cochise 06.02.2004, 09:16 Uhr 6 0

Über die Arbeit

die Arbeit befindet sich weltweit in einer Krise, Umdenken ist erforderlich.

Immer wieder ist es in den Nachrichten: die Arbeitslosenzahlen sind gestiegen. Dann heißt es wieder, dass es unattraktiv sei, Arbeitsplätze zu errichten, dass es sich nicht lohnte, unter den Rahmenbedingungen Leute einzustellen. Es wird gesagt, dass andere "Industrienationen" dieses "Problem" lösen konnten, indem sie verschiedene Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gelockert haben. Insbesondere im dritten Sektor sei Deutschland nicht weit genug.

Ja, die Zukunft der Arbeit in der "ersten Welt" wird in der Dienstleistung gesehen. Daneben gibt es noch Hochtechnologie und die dazu gehörende Industrie, ein bisschen Landwirtschaft betreibt man auch, allerdings hoch subventioniert. Die Produktion von simplen Gütern, die ohne größeren technischen Aufwand hergestellt werden, wird hingegen in die "dritte Welt" verlagert, wo Millionen von Menschen für einen Hungerlohn unter unmenschlichen Bedingungen Spielzeug, Kleidung, Massenware herstellen für unseren Konsum.

Die Automatisierung von Produktionsprozessen durch neue technische Errungenschaften, die faktisch eine klare Arbeitsentlastung für den Menschenn darstellt, ist bisher nur einem kleinen Teil der Menschheit zugute gekommen. Und selbst dort, wo die Produktivität eines einzelnen Menschen aufgrund von neuen Maschinen und Verfahren immer weiter steigt, wird danach gerufen, dass der einzelne bitteschön mehr arbeiten soll. In Deutschland ist der Ruf nach einer Verlängerung der Arbeitszeit in den letzten Jahren lauter und lauter geworden. Wie geht das zusammen? Einerseits wird die Arbeit des Einzelnen immer effektiver und produktiver, andererseits soll der Einzelne immer länger arbeiten. Das ganze geschieht auf dem Rücken der Schwächeren, die in diesem Prozess auf einmal in die Arbeitslosigkeit fallen, damit nach herrschender Meinung quasi aus der Gesellschaft herausfallen und immer mehr unter Druck gesetzt werden, ihre Arbeitskraft für immer weniger Gegenleistung zu verramschen. Die zunehmende Automatisierung kommt also nicht etwa denjenigen zugute, deren Arbeit vereinfacht wird, im Gegenteil.

Es ist ein generelles Umdenken in der Gesellschaft erforderlich. Bei immer weniger anfallenden Tätigkeiten ist die einzig logische Konsequenz eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitigem vollen Lohnausgleich. Wie, voller Lohnausgleich, wie soll das finanziert werden? Nun, das Geld scheint in Zeiten der Millionengehälter und Abermillionenabfindungen ja vorhanden zu sein, es kann sich also nur um ein Verteilungsproblem handeln. Und der Aufschrei, dass man dann nicht mehr konkurrenzfähigkeit sei, man sei es ja heutzutage schon nicht, entpuppt sich in Zeiten, in denen dieses Land Exportweltmeister ist und in denen die Lohnstückkosten im Vergleich zu beispielsweise den USA oder Großbritannien langsam steigen und in letzter Zeit sogar stagnieren, als eine Mär.

Auch die Gesellschaft muss umdenken. (Lohn)arbeit ist kein Wert an sich, man lebt nicht, um zu arbeiten, allenfalls arbeitet man, um zu (über)leben. Ein Mensch ist nicht weniger wert, wenn er gerade nicht in Lohnarbeit steht. Er ist deswegen nicht dümmer, fauler oder wertloser als jemand mit einer Anstellung.

Und um die Ausbeutung von Menschen außerhalb unseres europäischen Horizontes zu bekämpfen, müssen Standards her, klare Gesetze, wie Waren, die hier verkauft werden, hergestellt werden und welche Verhältnisse in den Produktionsstätten eben nicht akzeptiert werden. Anders scheint es nicht zu funktionieren, der Konsument denkt sich nur, dass Geiz geil sei und dass das Schnäppchen über alles gehe; dabei interessiert ihn nicht das Blut, was an dem Produkt haftet. Denn das kann man unterwegs abwaschen...

6 Antworten

Kommentare

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    Bzgl. der Senkung der Arbeitslosenzahlen in Deutschland würde ich folgende Maßnahmen vorschlagen:

    - Senkung der Arbeitszeit auf 30 Stunden wie von cochise erwähnt. Die Senkung der Arbeitszeit in den 80er Jahren auf 35 Stunden hat direkt und indirekt weit über eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen. Ein ähnlicher Beschäftigungseffekt wäre auch bei Absenkung auf 30 Stunden zu erwarten.

    -Allerdings kein voller Lohnausgleich. Stundenlohn muss gleich bleiben.

    -Aber Lohnangleichung Ost-West. Und zwar eine Angleichung der Westlöhne an die Ostlöhne. Der Brutolohn ist dann zwar geringer, aber der Nettolohn bleibt gleich, weil die Prdoukte auf den Weltmärkten dann billiger angeboten werden können. Dadurch entsteht Nachfrage im Inland und qualifizierte Arbeitskräfte können in Lohn und Brot gebracht werden. Was wiederum Kosten spart.

    -Privatisierung der Arbeitslosenversicherung mit individuellen Versicherungskonten. Denn zwölf oder 24 Monatsgehälter über eine Versicherung anzusparen ist sicherlich nicht teurer wie jetzt. Wer über 12 bzw. 24 Monate arbeitslos ist, verliert Anspruch auf eine zusätzliche Rente.

    -Qualifizierungsoffensive für die übrig gebliebenden Arbeitslosen in Hinblick auf zukünftige Berufsfelder (besonders Pflege, Betreuung, etc.) Wer sich nicht qualifiziert und damit unsolidarisch ist, kann nicht erwarten, dass andere mit ihm solidarisch sind.

    -Besondere Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Innovationen (und nicht in die Infrastruktur!)

    24.02.2004, 02:56 von Georg
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    Ich wollte lediglich für alle, die weitergehend interessiert am Thema Arbeitszwang und Nicht-Arbeit sind, einen Link empfehlen: www.diegluecklichenarbeitslosen.de

    13.02.2004, 18:38 von Gordon
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    Kürzlich habe ich mit einem Kollegen über die oben angeführte Sache gesprochen.

    Warum auf dem Markt Gemüse und Co. kaufen, wenn Penny gleich neben an und so Schnäppchen billig ist? Ich meine ich gehe zwar nicht zum Käfer, wenn das Käsedepot in meinen Kühlschrank schrumpft, aber Gemüse beim Gemüsemann ist Pflicht bei mir. Außerdem hat es auch was Gutes. Ich meine jetzt nicht das Gefühl meinem Körper was wirklich gutes zu tun, ja das auch. Aber man muss es doch auch mal so sehen. So ein netter Gemüsemann nebenan in der Straße ist doch toll. Man quatscht ein bißchen, bekommt hier und da was zum kosten und die frischste Ware auf dem Tisch. Was nützt mir billiges Gemüse, wenn es nach nichts schmeckt? Alles Retorte - unsere ganze Kultur entwickelt sich dahin. Oder wie es Axel Hacke mal so schön sagte: "Flaches Essen für flache Leute!"...ich sag nur Tiefkühlpizza

    Wie soll denn ein klasse Laden überleben, wenn lauter Schnäppchenbuden aus dem Boden wachsen.

    10.02.2004, 14:37 von DaLotta
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    Stimmt schon, ein Umdenken ist dringend erforderlich! Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt schon lange nicht mehr. Ein Handy das in der Herstellung (habe jetzt keine genaue Zahlen) vielleicht 10 Euro kostet steht im Laden für 150 Euro und die Leute kaufen es und nächstes Jahr ein neues, weil das andere ist ja alt und die anderen haben doch alle schon das Handy das fotografieren kann, aber im Supermarkt regen sie sich auf weil die Milch so teuer ist. Man braucht sich nicht Kambodscha anzuschauen, unterbezahlte Arbeiter gibt es in Deutschland auch schon, bestes Beispiel die Bauern (ich bin einer), man kann auch die Löhne in Kambodscha nicht einfach so mit Deutschland vergleichen denn auch die Preise dort sind niedriger.
    "Ein bisschen Landwirtschaft betreibt man auch, allerdings hoch subvebtioniert"
    Warum? Weil der Konsument sein Geld nicht für Nahrung ausgeben will und weil es in Europa eine Milchquote gibt, das heisst man darf nur eine bestimmte Menge an Milch produzieren (Planwirtschaft) und kann dadurch nicht konkurrieren mit Ländern wo das nicht der Fall ist. Auch dürfen wir im Gegensatz zu Amerika keine genmanipulierte Früchte anbauen, eine weitere Produktionseinschränkung, wie sollen wir bei diesen Einschränkungen effizient sein und zu Weltmarktpreisen produzieren? Unmöglich! Ich sage nicht das ich genmanipulierte Früchte anbauen will und auch nicht das ich wie in Amerika 5000 Kühe halten will, das was ich mir wünsche ist ein Umdenken der Welt, wenn die Amerikaner keine genmanipulierte Produkte auf den europäischen Markt bringen würden dann könnten wir konkurrieren.
    Das das Geld in Deutschland nur besser verteilt werden muss is völlig richtig, denn das Geld ist ja da, aber mal ehrlich, wärst du Reich, würdest du es gut finden wenn man dir dein hart verdientes Geld nehmen würde um es unter den ärmeren zu verteilen? Wohl kaum!
    Ich finde die aktuelle Diskussion der SPD über die Erbschaftsteuer für Superreiche auch echt unmöglich.
    Dieses Land ist schon lange kein Exportweltmeister mehr und der Export wird durch den hohen Eurokurs weiter erschwert.
    Dein Artikel hat eine gute Überschrift, das Artikel auch nicht schlecht, aber es sind ein paar Denkfehler drin. Übrigens gab es schon eine ähnliche Diskussion im Artikel "Geiz ist Arm"

    10.02.2004, 02:42 von Zx12
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      @Zx12 nene, das mit Kambodscha war relativ gesehen, also normaler Monatsverdienst 40 Dollar, Fabrikarbeit vielleicht 60 Dollar...ist aber auch egal..., ohne Dir jetzt nahe treten zu wollen (und bitte widerlege mich falls ich etwas falsch verstanden habe!):
      die Landwirtschaft ist in Deutschland doch der groesste Subventionsempfaenger, von Bruessel kontrolliert und durch allerlei Zollbestimmungen (dazu gehoert wohl auch das Verbot von genmanipuliertem Saatgut, Import von Genmais etc.) vor dem Weltmarkt beschuetzt. Gaebe es die ganzen mengeneingrenzenden Bestimmungen nicht, wuerde die Landwirtschaft wohl global nicht mehr ueberlebensfaehig sein. Eine Ueberlebenschance sehen viele Bauern zu Recht im oekologischen Anbau, denn es gibt genuegend Menschen in Deutschland, die fuer Qualitaet (statt Masse) und eine(n) naturgerechte(n) Aufzucht/Anbau mehr Geld ausgeben. Eine andere Alternative ist dann ein Mengenvorteil durch vergroesserte Anbauflaeche/Menge. So schaffen es wohl einige ehemalige LPGs im Osten des Landes deutlich guenstiger zu produzieren.

      Naja, schweift aber auch ein bisschen vom Thema ab, ist aber interessant!

      Bei der Vermoegenssteuer/Erbschaftssteuer stimme ich zu: diese Steuer besteuert im Endeffekt etwas, was schon durch das Steuersieb des Staates gekommen ist (Einkommenssteuer/Kapitalertragssteuer). Desweiteren sind nicht nur Produktionsstaetten verlagerbar, sondern auch Steuersitze. Da ist man dann wieder bei Standortfaktoren und wenn man eine Besteuerung fuer die Reichen fordert, dann lachen die und ziehen (wie geschehen) nach Monaco oder in die Schweiz.

      Ach so, und noch etwas zur Richtigstellung: Deutschland IST Exportweltmeister, zwar auch wegen der starken Industrie (man jammert ja wirklich auf einem hohen Niveau), aber auch weil diese Statistik in Dollar gemessen wird, und dank des starken Euros war das im letzten Jahr halt mehr als bei allen anderen Industrienationen...

      10.02.2004, 10:13 von Eierdieb
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    Zur Bekaempfung der "Ausbeutung" der Arbeiter ausserhalb unseres Horizontes sind allgemeingueltige Standards ziemliche Illusion;
    vielmehr muss man sich selbst (wenn man daran interessiert ist) eigene Standards setzen wie zum Beispiel nur noch fair gehandeltem Kaffee kaufen, Teppichen mit Anti-Kinderarbeit-Stickern usw. In diese Richtung gibt es mittlerweile unheimlich viele Angebote, die jedoch auch immer ihren Preis haben.
    Auf der anderen Seite muss nicht alles, was z.B. in Asien hergestellt worden ist, mit unseren ethischen Grundsaetzen kollidieren. Ein Fabrikarbeiter in Kambodscha (und das ist wirklich ein armes Land) verdient wahrscheinlich einen Bruchteil von seinem deutschen "Arbeitsplatzkonkurrenten", aber immer noch doppelt so viel wie Landarbeiter im gleichen Land. Die Arbeitsplatzbedingungen entsprechen sicherlich nicht unseren (vielleicht paradiesischen?)Massstaeben, sind aber aus der Sicht des Landes hervorragend.

    09.02.2004, 17:29 von Eierdieb
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