greatbritain 26.09.2005, 12:26 Uhr 14 1

Das Leben in Kisten

Ich sitze inmitten 25 Jahre Leben, dass ich auf dem Boden verstereut habe und werde mal wieder sentimental.

Zunächst einmal: ich bin ein Mann. Genetisch bedingt bin ich daher ohne jeglichen Zweifel ein Jäger und Sammler. Ich kann da nicht anders. Doch jetzt wird es ernst. Ich ziehe um, von Stuttgart nach Hamburg und ich ziehe jetzt richtig aus, weil das Zimmer, das ich bei meinen Eltern im Untergeschoss bewohne, soll das neue Refugium meiner Schwester werden. Es ist jetzt nicht so, dass ich das erste Mal von daheim ausziehe, habe in Stuttgart, Frankfurt und München schon gewohnt, aber immer befristet - die Sicherheit nach Hause zu kommen und mich in die Sicherheit meines Jugendzimmers mit dem alten Mercedes-Kalender an der Wand, dem Lumibär in der Ecke und der Freiheitsstatue aus Plastik auf dem Schrank zurückzuziehen, war immer gegeben.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit alles nach Hamburg mitzunehmen, es ist also an der Zeit auszusortieren und vor allen Dingen auch noch wegzuschmeißen. Damit tue ich mir ja mal so richtig schwer. Weil man sich nun auch endgültig von seinem alten Leben verabschieden muss. Bis jetzt war das ja einfach, man zieht aus für eine Zeit, kommt zurück und stellt neue Kisten und voll bepackte Tüten in das Zimmer. Dieses Chaos hat meiner Mutter schon Schweißperlen auf der Stirn beschert und die vorsichtige Frage, ob ich denn ein Messie sei, weil ich alles sammle. Natürlich nicht, das kann man alles vielleicht noch brauchen ...

Nachdem ich die ersten Tage wie ein Chirurg mit größter Präzision aussortiert habe - sprich nur einen kleinen Bruchteil meiner gigantischen Sammlung aus Zeitschriften, Zeitungsausschnitten, Studiumsunterlagen und sonstigen Papieren - habe ich mich nun am Wochenende entschieden per Rasenmäherprinzip "alles muss raus" wegzuschmeißen. Die Papiertonne ist jetzt voll und mir kommt der Verdacht, dass der kleine Laubwald hinter dem Haus meiner Eltern nicht ausreichen würde um die Papiermassen aus meinem Zimmer herzustellen.

Dieser Schritt war jetzt schon mal befreiend, wenn auch noch relativ einfach. Kniffliger wird es, wenn es beispielsweise an meine Modellauto-Sammlung geht, die ich als Heranwachsender im Stimmbruch eifrig erweitert hatte. Was tun damit? Was mache ich mit meinen acht Briefmarkenalben inklusive 5l-Kiste mit noch nicht einsortierten Briefmarken? Ich muss feststellen, ich habe zuviel. Aber ich kann das doch nicht alles aussortieren, weggeben oder gar wegschmeißen. Da steckt doch Herzblut drin! Bücher wirft man ja ohnehein nicht weg. Die nehme ich auch mit, muss mir zwar noch was einfallen lassen, wohin damit, aber das wird sich finden.

Und dann beginne ich zu realisieren, während ich inmitten 25 Jahre Leben sitze und mich meine zerknautschte Stoffrobbe mit trüben Augen anblickt, dass ich hier etwas kappe - die Verbindung zu meinem Jugendzimmer, zu meiner Jugend und Kindheit. Ich ziehe aus aus meinem alten Leben und beginne endgültig mein eigenes. Ich lächle und stopfe meine Schulhefte aus der 9. Klasse in die Tonne.

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14 Antworten

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    ich besitze ungefähr 50 kleine Umzugskisten. Dabei hab ich jetzt aber nur noch 10 klappboxen.
    ich werde mich des ganzen restlichen ramsches, von dem ich gemerkt habe, daß ich ihn gar nicht vermisse, wohl bald entledigen, sie als "wundertüten" in ebay verstaigern. denn ich fühle, daß wenig besitz freiheit bedeutet.
    Deswegen werde ich wohl auch nie ein haus bauen:)

    31.01.2006, 10:06 von pacozaq
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    Oh das kenne ich gerade zu gut !
    Habe mich vor 2 Wochen auch endlich von diversen Dingen verabschiedet.
    Zum Teil tat es sehr gut, man räumt sein Leben auf.
    Und zum anderen hab ich geweint, als ich meine Puppe in den Müll warf...
    Aber es gibt Fotos und Erinnerungen und die, die man nicht mehr vor Augen hat, waren nicht wichtig genug.

    31.01.2006, 05:27 von Anoriel
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    bei mir was einfacher,ich schon richtig früh ausgezogen,wenn auch unfreiwillig.mit 14.
    und nach ca.2 jahren hab ich dann die sachen die ich mit nehmen durfte,mitgenommen.
    ein wäsche korb voll mit papierscheiss,2kisten und ein regal.dat wars.den rest haben sich meine eltern unter den nagel gerissen und haben natürlich auch schon vorher alles durchwühlt und sich die besten sachen davon raus genommen.
    ich hab nur noch 2-4 sachen aus meinem jugendzimmer-also das bei meinen altern.
    vom jugendzimmer in meiner ersten wg(gott,mit was für leuten ich zusammen gewohnt hab!!!)hab ich natürlich noch ein paar sachen.ich würd das schon als mein zweites jugendzimmer ansehen,weil ich ja erst 14 war.nur da es halt nich bei meinen eltern war.oder?

    05.01.2006, 07:25 von francceska
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      @francceska Ich denke, dass du das auf jeden Fall als Jugendzimmer bezeichnan kannst.
      Denn die "Jugend" faengt ja erst mit 14 wirklich an ...

      05.01.2006, 07:33 von Schokoente
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    Ich bin vor zwei Monaten von daheim ausgezogen und habe nicht wirklich sortiert, war'ne Sache von 2 Stunden (hatte ein 45m² Zimmer)
    Einfach alles weg, was nicht irgendeine besondere Erinnerung weckt.

    20.10.2005, 16:49 von BSV
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    meine eltern geben meinen kartons im keller auch noch asyl, aber ebenso wie ambers eltern, nur so lange, bis ich einen großen keller habe... ich habe es nämlich nicht übers herz gebracht schulhefte wegzuschmeißen, da steckt ebenso so viel herzblut drin... meine ganzen großartigen aufsätze der vierten klasse, nein, die kann ich nicht wegschmeißen, schon das wort ist alles andere als positiv besetzt.....

    mein vater droht mir bei jedem besuch zu hause damit, dass er alles wegschmeißen wird... ich bekomme regelmäßig einen panikanfall wenn er dies sagt und meine mutter fragt auch immer noch diesem m-wort.... nein, bin ich mit nichten, aber das ist doch nun mal alles meine vergangenheit... die geb ich doch nicht so einfach weg!

    also, lieber peter, trenn dich nicht von allem, irgendwann bereust du es doch.....

    ;)

    30.09.2005, 15:10 von MargieThunderstorm
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    Ich bin auch gerade mal wieder Mal umgezogen. Ich kann verstehen, wie schwer es fällt sich von Sachen zu trennen. Ich habe es gleichmäßig auf meinen Vater, meine Mutter und meinen Bruder verteilt. Überall stehen Sachen, von denen ich mich nicht trennen wollte /konnte.

    27.09.2005, 11:29 von curlyhead
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    Ich hab übrigens einen großen Boden...

    27.09.2005, 00:25 von somemightsay
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      @somemightsay den werde ich auch so schon nutzen ...

      27.09.2005, 00:27 von greatbritain
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      @[Benutzer gelöscht] zu meiner verteidigung sei gesagt, dass außer der stoffrobbe keins übrig gebleiben ist ...

      26.09.2005, 19:06 von greatbritain
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