black-dandelion 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 2

Der alte Mann mit dem Turban

Eins musst du dir merken, sagt der alte Mann mit dem Turban. Die Erde dreht sich immer weiter. Ob es dir gefällt oder nicht.

Eins musst du dir merken, sagt der alte Mann mit dem Turban. Die Erde dreht sich immer weiter. Ob es dir gefällt oder nicht. Ob du es verstehen kannst oder nicht. Sie dreht sich, dreht sich, dreht sich. Er runzelt die Stirn, kratzt sich im Schritt und fragt, ob ich diese Schippe voll Safran jetzt haben will oder nicht. Nein, denke ich, wenn er die Schippe jetzt mit dieser Hand voll macht, dann nicht. Sage aber ja, bedanke mich herzlich und ausführlich um die neuen Worte, die ich gelernt habe und ihre Wirkung zu testen.
Mit ziemlich viel Gewürz in einer ranzigen Plastiktüte schlendere ich weiter durch die Straße. Hier und da entdecke ich noch Eigentümliches, das ich nicht kenne und höre irgendwann den Muezzin zum Gebet rufen.
Seltsam, wie ruhig selbst die wuseligste Stadt um diese Zeit wird. Die Sonne geht unter und taucht alles in goldenstes Licht. Es ist wunderschön und ich denke an den alten Mann mit dem Turban. Er hat ja recht, meine ich. Manchmal versteht man nicht wie sich die Erde weiterdrehen kann.
Wenn das Glück einem wie eine wabbrige, dickliche Flüssigkeit durch den Körper fließt und man so zufrieden ist dass man hofft, die Welt würde für den einen Moment stehen bleiben, sodass dieses Gefühl für immer anhalten könnte. Tut sie aber nicht.
Gnadenlos dreht sie sich weiter und weiter, bis man wieder am Nullpunkt angelangt ist. An dem Punkt, an dem man fassungslos ist, wie die Erde sich in all dem Leid und Schmerz weiterdrehen kann, das sich einem in die Knochen frisst und sich dort erbarmungslos breit macht. Und nicht mehr gehen will. Sich weiter und weiter im Körper ausbreitet bis man sich am Ende verarscht fühlt wenn man bemerkt dass es mittlerweile Montag früh ist, wo man sich doch erst Freitagabend im Bett vergraben hatte um sie, diese Erde nicht sehen zu müssen.
Der Muezzin ist fertig. Die Menschen strömen aus der Moschee. Es folgt ein ausschweifendes Spiel auf einem mir unbekannten Musikinstrument, das in meiner gedanklichen Wortwahl unter "Tröte" laufen würde.
Morgen um diese Zeit wird er wieder spielen. Übermorgen auch. Wenn er in vielen Jahren nicht mehr kann, wirds ein andrer übernehmen. So ist das.
Die Erde dreht sich immer weiter und weiter. Auch wenn man das nicht versteht.

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5 Antworten

Kommentare

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    Sollte dieser Text einem Schulaufsatz eines Sechsklässlers entnommen sein, gebe ich ihm eine 4 plus .

    "Plus " wegen der erkennbaren Bemühungen, eine banale Erkenntnis mit metaphorischem Alleskleister, tagesaktuellen Schlagwörtern und ein wenig abendländischer Poesie zu einem Text zusammenzubasteln, der immerhin einen Anfang und ein Ende hat.
    Und wegen der akustischen Halluzination, die der Aufsatz mir bescherte:

    http://www.youtube .com/watch ?v=LjUIJ43Wl28

    15.09.2010, 16:46 von JackBlack
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    @apparat
    Nun - dann sag doch mal etwas Kluges zu diesem Text.

    Ich warte auf deine Weisheiten!

    15.09.2010, 14:21 von Jackie_Grey
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    Wenn Finsternis im Leben vergeht, ist man glücklich, dass sich die Erde dreht...
    Wenn man Glück verspürt, möchte man die Erde anhalten,um das wundervolle Gefühl zu konservieren.

    Ich finde, es liegt eine Tragik und zugleich eine Freude darin, dass sich die Dinge wandeln.

    15.09.2010, 10:37 von Jackie_Grey
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