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Wenn alles so einfach wäre

James Shikwati hat in der aktuellen NEON-Ausgabe argumentiert, dass Entwicklunhshilfe mehr schadet als hilft. Barbara Wieland hält dagegen.

Reißerisch ist es allemal, was James Shikwati geschrieben hat – und deshalb wird sein Text bestimmt seine Leserschaft gefunden haben. Zumal der Artikel altbekannte Klischees bedient, die so wunderbar in unsere Vorstellung über Afrika passen: Ein Kontinent, der außer korrupten Eliten, Kolonialismus, Ausbeutung und Elend nichts kennt und dem anscheinend nicht zu helfen ist. Irgendwie haben wir es doch schon immer gewusst, diese ganze Entwicklungshilfe ist überflüssig, Afrika sollte sich selbst überlassen werden. Und jetzt schreibt das noch ein Afrikaner selbst – umso mehr muss diese Deutung stimmen. Da können wir uns ja getrost zurücklehnen, unsere eigenen Sorgen pflegen und vergessen, dass auf unserem Nachbarkontinent alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria stirbt.

Doch so einfach ist es nicht. Der Text von James Shikwati ist ein polemisches Pamphlet eines „angry young man“, der viel Aufmerksamkeit erregt, ohne auch nur einen einzigen Beweis anzuführen. Er rüttelt zwar auf, ist aber sowohl in Zustandsbeschreibung, Analyse und Lösungsweg strikt einseitig und damit falsch, wie alle Schwarz-Weiß-Malereien.

Zum ersten: James Shikwati hat ein Geschichtsverständnis, das jeder modernen Geschichtsschreibung widerspricht. Angefangen von der Kolonialzeit bis zum heutigen Zeitpunkt ist die gesamte afrikanische Geschichte – immerhin ein Kontinent mit 54 Staaten und 1200 bis 2000 Sprachen – nach seinen Vorstellungen strikt linear abgelaufen. Es begann alles in einer intakten vorkolonialen Zeit; dieses vermeintliche Paradies wurde dann zerstört, wovon sich das heutige Afrika bis heute nicht erholt hat. Sicher ist es richtig, dass die Kolonialmächte unermessliches Leid anrichteten, Menschen massakrierten und misshandelten, Ungleichheiten verstärkten und den Kontinent ausplünderten. Diese grausame Kolonialvergangenheit soll keineswegs beschönigt werden, doch sind die Kolonialherren weder in eine paradiesische Welt eingebrochen, noch lassen sich alle heutigen Entwicklungen pauschal mit dem Rückgriff auf Kolonialismus erklären. Diejenigen, die zuletzt ein solch linear entwickeltes, simples Geschichtsverständnis geprägt haben, waren die Marxisten. Mit ihrer ausschließlich auf wirtschaftliche Gesichtspunkte zurückgeführten Analyse haben sie zentrale Determinanten historischen Wandels wie Mentalität und Persönlichkeit komplett ausgeblendet. Im Prinzip ist damit James Shikwati, der sich als moderner Ökonom US-amerikanischer Prägung versteht, gar nicht so weit von der Vorstellung entfernt, die ein Lew Iljich Lenin propagierte: Der Imperialismus ist die höchste und verdammenswerteste Stufe des Kapitalismus. Nur schließt sich der neoliberale Ökonom Shikwati nicht dem Kommunisten Lenin an, den Kapitalismus durch Revolution und Diktatur des Proletariats zu überwinden.
Zum zweiten: An den heutigen Problemen Afrikas, die sicher nicht zu leugnen sind, sind einzig und allein „die anderen“ schuld. Erst waren es die Kolonialherren, heute sind es die Entwicklungsexperten. Immer haben die weiter entwickelten Nationen versucht, Afrika für ihre Ziele zu instrumentalisieren. So unterstellt James Shikwati auch den modernen Entwicklungsfachleuten, sie würden immer noch nach kolonialen Schemata handeln und Entwicklungszusammenarbeit als Mäntelchen nutzen, um ihre knallharten Wirtschaftsinteressen zu verbrämen. Auch hier sitzt James Shikwati dem Fehler der gnadenlosen Vereinfachung auf. Sicher mag es Industrieländer geben oder gegeben haben, die Entwicklungszusammenarbeit als Türöffner für Exporte betrachten. Doch glücklicherweise hat sich diese Vorstellung in weiten Teilen Europas überlebt. An dieser Stelle komme ich zum dritten Punkt:
Die Vorstellungen von Entwicklungszusammenarbeit, die in Shikwatis Artikel zum Ausdruck kommen, sind hoffnungslos veraltet. So wie es 1989 eine Wende in Europa gab, so hat der Niedergang des Kommunismus auch seine Auswirkungen auf die Entwicklungszusammenarbeit gehabt. Waren vor 1989 Mittel gerade der US-amerikanischen und sowjetischen Entwicklungszusammenarbeit relativ unkontrolliert auch an Despoten geflossen, um eigene Einflusssphären zu „kaufen“, so hat nach 1989 ein Umdenken eingesetzt. Mehr und mehr werden Mittel der Entwicklungszusammenarbeit an Bedingungen geknüpft: Nur wenn eine Regierung nachweist, dass Entwicklungszusammenarbeit wirklich für Armutsbekämpfung ausgegeben wird, dann ist auch mit entsprechenden Zuwendungen zu rechnen. Gleichzeitig gibt es Kontrollmechanismen, um Korruption zu vermeiden. So zahlt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihre Mittel programm- und projektgebunden, also nicht einfach in das Staatssäckel eines korrupten Herrschers. Das bedeutet, dass Geld erst dann fließt, wenn auch konkrete Leistung erbracht wird. Und wenn sich die Gegenseite nicht auf die Prinzipien Armutsbekämpfung und ein gewisses Maß an Transparenz einlässt, dann kann die Entwicklungszusammenarbeit auch eingestellt werden. Beispiel Zimbabwe, Beispiel Swasiland.
Doch noch weitere Vorstellungen über Entwicklungszusammenarbeit sind in diesem Text veraltet. Kleiderspenden werden seitens der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit schon seit Jahrzehnten nicht mehr geleistet oder finanziert, genauso wie wir insgesamt Entwicklungszusammenarbeit nicht als „Entsorgestation für Gebrauchtwaren“ benutzen. Das widerspricht unserer Würde und der Würde der Menschen in den Entwicklungsländern.
Eine ganz zentrale Veränderung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit scheint James Shikwati auch übersehen zu haben. So gibt es beispielsweise seitens der Geberländer zahlreiche Bemühungen, die Entwicklungszusammenarbeit zu bündeln. Dadurch werden Entwicklungsländer nicht mehr gezwungen, jährlich Dutzende von ausländischen Delegationen zu empfangen. Die Koordinierung der Entwicklungszusammenarbeit soll nun ein europäisches Geberland stellvertretend für alle anderen übernehmen. Damit gehören solche Geschichten wie die 2100 Berichte in Tansania der Vergangenheit an – genau wie auch die so genannte Lieferbindung. Während früher Entwicklungszusammenarbeit nur geleistet wurde, wenn dadurch Unternehmen im Herkunftsland der Hilfe profitierten, werden heute Entwicklungsprojekte ausgeschrieben. Dann regiert nicht der ökonomische Nationalismus, sondern das Prinzip der Marktwirtschaft bei der Auswahl. Der wirtschaftlichste Unternehmer erhält den Zuschlag, egal woher er kommt. Eigentlich ein Verfahren, dass dem Ökonomen Shikwati gefallen müsste.
Nur ganz am Rande: Woher nimmt James Shikwati eigentlich die Behauptung, Hilfsorganisationen würden Statistiken fälschen, um das Elend und damit auch ihre Bedeutung größer zu machen? Aus einem anderen Kontext kenne ich seine Behauptung, in Kenia seien völlig überhöhte Zahlen zu den mit HIV-Infizierten im Umlauf. Richtig ist aber vielmehr, dass in Kenia tatsächlich durch massive Arbeit, Aufklärung und Prävention die Ansteckungsraten gesunken sind. Das hat nichts mit Statistik-Fälschen zu tun – und wer die Bedrohung durch HIV/Aids herunterspielt, erinnert sehr an die früher verfehlte südafrikanische Aids-Politik, die Menschenleben aufs Spiel setzte, statt sie zu retten.

Zum vierten: Mit seiner monokausalen Vereinfachungsanalyse kommt James Shikwati auch zu einer simplen Einfachantwort. Lasst uns Afrikaner in Ruhe, wir schaffen es schon selbst, und alles andere wird der freie Markt schon richten. Wenn das wirklich so einfach wäre, warum hat dann dieses Prinzip bisher nicht funktioniert? Richtig ist doch vielmehr, dass man ein Land ohne Transportwege, ohne ausgebildete Handwerker und Ingenieure nicht einfach dem Markt überlassen kann. Ein rein agrarisches Land dem freien Wettbewerb in Zeiten von WorldWideWeb und Hochtechnologie auszusetzen, wäre so, als ob man einen Kurzsichtigen zum Lesen des Kleingedruckten zwingen würde, ohne ihm eine Brille zu geben. Anders ausgedrückt: Wir bieten mit unserer Entwicklungszusammenarbeit an, gemeinsam Strategien zu entwickeln, damit die Menschen in Entwicklungsländern ihre Brillen selbst bauen können und unterstützen sie bei der Anwendung. Und erst wenn „die Brille sitzt“, kann über gleichen Wettbewerb zu gleichen Bedingungen nachgedacht werden.

Zum fünften: Entwicklungszusammenarbeit wirkt, wenn sie richtig angewandt wird. Zu dieser richtigen Anwendung gehören zwei, derjenige, der Entwicklungszusammenarbeit leistet, und derjenige, der sie erhält. Auf der Geberseite haben sich, wie oben dargelegt, in den vergangenen 15 Jahren erhebliche Verbesserungen eingestellt. Die Verfahren wurden vereinfacht und gestrafft, die Lieferbindung wurde abgeschafft, die Absprachen unter den Gebern sind intensiver und verbindlicher geworden, die internationale Arbeitsteilung nimmt zu. Mittlerweile wissen wir auch, unter welchen Bedingungen Entwicklungszusammenarbeit ihre besten Wirkungen entfaltet. Zentral sind dabei funktionierende Strukturen, Verwaltungen und Institutionen. Denn viele Entwicklungsländer leiden nicht unter zuviel Staat, sondern unter zuwenig Staat, der nicht ausreichend Steuerungsmöglichkeiten hat, um eine flächendeckende Schulbildung, Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung anzubieten. Diese Prinzipien versuchen wir auch gemeinsam mit unseren afrikanischen Partnern umzusetzen, weshalb ein Schwerpunkt unserer Arbeit die Stärkung von guter Regierungsführung ist.

Insgesamt braucht sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit mit ihren Erfolgen nicht zu verstecken: So ist seit 1990 der Anteil der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar am Tag leben müssen, von knapp 28 Prozent auf etwa 21 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Kinder, die eine Frau auf die Welt bringt, ist seit 1960 halbiert worden. Waren es damals mehr als sechs Kinder, so sind es heute ungefähr drei. Bei schwangeren Frauen in Uganda ist die Ansteckungsrate von 1990 bis 2001 von 30% auf 10% gesunken. Diese Liste ließe sich deutlich fortsetzen.
Auf diesem Weg gilt es weiterzumachen, gemeinsam immer wieder nach den besten Lösungen zu suchen und sich an Erfolgsbeispielen wie Südkorea oder Botswana zu orientieren. Denn Entwicklungszusammenarbeit einzustellen, würde bedeuten, überforderte Staaten und Regierungen mit ihren Jahr für Jahr mehr als eine Million an Malaria gestorbenen Kindern allein zu lassen.
Von Barbara Wieland, Pressesprecherin des Bundesentwicklungsministeriums

24 Antworten

Kommentare

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    Wenn doch nur alles SO einfach wäre...

    Afrika gehen jährlich 150 Milliarden Dollar durch Korruption abhanden. Wem werden wohl diese Dollars zugekommen sein? Den knapp 950 Millionen Einwohnern mit Sicherheit nicht, immerhin leben 40% von weniger als einem Dollar pro Tag.
    William E. Watson, Wirtschaftsexperte, bringt es auf den Punkt: Foreign aid goes from Government to Government.
    Und in Afrika werden sicher Freudentränen geweint, wenn sie sich den Strukturanpassungsprogrammen der World Bank anpassen müssen.
    1. Das Land verliert seine Identität
    2. Soziale Kosten (für Nebensächlichkeiten wie Gesundheitswesen, Schule usw.) werden zwangsweise gekürzt, womit dann alles wieder auf die Frauen abfällt
    3. Durch das Fokussieren auf möglichst gewinnbringende Exportgrüter werden andere Wirtschaftszweige vernachlässigt und die Umwelt spielt dann mit Sicherheit ebenfalls nur noch eine untergeordnete Rolle.
    4. Privatisierung- häufig von allen staatlichen Einrichtungen, willkommene Nischen für ausländische Parasiten, zB Nestlé. Wieso auch nicht das für das Überleben absolut essentielle ELement Wasser zu einer Ware machen?

    Live Aid hat 200 mio $ sammeln können. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn so viel beträgt die Summe, die Afrika wöchentlich zahlen muss (ode rmüsste) um die Schulden zu begleichen. Und das sind nur die Zinsen...
    (worldwatch paper 2001)

    Foreign aid goes from government to government.

    Wenn das direkte Zahlen von finanzieller Unterstützung endlich ein Ende hat, werden zumindest die korrupten Mächte in Afrika ein großes Problem haben, denn darauf (worauf sonst?) fundiert ihr Lebensprinzip. Wenn Geld nur noch indirekt in Form von landwirtschaftlich bewanderten Ausbildern vor Ort, Bau von Schulen, etc. nach Afrika fließt, werden diese vielleicht nach150 Jahren ihr Potenzial wiederentdcken und merken, dass man auch mit dem Nachbarland Handel betreiben kann, sogar darauf angewiesen ist als Binnenstaat.
    Dies hat beispielsweise in Botswana funktioniert, wo deBeers ein 50-50 Handelsunternehmen mit Botswana auf deren Diamentenmine aufgebaut hat. Gleichzeitig engagiert sich deBeers in puncto Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft, was mit Botswanas Kooperation möglich gemacht worden ist.

    Thomas L. Friedman bezeichnet GLobalisierung als "Golden Strait Jacket", die den teilnehmenden Ländern westliche Werte aufdrängt.
    Es wird Zeit, dass Afrika mehr wird als nur eine Ansammlung von Produktionssatelliten der westlichen Wirtschaftsmächte und seine Werte wiederentdeckt.

    Damit ist keinesfalls ein Ende der Verantwortung abzusehen, im gegenteil, man sollte daran arbeiten, Afrika als souveränen Handelspartner zu betrachten und seine werte zu akzeptieren. Afrika wird auch ohne SAPs unsere Güter importieren können und wenn seine Elite dort Zukunftschancen sieht, kann ein Kontinent langsam aber sicher ein Kontinent auf Augenhöhe werden.

    Und uns bleibt zu hoffen, dass die afirkanischen Nationen und ihre wirklich afrikanischen Menschen (n icht solche, die westliche Schulen besuchten) ihrem Prinzip Ubuntu, das durch die Invasion westlicher Werte unterdrückt wurde, treu zu bleiben und es ihnen bereits ermöglichte, den Tätern der Apartheid durch deren Reue zu verzeihen.

    19.11.2008, 08:17 von Fiona_kb
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    "sie verwendet jedenfalls die gleiche polemische, reißerische schreibweise, wie der mann, den sie versucht mit solchen argumenten anzugreifen"
    ... recht hast du!!!
    aber lass schternschen doch ruhig ihr anekoedtchen erzehln... ohne ihr gleich an den hals zu springen - is zwar nicht das diffrenzierteste beispiel - ber eben doch 'ein' beispiel ...
    Ansonsten muesste man sich mal wieder in der beruehmten Mitte der beiden bescheiden gesagt komplett ueberzogenen Artikel treffen... und nich soviel daherreden, was nicht ernsthaft belegt werden kann und lementeriende stimmungsmacherei traegt nicht gerade dazu bei, die Problematik wirklich zu loesen ...

    23.02.2006, 16:46 von sagillicious
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    1.@schternschen
    wenn man den artikel nicht gelesen hat und nicht richtig mitreden kann, dann sollte man dies auch nicht tun, oder? hauptsache selbstdarstellung und senf abgeben... aber da steht schternschen nicht allein!
    2.@fr.wieland
    der artikel an sich: nun ja es lässt sich wohl drüber streiten wer recht hat und was richtig und falsch ist in dieser schwierigen situation. ABER, es geht mir verdammt nochmal der hut hoch, wenn jemand für entwicklungshilfe wirbt mit den worten: "So ist seit 1990 der Anteil der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar am Tag leben müssen, von knapp 28 Prozent auf etwa 21 Prozent zurückgegangen."
    auf der einen seite wirklich eine bemerkenswerte leistung... gnaze 7% in 16 jahren und auf der anderen seite (und hier wirds kritisch); was ist denn bitte ein lausiger dollar und was ist der hoite im vergleich zu einem dollar von damals denn noch wert?
    sie verwendet jedenfalls die gleiche polemische, reißerische schreibweise, wie der mann, den sie versucht mit solchen argumenten anzugreifen.

    24.01.2006, 11:58 von norbertnaksch
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      @norbertnaksch Genau deswegen hab ichs ja dazugeschrieben!
      Meine Güte, man kann sich auch aufregen...
      Das hat erstens, mit Selbstdarstellung überhaupt nichts zu tun und zweitens habe ich auch nicht meinen Senf abgegeben, sondern meine Meinung gesagt.
      Schönen Tag noch, *

      30.01.2006, 15:03 von Schternschen
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    HI!
    Ich habe den Artikel in der Neon noch nicht gelesen und kann deshalb auch nicht richtig mitreden. Was mir dazu einfällt ist nur, dass die Menschen in Entwicklungsländern manchmal das, womit wir ihnen unbedingt helfen wollen und was uns so wichtig erscheint, garnicht haben wollen. Der Partnergemeinde unseres Dorfes, Nyundo in Rwanda, Afrika, haben wir eine Solaranlage mitgebracht, die heißes Wasser gibt um die neugeborenen Babys in der Gesundheitsstation zu waschen. Als wir da waren fanden das alle noch ganz toll, aber hinterher hat uns der Priester erzählt, dass alle garnicht so richtig wussten, weshalb wir die Anlage überhaupt mitgebracht hätten. Sie hätten die Babys schon immer mit kaltem Wasser aus dem Fluss gewaschen und das wäre nie schlecht gewesen für die Babys. Danach wrude das Ding nicht mehr benutzt. Da sieht man mal, dass die Afrikaner vielleicht wirklich nicht alles gebrauchen können, was wir für so notwendig halten.
    Das bezieht sich jetzt natürlich nur auf dieses Beispiel. Bei Krankheiten wie Malaria und Aids ist das sicherlich etwas anderes!
    *

    15.01.2006, 19:36 von Schternschen
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    Die Frage lautet nicht OB man helfen sollte, sondern WIE man helfen sollte.

    Ich finde James Shikwati verfällt meines Erachtens leider in das Schwarz-Weiß-Denken: man könnte den Eindruck bekommen, ein Ende der E-Hilfe würde die Wende bringen.

    Ich möchte nicht bestreiten, dass es Missstände bei der E-Hilfe gibt. Dennoch halte ich Aussagen wie „Man sollte DIE Entwicklungshilfe für AFRIKA streichen!“, denn…

    1. Wie schon erwähnt ist Afrika ein Kontinent aus 54 individuellen Staaten. Das sind 54 individuelle Problemsituationen. Ein Lösungsansatz sollte meiner Meinung genauso vielfältig sein, wie die afrikanischen Staaten und ihre Probleme selbst. Das bedeutet in dem einen Fall wird mehr E-Hilfe in dem anderen hapert es an ganz anderer Stelle, oder in dem einen Fall wird die E-Hilfe von korrupten Machthabern missbraucht, in anderem Fall wird sie gewissenhaft verwendet.
    Ein Ende (oder Aufstocken) der E-Hilfe allein wird nie ausreichen. Es muss vielmehr ein ganzes Bündel an unterschiedlichsten Maßnahmen sein, das von Staat zu Staat unterschiedlich ausgeprägt sein kann.

    2. Es gibt nicht nur bilaterale E-Hilfe, sondern auch andere Formen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Industriestaaten ihre E-Hilfe im Eigeninteresse „missbrauchen“ oder dass diese nicht dort ankommt, wo sie eigentlich soll, keine Frage. Aber dafür gibt es ja die Möglichkeit gezielt an Hilfsorganisationen zu spenden, die bestimmte Projekte umsetzen.
    Sie verfahren nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“, d.h. sie binden die Einheimischen mit ein und ziehen ab, sobald die Gemeinde selbst zurecht kommt. (vgl. Beitrag von ‚bocksingfocks’). Hierbei kann man sicher sein, dass das Geld nicht von Eliten missbraucht wird.
    An dieser Stelle kann ich zudem empfehlen auf der Seite www.dzi.de vorbei zu schauen. Dort sind alle deutschen Hilfsorganisationen aufgeführt, die das DZI-Spendensiegel haben. D.h. diese Organisationen sind nachgewiesen seriös und transparent. Generell gilt, man sollte sich informieren, bevor man spendet.

    3. Es werden zunehmend Bedingungen an die Empfänger von E-Hilfe gestellt, die sich unter dem Stichwort „Good Governance“ zusammenfassen lassen. Das bedeutet soviel wie, das Empfängerland muss eine gute Regierungstätigkeit nachweisen, damit auch sicher ist, dass das Geld nicht unsachgemäß verwendet wird.

    Literaturempfehlung:
    Klingbiel, Stephan: „Wie viel Hilfe hilft Afrika?“ (über Google zu finden)
    Tetzlaff, Rainer: „Afrika braucht Hilfe – aber nicht bedingungslos“ (auf www.tagesschau.de)

    P.S.: Zum Thema „Ich allein kann ja eh nix verändern“. Stimmt, ist richtig, aber zum Glück bist du ja nicht allein!

    08.01.2006, 20:14 von verseau311
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      @verseau311 zu
      2. wobei gerade die cdu ja wieder massiv versucht die ez so auszurichten, dass im mittelpunkt des geschehens der standort deutschland steht> sowas finde ich, sollte man schon stoppen, denn das geht weit über konditionalität hinaus die etwa mr oder good governance sonst fordern.

      auch die ngos erhalten ihr geld ja zum großen teil aus öffentlichen mitteln und sind damit an weisungen des bmz, eu etc. gebunden.
      und eine garantie dass es bei denen besser ankommen würde als bei den staatlichen sachen gibt es leider auch nicht zwingend. es läuft vielleicht nicht direkt in die herscherschatulle dafür sind die wirkungen vieler kleinerer inis leider oft nur sehr begrenzt bis gar nicht vorhanden. man braucht schon diese staatliche hilfe gerade in instabilen staaten können ngos oft wenig ausrichten.
      in anderen staaten läuft sowohl staatliche als auch ngo-ez eh darauf hinaus, dass i.r mittel an einheimische organisationen vergeben werden die damit projekte realisieren.

      3. stimmt, wobei ich mir da immer noch mehr konsequenz von der bundesregierung wünschen würde. warum bekommt ägypten z.b. seit jahren das geld in den arsch geblasen, den ersten schritt zur demokratie geschah aber erst auf druck der amerikaner in diesem jahr. die deutschen sind da z.t. erschreckend unpolitisch.

      10.01.2006, 20:49 von Najiim
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    Ja, die Entwicklungshilfe ist mir bekannt, aber das war ja die Frage: Brot für die Welt hilft also noch oder wie oder schauts da auch schon so schlimm aus?
    Aber du hast recht, ich denke auch, dass z.B. eine Patenschaft genau an den Fleck kommt, wo sie gebraucht wird und dass das zum Beispiel schon hilft. So kann man also weiterspenden ohne ein schlechtes Gewissen,d ass es vielleicht falsch ankommt, aber wo denn dann nicht mehr, was wäre denn dann falsch zu spenden?

    08.01.2006, 10:41 von Sternfaenger
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      @Sternfaenger was können privatpersonen tun?
      ich denke die sinnvollste art sich als unbeteiligter einzubringen ist es sich im kontext entwicklungspolitischer bildung in dland zu betätigen. viele dinge hängen direkt mit unseren lebensgewohnheiten in dland bzw. dem reicheren teil der erde zusammen. und da kann man am leichtesten und am nachhaltigsten ansetzen.

      10.01.2006, 20:42 von Najiim
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    Die Spenden jedes einzelnen sind auf jeden Fall auch in Zukunft noch notwendig!!
    Das große Problem, welches durch solche Texte, wie sie in der Neon stehen, noch unnötig verstärkt wird:
    Es fühlt sich keiner dazu verpflichtet oder man fühlt sich ohnmächtig. (Die „Tropfen auf den heißen Stein“ Theorie: Ich als einzelner kann doch sowieso nix machen bla bla bla sowas von stupide!!)
    Kleine Geschichtsfrage am Rande: Wie haben es denn die Inder geschafft, mit Gandhis Hilfe, sich von den Zwängen ihrer Kolonialherren zu befreien??
    Richtig! Durch gemeinschaftliches Denken und Handeln!! Und das können wir auch!! (Auch wenn das in der heutigen Zeit manchmal als Utopie erscheint!)
    „Ich kann mir sowieso nix leisten und dann auch noch spenden??“
    Viele von uns wären in der Lage zu Spenden!
    Beispiel:
    Man trinkt sich am Wochenende für 20 Euro und mehr die Birne weg. Da könnte man doch echt fünf Euro für einen guten Zweck spenden!! Saufen kann man trotzdem noch! Dann halt nur für 15 Euro das ist ein Coktail weniger!
    Ich kann noch einige Beispiele für kontroverse Argumente gegen eine Spende aufführen..
    Jeder kann für sich selber am besten abschätzen, wieviel einem für einen guten Zweck übrig bleibt!

    Wichtig ist, dass überhaupt gespendet wird, und vor Allem, dass man Andere überzeugt dasselbe zu tun.

    Ich bin selber Spender und habe eine Patenschaft für einen 8-jährigen Jungen in Sri Lanka bei der Hilfsorganisation Plan-International übernommen. Ich spende zusammen mit fünf weiteren Leuten für ein Projekt in dem Dorf wo unser Patenkind lebt. So wird es ihm ermöglicht, zur Schule zu gehen und frisches Trinkwasser zu bekommen.
    Pro Monat sind das für jeden von uns nur fünf Euro!! Und das kann zum Beispiel ich als armer Student trotz Studiengebühren etc. immer noch aufbringen!!
    Es gibt noch einige andere gute Hilfsorganisationen z.B. Unicef, Brot für die Welt, SOS-Kinderdörfer..! Jede Hilfsorganisation ist anders und man kann zwischen vielen Optionen wählen, ob man z.B bestimmte Projekte unterstützt, oder allgemein für die Organisation spendet.

    Falls Unterlagen zum Thema Spenden für Entwicklungsländer und links zu Workshops etc. benötigt werden, schreibt mir bitte in mein Gästebuch! Oder nutzt, so wie ich, das weltweite Datennetz, genannt: Internet
    (Die zahlreichen Suchmaschinen haben mich zumindest noch nie im Stich gelassen!! ;-)

    08.01.2006, 02:49 von Bocksingfocks
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    Ich finde den Artikel in der Zeitschrift gut, vermisse aber vorallem, wie man denn dann helfen könnte! Denn das kann man jam an soll ja, aber wie? (letzter Abschnitt: ist allen dankbar, die helfen wollen usw.), aber ist denn alles umsonst? Brot für die Welt? Und Aktionen, die Brunnen bauen für die Bauern und deren Ernte? Was ist richtig, was falsch und wie kann und soll manhelfen?

    07.01.2006, 18:24 von Sternfaenger
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      @Sternfaenger Die Frage, ist doch eigentlich ganz leicht zu beantworten!
      Einfach einer der vielen glaubwürdigen Hilfsorganisationen (die die neue Form der EH anwenden, nämlich die Hilfe zur Selbsthilfe) eine einmalige oder monatliche Geldspende im, seinem Geldsäckel entsprechenden, Maßstab überweisen! (das können auch nur fünf Euro sein !!)
      Wer direkt etwas für die Entwicklungsländer tun will, weil ihm das Spenden zu unpersönlich ist, kann sich z.B. für diverse Workshops in den betroffenen Gebieten anmelden. Dann arbeitet man über ein paar Wochen Monaten oder Jahre z.B in einem Projekt je nach Ausbildungsstand hilft man bei dem Bau einer neuen Schule oder bei der Betreuung von hilfsbedürftigen Kindern.

      08.01.2006, 02:24 von Bocksingfocks
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      @Bocksingfocks naja aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. sicher sind private spenden notwendig aber längst nicht jedes projekt für das gespendet ist oder jede patenschaft ist sinnvoll.

      und sachen wie freiwiiligendienste, workshops etc. sind mit sicherheit eine schöne sache um menschen von verschiedenen teilen der erde zusammenzubringen aber der entwicklungsaspekt der meisten dieser sachen ist gering und i.r. größer für den europäer der runter geht als für die denen da geholfen werden soll.
      die meisten aufgaben die voluntäre ausführen sachen wie etwa schulunterricht etc. sind weder nachhaltig (sie verschwinden ja schon nach kurzem wieder) noch notwendig (ir. gibt es in den meisten eländern genug leute die nen job suchen und ebenfalls unterrichten können)

      außerdem mag ich diese gegenüberstellung von staatlicher/suprastaatlicher und ngo-hilfe nicht. denn nichts davon ist automatisch besser oder schlechter als das andere. es ist ja nicht so, dass bei der gtz, inwent etc. nur deppen sitzen während brot für die welt, missereo etc. die tollsten sachen überhaupt macht.

      10.01.2006, 20:39 von Najiim
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    Es wurde fast alles schon gesagt und deswegen fasse ich mich eher kurz. Ich möchte zu aller erst meinen Vorrednern beipflichten in Hinsicht auf die Behauptung, dass die gute Frau vom Bundesentwicklungsministeriums ja sowieso nichts anderes sagen kann als "hier toll, da toll, ja ok die schwierigkeit, aber unterm strich: Toll!". Was anderes hätte glaube ich keiner erwartet. Der Artikel von James Shikwati ist allerdings auch eine relativ leichte Beute für Leute wie Barbara Wieland, da er, was sie ja auch bemängelt, sehr pauschal klingt, bzw. nicht wissenschaftlich ist. Aber in einer anderen (wissenschaftlicheren) Form hätte er es meiner Meinung nach auch kaum in die Neon geschafft. Am besten wäre ein wissenschaftlicher Text (wie von Fr. Wieland gefordert) in einem Buch aufgehoben, welches aber dann wahrscheinlich viel weniger Leute lesen würden (wenn diese jemals davon erfahren hätten). Ich finde den Text insofern gut, weil er verschiedene Leute, die sich noch nie darüber Gedanken gemacht haben, evtl aus ihren Bahnen wirft und zum nachdenken (und hoffentlich hinterfragen) anregt. Zu guter Letzt möchte ich eine These aus einem aktuellen buch, welches ich gerade lese, zitieren, welche ich ziemlich interessant finde und welche die Behauptung (unter)stützt, die Geberstaaten sind nicht wirklich darauf aus, dass sich Afrika weiter entwickelt: [ich finde die These jetzt nicht, aber wens interessiert kann sich das Buch "die Geburt der Dritten Welt" von Mike Davis zulesen - sehr lesenswert!] Aber sie lautet in etwa: Wenn Afrika einen vergleichbaren Lebensstandart wir die "Erste Welt Länder" hätten, bräuchte man 5 Planeten um die Resourcen für uns alle zu kriegen, und weitere 3 um den Müll zu entsorgen, ganz zu schweigen von der Luft/dem Sauerstoffverbrauch...

    04.01.2006, 23:26 von elnino
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    Hi,

    Mal abgesehen davon, dass die junge Frau aus dem zuständigen Ministerium schlecht umhin kann, die Dinge in einem positiveren Licht darzustellen, als der zitierte Kritiker dürfte die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte liegen. Es mag durchaus sein, dass sich staatliche Stellen inzwischen modifizierterer Mittel bedienen und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Bleibt die Frage, inwiefern das auch auf all die hunderten NGO's zutrifft. Da bleibt für Zweifel reichlich Platz. Die junge Frau spricht auch maximal für ihr Ministerium - Herr Shikwati's Sicht dürfte von solcherart Beschränkung wohl ausgenommen sein.
    Desweiteren ist es wohl sehr blauäugig, die Geberinteressen neben der eigentlichen Hilfe einfach auszublenden bzw. wegzureden. Das ist eine Industrie, in der Unmengen Gelder umgesetzt und verdient werden - solange der Hauptzweck nicht aus den Augen verloren wird, ist das sicher auch ok. Und staatliche Entwicklungshilfe (also nicht humanitäre Nothilfe) ist ohne politische Einflußnahme leider auch nicht vorstellbar.
    Was Not täte, wäre die Koordination weg von Eigengewurstel der Einzelstaaten hin zu einer weltübergreifenden Organisation, die die Anstrengungen bündelt und kontrolliert. Das wäre komplett bei der UNO angesiedelt sicherlich wesentlich effektiver und in den negativen Auswirkungen leichter kontrollierbar, als gegenwärtig.

    03.01.2006, 12:59 von SeiShonagon
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