Jakob_Schrenk 11.12.2009, 16:54 Uhr 31 0

Coolnessfalle

Warst du schon immer hip?

Ich gebe es zu: Ich war in meiner Schulzeit nicht besonders cool. Ich war auch nicht uncool (entschuldigt mir die juvenilen Begriffe). Eher so mittelbeliebt. Zwar fanden mich alle ganz nett und schlau und ich wurde auch nie gehänselt, aber irgendwie verstanden die von mir für so vieles bewunderten Checker nicht, warum ich so viele Bücher las, ein wenig zerstreut war und gelegentliche Discobesuche aus Langeweile ziemlich schnell abbrach (ich habe erst mit zwanzig verstanden, über was man da die ganze Zeit reden muss). Bei meinem ersten (und bisher auch letzten) Klassentreffen fiel mir dann auf, wie unterschiedlich sich die Leute entwickelt hatten. Die Tanzschul- und Drogenhelden schienen sich nicht so recht weiterentwickelt zu haben, viele wohnten immer noch in der Kleinstadt, aus der ich komme, sprachen Schwäbisch und führten ein verdammt langweiliges Leben. Die wirklich spannenden Gesprächspartner mit den interessanten Jobs und radikalen Lebensentscheidungen fanden sich bei den ehemaligen Nerds. Auch Stars wie Justin Timberlake und Kate Winslet berichten, in ihrer Schulzeit sehr unbeliebt gewesen zu sein und sehen ihrer Karriere auch als eine Form der Rache an ihren Mitschülern.

In meinen Artikel in der aktuellen NEON stelle ich deswegen folgende These zur Diskussion: Zu viel Anerkennung in frühen Jahren schadet, weil sie träge macht. Wer dagegen die Hänseleien der Klassenkameraden heil übersteht, kann es noch weit bringen.

Was meinst du? Habe ich Recht? Gibt es die „biographische Gerechtigkeit“? Und wie schaut das diesbezüglich bei dir aus? Warst du schon immer cool? Oder erst jetzt? Oder verhält es sich genau umgekehrt?

31 Antworten

Kommentare

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    Über das Wort "cool" kann man sich ja streiten, aber ich finde, dass an dem Artikel trotzdem was Wahres dran ist... kann das aus meiner persönlichen Erfahrung nur bestätigen...
    Ich war so ungefähr der größte Loser der Schule. Ich wurde verprügelt, ignoriert, von Mitschülern auf der Straße angepöbelt, als sie herausfanden, dass ich eine Website hatte, war mein Gästebuch binnen kürzester Zeit mit Beschimpfungen voll. (Hab dann auch in der 11. wegen Mobbing die Schule gewechselt, danach wurde es etwas besser.) Ich war der typische Nerd, der kein sportliches Talent, keine Vorstellung von Körperhygiene und keine Sozialkompetenz hatte und seine Nächte damit verbrachte, Kafka zu interpretieren und pseudophilosophische Pubertätsprosa zu verfassen. Meine Einstellungen (ich finde nicht, dass Homosexualität was Schlimmes ist, und meines Erachtens kann ein Mann genauso gut Kinder großziehen wie eine Frau) stießen in der vorderpfälzischen Provinz auch nicht unbedingt auf Gegenliebe. Ich wusste nicht, wen ich zu meinem 16. Geburtstag einladen sollte, weil ich keine Freunde hatte. Überhaupt keine. Alleine mit mir zu reden, hätte für jeden meiner Mitschüler den sozialen Tod bedeutet, Die einzige Person in der Schule, mit der ich regelmäßige Gespräche führte, war die Shculbibliothekarin.
    Und jetzt, mit fast 23? Ich lebe in der Großstadt, hab ein überaus aktives Sozialleben und ein paar sehr gute Freunde, studiere mein Traumfach und jobbe nebenbei beim Fernsehen. Manchmal kann ich immer noch nicht glauben, dass sich alles so geändert hat. Ich bin immer noch freudig überrascht, wenn ich tatsächlich auf eine Party eingeladen werde, obwohl das mittlerweile dreimal die Woche vorkommt. An meinem letzten Geburtstag saß ich staunend da und sah, wie die Bar, in der ich feierte, aus allen Nähten platzte, weil so viele Leute gekommen waren. Ich konnte gar nicht glauben, dass all diese Leute extra wegen mir, dem ehemaligen Paria der 10c hier waren. Irgendwie kann ich es immer noch nicht.
    Und die ehemals Coolen wohnen größtenteils noch bei Mutti und studieren Lehramt im Nachbarort, um auf die Schule zurückgehen zu können, auf der sie damals die Kings waren. Dass die möglicherweise auch mit ihrem Leben glücklich sind, möchte ich überhaupt nicht abstreiten.
    Was ich sagen will, ist nur: Mit 15 hätte ich meinen linken Arm dafür gegeben, um an der Stelle der "Coolen" in meiner Schule zu sein. Heute würde ich nie im Leben mit ihnen tauschen wollen.

    20.03.2010, 15:06 von SeverinaSkellington
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    EY! Wo is mein Kommentar??!!??

    17.12.2009, 09:02 von Lenulitschka
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    Ich war nie hip. Nur square.

    16.12.2009, 23:59 von Club-Fan82
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    Hmm.... nja, ich wurde in der Schule vielleicht nicht gerade gehänselt, aber doch öfter mal "geärgert". Ich war ziemlich frech, trotzdem Lehrerliebling, hab nich Gigi D'Agostino gehört und sah komisch aus. Beim Abiball ham mir trotzdem mindestens fünf Jugns verraten, dass sie mich eigentlich immer cool fanden, aber sich nichts anmerken lassen wollten, weil sie dachten, ihre Kumpels lachen sie dann aus. ->Loser
    Mittlerweile bin ich ja schön und alle, die mich lange nicht gesehen haben sagen erst "Man, dich hab ich ja gar nich erkannt" und dann gleich als nächstes "Wollen wir mal Kaffee trinken gehen?" aber DER Zuch is abgefahren.
    (Ach ja, und die meisten sind auch nie aus meiner Heimatstadt rausgekommen.)

    16.12.2009, 21:57 von Lenulitschka
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    "Die Tanzschul- und Drogenhelden schienen sich nicht so recht weiterentwickelt zu haben, viele wohnten immer noch in der Kleinstadt, aus der ich komme, sprachen Schwäbisch und führten ein verdammt langweiliges Leben."

    Hm,
    wirklich tragisch...

    und wann erfahren wir was von deinem hochinteressanten Gesprächsstoff?

    16.12.2009, 16:39 von Matsumoto
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      @[Benutzer gelöscht] Kalle?

      Sich selber als cool zu bezeichnen ist ja schon mal total uncool. Meine Freundinnen und ich gehörten bestimmt nicht zu den überirdisch, unerreichbar Coolen, aber uns wurde im Nachhinein schon oft erzählt, dass wir angesagt waren. Gut zu wissen nach all den Jahren.

      Auf dem 20-jährigen Abi-Jubiläum konnte ich allerdings keine biografische Gerechtigkeit entdecken. Großartigen Überraschungen? Fehlanzeige.

      16.12.2009, 17:00 von B.tina
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    Ich mußte erstmal kapieren, daß andere mich irgendwie doch cool oder toll fanden, das war für mich eigentlich keine Kategorie. Ich wollte eigentlich nur tun, was Spaß macht.

    Also ab der Schülerband-Zeit fand ich mich schon ein wenig cool - ich glaub, das gehört dazu. Dafür fanden aber viele unseren ersten Gitarristen trotzdem uncool, was ja irgendwie unlogisch ist. Wir haben uns dann von ihm getrennt.

    Cool fühle ich mich, wenn ich eine wenigstens von mir selbst akzeptierte Rolle einnehme. Das klappt als Musiker am besten, aber auch hinter der Bar oder meinetwegen bei einer Präsentation.

    Im Forum werd ich manchmal Cheffe genannt... das ist cool, hey.

    *g*

    Fazit: es gibt keine Gerechtigkeit, hoffentlich. ;-)

    16.12.2009, 14:51 von LudwigMartin
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    ich war früher ein kleiner dicker nerd an der schule, der manchmal wegen banalitäten gehänselt wurde und ich finde es schön zu sehen, wie die ganzen coolen aus der schulzeit immer weniger haare haben, eine immer größere pocke bekommen und immernoch die gleichen sachen wie vor 10 jahren tun während ich mich konsequent aus dieser zeit herausentwickeln konnte.

    16.12.2009, 13:36 von MisterGambit
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      @MisterGambit hierhin? na prima.

      16.12.2009, 13:46 von NivX
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      @NivX ich profitiere auch offline davon, dass ich hier texte online stelle.

      das wird bei dir vermutlich anders sein, wenn du mich so fragst.

      16.12.2009, 14:02 von MisterGambit
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      @MisterGambit offline?

      16.12.2009, 14:05 von NivX
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      @NivX Das ist doch alles nur Selbstwahrnehmnung. Man selbst und die anderen sind immer nur so cool oder uncool wie DU sie findest. Dabei geht es einzig und allein um eine subjektive Wahrnehmung. Und das wars schon. Wenn Du dich jetzt cool und alte Klassenkameraden uncool finden, wunderbar, dann ist das für dich so.
      Und die Aussage, Kleinstädter gleich uncool und Großstädter gleich cool, ist nun wirklich Unfug. Außerdem sagt dies nichts darüber aus, wie zufrieden oder glücklich jemand ist. Der eine mag für dich vielleicht unccol sein, aber wenn er trotzdem zufrieden und glücklich ist mit seinem Leben, dann ist ihm dein Denken über ihn vermutlich reichlich egal.

      16.12.2009, 14:13 von StereoGirl
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      @StereoGirl "Freier" Markt? Welcher freie Markt erzählt dir denn bitte schön, dass du früher unccol und heute cool bist?
      Das erzählst nur du dir selbst.
      Wenn du dich selbst gut findest, dann is alles paletti. Dann kriegst du die Klassenschönheit zwar wahrscheinlich trotzdem nicht ins Bett, aber das liegt dann nicht an deiner Uncoolness, sondern an ihrer Blindheit fürs Wesentliche.

      sicher wird es immer irgendwann jemanden geben, der mich scheiße findet. Und? Soll er doch. Ich finde auch viele Leute scheiße und sie und ich können wunderbar damit leben.

      Probleme macht man sich im wesentlichen selbst - und ebenso kann man sie auch wieder lösen.

      16.12.2009, 15:25 von StereoGirl
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      @StereoGirl es gibt immer und überall einen tödlichen konsens. vielleicht bin ich aber auch nur zu weich, KANN SEIN!

      16.12.2009, 16:00 von NivX
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      @NivX Oder einfach zu sehr auf andere fixiert.

      16.12.2009, 17:11 von StereoGirl
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    So richtig cool war ich, glaube ich, nie. Aber ich war auch nie uncool. Die, die mich cool finden, kennen mich, die anderen können mich :)
    Nein, im Ernst: ich habe nie versucht, cool zu sein. Aber vielleicht macht das ja auch einen "Coolen" aus: weil er nicht versucht, irgendwelche Bedingungen anderer zu erfüllen sondern einfach so ist, wie er ist.

    16.12.2009, 13:34 von Stefania2703
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