nnoaa 30.11.-0001, 00:00 Uhr 197 11

Critical Mass

Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!

Fahrradfahren macht Spass!
Jeder, der diesen Satz unterschreiben kann und will, ist auf der Veranstaltung "Critical Mass" erwünscht und am richtigen Platz. Dabei schließen sich Fahrradfahrer zu einem "zufällig gebildeten" Verbund zusammen und fahren gemeinsam in gemütlichem Tempo durch die Stadt. Die Treffen finden in vielen mehr oder weniger großen Städten meist einmal monatlich statt. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Teilnehmenden enorm zugenommen. In Hamburg radeln teilweise bis zu 5000 Menschen. Das Schöne: Es darf auf der Straße und über Rot (nach)gefahren werden, wenn der Erste über Grün fährt.
Denn:
"Mehr als 15 Radfahrer dürfen nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden, der allerdings als solcher für andere Verkehrsteilnehmer deutlich erkennbar sein muss. Für diesen Verband gelten sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeuges und er hat z. B – als wäre er etwa ein Sattelzug – in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel zu fahren, selbst wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umschaltet. [...] Für Radfahrer eines Verbandes gilt zudem nicht die Radwegbenutzungspflicht nach § 2 Abs. 4 StVO und sie dürfen auf der Fahrbahn zu zweit nebeneinander fahren."
(Wikipedia, Critical Mass)

Dabei begreifen sich die Critical-Mass-Teilnehmer nicht als Demonstranten (es gibt auch keine verantwortlichen Veranstalter). Es wird nicht "gegen" etwas auf der Straße geradelt, sondern "für" etwas - nämlich einfach für das Fahrradfahren. Nebenbei soll damit auf Fahrradfahrer im Stadtverkehr aufmerksam gemacht werden. Dabei geht es um die Sensibilisierung von Fragen wie: Wer bekommt welchen (Stadt)Raum zugeschrieben? Und warum?
Der Autoverkehr nimmt einen beträchtlichen Platz im zu verteilenden/verteilten Stadtraum ein. Dabei stinken Autos, sind laut und teuer. (bah!)
Fahrradwege sind in den meisten Städten unzureichend ausgebaut, wovon auch tatsächliche Gefahren ausgehen, weil Autos nunmal eben die "Mächtigeren" auf der Straße sind.
Deshalb ist es auch ein besonderes Gefühl von Macht, wenn man mit vielen Fahrradfahrer auch mal die Straße beherrschen darf. Als ich das erste mal mitgefahren bin, war ich total geflasht. Von der Macht der Masse, der Ungewohntheit die Straße relativ ungefährlich zu nutzen und breit auszunutzen, der Fahrt durch einen Autotunnel (schwör, absoluter Adrenalin-Glückstaumel!) und vom sanften Klingelingeling der Fahrradklingeln im Gegensatz zu aggressiv lauten Autohupen.
Die Reaktionen der Autofahrer gehen in alle Richtungen. Manche hupen fröhlich zu (obwohl man nicht immer mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass es ein positiv, zustimmtendes Hupen ist.. aber die Vorstellung ist schöner :)), manche lassen sich durch Er- und Aufklärung beruhigen. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass sich gestört fühlende Autofahrer aggressiv und handgreiflich werden. So ein Fahrradfahrer ist mit seinem klapprigen Fahrrad ja mal schnell umgeschubst. Zum Glück passiert das relativ selten oder kann schnell gestoppt werden, weil eine große Masse gegenübersteht.
Auch die Freunde und Helfer sind (aus meiner Sicht) nicht immer das, was der Name verspricht.
Unter anderem wurde der Versuch von Straßensperren gestartet. Dort wurden auch die gesamten Teilnehmer der Critical Mass gefilmt. Als wären alle kriminell gefährliche Teilnehmer einer Pro-Terror-Demonstration. Das dürfen die alles gar nicht. Ich habe gleich mal Beschwerde eingereicht. :)
Das war sehr schade, weil sich das Verhältnis zueinander als recht respektvoll und aktzeptierend/tolerierend eingependelt hatte (soweit ich das mitbekommen habe).

Alles in allem finde ich die Critical Mass eine super Sache. Wenn Passanten fragen, warum wir das machen oder was das hier ist, kann jeder ganz einfach antworten: "Fahrrad fahren. Weils Spass macht.". Man braucht kein Vorwissen, keine bestimmte politische Einstellung, keine guten Argumente, kein Banner. Einfach nur ein Fahrrad und Freude daran. Dadurch sind auch wirklich viele Bevölkerungsschichten vertreten, von jung (auf dem Kindersitz) bis alt, von Student bis Professor bis Sekretärin bis Krankenpfleger bis Gangster bis Arbeitsloser bis Rentner, von Hippie bis bürgerliche Mitte. Auch deswegen mag ich das.

Jetzt ihr:
Seid ihr schonmal bei einer Critical Mass mitgefahren?
Wenn ja, wie waren eure Eindrücke? Gab es besonders schöne oder schreckliche/doofe Momente? Stattet ihr euch besonders dafür aus (Musik, Seifenblasen, Tröte, Fahrradschmuck, ..)?
Wenn nicht, würdet ihr mal mitradeln?
Was haltet ihr davon?
Würdet ihr als Autofahrer auch die Krise kriegen oder zuhupen? Schürt so eine Veranstaltung nur den Ärger auf/die Genervtheit über Fahrradfahrer (auf den Straßen)?
Und alles was euch sonst noch dazu einfällt! :)


PS: "Kritische Masse" bedeutet nicht (direkt) "Eine Masse die Kritik übt". Es ist ein Begriff aus der Kernphysik und bezeichnet das Phänomen der kritischen Masse bei der Neutronen(kern)spaltung.
"Eine Menge spaltbaren Materials besitzt dann die kritische Masse, wenn von den bei jeder einzelnen Kernspaltung freiwerdenden Neutronen durchschnittlich genau eines eine weitere Spaltung auslöst." (Wikipedia, kritische Masse)


Tags: Critical Mass, Deine mudda deckt sich vor Aldi mit Fahrrädern zu
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197 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Ich fahr lieber Auto mit lauter Musik und Fenster auf.

    04.07.2015, 00:20 von IceIceFriedhelm
    • 1

      Yeeahh wuuhh! Am besten ein Cabrio mit digitaler MegaBassBoost-Surround-Sound-Anlage.

      04.07.2015, 00:36 von SirMCPedta
    • 0

      ihr seid alle rüpel!

      04.07.2015, 09:48 von ga
    • 0

      ga darf nich mitfahrn. der hat rüpel gesagt. sowas sagt man nich inner gangster-hood.


      04.07.2015, 11:52 von SirMCPedta
    • 0

      hooded euch vor gangstas!

      04.07.2015, 11:56 von ga
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  • 2

    Ich bin in Hamburg schon mehrmals und auch bei sehr unterschiedlichen Wetterlagen mitgefahren, was die Größe der Masse schon beträchtlich beeinflusst. Es war jedes Mal ein Erlebnis, natürlich gerade bei schönem Wetter. Ich finde es, wie du auch schon beschrieben hast, super, dass ich als Fahrradfahrer keine Angst vor Autos und keinen Ärger mit unwegsamen Radwegen haben muss. Es geht um Spaß, es geht um Aufmerksamkeit und die Gemeinschaft.
    Und ja, durch einen Autotunnel mit dem Fahrrad zu fahren und den Hall von hunderten von Klingeln zu hören, kann wirklich sehr starke Glücksgefühle auslösen :D

    03.07.2015, 15:50 von die_hellen_tage
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    • 1

      Zu dem genauen Gebrauch der Benennung „Masse“ ist eine historische Anmerkung nötig: Um die klassische Definition der Masse in eine relativistisch korrekte zu überführen, wurde zunächst die Masse eines Systems einfach durch seinen gesamten Energiegehalt definiert, d. h. durch die Summe aus Ruheenergie und kinetischer Energie, dividiert durch den erwähnten universellen Faktor . So ergab sich die sogenannte „relativistische Masse“, die oft aber einfach nur als „Masse“ bezeichnet wurde. Je kleiner die kinetische Energie eines Systems gegenüber seiner Ruheenergie ist, desto besser stimmen beide Definitionen überein. Jedoch ist diese „relativistische Masse“ für ein und dasselbe System je nach dem Bezugssystem, in dem es beobachtet wird, so verschieden wie seine kinetische Energie. Die „relativistische Masse“ eines Systems variiert also mit seiner Geschwindigkeit, ist lediglich ein anderer Ausdruck für seine jeweilige Gesamtenergie und hat keine eigenständige Bedeutung. Nur die zur Ruheenergie gehörende Masse charakterisiert das System als solches, sie erhielt in diesem Zusammenhang den neuen Namen „Ruhemasse“. Diese Benennungen sind zwar noch häufig anzutreffen, werden aber zunehmend durch die moderne Wortwahl verdrängt: „Masse“ steht darin ausschließlich für die zur Ruheenergie gehörende Masse, ist also eine vom Bezugssystem unabhängige Größe, die das jeweilige System als solches charakterisiert.

      04.07.2015, 11:32 von ga
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    • 0

      ein masst

      05.07.2015, 10:56 von ga
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  • 3

    Nein, noch nie gehört, würd ich auch nicht mitmachen, weil ich keine "Massen" mag. Deswegen geh ich auch nicht auf Konzerte ( und weils mir da zu laut ist).

    Ich hab als Autofahrer ehrlich gesagt Angst vor Radfahrern.... Angst die zu überfahren.

    Als Radfahrer kenne ich aber dieses "Machtgefühl" über den Autofahrer... ich bewegen mich aus meine eigenen Körperkraft vorwärts und spüre den Fahrtwind... das ist schon spucky.

    Ich kenn das auch, was Nnaao da schildert, wie verrückt es ist, auf der Straße unterwegs zu sein, und zwar vom Firmenlauf. Da war aber alles abgesperrt und wir waren auf der Straße unterwegs.

    Letztes war bei uns die Autobahn gesperrt, wegen Brückenreparaturarbieten, da ham die Leute auf der Autobahn gegrillt und gesportelt, ganz spontan, ohne Flash Mob, kam abends in den Nachrichten... ich glaube, die hatten auch son Gefühl wie Nnooa ( die Bösen).


    03.07.2015, 13:51 von Tanea
    • 2

      Nnaao :D

      03.07.2015, 13:53 von nnoaa
    • 1

      Buchstabenwürfelsatz:

      e, e, e, n, r, e, o, a, n, ei,


      03.07.2015, 13:54 von Tanea
    • 0

      ... jaja, ich weiß, es ist halt zu heiß... :D

      03.07.2015, 13:55 von Tanea
    • 0

      das kommt davon, wenn man auf der auba grillt.

      05.07.2015, 10:59 von ga
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    • 0

      zwinkersmiley

      03.07.2015, 13:49 von nnoaa
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  • 0

    hahaha das will ich hier in Wuppertal 1x sehen bitte... wo das hier doch so fahrradfreundlich ist...

    03.07.2015, 12:19 von ramazotti-orange
    • 0

      starte es doch :)

      03.07.2015, 12:41 von nnoaa
    • 0

      gibts sogar schon.

      03.07.2015, 12:42 von nnoaa
    • 0

      stimmt, aber mehr als die talachse und die trasse zu fahren geht da hier sowieso nicht, es sei denn man ist scharf darauf die richtig steilen berge zu fahren.


      ich komme aus einer Stadt mit einer wirklich guten fahrradkultur, wo relativ viel Rücksicht auf Fahrradfahrer genommen wird, das gibt's hier nicht. da sind zugeparkte Fahrradwege noch das kleinste übel...

      06.07.2015, 07:50 von ramazotti-orange
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  • 2

    Das ist nur etwas für statusgeile Fixie- und Monogear-Lappen. Für den tagtäglichen Kampf als Fahrradfahrer müsste man lediglich alle Car2Go- und Taxifahrer erschießen.

    03.07.2015, 11:43 von stereoG
    • 0

      das ist gar nicht mal so angenehm, mit nem rennrad da mitzufahren. ;)

      03.07.2015, 11:51 von nnoaa
    • 0

      autosharer sind ne pest. vor  allem die scheißminis (xdrive oder so?) und die scheiß-smarts (???). fahren wie die sau, aber unberechenbare anfängersäue. keine linie. risiken auf vier rädern.

      03.07.2015, 20:27 von libido
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  • 0

    Hammer

    03.07.2015, 10:48 von ga
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    • 0

      na, uecker, gell

      03.07.2015, 13:51 von ga
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    • 1

      SS= StachelSchwein

      03.07.2015, 14:44 von mirror87
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  • 0

    In unserer kleinen Stadt gibt es das nicht, aber ich glaube ich habe das letztens in einer anderen gelesen. Würd ich ja gern mal sehen. Ob ich selber mitfahren würde, weiß ich nicht, da ich mir unsicher bin ob mir dieses in großer Gruppe fahrn gefallen würde.

    03.07.2015, 07:46 von -Maybellene-
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  • 0

    Ich hab das hier in Hamburg vor ca. 2,5 Jahren mal zufällig miterlebt, als ich auf einer Brücke stand und tausende Menschen mit Rädern, Musik, teils Lichterketten, Schmuck und ner Menge guter Laune den Verkehr lahm legten. Ich war sehr beeindruckt und das sah von oben schon wirklich schick aus.
    Da ich selbst kein Rad mehr habe, stellte sich die Frage des Mitfahrens irgendwie nicht.

    Ich wohne an einer Straße, an der erst vor wenigen Monaten eine Fahrradspur auf der Fahrbahn befestigt wurde. Trotzdem fahren die Leute immer wieder auf dem Gehweg. Versteh ich nicht.

    03.07.2015, 03:16 von nyx_nyx
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  • 1

    Die Rad(!)ikalisierung der Niedriglöhner nimmt seltsame Formen an. Es ist Sommer, ihr dummen Deutschen!

    03.07.2015, 00:06 von Boahmaschine
    • 1

      eh und wenn ich jetzt russin bin? und topfi norwegerin. und wherewhenwhy ami. und yuhi inderin? etc.
      nur weil wir deutsch schreiben, musst du uns noch nicht alle über einen kamm scheren. ;)

      03.07.2015, 00:24 von nnoaa
    • 0

      äh oder wen meinst du mit "ihr dummen deutschen!"?

      03.07.2015, 00:27 von nnoaa
    • 0

      Na die Militanten. Die Genussunfähigen. Woher sie auch kommen, ist völlig Wurst. Sie enden alle auf die gleiche Art.

      03.07.2015, 00:35 von Boahmaschine
    • 0

      jo. wollte das nur angemerkt haben.
      ich hoffe, du genießt wenigstens den sommer auf seine und deine gebührende art :)

      03.07.2015, 00:38 von nnoaa
    • 0

      Leider nicht wirklich, allerdings habe ich eine Ausnahmegenehmigung.

      03.07.2015, 01:17 von Boahmaschine
    • 0

      okidoki.

      03.07.2015, 01:19 von nnoaa
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Es gibt sich große Mühe, in der Tat.

      03.07.2015, 02:05 von Boahmaschine
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Naa. I glaub's eher need. 

      03.07.2015, 02:13 von Boahmaschine
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      Geh' dir mal Pickel ausdrücken.

      03.07.2015, 02:32 von Boahmaschine
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