Heilige Stellenausschreibung, Batman!
Oder was mir gerade ganz GEWALTIG auf den Zeiger geht.
Tja. Seit 1.11. bin ich dann also arbeitslos. Ich hab es kommen sehen, und es war mir auch ganz recht eigentlich, dass ich nicht wieder übernommen werde. Warum und wieso, das behalte ich jetzt mal für mich, denn es tut hier nichts zur Sache. Was viel wichtiger ist, ist dass ich jetzt auf Stellensuche bin und es sich etwas… schwierig gestaltet. Ist jetzt nicht so, als wenn ich das nicht schon wusste, aber man müsste meinen, dass jemand wie ich – Hochschulabschluss, fließendes Englisch, kreativ, begabt, intelligent – relativ schnell wieder was findet.
Na ja… hat sich was. Ich würde ja wirklich gerne Bewerbungen schreiben… wenn ich wüsste, für was. Scheinbar glaubt man im Arbeitgeberbereich, wir Geistes- und Sozialwissenschaftler seien zum Verarschen da. Heute zum Beispiel entdeckte ich eine Ausschreibung des Brandenburger Landtags für eine Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit. Relatives hohes Anforderungsprofil (so das Übliche: Hochschulabschluss, mindestens zwei Fremdsprachen, 100% flexibel, kreativ etcblablabla), relativ großer Aufgabenbereich… Wow, spannend, dachte ich und wollte mich sogleich bewerben. Bis ich die Gehaltsvorstellungen des Arbeitgebers entdeckte: TVL E8 bei 50% (mit „flexibler Arbeitszeitgestaltung in Projektphasen“ – ah, ein Job, für den ich 50% Gehalt bekomme, aber 100% arbeiten muss), das sind netto ungefähr 770€.
Sagt mal, liebe Freunde aus der Landtagsverwaltung, aber sonst geht’s euch gut, ja? Mit uns Geistes- und Sozialwissenschaftlern kann man’s ja machen, wir nehmen ja jeden Scheiß, oder was? Das ist ja weniger als das, was ich jetzt als ALG I bekomme. Versteht mich nicht falsch, ich rechne nicht mit 50.000€ Jahresgehalt nach vier Jahren Arbeitserfahrung und ich muss auch nicht unbedingt einen Vollzeitjob haben… aber leben können will ich bitteschön doch von dem Gehalt.
Und ich will mich auch nicht unter Wert verkaufen müssen. Ich weiß, Wirtschaftskrise, „Beggars can’t be choosers.“ und so weiter und so fort… aber Freunde, überlegt mal: Wenn wir uns alle auf solche Deals einlassen – viel weniger zu nehmen, als wir eigentlich wert sind, nur damit wir über irgendwas haben – dann ist doch klar, dass Arbeitgeber glauben, sie könnten sich das erlauben.
Deshalb: Nicht mehr auf so was bewerben! Sondern den Arbeitgebern mal ganz unverblümt und in Massen mitteilen, was wir von solchen unverschämten Anzeigen halten: Nämlich nichts. Oder bin ich hier die Einzige, die glaubt, dass wir es uns gerade jetzt nicht leisten können, auf alle schlechten Deals einzugehen und die Brosamen zu nehmen, die man uns hinwirft, obwohl uns mehr zusteht? Also… wer macht mit? Freiwillige vor, schon alleine, damit sich die Gehaltsspirale nicht immer und immer weiter nach unten dreht (wirklich gut für die Wirtschaft kann das nämlich auch nicht sein, das schwant sogar mir als Sozialwissenschaftlerin).





Kommentare
Du kommst ein bisschen sehr arrogant rüber mit deinem ach so tollen Hochschulabschluss.
23.11.2009, 00:26 von MaritscheDu scheinst nicht zu wissen, dass sich andere Leute den Arsch aufreißen um überhaupt einen Job zu haben. Warum kriegst du nicht deinen Hintern hoch und bewirbst dich einfach darauf? So sitzt du nicht nur rum und kannst dich nebenbei weiter nach Stellen umgucken. Denn zwischenzeitliche Phasen der Arbeitslosigkeit kommen auch nicht soo gut im Lebenslauf an. Mach was!
@Maritsche Jau. Alle mal schön die Klappe halten und Buckeln, solange sich immer noch jemand findet, dem´s schlechter geht.
24.11.2009, 15:12 von derHerrMitDemPixelSo ist´s recht.
Brav.
@derHerrMitDemPixel naja.
24.11.2009, 15:45 von RedSonjasich mal ab und an in den gesellschaftlichen kontext stellen ist nicht wirklich falsch.
keine gleichheit im unrecht, einverstanden. aber darum gings auch nich, meiner meinung nach.
@[Benutzer gelöscht] Ne Halbzeitstelle zu 770,- €, bei der aber schon in der Ausschreibung darauf hingewiesen wird, dass es 2in Projektphasen" arbeitsmäßig mehr wird.
20.11.2009, 22:38 von akmsu74In der "REIEN Wirtschaft" würde ich der Kritik uneingeschränkt zustimmen!
Im ÖD sieht die Sache meiner Meinung nach etwas anders aus. (Auch wenn die Arbeitsbedingungen ziwschen den einzelnen Strukturebenenganz erheblich abweichen können.)
Bei einem Landesparlament sollte eine entsprechende Überstundenregelung eigentlich kein Problem sein - die Parlamentspause im Sommer gestattet großflächiges Abbummeln. (So kenn ich es jedenfalls von diversen Bundestagsfraktionen...)
Dass dort die übliche BWL-Schiene gefahren wird (Überstunden sind inklusive), halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich.
MEINE Meinung - trotz aller Berechtigung der Kritik der Autorin wäre eine telefonische Anfrage bei den entsprechenden Personalern wahrscheinlich sinnvoller und nervenschonender gewesen...
@[Benutzer gelöscht] Ja, nur dass die BWLer in der Wirtschaft viel reden, wenn der Tag lang ist. Wer nicht mitspielt, geht oder wird gegangen - ein paar Dumme, die nur auf die 100 € mehr im Monat schauen und dafür akzeptieren / ignorieren, dass 39 Vertragsstunden oft 50 Realstunden bedeuten, gibts immer...
24.11.2009, 07:51 von akmsu74Der ÖD muss sich wenigstens ansatzweise an die Regeln halten...
@[Benutzer gelöscht] Da wo ich bisher gewesen bin, war das die Regel - und zwar flächendeckend.
24.11.2009, 15:01 von akmsu74Meiner Ansicht nach passt das tatsächlich nicht auf 70% der Chefs - die Quote dürfte deutlich über 80% liegen... *Harr*
Ansonsten bin ich GANZ nahe an dieser Klientel dran gewesen und weiß, wie sie ticken (in unterschiedlichsten Unternehmen, Unternehmensgrößen und Branchen).
Klar kann man sich für die diversen Rechte GANZ stark machen - das führt dann zu einer entsprechenden Fluktuationsquote beim Personal. Ein Laden hat es tatsächlich geschafft, in drei aufeinander folgenden Jahren eine Fluktuation von 25% pro Jahr zu erreichen - 4 Jahre hintereinander.
Stichwort Betriebsrat - beliebte Mittel, die Personalvertretung kalt zu stellen sind z.B. interne Revisionen, die a) mindestens soviel Aufwand verursachen, dass der betreffende Kollege zeitweise außer Gefecht ist oder b) im Idealfall Unregelmäßigkeiten zutage fördern, die zur Kündigung des entsprechenden Kollegen führen. Dazu taugen zum Teil sogar schon Formfehler bei den Betriebsratsabrechnungen (ohne dass die Zahlen betroffen sind) oder ähnlicher Kleinscheiß.
Erwähnenswert wäre vielleicht auch noch der Fall (den ich live erlebt habe), wo die Unternehmensführung beschlossen hat, die gesamte Belegschaft mehrerer Tochterunternehmen zu entlassen und über eine konzerneigene Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen, weil die Tarife für Zeitarbeiter ca. 30% unter dem normalen Tarif lagen. Das konnte dann nur noch die BILD verhindern. Mittlerweile sind die entsprechenden Unternehmen zum Teil abgewickelt und die Leistung wird entweder durch Subunternehmer oder (von regionalen Tarifvertrag nicht erfasste) Drittfirmen (desselben Konzerns) erbracht.
Dabei werden selbst diese Tarife weitestgehend nicht eingehalten...
Solche Scherze sind eben keine "bedauerlichen Ausnahmen", sie sind die Regel und Programm.
Das, was Du beschreibst, wäre in der (alten) Bundesrepublik absolut richtig gewesen. Allerdings hat sich die Bundesrepublik (alt) mit der Wende '89 ebenso stark verändert, die der Osten. Da allerdings das alte Etikett noch dran ist, fällt es erst auf, wenn man mal genauer hinschaut – und das tun die Wenigsten...
Ich verweise mal auf einige Fälle, die im letzten Jahr so durch die Medien gegangen sind - Stichwort Flaschenpfand, Brotaufstrich oder belegte Brötchen. Das hätte es in den 80ern garantiert nicht gegeben.
Ein klein wenig anders sieht die Sache aus, wenn es um die inhabergeführten (meist mittelständischen) Betriebe geht. Das ist die „Arschlochquote“ in der Chefetage dem normalen Durchschnitt sehr nahe. Wer mit eigenem Geld arbeitet, kann sagen „nu is gut“ und der wird vor allen Dingen meist ein wenig weiter schauen, als bis zum nächsten Quartalsabschluss oder auf den Börsenkurs zum Stichtag. Ein UNTERNEHMER wird seine Leute mit unter „Kapital“ bzw. „Investition“ buchen und sie entsprechend behandeln. Ein Manager (=Verwalter) wird sie in den allermeisten Fällen unter „Kosten“ oder „Verschleißteile“ führen. Allerdings gibt’s auch da „so’ne“ und „solche“.
Insofern mache ich aber einen Unterschied zwischen „Chef“ (= vorgesetzter leitender Angestellter / Manager) und „Chef“ (= Eigentümer)...
@akmsu74 ... 3 (drei) Jahre hintereinander natürlich nur.
24.11.2009, 21:48 von akmsu74Tippfehler, sorry!
äh
19.11.2009, 16:02 von RedSonja50% TZ und 770 euro netto?
steuerlklasse 1?
TVL oder TVöD?
also spontan fällt mir ein, E8 ist nach meinem dafürhalten mD. dafür brauchts keenen hochschulabschluss.
hmm. nee. kann ich mir so nicht vorstellen die ganze sache.
@RedSonja TVL... und die Ausschreibung hieß im Ganzen "eine Studentin oder einen Studenten oder eine Absolventen oder eine Absolventin mit dem Abschluss Bachelor" - ja schönen Dank, dass mein Bachelor beim Landtag Brandenburg offenbar nichts wert ist (und bevor die Diskussion hier wieder losgeht: Ja, ich habe freiwillig Bachelor studiert und ich weigere mich, mir nachsagen zu lassen, wir seien nur Hilfsabsolventen, weil auch ein Bachelor ordentlich Arbeit macht).
19.11.2009, 17:28 von jacksgirl@jacksgirl
20.11.2009, 11:37 von LudwigMartin"eine Studentin oder einen Studenten..."
Die Sache ist jetzt klar, oder?
@[Benutzer gelöscht]
20.11.2009, 13:16 von LudwigMartinIrgendwann wird jede Debatte unübersichtlich...
Ich habe auf den Kommentar von jacksgirl vom 19.11.2009 17:28 Uhr direkt beantwortet und meine Folgerung auf den Text bezogen.
In Euren Zickenalarm (*g*) werd ich mich doch wohl nicht reinhängen! ;-)
Hab den sowieso nur überflogen.
@[Benutzer gelöscht] *höhö* @ saraj
20.11.2009, 23:59 von RedSonjader war schick!
Was genau ist denn Deine Arbeit wert? Und warum zahlt das keiner? Müßten "die" nicht alle glücklich sein, Dich zu Deinen Wertvorstellungen zu bekommen? Und warum sind sie es nicht?
17.11.2009, 18:01 von Tim123Wewr sich selbst Fragen stellt, kommt auch selbst auf Antworten.
@[Benutzer gelöscht] Eben das mein ich... zumal die da "entweder eine/n Student/in oder eine/n Bachelor-Absolvent/in" suchen. Ey... aber sonst geht's noch, ja? >(
16.11.2009, 19:47 von jacksgirl