GEZ jetzt noch besser
Die GEZ darf jetzt Daten kaufen und will spammen
Unerhoffte Post von der GEZ hat schon immer für Rätsel gesorgt: Woher kennen die mich? Wie kommen die darauf, dass ich überhaupt ein Radio besitze? Und: Dürfen die das überhaupt?
Als ich anno 1990 auf dem Weg in meine Studentenbude einen fremden Mann im Treppenhaus antraf war ich alarmiert. Nein, ich hatte keine Angst, dass die kontaktscheue Rentnerin zwei Etagen unter mir überfallen und beraubt würde. Vielmehr war mit klar: Der Typ mit dem Klemmbrett muss von der GEZ sein und gleicht Adressen ab.
Die besagte Dame stand wohl nicht auf seiner Liste, und so horchte er zur besten Nachmittagsprogrammzeit an der Tür, um Indizien für eine Gebührenhinterziehung zu finden. Mir schwante, dass er noch so manchem Mitbewohner im Haus ein Ohr leihen würde. Also stellte ich ihn zur Rede.
Seine Einlassungen, er sei von der GEZ und berechtigt, das zu tun, was er täte, lies ich nicht gelten. Ob er sich ausweisen könne. Er zeigte mir einen Dienstausweis - „So ein Ding mach ich auf dem PC in einer Viertelstunde selber“. Es endete damit, dass ich die Polizei rief, die Beamten auf mein Hausrecht als Mieter hinwies und der Eindringling einen Platzverweis angedroht bekam, wenn er sich nochmal blicken lassen sollte.
Ich weiß nicht, ob das die Ursache dafür war, dass wir mehrere Jahre von der GEZ verschont bleiben, oder ob es mein Hinweis war, dass einst der „Vampir von Düsseldorf“ Peter Kürten im Dachgeschoss über mir gewohnt habe und ich gerade so reizbar sei, weil da oben mal wieder die ganze Nacht Geräusche waren.
Viel an der Vorgehensweise der GEZ hat sich in den letzten 15 Jahren nicht geändert.
Da ist zum Beispiel der Zugriff auf die Änderungen in Melderegistern – ähnlich den Kreiswehrersatzämtern bekommt sie alle Zu- und Wegzüge mitgeteilt. Das ist nicht nur bequem für die Rundfunkteilnehmerinnen und -teilnehmer; ich habe beispielsweise bei 5 Umzügen nur einmal meine Adresse bei der GEZ korrigieren müssen. Diese Datenübermittlung führt auch dazu, dass manche Menschen nach jedem Umzug der Lebensgemeinschaft plötzlich Ermahnungen bekommen – die Gebühren des Haushalts zahlt zufällig der Lebenspartner, was die GEZ ja auch nach 5 Umzügen mit entsprechendem Schriftwechsel nicht mal ahnen kann.
Und bis heute sind GEZler im schmutzigen Häuserkampf unterwegs und vergleichen Klingelschilder und Briefkästen mit ihren Listen – wobei schonmal Patzer passieren, die nur den Schluss zulassen, dass so mancher GEZ-Beauftragter zu viele Überstunden macht. Zumindest der, der selbst einem Stoffpinguin eine Aufforderung zuschickte, endlich seine Rundfunkgeräte anzumelden, und ihn dann gnadenlos in die Mühle der Mahnverfahren stieß.
Ab dem 1. April wird sich was ändern.
Jetzt kommt die GEZ legal an noch dubiosere Adressen. Seit dem 1. April dürfen die Kölner Rundfunkschnüffler auch Adressen aus dem freien Adresshandel offiziell erwerben. Wer beispielsweise von einem Verlag mit dem Merkmal „abonniert eine Rundfunkzeitschrift“ an einen Adresshändler weiterverkauft wurde, wird – sofern die GEZ ihn nicht kennt – umgehend Post aus Köln bekommen.
Datenschützer haben das schon längst kritisiert. Denn Rundfunk ist Ländersache und das für die GEZ gültige Landesdatenschutzgesetz NRW schreibt beispielsweise vor in § 4 Absatz 3 vor:
Die Verarbeitung personenbezogener Daten über die rassische oder ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen, die Gewerkschaftszugehörigkeit, die Gesundheit oder das Sexualleben ist nur zulässig, wenn sie in einer Rechtsvorschrift geregelt ist, die den Zweck der Verarbeitung bestimmt sowie angemessene Garantien zum Schutz des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung vorsieht.
Ob der Rundfunkstaatsvertrag, auf den die GEZ sich beruft, diese Anforderungen erfüllt ist fraglich. Auf alle Fälle sind in Adressdatenbanken auch Merkmale enthalten, die Rückschlüsse auf genau diese besonders geschützten Attribute ermöglichen. Schon eine Zuordnung zu einschlägigen Zeitschriftenabos reicht aus.
Mit der Gebührenpflicht für Computer ab 1 Januar 2007 wird besonders der Adressbestand von Computerhändlern interessant. Aber selbst Big-Brother-Award-Träger Kaffeeröster Tchibo kann schon heute interessante Daten liefern: In den letzten Monaten waren dort Fahrradradios und Weltempfänger im Angebot, die auch per Internet bestellt werden konnten und Rundfunkgebühren kosten.
Bedenkt man die teilweise miese Qualität mancher Adressdatenbank sind Hunderttausende von Irrläufern vorprogrammiert – eine Firma führte mich einmal als „Herrn König“, was irgendwann zu „H. König“ abgekürzt wurde. Als ich Reklame einer unbekannten Firma an „Herrn H. König“ im Briefkasten fand, wusste ich sofort, wer meine Adresse weitergegeben hatte. Seit dem denke ich mir bei Erstbestellungen immer zusätzliche Vornamen aus, durch die ich eventuelle Adresshändler identifizieren kann. Da die GEZ die gekauften Daten kaum manuell mit ihrer Datenbank abgleichen kann, darf nicht nur ich mich auf viele neue Briefe aus Köln freuen.
Nun sind die GEZ-Briefe meistens als solche erkennbar und wie jede Reklamesendung schnell in Ablage P einsortiert. Zum Überfluss will die GEZ aber über die gekauften Adressen auch Massenmailings (http://de.internet.com/index.php?id=2034563) per Email verschicken. Nun darf die GEZ nur Mails verschicken, wenn sie erwarten kann, dass der Empfänger sie auch haben will – zum Beispiel, weil er Rundfunkteilnehmer ist und die GEZ bei ihm kassiert. In diesen Fällen wäre es aber Unsinn – die Gebühren werden ja schon bezahlt. Und in allen anderen Fällen gilt, dass die Mail SPAM ist und daher unerwünscht und illegal.
Immerhin wird die GEZ die geplante Anti-SPAM-Regelung mit Leben füllen. Bislang konnte davon ausgegangen werden, dass die Bußgelddrohungen von bis zu 50.000 EUR je Zuwiderhandlung ins Leere laufen, weil SPAM meist von gefälschten Adressen aus verschickt wird.
Die GEZ wird aber zwefelsfrei als Absender identifizierbar sein. Und wir wissen schon, wofür die nächste Rundfunkgebührenerhöhung gut ist.





Kommentare
Als mein freund bei mir einzog, meldete er sich ordnungsgemäß ab.
15.09.2005, 08:59 von Juli.Schließlich zahlt man "pro Hauhalt und Empfangsgeräte" (also 1 Fernseher oder 2 ist egal... aber Radio und Fernseher halt), nicht "pro Kopf und Geräteanzahl"...
Von wegen: in einem Brief der GEZ stand wortwörtlich: "Sie möchten Ihr Radio und Ihr Fernsehgerät abmelden, weil Sie in eine Lebensgemeinschaft ziehen/gezogen sind? Eine Abmeldung aus diesem Grund LÄSST DER GESETZGEBER nicht zu!!!"
Es folgte ein Briefwechsel bester Sorte, den wir Auch nur geführt haben, weil wir eine Rückerstattung zu bekommen hatten... erst wurde uns unterstellt, wir hätten eine WG, dann waren wir halt eine Bedarfs- aber keine Lebensgemeinschaft. Und als sie es dann endlich begriffen hatten, wollten sie die Rückzahlung drücken- also nicht ab dem Zeitpunkt der ersten erhaltenen Kündigung/ Abmeldung zurückzahlen sondern ab Ende der Briefeschreiberei (es waren 2 Monate hinfortgezogen...)
Dann setzten wir unsere vom Anwalt errechneten Beträge durch- aber es dauerte noch geschlagene 7 Wochen, bis das Geld da war. Begründung: BANKWEG... *g*
Das ist 4 Monate her- letzte Woche bekam ich Besuch... ich meine, wir sind ja mit allen Geräten auf meinen Namen angemeldet- von daher... aber ich lasse hier keinen rein! Der Mensch hatte dann die Muße, mich nach jedem Auto in der Tiefgarage zu befragen, wessen das nun ist (dort hatte er sich Zutritt verschafft...) hallo???? Und nein. Mein Freund hat kein Auto...
BOOOAAAA.
...aber dass die GEZ jemals einen Durchsuchungsbefehl für ihre popeligen Fernseher bekommt ist doch wohl ein Gerücht, oder? Ich kanns mir echt nicht vorstellen, dass der GEZi heulend zur Staatsanwaltschaft rennt, denen erzählt, dass er ganz bestimmt einen Fernseher hinter der Tür laufen gehört hat, und die Staatsanwaltschaft beantragt einen Durchsuchungsbefehl..? Klingt nach Ammenmärchen...
14.09.2005, 18:06 von mbscholzIch wollte mich (als Studentin) auch befreien lassen. Vor einiger Zeit ging das auch bei Nicht-Bafög-Empfängern. Ich also das ganze Zeug sorgfältig ausgefüllt und ab ins Bürgerbüro. Die zuständige Dame überflog das ganze 2 Sekunden lang und sagte dann: "Tut mir leid, aber das können Sie vergessen."
05.06.2005, 22:10 von SeesternchenMir ist das ganze aber zu stressig geworden, dauernd diese Briefe und irgendwelche Typen im Hausflur. Also hab ich mich dann doch angemeldet.
Vor einem Jahr hatte sich die GEZ bei uns zu Semesterbeginn sogar mit einem eigenen Stand in der Uni-Halle plaziert, wohl in der Hoffnung, dass ein paar Studenten ein schlechtes Gewissen bekommen und sich anmelden. Zum Glück hat es keiner getan. Aber wie verzweifelt muss die GEZ sein?!
04.04.2005, 17:40 von bateman@[Benutzer gelöscht] Das Programm hat ja auch nur indirekt mit der GEZ zu tun. Die Sender melden alle 2 Jahre ihren voraussichtlichen Finanzbedarf an, woraufhin die GEZ die Höhe der Rundfunkgebühren berechnet.
04.04.2005, 19:20 von sailorEs ist nicht so, da? die GEZ mal aus Jux mehr Geld einzieht, das der ARD/ZDF vor die Hütte kippt und sagt: "Jungs, hier habt ihr mal 'nen bischen mehr, jetzt macht mal 'nen schöneres Programm"
Abgesehen davon ist Scheißprogramm genauso teuer wir gutes (wenn nicht noch teurer).
Aber mal im Ernst?
Wollt ihr alle nur noch RTLII gucken?
@[Benutzer gelöscht] das problem liegt ja unter anderem auch an dem ach so geliebten schmidt und co die millionen absahnen!! die film- und fernsehbranche ist einfach wucher bzw. deren gehälter...das is doch das problem! gez könnte halb so viel kosten...hundertpro
09.04.2005, 22:21 von kurzecaroLasst euch doch von der GEZ nicht mehr stressen! Eine einfache, aber sehr wirksame möglichkeit ist, auf den briefchen einfach anzukreuzen "ich besitze kein rundfunkgerät und keinen fernseher". dann hat man seine ruhe- zumindest bis zum nächsten umzug :-)
03.04.2005, 23:47 von brainless@kenshin
03.04.2005, 22:24 von Frenejaaa.. wenn das so einfach wäre.. könnte aber auch passieren, dass sie dir schreiben, dass sie dir nicht glauben, dass du kein tv und kein radio mehr hast.. das ist meinem freund passiert..
@Frene Glaub ich. Einer Freundin von mir, die eine Gebührenbefreiung beantragt hat, wurde nicht geglaubt, dass sie mit so wenig Geld im Monat auskommem könnte. Daher sollte sie die Gebühren bezahlen...
03.04.2005, 23:29 von veit@veit deshalb hat mein freund sich ja auch abmelden wollen, weil die ihn auch nicht befreien wollten, weil er zu wenig geld habe.. *kopfschüttel*
04.04.2005, 19:35 von Frene@[Benutzer gelöscht] Wenn aber TV übers Internet empfangen wird, ist das durch ein angemeldestes Fernsehgerät abgedeckt!
15.09.2005, 08:45 von Juli.