arbeiten, ausbeutet und mit ihren Problemen allein lässt - und das alles auf dem Rücken und auf Kosten der "vergessenen Kranken". Möglicherweise hattest Du ja auch selbst bis jetzt das große Glück, nicht auf Ärzte angewiesen zu sein. Mag sicher sein, dass sich einige von ihnen noch als Halbgötter in Weiß sehen und sich selbst überschätzen. Im vorliegenden Text erkenne ich allerdings eine junge Frau, die immerhin noch die Chance hat, nicht so ein grober Klotz zu werden, wie viele andere Kotzbrocken, die ich im Laufe der Jahre dort erlebt habe. Vielleicht denkst Du einmal anders über Ärzte (die ich, wie Du eben gemerkt hast, durchaus kritisch sehe; und ich habe etliche kennen gelernt im Laufe meiner Berufsjahre!), wenn Du mal auf einen angewiesen bist, und der Dir dann sogar helfen kann. Andererseits wirst Du möglicherweise mit Deiner Einstellung zu den Menschen gehören, die es Ärzten schwer machen, ihnen zu helfen. Solche Kranken gibt es nämlich auch. Und die haben sich selbst vergessen, weshalb ihnen auch kaum zu helfen ist. So einer könnte Herr K. sein, im Gegensatz zu Herrn N.

      03.06.2015, 01:17 von jeanmidinuit
    • 0

      Meine Erkenntnisse beruhen auf 36 Jahren Mukoviszidose, mehr als 20 Krankenhausaufenthalten in den letzten 10 Jahren. Ärzte sind einfach komplett lächerlich, es tut mir leid.

      03.06.2015, 03:27 von Boahmaschine
    • 0

      Einer der Oberärzte in der Charité sagte bei einer Visite jüngst, das Problem sei vor allem, dass die Patienten älter werden und nicht sterben. Würde ich allein den Irrsinn des letzten halben Jahres aufschreiben, es würde kaum auf 100 Seite passen. Die Inkompetenz, die Geschlossenheit, die Arroganz und Niederträchtigkeit nicht etwa eines Arztes, sondern jeden einzelnen Pisskittels. Die meisten Ärzte haben ja nix zu melden. Das sind dann so überforderte Frischlinge, die noch völlig naiv da rumdümpeln. Und sobald man bspw. zwei Oberärzte hat, wird zum Spielball des Diagnosebingo. Als ich das ansprach, so von wegen 4 Ärzte hier und 4 total verschiedene Diagnosen, also ich fragte wer da nun Recht hat, da sagten sie: na wir alle. DAS gibt exakt wieder, was in den meisten dieser Deppen vorgeht. Einmal studiert, und dann nicht einmal mehr nachgedacht. Ekelhaftes Pack.

      03.06.2015, 03:35 von Boahmaschine
    • 0

      Und dann ist natürlich immer das System Schuld, klar. Wenn es so ist, warum kriegen sie es nirgends gebacken, etwa mal einen Journalisten dauerhaft mit reinschauen zu lassen, damit es dokumentiert, von der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird? Warum beläuft sich seit jahren alles aufdieselben Floskeln, mit dem anonymen Schuldigen? Weil es sie schlicht nicht interessiert. Im Gegenteil, viele vor allem männliche Ärzte sehen das ja eher als Herausforderung. Wenige Mittel, Härte zeigen, Kante zeigen, sich autoritär aufspielen. Und die Frauen Ärzte finden das dann sehr geil. Das ist ein Schaulaufen und eine schlimme Dauerbalzerei, nichts weiter. 

      03.06.2015, 03:42 von Boahmaschine
    • 1



      Ich fasse zusammen, was für Erkenntnisse über meine Person
      du aus dem Text da oben gezogen hast: Ich bin also eine junge hübsche
      Medizinerin, die sich irrsinnig selbst überschätzt (im Bezug auf was
      eigentlich?), Medizin studiert hat weils a) hübsch aussieht b) die Gesellschaft
      den Boden küsst, auf dem ich wandle und c)  den Ansprüchen meiner Verwandten grad noch so
      genügt, bin ein überforderter Frischling der eh nix zu melden hat, gehöre zu
      einer überschätzten Berufsgruppe die von ausschließlich ekelhaften,
      inkompetenten, arroganten und niederträchtigen Arschlöchern bestimmt wird und
      finde es geil, wenn meine männlichen Kollegen Härte zeigen, wie echte Männer
      halt, ne. Faszinierend, echt. Dem ist eigentlich (sachlich) nichts hinzuzufügen.
      Außer vielleicht das: Menschen sind alle komplett lächerlich,
      ja. Und ein paar von denen werden halt Ärzte. Und selbst wenn ich dir jetzt den perfekten Arzt vorbeischicken wollte, ich wüsste anhand deiner Tirade nicht, wie der für dich aussehen soll.

      03.06.2015, 07:07 von Zerdenkerin
    • 1

      '... ich wüsste anhand deiner Tirade nicht, wie der für dich aussehen soll.'

      Gut nicht erkannt.

      03.06.2015, 09:14 von quatzat
    • 0

      Die Inkompetenz, die Geschlossenheit, die Arroganz und
      Niederträchtigkeit nicht etwa eines Arztes, sondern jeden einzelnen
      Pisskittels.
      Du verhälst Dich halt auch nur wie der archetypische, frustrierte Patient.
      Sei Dir zugestanden, aber Deine Auslassungen sind genauso bullshit wie jemanden als "archetypischen, frustrierten Patienten" zu bezeichnen.
      Aber wenn schon mit der grobe Kelle, dann halt auch im Rundumschlag, ne ?

      Hurra.

      03.06.2015, 10:25 von PixelAspect
    • 0

      Das ist doch Quatsch. Wer oft mit Ärzten zu tun hat, nicht völlig hohl im Kopf ist und ein einziges Mal ein Problem hat, das etwas komplexer, das nicht mit Röntgen, CT/MRT, Fiebermessen, CRP und Vitaminspiegel aufgelöst werden kann, ist erstmal am Arsch. Ärzte sind vom Kopf her unerträglich primitive Gesellen. In diesem Land zumindest. Wenn man sieht, wie hier die Wissenschaft in den Boden ignoriert wurde, und wie diese kleinen Auswendiglerner herumstolzieren, erkennt man den Teufel lachen.

      03.06.2015, 11:20 von Boahmaschine
    • 0

      @zerdenkerin


      Du im Speziellen bist mir völlig Wurst, bestätigst halt einfach wirklich jedes Klischee.

      03.06.2015, 11:21 von Boahmaschine
    • 0

      "ich wüsste anhand deiner Tirade nicht, wie der für dich aussehen soll. "


      Dieser Satz allein ist super. Ich schlage vor, 1,90, schlank, aber doch auch sehr kräftig. Bart, dunkle Haare. Also ich glaube, das wäre ein ganz toller Arzt!

      03.06.2015, 11:28 von Boahmaschine
    • 0

      Es sind ja die Feinheiten, gelle. Also eher so: "Eine lächerlich überschätzte Berufsgruppe die überwiegend von inkompetenten, arroganten, niederträchtigen hoffnunglos verbohrte Narzissten bestimmt wird." Yes.

      03.06.2015, 11:34 von Boahmaschine
    • 0

      Dabei sind Ärzte in der Schule eigentlich okay. Also sie werden erst danach zu Komplettidioten. Das ethisch nicht mehr disziplinierende Studium sorgt für die übermäßige Eitelkeit, danach gehen sie in eine Fachrichtung, überbewerten dadurch dann ihre Perspektive über das Gesamtheitliche, verlieren das komplexere, tiefere Verständnis für den Körper. Spätestens die auf "reibungslose Abläufe" ausgerichtete Behandlungskultur im Alltag nimmt ihnen den letzten klaren Blick, sie haben ihre drei bis fünf Programme, die sie dann bei jedem abspulen wie ein beschissener Colaautomat am U-Bahnhof. Damit kommen sie in 80% der Fälle irgendwie grob zum Ziel, der Rest geht vor die Hunde und ihnen maximal auf die Nerven. Es wäre sinnvoller, wenn mal wer Minilabore für zuhause entwickeln könnte, so im Massenverkauf dürften die sehr günstig sein und zusammen mit dem Internet die komplette medizinische Behandlung revolutionieren. Weil das, was Ärzte aus dem Labor rauslesen, das schafft wirklich jeder KFZ-Mechaniker. Und der läuft immerhin nicht rum wie Graf Koks und hält sich für der Weisheit letzten Schuss. Der Ruhm der Ärzte beruht auf einer mythischen Furcht vor Krankheit, sie sind kleine, schmierige Drogendealer mit Freischein für affektive Störungen.

      03.06.2015, 11:48 von Boahmaschine
    • 0

      "der Weisheit letzten Erguss", meinte ich.

      03.06.2015, 11:52 von Boahmaschine
    • 1

      Ich mein...ich hab´ mich gegen ´ne Approbation entschieden aus...reichlich ähnlichen und -zum Teil- identischen Gründen. Aber so umfassend stimmt es halt nicht.

      Und die Gründe dafür sehe ich nicht ausschließlich in dem "piefigen deutschen System" oder den charakterlichen oder fachlichen Schwächen dieser furchtbaren Ärzte (Denen ich, obwohl selber "Ärzteopfer", notwendigerweiser aufgescheuchter Angehöriger und regelmäßig von der stupiden Borniertheit entstirnigster approbierter Arschkrampen genervter Typ, weiterhin so ergebnisoffen gegenübertrete wie jedem Anderen halt auch...), sondern in der beschissenen Melange aus "good ol´ System" und diesem HighPerformance-Neoliberalen-Wirtschaftsunfug den man sich so zueigen gemacht hat.

      Jut...aber gegen meine Anti(anglo)amerikanismen die ich jetzt rausfeuern würde, kämst Du halt Anti-Fritz-Tirade, weil Deutschland...und so.

      So oder so

      Der Ruhm der Ärzte beruht auf einer mythischen Furcht vor Krankheit, sie
      sind kleine, schmierige Drogendealer mit Freischein für affektive
      Störungen.
      Vieles daran ist wahr. Die Eigenwahrnehmung der Ärzteschaft ist mMn zu guten Teilen hochgradig gestört. Aber das will ich den Leuten echt nicht zum Vorwurf machen...nich so wirklich.

      Ich schätze das der Spagat zwischen Eigenwahrnehmung, Selbstwirksamkeitserwartung , Leistungsansprüchen/-erwartungen und den jeweiligen Arbeitswelten für den größten Teil der Ärzteschaft schon gar fies ist.

      Ich seh´ auch nicht, wie man in diesem Ressourcenerhaltungs-/modifizierungs/wiederherstellungssystem namens "Gesundheitssystem" irgendwie noch ein "guter Arzt" sein kann...oder überhaupt eine Person die sich nicht wahlweise irgendwelchen Mist von Neiddebatte bis Inkompetenzunterstellung ans Bein pissen lassen muss.

      In weiten Teilen haben wir letztlich auch die Ärzte, die "wir" uns verdient haben. Denn der Arzt der sich Zeit nehmen würde, bzw. es tut...der bezahlt es entweder mit seiner Zeit, mit seinem Geld oder halt, weil Zeit ja Geld ist, eben mit beidem.
      Die Anforderung an den Arztmenschen ist aber auch mehrheitlich, dass er UMGEHEND und zu 110% ALLES richtig macht. "Gesundheit" ist eben auch ein Konsumgut, dass von Leuten bestellt und erwartet wird, die -unabhängig jetzt von Deiner Person- sehr weit weg davon sind mehr als nur ihre eigene Befindlichkeit beurteilen zu können und die keine realistische Vorstellung davon haben. Wenn man schon auf die vermeintliche Inkompetenz der Ärzte haut...dann können wir auch das Fass aufmachen, dass die betroffenen Patienten ihnen in allgemeiner Inkompetenz in rein gar nichts nachstehen.

      Das Problem ist durchaus systemisch und man darf sich schon fragen ob zuerst Huhn oder Ei da waren.

      So sehr ich gerne gegen "die Ärzte" mal austeile : Letztlich sitzen wir eben doch im selben Boot und "die Ärzte" sind auch nur ein Symptom einer tiefgehenden, systemischen Störung, die "Gesundheit" eben der Betriebsbilanz und Shareholdervalue unterordnet.

      Gut...das ist vielleicht auch keine Störung...dann aber dann sollte man nicht so tun als könnte man von dem selbstnachgefragten System oder Verhalten mehr erwarten als man bekommt.

      03.06.2015, 15:28 von PixelAspect
    • 0

      Stimmt ja alles, ich hau das hier im Prinzip ja mit dem gezielten Zweck raus, das Mädel aufzuschrecken. Ich denke ebenfalls nicht, dass Ärzte so sein wollen wie sie derzeit sind. Die Hintergründe die Du aufzählst passen auch, klar. Die Heilungserwartung ist riesig, sie sollen ja selbstsicher wirken, um dem Patienten Ruhe zu geben usw. Nur geht es so, wie es jetzt läuft, schlicht nicht weiter und da müssen alle irgendwie zusammenkommen. Recht bald.

      03.06.2015, 16:29 von Boahmaschine
    • 1

      Wird nicht passieren, denke ich.
      Vorher kommt Wirtschaftskollaps.

      Dann schaunmermal :)

      03.06.2015, 16:33 von PixelAspect
    • 0

      Ich denke, da ist die Politik stärker gefragt. Also die internationale und interkontinentale Politik. Die hat ja nach Kohl im Prinzip aufgehört zu existieren. Etwa 90% neuer Medikamente kommen aus den USA, es gibt da kein Gegengewicht aus Europa. Die Konzerne machen dann was sie wollen, in den USA müssen und können und sollen sie das so machen, in Deutschland fällt das auf ein System mit völlig anderer Basisstruktur.

      03.06.2015, 16:33 von Boahmaschine
    • 0

      Einen Wirtschaftskollaps wird es nie geben. Das ist ein Märchen. Einen unbemerkten Sozialkollaps gibt es hingegen. Er entwickelt sich aktuell auch stramm gen Tief/Höhepunkt.

      03.06.2015, 16:34 von Boahmaschine
    • 0

      Sorry, ich check immer noch nicht inwiefern ich "jedes Klischee" bestätige. Verzichte aber freiwillig auf die Nennung von Textstellen, bei denen durchkommt, dass ich mich "weil Ärztin" für superoberaffengeil und schlauer/besser/gefühliger als den Rest halte. Genau genommen steht noch nicht mal da, dass ich eine bin.
      Dieses ALLEÄRZTESIND-Blabla schreckt mich nicht auf, es langweilt mich. Und entkräftigt jedes Argument, was du vorbringst (und ich sage nicht, dass ich einigen nicht zustimme). Als nächstes bitte die ALLELEHRERSIND und ALLEPOLITIKERSIND-Diskussionsrunde.

      03.06.2015, 17:34 von Zerdenkerin
    • 0

      Na mit alle meine ich halt die Mehrheit, so schwer zu verstehen. Bisserl dichterische Überhöhung. Das ist ja schon sehr bewusste Polemik.

      03.06.2015, 17:50 von Boahmaschine
    • 0

      Genau genommen steht noch nicht mal da, dass ich eine bin.


      Dann hast Du eine gut beobachtet. Prima. Und weil restlos alle (!) Ärzte dem Groß der übrigen Welt ja minimale Kombinatorik (Ton, Speed, Inhalt, Distanz, Selbstbezug, Priorisierung) nicht so recht zutrauen, rühren solche Täter-Profile von betroffenen (hach...) zurecht allenfalls Mitleid erregend - und gut ist.

      03.06.2015, 17:55 von Boahmaschine
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Und damit meint er nicht seine Vene!

      04.06.2015, 06:36 von quatzat
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Einen Wirtschaftskollaps wird es nie geben. Das ist ein Märchen.
      Ich glaube, dass das eine Frage ist was man darunter verstehen mag.

      Ich meine damit nicht dieses Szenario was scheinbar der Durchschnittsmichel im Kopf haben mag...so á la : "Geld ist nix mehr wert & alles ist GANZ GANZ furchtbar und alle Fabriken machen zu".

      Den "Wirtschaftskollaps" merken wir ja letztlich am Sozialkollaps. So unbemerkt ist der auch gar nicht, wird allerdings idR -aufgrund des längeren Verlaufs- nicht als solcher verstanden.

      Ich würde sagen : Wir stecken mittendrin und die systematische Aushöhlung sozialer Sicherungssysteme und der einhergehende Aufbau einer umfassenden Kontroll- und Machtsicherungsbürokratie ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür.

      Das "die Wirtschaft" nachhaltig fertig hat zeigt sich zB ganz wunderbar an den Gedankenspielereien von IWF und Co das Bargeld abzuschaffen usw.
      Wenn "sie" schon offen darüber nachdenken müssen, dann ist das mMn ein ganz guter Zustandsanzeiger.
      Wenn einem der Zustand der Presse und das militärische Säbelrasseln unserer honorigen Regierung noch nicht als Indikator reicht...

      Den apokalyptischen "Wirtschaftskollaps" erleben wir im Extrem in Form von Währungsreformen, Sonderabgabgen auf Eigentum und ordentlicher Rentenentwertung - also im Wesentlichen im Abrauchen des "Volksvermögens" ...also wenn man so will :Wenn es in Deutschland so ähnlich zugeht wie in Spanien oder Griechenland...dann isser da, der "Kollaps".

      Denke, dass wir das sehen werden.

      Warum sonst sollte sich unsere liebe Regierung so sehr mit Werkzeugen eindecken die sich ganz wunderbar zur Kontrolle und Repression der eigenen, ggf. "terroristischen" Bevölkerung, verwenden lassen ?

      NATÜRLICH ist das "Verschwörungstheorie".
      Klar :)

      04.06.2015, 15:20 von PixelAspect
    • 0

      Jede Verschwörungstheorie ist ja im Prinzip die Sehnsucht nach einer romantischeren Wirklichkeit. Verschwörungstheorien sind die Poesie der Ingenieure, wenn man so will Männergedichte. Hirnpornos. Es ist nur alles viel einfacher. Jeder lebt sein eigenes Drama und Menschlichkeit ist ein Mythos. Hinter allen sog. sozialen Errungenschaften steckt eine handfeste Geschäftsidee. Und die der Zukunft geht eben Richtung Heilung statt Therapie. Heilung werden Ärzte nicht finden, dafür waren sie zu schlecht in Chemie und Mathematik. Heilung ist wie alle Wissenschaft was für die dunkle Elite im Hintergrund. 

      04.06.2015, 15:46 von Boahmaschine
    • 0

      Der Pisskittel, der ich ja auch mal war, & der sich eingebildet hat, er könne in seinem Beruf am Krankenbett Menschen etwas Gutes tun für eine beschissene Bezahlung unter immer beschissener werdenden Bedingungen, entschuldigt sich ob seiner Fehleinschätzung. Du, Boahmaschine, hast Deine Erfahrungen auf der anderen Seite des Krankenbetts gemacht mit einer Krankheit, für die es bislang nur unzureichende Therapie, geschweige denn Heilung gibt. Vor diesem Hintergrund ist Dein Frust verständlich. Die einzelne Ärztin, der einzelne Pfleger jedoch ist nicht Schuld daran & Deinen Frust an denen auszulassen, mindestens ebenso unfair, wie die Krankheit, an der Du leidest.

      09.06.2015, 22:45 von jeanmidinuit
    • 0

      "beschissene Bezahlung".

      Ach, Alder...ein Berufsstand der es bis heute nicht verstanden hat für bessere Arbeitsbedingungen als für Asche seine Lobby zu bemühen und ein Berufsstand mit derart viel Macht und Einfluss, der sich einen Dreck mit seinen "Weisungsbefugten" solidarisiert muss -denke ich- an dieser Stelle mal ´n bisschen Bescheidenheit und vA Realitätsnähe walten lassen.

      11.06.2015, 13:09 von PixelAspect
    • 0

      Nix da Bescheidenheit - Macht & Einfluss nutzen! Aber das mach mal dem großen Heer der Helfersyndromopfer klar, das keine Ahnung davon hat. & übrigens auch keine Lobby. Wen denn? Wo denn? Allerdings:um sich mit seinen Schützlingen, den zu Pflegenden (denn die meinst Du ja wohl mit "Weisungsbefugten") zu solidarisieren, muss ich in der Lage sein, mich mit mir selbst zu solidarisieren. & das können die meisten in diesem Berufsstand leider nicht. So sieht die Realität aus.

      12.06.2015, 02:20 von jeanmidinuit
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      Pixel meint Ärzte und Pfleger.

      12.06.2015, 19:35 von TheCaptainsFiancee
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      übrigens auch keine Lobby. Wen denn?
      Ärzte haben keine Lobby?
      Soll ich ma lachen?
      denn die meinst Du ja wohl mit "Weisungsbefugten"
      Nein. Ich meine die Weisungsbefugten. Die Entourage halt. Pflegekräfte, Rettungskräfte...alle denen man als Azt halt Weisungen erteilen kann.
      So sieht die Realität aus.
      Weiss ich.

      Nichtsdestotrotz hab´ ich eigentlich nix gegen Ärzte. Warum auch? Sind ja auch nur Leute.
      Der Rest der teutonischen Welt is ja mithin keinen Deut besser.

      13.06.2015, 06:49 von PixelAspect
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    Gut geschrieben. In wenigen Szenen punktgenau die Atmosphäre in ihren wesentlichen Facetten getroffen & mit wenigen Worten die Umstände beschrieben, die menschlich & strukturell unsere Gesundheitsfabriken beherrschen, einschließlich der emotionalen Verletzungen, die einen hier täglich ereilen. - Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Dir diesen Blick erhalten & gerade deshalb eine bessere Ärztin werden kannst, als es M. & A. möglicherweise gelungen ist. Es ist eben sehr schwer in einer solchen Misere, die Ideale oben zu behalten. Indem Du sie in dieser Weise reflektierst, hast Du Dir ("wenn sie Glück hat") eine Möglichkeit geschaffen, wie Du damit umgehen kannst, ohne Deine Mitmenschlichkeit aufzugeben & lediglich nur noch ein funktionierendes Teil dieser Maschinerie zu sein. Es sind Menschen wie beispielsweise Herr N., die Dir zeigen, dass es geht. Wie auch immer.

    02.06.2015, 20:11 von jeanmidinuit
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      Danke sehr! Ich gebe mir Mühe.

      02.06.2015, 23:46 von Zerdenkerin
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     Du bist ein starker Mensch :*

    31.05.2015, 21:05 von Gabrielle_
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