Serena-Mae 08.10.2004, 14:24 Uhr 2 0

Kinderpatenschaften - Wege in eine bessere Zukunft

Die Welt verbessern. Stück für Stück.

Schon als Kind habe ich oft voller Entsetzen die Bilder der verhungernden Kinder in Afrika förmlich aufgesogen. Unzählige Male habe ich meine Mutter gefragt, warum denn diesen Kindern niemand etwas zu essen gibt, wo doch alle so viel zu Essen haben. Ich habe nie eine wirklich plausible Antwort bekommen, und so dachte ich, dass das alles schon seine Richtigkeit hätte. Je älter ich wurde, desto mehr beschäftigten mich die Berichte in den Nachrichten. Als ich 14 Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal von „Kinderpatenschaften“. Also sprach ich mit meiner Mutter darüber und fragte sie, ob sie nicht gern so eine Patenschaft mit mir zusammen übernehmen wollte. Leider hatten wir die Rechnung ohne meinen Vater gemacht, der schon immer auf seinem Geld gesessen hat. Da meine Mutter kein eigenes Einkommen hatte und mit sehr wenig Haushaltsgeld auskommen musste, und ich nur wenig Taschengeld bekam, konnten wir unsern Plan nicht in die Tat umsetzen.
Mit 17 Jahren schloss ich die Realschule ab, und begann eine Ausbildung. Im November 2001 kaufte ich mir eine Fernsehzeitung, aus der mir beim einpacken in die Einkaufstüte eine kleine Broschüre auf die Füße fiel. Auf dem Cover war ein kleiner afrikanischer Junge abgebildet, der fröhlich in die Kamera lachte. Als ich das Bild sah, musste ich unweigerlich grinsen. Er war aber auch zum knuddeln süß. Zu Hause angekommen stellte ich die Tüte in die Ecke und studierte erst einmal diese vierseitige Broschüre. Zum ersten Mal hatte ich die Möglichkeit, wirklich etwas gutes zu tun. Ich füllte also das entsprechende Formular aus, und forderte Informationsmaterial und einen unverbindlichen Patenschaftsvorschlag für ein Kind an, das dringend Hilfe benötigte. Nach etwa anderthalb Wochen hatte ich die entsprechenden Unterlagen des Vereins „World Vision Deutschland e.V.“ im Briefkasten meiner Mutter, die inzwischen ausgezogen war. Mein Vater durfte ja von all dem nichts mitkriegen.
Aufgeregt öffnete ich zu Hause den DIN-A4-Umschlag und zog die Unterlagen heraus. Als erstes las ich mir das Anschreiben durch, und dann die Informationsmaterialien über Kinderpatenschaften. Dem Schreiben war ein Patenschaftsvorschlag für einen 10-jährigen Jungen aus Tansania beigefügt. Ich hielt einen Lebenslauf mit einem aktuellen Passfoto des Kindes, sowie eine Beschreibung des Projektes, in dem das Kind lebt, in den Händen. Ich werde wohl nie vergessen, was in mir vorging, als ich die Augen dieses Jungen sah. Ich habe noch nie einen so erwachsenen 10-jährigen gesehen.
Nachdem ich die Unterlagen alle studiert hatte, füllte ich kurzerhand das beigefügte Formular aus, und sandte es ab. Eine Woche später erhielt ich den originalen Lebenslauf mit originalem Foto (vorher bekam ich nur eine Kopie von beidem), und eine Patenschaftsmappe mit der Korrespondenzanschrift des Kindes. Mir gefiel der Gedanke, mit dem kleinen Justadi eine Art Brieffreundschaft aufbauen zu können.
Jetzt hatte ich „Blut geleckt“, und forderte direkt noch einen zweiten Patenschaftsvorschlag an. Diesmal wurde mir die 6-jährige Purity aus Kenia vorgestellt. Auch dieses Kind hatte schon einiges erlebt, und ich entschloss mich, der Kleinen ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk zu machen. Nämlich die Übernahme ihrer Patenschaft.

Jetzt hatte ich die Wahl, schrieb ich einen kurzen Brief in Deutsch, ließ ihn von den Mitarbeitern der Organisation ins Englische übersetzen, damit sie die Übersetzung nach Afrika schicken und dort in Kisuaheli weiter übersetzen konnten, oder vertraute ich auf meine verschütteten Englischkenntnisse aus der Schule? Ich schrieb den jeweils ersten Brief in Deutsch, ich wollte mich ja nicht blamieren. Etwa drei Monate später bekam ich eine Antwort von beiden Kindern. Purity hatte ihren Brief einem einheimischen Mitarbeiter diktiert, der diesen direkt in Englisch verfasste. Justadi’s Brief wurde von seiner Mutter in Kisuaheli geschrieben, und noch in Afrika auf Englisch übersetzt. Ich war tierisch aufgeregt, als ich die Briefe in Händen hielt. Es war so rührend, wie die Kinder erzählten, wie sie in ihren Dörfern leben, und wie sehr sie sich freuen, einen Paten gefunden zu haben. Ich begann einen regen Briefwechsel mit den Kindern, und sie wurden von mal zu mal herzlicher. Da die Briefe in sehr einfachem Englisch geschrieben werden, das mindestens genauso viele Fehler enthält wie meins, schrieb ich von da an direkt in Englisch.
Irgendwann fing ich damit an, mir ein paar Kenntnisse in Kisuaheli anzueignen, was gar nicht so schwer war. Das wurde von den Kindern mit großer Begeisterung aufgenommen.
Im Dezember 2002 übernahm dann meine Mutter die Patenschaft für die 5-jährige Cheboi aus Kenia. Leider verlor sie im September 2003 ihren Job, weshalb ich dann im Oktober, mit gerade abgeschlossener Ausbildung und befristeter Übernahme, kurzerhand auch noch diese Patenschaft übernahm.

In der Zwischenzeit hat sich sehr viel im Leben der Kinder verändert. Besonders bei der kleinen Purity, die zu Beginn der Patenschaft mit ihrer Mutter, einem Bruder und zwei Schwestern zusammen lebte. Vor einem halben Jahr erhielt ich von ihr einen Brief, in dem sie mir mitteilte, dass sie und ihre 3 Jahre jüngere Schwester Stella jetzt bei der Tante leben, da ihre Mutter gestorben sei. Auch der Bruder und die zweite Schwester sind in den letzten Jahren verstorben. Die Ursache kenne ich nicht, aber ich möchte auch nicht fragen, denn das empfinde ich als unhöflich. Ich vermute jedoch, dass sie an HIV/Aids gestorben sind.

Durch die monatlichen Patenschaftsbeiträge von 30 EUR pro Kind, ermögliche ich meinen Patenkindern eine medizinische Versorgung, ausreichend Nahrungsmittel, neue Kleidung und den Schulbesuch. Kurz: ein Überleben und eine sichere Zukunft. Doch auch alle Dorfbewohner profitieren davon. Es wird den Dorfbewohnern zum Beispiel gezeigt, wie sie riesige Wassertanks bauen und in Stand halten können, damit die Frauen und Mädchen nicht mehr kilometerweit bis zur nächsten dreckigen Viehtränke laufen müssen, um Wasser zu holen. Auch wird ihnen gezeigt, wie sie ihre Felder besser bestellen und bewässern , um eine größere Ernte erzielen zu können, von der sie dann einen Teil auf dem nächsten Markt verkaufen können. Kurz gesagt: Eine Kinderpatenschaft macht die Menschen nicht abhängig, sie hilft ihnen zur Selbsthilfe.

Es besteht die Möglichkeit, sein Patenkind zu besuchen, was ich auf Grund der hohen Kosten für Flug und Unterkunft leider nicht in Anspruch nehmen kann. Und da eine Kinderpatenschaft immer zeitlich begrenzt ist, werde ich diese Möglichkeit wahrscheinlich nie bekommen. Die Patenschaft für Justadi läuft in zwei Jahren aus, und die für die Mädchen in vier Jahren. Doch eines weiß ich jetzt schon: ich werde auf jeden Fall weiterhin Kinder in Entwicklungsländern unterstützen. Denn ich möchte auch weiterhin einem Kind Hoffnung schenken. Die Hoffnung auf eine Zukunft und ein lebenswertes Leben."Wichtige Links zu diesem Text"
http://www.worldvision.de

2 Antworten

Kommentare

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    Wir haben selber auch eine Patenschaft fuer ein Maedchen in Brasilien.
    Wenn ich noch die Gelegenheit habe, werde ich sie besuchen.

    18.12.2004, 21:33 von Fofinha
    • 0

      @Fofinha Ich würde die Kinder auch sehr gern besuchen, aber leider fehlen mir dazu die finanziellen Mittel. Über welche Organisation läuft denn die Patenschaft?

      23.12.2004, 15:41 von Serena-Mae
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