Das Nasszellentrauma
Nix, aber auch gar nix ging mehr. Garnix.
Es gibt Dinge im Leben, die müssen nicht sein. Und weil sie nicht sein müssen, passieren sie einem erst recht. Mir zum Beispiel. Vor noch gar nicht so allzu langer Zeit, es war noch früh in der Frühe, saß ich aufm Klo, pinkelte verpennt so garnix denkend vor mich hin – stand auf, drehte mich zackich herum um die Abziehtaste zu drücken und musste in jenem Augenblick niesen. Dass ich nicht ohnmächtig vor Schmerz kopfüber in die Kloschüssel gekracht bin, ist ein Wunder für das ich ewig dankbar sein werde. Man stülle sich vor, ich wäre in der eigenen, heimischen Pinkelkeramik ersoffen. Das wäre sehr unschön gewesen. Vom Anblick ganz zu schweigen. Naja, den Anblick den ich dennoch bot war auch nicht so schön anzublicken. Der Nieser, welcher völlig überraschend kam, weckte mich nicht nur – nein, er schoss so rein druckmäßig geradewegs in meine Bandscheiben und legten alles lahm, was mir wichtig ist: mich.
Da stand ich nun, sagen wir, eher in sonderbarer und nicht ganz akkurater L-Form gekrümmt in unserer Nasszelle – den Kopf wimmernd auf dem Spülkasten liegend, den nackten Hintern gen Toilettenausgang der durch das Schlafzimmerfenster scheinenden Morgensonne entgegengestreckt – und jaulte bewegungslos vor mich hin. Auf der einen Seite meine hochrot heiße Birne, auf der anderen mein leuchtend weiß-kalter Arsch – und ich kläglich fiepend dazwischen. Das war also mein Ende, dachte ich so bei mir, während ich mit jedem auch noch so kleinsten Versuch einer Bewegung versuchte, jenem Ende zu entkommen und dies mit jedem Mal kläglicher ob der stechenden Schmerzen scheiterte – so sehr, dass ich gar nix mehr tat, außer zu jammern. Aber das ganz vorsichtig, wegen der Bewegung und so.
Nix, aber auch gar nix ging mehr.
Nicht vor und zurück, nicht seitlich, weder rauf noch runter. Nix. Da kauerte ich also seltsam gekrümmt in dieser unschönen Lage auf unserem Klo und hielt mich inzwischen und so gut es ging mit meinen Armen am Spülkasten fest, in der Sorge, dass ob einem Schwächeanfall meine Beine wegknicken könnten und ich tatsächlich noch in die Schüssel knallte. Nicht, dass ich jetzt auch noch den Kasten aus der Wand reiße, dachte ich des Weiteren und betrachtete das Teil argwöhnisch und bittend, jenes bitte nicht zu tun. Meine schwachen, von Schmerzen vertonten Hilferufe hörte natürlich auch keine Sau. Ein kleiner Nachteil bei alten und vor allem dicken Altbaumauern. Ich weiß nicht, wie lange ich da so zwangsgeschossen verharrte, ich weiß nur, dass so ein Geschoss in den Rücken was ziemlich Gemeines ist und wohl nicht mal seinem ärgsten Feind gönnt. Obwohl, aber naja, das ist ein anderes Thema.
Um bei diesem zu bleiben möge hinzugefügt werden, dass sich meine blanken Arschbacken derweil ganz schön kalt bis eisig anfühlten und ich sah mich schon mit einer schweren Grippe dahinsiechend auf meinem letzten Lager liegen. Naja, dachte ich, ist eigentlich jetzt auch egal wo und wie du abkratzt. Ich war mir sicher, ich würde. So oder so. Lange konnte ich eh so nicht mehr verbleiben, lahm und schummrig wie meine eingeknickten Beine da unter mir vor sich hinwackelten. So gegen 9 muss ich aufgestanden und zum Klo getrottet sein. Mein Magen knurrte und signalisierte, dass es um die 12 sein musste. 3 Stunden. Doch, gleich würde ich ersaufen. Ich hoffte, dass ich jetzt entweder ganz schnell und erlösend den Löffel abgeben, oder wahlweise mein Herzensmensch nachhause kommen und mich aus dieser misslichen und sehr schmerzvollen Nummer mit all seiner mir zugedachten Liebe erretten würde.
Wenn dieser Tag denn ein Dienstag ist, denn nur Dienstags kommt jener schon des Mittags heim. Es war ein Dienstag und er kam heim, an diesem Mittag.
Jener, der sich mein Herzensmensch nennt und mich angeblich abgöttisch und treu liebt, schloss die Wohnungstür auf, kam herein und fragte beim Anblick meines aus dem Klo rauslugenden Hinterns, ob denn schon Vollmond sei.
?!?
Um nun letztendlich eventuelle, sehr derbe Beschimpfungen hier und an dieser Stelle in Richtung jenes Menschen an meiner Seite meinerseits diskret zu vermeiden und so gerne ich das jetzt allzu gerne keifend tun würde, sei abschließend gesagt, dass dieser Mensch es schaffte mich langsam aus der Nasszelle auf mein Lager zu wuchten. Dies allerdings nicht ohne die völlig überflüssige und ebenso schmerzende Bemerkung, „…dass ich ja wohl irgendwie auch mal so an sich kleiner gewesen sein musste“. Das würde also das letzte sein was ich hörte, bevor ich gen Jericho abwupperte? Tzzz. Nun, nachdem der eiligst herbeigeeilte Hausarzt mich mit einer fetten Spritze einigermaßen von meinen fiesen Schmerzen erlöste, schlief ich schielend selig ein und dies nicht ohne den Gedanken, dass man solch eine bittere Qual nun wirklich nicht mal seinem ärgsten Feind in den Rücken wünscht.
Seinem Herzensmenschen da schon eher.







Kommentare
Freut mich, dass euch mein unendliches, überaus schmerzliches Leid amüsiert hat, besten Dank! ;-)
11.10.2012, 14:09 von derHalbstarkeOh je, fiese Situation, aber unterhaltsam be- und geschrieben :)
14.09.2012, 11:54 von CyroWunderbar!
14.09.2012, 10:40 von wordmageIch musste wirklich lachen, aber sicher nicht aus Schadenfreude, ich kenne diese gemeine Problematik..und die Obsorge des dazupassenden Herzensmenschen (mag das Wort gerne !), den man dann einfach nur noch schlagen möchte, wenn man denn könnte ;)
14.09.2012, 09:52 von seiduselbst:D
13.09.2012, 15:08 von Jingeling89da konnt ichs lachen nichmehr unterdrücken
...also wirklich. ^^
13.09.2012, 15:15 von derHalbstarke