zuckerpuppe 20.07.2008, 22:59 Uhr 0 4

Skibus im Juli

Was nur daran gescheitert ist, dass man keinen Freund hat und in dieser Stadt vormittags keine Pizzen ausgeliefert werden.

Durch den Wald in einem Bus mit beschlagenen Scheiben, wie man es sonst nur auf dem Weg zur Skipiste tut. Aber diesmal ist alles grün. Mit einem Buch, in dem es die Autorin einfach nicht hin bekommt, einen Mord zu begehen und ein französisches Lied, das vorschlägt, heute doch zu Hause zu bleiben mit einer Pizza.

Dabei zuerst mit dem Gedanken zu spielen, dem Prof Dienstag von vorneherein zu erklären, man würde ihm jetzt die Welt erklären und dann aber auch die Idee verfallen, ihm zu sagen, man wäre beinahe nicht gekommen sondern mit einer Pizza und dem Freund im Bett geblieben, was nur daran gescheitert ist, dass man keinen Freund hat und in dieser Stadt vormittags keine Pizzen ausgeliefert werden. Und deshalb also sei man jetzt da und würde sich mangels besserer Alternativen dieser Prüfung unterziehen.

Und dann also in Skibusatmosphäre die Rusel runterfahren und zwar mit Regenbogen und Blick weit ins Flachland hinein und dann ist man plötzlich im dunklen Wald und nur ganz oben durch die beschlagenen Scheiben sieht man einen Himmel, der in Farben getaucht ist, die man nicht mal dem romantischsten Maler mehr abkaufen würde. Und dann im Zug erfahren, dass das jetzt eigentlich gefährlich war, weil der dumme Busfahrer noch nie was von der Motorbremse gehört hat.

Während die Autorin damit beschäftigt ist, zwei Schweizerinnen aus dem Abteil und dem Zug aussteigen zu lassen, die ihr aber immer wenn sie wieder mit dem Morden anfängt dazwischen fahren, weil sie dann doch nicht in den lang diskutierten Aplenurlaub gefahren sind und trotz gegenteiliger Behauptungen jedesmal den Zug noch erwischen und wenn schon nicht mehr in Valence dann doch spontan noch in Avignon, dabei waren sie Bergwandern und wie sie dann in Avignon zusteigen können ist keinem klar, aber eben, wenn sie an den Mord denkt, sind sie wieder da. Und das Kind der einen hat sich mit einem Sahnebonbon eine Plombe gezogen und sie essen Bananenjoghurt.

Und dann im tiefgrünen Flachland im neonbeleuchten Zug langsam von den blauen Bergen entfernen, am orangen Sonnenuntergang vor lila-rosa Wolken entlang. Und dabei habe ich ja nichts gegen solche Farben, aber ich weiß aus Erfahrung, dass fast alle anderen schon was dagegen haben und daher sollte die Natur dringend mal zur Stilberatung.

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