7 Min. das volle Leben? Macht 3,80 bitte
Einkaufen ist wunderbar. Man gibt Geld für schöne Dinge aus, über die man sich freut, weil sie einem ganz allein gehören.
Und damit der Parcours in der Supermarkthalle noch ein bisschen spannender wird, hat man sich ein paar lustig-listige Hindernisse einfallen lassen, die man vor Zieleinlauf bewältigen muss, um schließlich in den vollen Genuss der rechtmäßigen Warenannahme zu kommen.
Da wäre zunächst einmal der vollgeparkte Parkplatz, dessen einzig freier und sonnenrunterknallender Platz der neben den Müllcontainern ist.
Dann der fehlende Euro für den quietschenden Einkaufswagen, dessen Hinterräder sich ständig sperren, da diese leicht verrostet und/oder verbeult sind.
Der zu Hause liegen gelassene Einkaufszettel, ohne den man eigentlich nur Zeug kauft, das man NICHT braucht, um dann am nächsten Tag einfach gleich wieder einkaufen gehen zu können.
Das Tomatenmark, was immer GANZ OBEN liegt, sodass man entweder das halbe Regal umstößt oder 10 Minuten in der Regalreihe warten muss, bis jemand kommt und… an dir vorbeischiebt ohne zu helfen.
Die Frau, die genau vor DEM Käse steht, den ICH will und sich keinen Zentimeter davon weg bewegt, meterlange Warteschlangen, wobei die eigene immer die längste und lahmste ist und nicht zuletzt: Redselige, sich vor der Arbeit drückende Kassiererinnen, zu zweit oder mehr, die so tun als müssten sie kniend vor dem Taschentuchregal irgendwas total Geheimes einräumen, was von so bedeutsamer Wichtigkeit und Dringlichkeit ist, dass sie die Köpfe so zusammenstecken müssen, dass ja keiner sehen kann, was da zwischen Tempo und Zewa passiert.
Das Problem, wenn sie das machen: Sie kassieren dich nicht ab.
Das heißt, ich als wartender Kunde an der Kasse bin gezwungen, mich irgendwie bemerkbar zu machen.
Erst ein räuspern. Dann zwei. Ein Husten. In mein eigenes Top-Secret-Tempo schnäuzen. Den Autoschlüssel aufs Laufband hinknallen. Die Ware fallen lassen. Nochmal fünf Schritte zurück treten und wieder hin zur Kasse vorschreiten, in der Hoffnung meine Bewegungen erzeugen einen derartigen Luftstoß, dass es die beiden Damen hinter den Regalen umhaut. Oder mich einfach IRGENDWIE zur Kenntnis nehmen.
Dann der rettende Entschluss:
„Ähm…. Tschuldigung?????!!!!“
Ein kurzer Blick. Sie schrecken hoch. Und kommen gleich beide zu mir.
Hurra :)
Sie reden immer noch. Aber nicht mit mir.
Kein Hallo, kein Entschuldigung, Nichts.
Die eine setzt sich hinter die Kasse, die andere stellt sich neben mich.
Wüsst ich’s nicht besser, ich müsste glauben, ich bin gar nicht hier.
(Anmerkung: Der nun folgende Dialog zwischen den zwei Damen wird wort- und dialektgetreu wiedergegeben. Bei Verständnisproblemen: Eine Mail an mich – ich übersetze.)
„Ja, losst di der ned mit seim Auto fohn, oda wos?“
„Na, und is a bessa so“
„Also meina losst mi scho fohn, der muas einfach – hiahia“
„I bin mid meim ja gar nimma zamm - hehe“
„Wos??“
„Seit Freitog nimma“
„Ah geh – I mid meim scho no, hamma gestern a erst an Mietvertrag unterschriebn!
„Macht 3,80 bitte“
„Ja und warum sads nimma zam?“
„Weil a a Depp is und mit na andern gveglt hod“
Beide Blicke auf mich gerichtet.
Stille.
Ich bin etwas peinlich berührt.
Was soll ich jetzt sagen?
Dass ich mit meinem eigenen Auto hier bin?
Dass ich weder betrogen wurde noch verlobt bin?
Was??
Ich nicke einfach. Grinse verlegen. Und schau etwas pikiert.
Krame in meiner Geldbörse nach 80 Cent.
Lege dann doch einen 5 Euro Schein hin.
Wortlos.
„Ja, aiso, mir is der ja imma scho a bissl komisch vorkemma, muas i dir ganz ehrlich sogn“
“Mei… es hat hoid ned sein solln. Hauptsach du bist no mit deim Schatzall zam, gell?“
„Jaaaaa, meiner dad sowos NIEEEE doa“
Wieder beide Blicke auf mich.
Ich will mein Wechselgeld. Bitte. Schnell.
Oder sollte ich jetzt wieder was sagen?
Dass ich es auch irgendwie immer gewusst habe, dass er eine andere hat?
Dass ich mir auch sicher bin, dass „Schatzall“ dagegen sowas NIEEMALS tun würde?
Ich müsste lügen.
Deswegen bin ich einfach mal still und warte bis Frau-ohne-Freund-und-Auto mir mein Geld gibt.
Mit 1, 20 Euro Wechselgeld in der Hand verlasse ich den Laden.
Und überlege, warum ich mir das jetzt anhören musste.
7 Minuten.
Ich wollte nur einkaufen.
Doch man hat mich schamlos als Ohrenzeuge missbraucht.
Und ich frage mich:
Wann werden eigentlich diese vollautomatischen Selbstbedienungskassen eingeführt???
Bitte??!




Kommentare
Sehr realistisch und unterhaltsam geschrieben, koestlicher Dialekt ;-)
08.10.2007, 23:09 von frikadelleHier in England gibt es die Selbstbedienungskassen schon seit anderthalb Jahren, wenn man Pech hat, sind die auch nicht schneller, aber sie quasseln wenigstens nicht...
Göttlich !!!!
27.09.2007, 17:39 von P.Inc.Auch alles verstanden.
18.09.2007, 22:17 von Kackfee.Kenn ich, schrecklich.
Yep, alles verstanden. Meine Eltern kommen aus der Ecke, von daher ^^
18.09.2007, 21:42 von hanatabaSchön geschrieben. Und der Dialekt, göttlich. :D
18.09.2007, 19:58 von hanataba