Blumengaenschen 21.12.2007, 18:10 Uhr 7 4

Aus dem Leben einer Taugenichtsin

Mein Zimmer sieht aus, als hätte eine Bombe nicht nur eingeschlagen, sondern auch gleich noch die Schränke sämtlichen Inhalts beraubt.

Einzig die nach spezieller Ordnung aufgereihten CD-Türme thronen über allem und stauben vor sich hin. Klamottenberge häufen sich, alt über neu über kaputt über gerade-noch-tragbar über gerade-jetzt-tragbar umarmen sich in innigem Einverständnis. Unverständnis wird lediglich durch meine Mutter ins Zimmer geschleudert, dringt, durch den winzigen Spalt, den die Tür noch aufzugehen vermag, leise an mein Ohr und verfängt sich in den Wollmäusen, welche die Zimmerecken beherbergen. Das Selbstexperiment, wie lange man es als Hausstauballergiker mit eben solchen Mitbewohnern aushält, funktioniert seit 5 Jahren perfekt. Desensibilisierung soll ja auch sehr sinnvoll sein.

Da sitze ich nun, Königin der Müll-, Papier- und Klamottenhalde und überblicke mein Reich. Mein Auge erspäht einen gelben Zipfel. „Die Verwandlung“ lugt mich aus einem Hosenbein hervor an und macht mir Vorwürfe. Fast erwarte ich, dass gleich ein kafkaeskes Getüm heraus gekrochen kommt, doch lediglich die kleine Spinne, die unter dem Schrank ihre Zelte aufgeschlagen hat, lässt sich blicken.

Auch so habe ich mit genug Unwesen zu kämpfen, die mich ans Bett fesseln- mit dem Laptop auf dem Schoß und dem Tee in der Hand. Zu lernen wäre einiges, doch wer lernt schon gerne inmitten seiner Abfallprodukte? Wegzuräumen wäre eine Option, die es abzuwägen gälte, doch ordne ich lieber die Musik auf meinem Computer, die ja schließlich Lebenselixier und somit den Aufräumprozess doch um einiges mehr wert ist, als das ganze Chaos drum herum.

Mein Universum, in welchem ein gewisser Herr Schwein E. Hund Herrscher ist, könnte so einfach sein, wenn es die Außenwelt nicht gäbe. Ein Anruf schreckt mich aus angestrengtem Sinnieren und der Erwägung einer eventuellen Fortbewegung Richtung Kühlschrank und zwingt mich zu akuter Gliederbeanspruchung. Ein Mensch des sozialen Umfeldes- in welches ich anscheinend trotz allem noch eingebunden bin- nötigt mich ob des nun anklingenden baldigen Besuches, sämtliche Überlegungen über den Haufen zu werfen und das Zimmer von selbigem zu befreien.

Tatsächlich dauert eine oberflächliche Notreinigung weitaus weniger Zeit, als zunächst angenommen und das verdächtige Rumpeln aus den Untiefen des Schrankes, der mit einem Bademantel-Gürtel professionell verbarrikadiert ist, wird von der nun perfekt geordneten musikalischen Computer-Playlist übertönt.

„Ach, schöne Musik. Du hast hier aber auch immer alles picobello aufgeräumt, oder?“

„Hmm…wuff?“

„Psst… Herr Hund, morgen darfst du wieder raus…“

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    :D ich erkenne mich auch total in dem text wieder.. man verschwendet lieber ne stunde oder auch 2 um seine musik am laptop zu ordnen, als irgendwas anderes eigeltich zimlich dringendes zu tun. und sobald sich dann freunde ankündigen... ja der schrank hilft mir immer sehr beim "aufräumen"! :D

    01.05.2008, 22:46 von FraeuleinLuise
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    *Hand reich*
    ;)

    06.03.2008, 18:35 von Wasserpirat
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    Och, ich kann mich mit dem Ich-Erzähler identifizieren! Anders verhält es sich mit Gregor Samsa. Oller Käfer.

    04.03.2008, 22:45 von modest_eye
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    das aufräumen/ordnen der musik funktioniert aber auch so viel besser. wilkommen im club.

    03.02.2008, 00:19 von adornoir
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    hahaha, wie wahr, wie wahr.


    *signed* :D

    05.01.2008, 13:05 von BonbonAusWurst
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