Die Kartelle der Guten
Um Arbeitsplätze zu schaffen muss ein Aufschwung her, und dafür müssen wir länger arbeiten.
Sagt ziemlich jeder, der Wirtschaftsexperte der CDU oder Unternehmer ist. „Moment, wenn wir alle mehr arbeiten müssen, damit der Aufschwung kommt, warum können wir nicht für diese Mehrarbeit Menschen beschäftigen, die heute arbeitslos sind?“ fragen sich die meisten Arbeitnehmer.
„So einfach ist das nicht. Die Volkswirtschaftslehre ist komplizierter, als man glaubt. Unsere Wirtschaftsexperten haben sich schon Gedanken gemacht.“ erwidern die Arbeitgeber. Nun, keiner behauptet, die Wirtschaftsexperten hätten sich keine Gedanken gemacht. Die Frage lautet: Worüber? Was war das Ziel ihrer Auftraggeber?
Ein kleiner Ausflug in die ersten Semester VWL hilft, das zu analysieren. Preisbildung nennt sich das Thema.
Preise entstehen auf Märkten. Ein Markt ist immer dann vorhanden, wenn ein Angebot und die Nachfrage nach dem Angebotenen zusammentreffen: Ich biete Brötchen an, Michael fragt sie nach, wir sprechen miteinander und einigen uns auf einen Preis. Wenn ich Mitbewerber auf dem Brötchenmarkt habe, dann muss ich zusehen, dass entweder meine Preise geringer oder mein Angebot besser ist als das der Konkurrenz. Das nennt sich Marktwirtschaft.
Anbieter sind meist die Produzenten. Die haben in vielen Fällen keinen Spaß an wirklich freier Preisbildung. Deshalb versuchen sie auf vielen Märkten, Kartelle zu bilden. Das sind Gruppen von Anbietern, die ihre Preise untereinander absprechen, damit alle ihre Gewinne sicher haben. Natürlich führen Kartelle zu unnatürlich hohen Preisen, die gesamtwirtschaftlich gesehen gefährlich sind. Deshalb sind sie auch verboten und das Bundekartellamt wacht bei uns, dass keine Kartelle entstehen.
Trotzdem sind Preiserhöhungen in manchen Branchen ohne konspirative „Frühstückskartelle“ kaum zu erklären. Bei den Mineralölfirmen spotteten VWL-Professoren während meines Studiums, dass sie sich morgens im Cafe treffen und Strohhalme ziehen, wer diesmal als erster die Preise erhöht, damit die anderen eine Woche später nachziehen können.
In manchen Fällen ist der freie Markt aber nicht erwünscht. Lebensmittelpreise wurden seit eh und je vom Staat subventioniert, damit es keinen Hunger gibt und unsere Landwirtschaft sich gegen billigere Anbieter aus dem Ausland durchsetzen kann. So etwas nennt man regulierte oder soziale Marktwirtschaft.
Genug der Vorrede: Es gibt genau einen Bereich, wo Kartelle aus sozialen Gründen erlaubt sind. Das ist der Arbeitsmarkt. Auch hier treffen Anbieter – die Arbeitnehmer – und Abnehmer – die Arbeitgeber – aufeinander. Den mächtigen Firmenbossen ist dieser Markt ein Dorn im Auge, denn sie sind hier auf der ungewohnten Seite des Nachfragenden.
Damit die Arbeitnehmer nicht übervorteilt werden, dürfen sie Kartelle bilden – sogenannte Gewerkschaften. Die bündeln die Macht der einzelnen Anbieter und handeln stellvertretend für ihre Mitglieder mit dem Kartell der Gegenseiten – den Arbeitgeberverbänden – verbindliche Preise aus.
Nun fordern die Arbeitgeber, die Arbeitszeiten zu verlängern, ohne mehr Lohn zu zahlen. Da die Arbeitsleistung in der geleisteten Arbeitszeit gemessen wird, verringert sich so der Preis, der für die Arbeit zu zahlen ist. Im ersten Schritt führt das zu Gewinnerhöhungen der Unternehmen. Verglichen mit dem Brötchenkauf bekommen sie nun 12 Brötchen zum Preis, den früher 10 gekostet haben!
Natürlich bringen solche Gewinnsteigerungen den Aufschwung. Klare Sache. Aber kommt der Aufschwung uns zu Gute?
Spannende Frage. In den letzten Jahren, in denen Unternehmer kontinuierlich über die schlechte Konjunktur gejammert haben, stiegen die Reingewinne und die Vorstandsgehälter nach mehreren Presseberichten im Durschnitt 15-25%. Arbietnehmer lagen hingegen knapp unterhalb der Preissteigerungsrate, haben unterm Strich also weniger Kaufkraft in der Tasche als noch vor einigen Jahren.
Natürlich kann der Aufschwung zu neuen Investitionen führen, die ihrerseits Arbeitsplätze schaffen. Ich kann aber jeden verstehen, der befürchtet, dass die Gewinne tatsächlich in Dividendenzahlungen an Aktionäre und Vorstandsgehälter investiert werden.
Jetzt ist klar, worüber sich die Wirtschaftsexperten Gedanken gemacht haben. Der Vorstand einer Aktiengesellschaft wird nicht nur seinen Posten verlieren, wenn die Aktien sinken und keine Dividenden mehr abwerfen. Er bekommt umgekehrt sogar für gute Kursverläufe selber Prämien. Er wäre – ehrlich gesagt – mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er den heutigen blinden Aktionismus nicht zu seinen Gunsten ausnutzen und die Reingewinne seiner Unternehmen ad infinitum steigern würde.
Wir sehen: Die Volkswirtschaftslehre ist viel einfacher, als uns die Unternehmen glauben machen wollen. Und genau deshalb ist es gut, dass auf dem Arbeitsmarkt auf beiden Seiten Kartelle existieren. Und, dass die Gewerkschaften sich gegen die Mehrarbeit zur Wehr setzen.





Kommentare
@[Benutzer gelöscht] @toppi
27.07.2004, 00:04 von RobinNein, es ist auf keinen Fall widersinnig. Es gibt Berufe, in denen es bedenklich ist, wenn Menschen über 55 arbeiten. Dieser Prozentsatz ist aber relativ klein. Die Mehrzahl von Jobs sind nunmal keine Bergwerksarbeiter oder jetpiloten.
Ich wäre vorsichtig mit der Behauptung Alte Menschen haben es schwer einen Job zu bekommen. Sie hab es nicht leichter, aber einen Job zu bekommen hängt von vielen Faktoren ab.
Außerdem ist es sehr wohl besser Mehr Menschen in die Erwerbsbevölkerung einzubeziehen. Denn der Anteil der Erwerbstätigen ist nämlich größer als der Anteil der Menschen, die keinen Job haben. Ein Glück. Von daher ist dein Argument sinnlos.
@JoFrie
Wer redet denn von Aufschwung? In Deutschland müssen erstmal die Bedingungen für nachhaltiges Wachstum geschaffen werden.
Und dazu gehört, wie 2Laky geschrieben hat eine Anpassung der Finanzierungssysteme an die Demographische Entwicklung.
@2Laky
Aber es ist falsch zu sagen, dass die Angst vor der schrumpfenden Bevölkerung nicht berechtigt ist.
Sie ist 1. berechtigt in Deutschland, weil der Anteil der Jungen in Relation zu den Alten kleiner wird. Das ist ein Problem.
Außerdem ist eine schrumpfende Bevölkerung insofern schlecht, als dass der Anteil der Bevölkerung, die Wachstum generieren (Wissenschaftler, Forscher, Entwickler) kleiner wird.
Das ist noch mehr erschreckend.
@[Benutzer gelöscht] >> In Deutschland müssen erstmal die Bedingungen für nachhaltiges Wachstum geschaffen werden. >Das ist nun nachgerade Unfug. >Erstens haben wir seit Jahrzehnten kontinuierlich eine der höchsten Wachstumsraten weltweit: Geldmengenwachstum * 1/Inflationsrate = reales Wachstum (Die Geldmenge wächst mit ca. 10% pa). Das Wort nachhaltig bedeutet zukunftsfähig und Deutschland ist von diesem Zustand noch weit entfernt. Das relative Geldmengenwachstum in Deutschland ist eigentlich ein gutes Zeichen. Das Wachstum des BIP ist auf weit mehr Faktoren zurückzuführen als du anscheinend denkst. Übrigens: Das Wort neoliberal existiert in der Wirtschaftswissenschaft nicht. Das ist von Medien erfunden worden. Nochmal übrigens: deine erklärungsversuche mit inflationären und deflationären Tendenzen sind nachfrageorientiert und daher zu kurzfristig. Langfristig kann man nur Strukturell, und nicht wie du konjunkturell, argumentieren. >Wir haben seit vielen Jahren Rekordwachstum. Da wir eine der höchsten Produktivitätsquoten der Welt haben, bedeutet dies steigende Arbeitslosigkeit und zwar wachstumsbedingt! Es stimmt, dass eine höhere Produktivität zu einer höheren Arbeitslosogkeit führt... ...wenn man verpasst sich an den Strukturwandel anzupassen. @toppi >Ich empfehle dazu mal die Lektüre von "Die Grenzen des Wachstums" und dessen Fortsetzung "Die neuen Grenzen des Wachstums". Die Ergebnisse sind doch bekannt. Und daher ist NACHHALTIGES Wachstum ja auch notwendig. Man kann Wachstum nun mal nicht abschalten, aber man kann es in gewissem Maße so gestalten, dass spätere Generationen davon profitieren und nicht unter den Folgen leiden.
27.07.2004, 16:44 von Robin@[Benutzer gelöscht] Nein! Es ist nicht nötig Wachstum zu stoppen. Wachstum sollte nachhaltig in jeder Form sein. Das ist nötig. Außerdem ist Wachstum ein anderes Wort für Anpassung zum Gleichgewicht. Das ist völlig normal. Abgesehen von der Unmöglichkeit, ist es völlig irrsinnig und fatal normale Mechanismen abschalten zu wollen. Das würde nur noch andere Eingriffe notwendig machen.
28.07.2004, 22:35 von RobinWachstum ist doch nicht von Subjekten erfunden worden, um andere zu zerstören. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es Leute gibt, die die Welt nur in Gut und Böse unterteilen können oder wollen.
Kritik, Selbstkritik und Differenziertheit wäre schon angebracht
@[Benutzer gelöscht] wenn mann sich mit wachstumstheorie und wachstumspolitik befasst, ist das einem eigentlich geläufig...
29.07.2004, 08:26 von Robin@[Benutzer gelöscht] Natürlich ist negatives Wachstum auch eine Anpassung zum Gleichgewicht. Man muss nun mal immer bedenken, dass bei Störungen im wirtschaftlichen Gleichgewicht. Anpassungsmechanismen über Faktor- und Güterpreise vollzogen werden. Solange aber z.B. zu viele Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt vorliegen ensteht Verzerrung. Aber das natürlich auch viel komplizierter.
30.07.2004, 09:44 von Robin@[Benutzer gelöscht] sorry, irgendwie werden meine Absätze immer gelöscht
30.07.2004, 18:27 von Robin>kontinuierliche Kostensenkungen bei kontinuierlicher Produktionssteigerung ergibt Minuswachstum bei Umsätzen selbst dort, wo hohes Wachstum vorliegt.
Nein, Kostensenkungen beeinflussen Umsätze nicht explizit. Kosten werden abgezogen, um den Gewinn zu errechnen. Außerdem, welches Wachstum meinst du denn genau?
>Wir haben die wettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt.
Das mag in manchen Punkten stimmen, aber wir verspielen einiges und bauen den Vorsprung nicht aus, während wir auf der anderen Seite verlorenen Vorsprung nicht aufzuholen versuchen.
>Eine Hälfte der Volkswirtschaft hat seit 30 Jahren Deflation, die andere ebensolang Inflation, gemeinsam ergibt sich eine niedrige Inflationsrate, weil die eine Entwicklung die andere ausgleicht. Welche Hälften meinst du?
>Wir brauchen hohe Lohnsteigerungen Welche Entwicklung zwingt den Lohn zu erhöhen? Ich bin der Meinung der Lohn sollte nicht verändert werden. Durch den Export von ARbeitsplätzen wird der Lohn der anderen Länder auf unser Niveau steigen. Solange bis keine Arbeitsplätze mehr abwandern. Deswegen bin ich gegen eine Wochenarbeitszeitverlängerung.
>und höhere Steuern, im Grunde ein europaweit einzuführendes anderes Steuermodell.
höhere Steuern? warum?
@2laky:
25.07.2004, 11:36 von Robinja das ist alles noch sehr schwammig, aber wüsste ich eine Lösung, dann würde ich nicht mehr hier sitzen und ein bisschen rumposten.
Das große Problem der Staatsfinanzen waren bisher die Verschwendung (www.bundesrechnungshof.de) und die Transferleistungen (Arbeitslosengeld,...).
ich glaube aber, dass Hartz IV zuerst mehr Belastung für die Staatskassen ist (Umstellungsaufwand), jedoch dann eine konsilidierende Wirkung nimmt. Der grösste Teil des öfentlichen Aufwandes sind nämlich Transferleistungen. Also ist das für den Staatshaushalt eine Entlastung.
Leider, und da bin ich mir sicher, wird das für einige Menschen eine schwierige Zeit. Daher denke ich müssen Voraussetzungen geschaffen werden, die den Unternehmen die Angst nehmen Leute einzustellen. Damit meine ich mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Zum Bsp. eine gelockerte Kündigungsschutzregelung.
Und: ich bin strikt gegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit; ich bin aber für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit.
Der Anteil der Erwerbstätigen 55-65 Jährigen an der gesamten Erwerbsbevölkerung beträgt in der Schweiz 74%, in den USA 68% in Japan 58% und in Deutschland 39%.
Ich glaube da haben wir noch Spielraum, denn ich habe schon weiter oben gepostet, dass der Anteil der Produktionsjobs in Deutschland kleiner ist als viele vermuten. Es wird immer so getan, als ob Deutschland eine Produktionsgesellschaft ist. Deutschland ist schon lange eine Dienstleistungsgesellschaft.
ich finde es ziemlich schade, dass die meisten Leute hier anscheinend das wiederzugeben versuchen, was sie in irgendwelchen tv diskussionen aufgeschnappt haben.
25.07.2004, 00:18 von Robinund andere denken wohl, dass sie mit massigen texten massigere argumente rüberbringen können.
aber ich hoffe noch, dass irgendwann die qualität über die quantität siegen wird.
auf jeden fall finde ich es sehr falsch, dass die, die hier posten nicht mit ihrem fachwissen argumentieren, sondern versuchen in "vwl-er-Dingen" mitreden möchten.
Eins sollte doch allen eigentlich klar sein:
Deutschland muss jetzt endlich versuchen eine Wissensgesellschaft zu werden. Deutschland ist bei den reinen Produktionsjobs nicht mehr wettbewerbsfähig. Zumal der Anteil der Produktionsjobs schon sehr klein geworden ist in Relation zu den Dienstleistungsjobs.
Deutschland muss seine Wettbewerbsfähigkeit in Bildung und Ausbildung, sowie Forschung und Entwicklung weiter ausbauen. Und nur mit weiter konsolidierten Staatsfinanzen wird Deutschland zukunftsfähig. Zudem braucht Deutschland mehr Zuwanderung.
Warum muss das alles geschehen: Damit effektiv die Verlierer der Marktwirtschaft aufgefangen werden können. Und die gibt es auch in der sozialen Marktwirtschaft
Leider geben hier manche einen ganz schönen Unsinn von sich. Die Wirtschaft ist nicht der große Gott, dem alternativlos gehuldigt werden muss - im Gegenteil, sie bzw. der Markt muss sogar von der Politik reguliert werden, und das noch viel stärker, als das bisher der Fall war. Da "Arbeitgeber" (ein vollkommen falscher Begriff, hat schon Marx festgestellt) ohnehin die stärkere Lobby haben, müssen die "Arbeitnehmer" (s.o.) viel stärker geschützt werden. Die Gewerkschaften als "Bremser" zu bezeichnen ist nicht nur geschmacklos, sondern falsch: sie bewahren uns vor dem neoliberal-reationären Ausbeutertum und versuchen zu retten, was über ein Jahrhundert lang hart erkämpft wurde - nur das ist fortschrittlich und nicht der faktische Rückschritt ins 19. Jahrhundert! Als nächstes wieder Sklaverei?
07.07.2004, 20:40 von derRico@derRico Seit vielen Jahren werden in unserem Land Menschen ins gesellschaftliche Abseits und in die Armut verschoben. Menschen, die meinten ihren Platz und ihre Existenzberechtigung in unserer Gesellschaft sicher zu haben. Aber dann mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und ohne die Möglichkeit sich selbst ernähren zu können trotz teurer sozialen Sicherungssysteme stetig nach unten in die staatsverwaltete Vormundschaft durch gemahlen wurden. Ohne Aussicht auf Besserung.
09.07.2004, 09:14 von MachopanWer zweihundert Bewerbungen geschrieben hat und unzählige Vorstellungsgespräche mit teils entwürdigendem Seelenstriptease über sich ergehen lassen musste, der hat keine Hoffnung mehr. Der resigniert und entspricht dann genau dem Bild vom faulen Sozialschmarotzer, das unseren Politikern und Wirtschaftsführern, die einschneidenden Maßnahmen zur "Reform" der Sozialsysteme so leicht begründen lässt.
Der noch amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder ist 1998 mit den folgenden Worten in seiner Regierungserklärung angetreten:
"Vor uns liegen gewaltige Aufgaben. Die Menschen erwarten, daß eine bessere Politik für Deutschland gemacht wird. Wir wissen: Ökonomische Leistungsfähigkeit ist der Anfang von allem. Wir müssen Staat und Wirtschaft modernisieren, soziale Gerechtigkeit wiederherstellen und sie sichern, das europäische Haus wirtschaftlich, sozial und politisch so ausbauen, daß die gemeinsame Währung ein Erfolg werden kann. Wir müssen die innere Einheit Deutschlands vorantreiben; und vor allem und bei allem: Wir müssen dafür sorgen, daß die Arbeitslosigkeit zurückgedrängt wird, daß bestehende Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue Beschäftigung entsteht"
Und heute scheut er sich nicht mit dem Satz "Was wir jetzt tun ist die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe und diejenigen, die davon betroffen sind, erwerben sich den Anspruch in Arbeit vermittelt zu werden. Und das ist doch ein großer Erfolg." in den Medien präsent zu sein.
Dieser Satz ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die seit sechs Jahren darauf warten und hoffen, dass eine bessere Politik in Deutschland gemacht wird, bestehende Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue Beschäftigung entsteht. Diesen Satz vor der letzen Bundestagswahl und die Wähler hätten anders entschieden.
Den ANSPRUCH auf Arbeit kann man nicht essen!
Ein Strafgefangener weiß wann seine Haftzeit zu Ende ist und im Knast mit geheizter Zelle, regelmäßigem Essen und ärztlicher Versorgung geht es ihm immer noch besser als einem von Harz IV zwangsverwalteten und lebenslänglich in die Armut gedrückten Billiglohnarbeitssklaven.
Man kann sich leicht vorstellen, was vier oder noch mehr Millionen Menschen die nichts mehr zu verlieren haben, auch wenn sie nur mit Stöcken und Steinen bewaffnet sind, aus dieser Republik machen werden.
Sie werden sicher nicht nur die politisch Verantwortlichen aus ihren Bungalows zerren und die Parlamente stürmen, sondern auch die Wirtschaftsbosse und Bankdirektoren aus ihren Hochhäusern holen.
Ab und zu sollte man auch aus der Geschichte lernen. Bevor es zu spät ist.
@Machopan Rico, wirf doch mal einen Blick in unser Bürgerliches Gesetzbuch, unser Kündigungsschutzgesetz und unser Betriebsverfassungsgesetz, dann siehst wie stark
11.07.2004, 09:59 von Hanbeidie Rechte der Arbeitnehmer hier eh schon sind. Gleichzeitig bitte ich dich, mal einen Blick über deinen Tellerrand zu werfen und mit anderen Ländern zu vergleichen.
Dein Bild vom ausbeuterischen Wirtschaftsboss stammt aus dem vorletzten Jahrhundert. Heutzutage weiß jeder vernünftige Unternehmer, dass er nur mit und nicht gegen seine Angestellten arbeiten und wirtschaften kann, da nur motivierte Mitarbeiter Erfolg für das Unternehmen bedeuten. Von diesem alten Klassenkampf sprechen doch nur noch ein paar Weltfremde, die von den heutigen Verhältniss wohl keinerlei Ahnung haben.
Wenn ich solch marxistische Töne höre, möchte ich daran erinnern, welches System in den letzten 20 Jahren total den Bach runterging.
Auch nicht gerade rosig geht es ja nun den Gewerkschaften, denen der Nachwuchs fehlt, die Mitglieder davonlaufen, die Streiks anzetteln, hinter denen nicht mal die Arbeiter mehr stehen (so geschehen in Ostdeutschland vor ein oder zwei Jahren und sich jeder ans Hirn darüber griff). Gewerkschaften, die mehr und mehr abheben,
die völlig unrealistische Forderungen stellen. Und ganz nebenbei: was in unserer Gesellschaft leider überall vorherrscht: nur noch fordern, fordern, fordern. Ich
finde, wer mehr Geld fordert, soll auch mehr leisten oder etwas bieten was andere nicht haben. Deutschland hingegen ist Weltspitze beim Urlaub machen mit 42 Urlaubs- und Feiertagen.
"Wir müssen uns reformieren, sonst werden wir reformiert" lautet so ein schöner Spruch. Das haben die Gewerkschaften noch nicht begriffen!
Machopan, auch finde den Jugenwahn sehr bedenklich, also die Tatsache dass man über 40 null Chancen auf Beschäftigung mehr hat - da sollte wirklich der Staat
eingreifen. Jedoch wird sich dieses Problem wegen der demografischen Entwicklung eh bald selbst lösen, d.h. es werden bald auch wieder Ältere gebraucht.
Nur fordere ich, dass wir in unserer Gesellschaft endlich von dieser Beamten- und Vollkasko-Mentakität abrückt!!
Du verlangst eine bessere Politik, eine die die Leute in Lohn und Arbeit bringt. Ich finde, wir müssen weg von diesem Anspruchsdenken, hin zu mehr Eigeninitiative
und Flexibilität.
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und wer sich auf den Staat verlässt, der ist verlassen. Denn der ist absolut PLEITE!!
Die Regierung ist so was von ausgebrannt, dass sie gar nicht mehr anders kann, als die Sozialausgaben zu kürzen, denn die schnüren dem Staat den Hals zu und
hindern ihn daran, das Geld sinnvoller auszugeben.
Mit sinnvoller meine ich, dass man in Bildung & Forschung investieren muss.
Denn ein Land mit gut ausgebildeten Leuten und zukunftsweisender Forschung ist auch ein attraktiver Standort für Unternehmen, die wiederum Arbeitsplätze schaffen.
Der ach so böse böse Unternehmer ist nämlich derjenige, der die meisten Leute in unserem Land beschäftigt und entlohnt -das sollten wir nicht vergessen bei der Debatte!!
@[Benutzer gelöscht] Ein gutes Beispiel von 2laky, welche Auswüchse Bürokratie in Deutschland genommen haben.
11.07.2004, 15:07 von HanbeiIch kann vom Unternehmen XX GmbH aus Y erzählen, wo ich mal Praktikant war:
Der Chef forderte immer mal wieder Arbeitslose vom Arbeitsamt an. Es stellte sich jedoch heraus, dass 90% von denen keinen Bock auf Arbeit hatten und sich dies auch beim Vorstellungsgespräch indirekt heraushängen ließen und nur wollten,
dass der Chef die Bestätigung unterschreibt.
Folge: Chef von der Firma XX beschäftigt inzwischen größtenteils Osteuropäer über eine Sub-Firma.
Kennt hier jemand einen oder zwei gute Gründe warum sich die Firma XY aus Amerika oder Fernost noch in Deutschland ansiedeln soll bei diesem Bürokratie-Wahnsinn, den höchsten Lohnnebenkosten und freien Tagen der Welt?
Wir haben die Wahl:
a) wir machen so weiter wie die Gewerkschaften sich das vorstellen. Folge: die Firmen
wandern sukzessive ab und meine Generation hat bald keine Arbeitsplätze mehr - die
Kohle für Sozialabgaben geht völlig aus, weil ja kaum mehr jemand in Brot und
Arbeit steht (und Beamte und Lehrer, die jetzt am lautesten gegen die "Ausbeuter" schreien, obwohl sie ja am besten abgesichert sind und auf Kosten der Volkswirtschaft leben) - da will ich dann mal die von Machopan prophezeite Revolution sehen ;)
b) wir liberalisieren, wir flexibilisieren, wir machen den Standort Deutschland wieder attraktiv mit niedrigerer Staatsquote, höheren Investitionen in Bildung&Forschung, Senkung der Sozialausgaben (Vorbild: Österreich, NL, Skandinavien etc.)
auf das Niveau, dass wirklich nur Hilfsbedürftigen geholfen wird.
Folge: Leute finden wieder Arbeit
@Hanbei Ich denke die Probleme die unsere Wirtschaft und unser Land hat sind noch Folgen der letzten 8 Jahre der Kohlregierung und der immer stärker gewordenen und noch immer stärker werdenden parteipolitischen Denkweise unsere Politiker. Wir sind mit ca. 2 Billionen DM Schulden in die Schröder-Zeit gestartet, die demographische Entwicklung wurde '98 schon seit Jahren angemahnt, die Renten- und Gesundheitsreform wurde jahrelang verschleppt usw. Und alles was man von der Opposition (und mittlerweile oft auch der Regierung) zu hören und zu sehen bekommt sind einfach nur Aussagen die die Position und Vorschläge des politischen Gegeners schlecht machen sollen, nach der Art: "Herr Schröder sagen sie doch mal was sie wollen, damit wir sagen können was wir nicht wollen". Diese Grabenkämpfe haben Deutschland in die Sackgasse geführt und deswegen bin ich froh das Herr Schröder endlich mal seine Reformen durchziehen will, das hätte er vor Jahren schon tun müssen, dann könnten wir die Ergebnisse vielleicht jetzt schon spüren. Aber leider gehen diese Reformen nicht weit genug, wie einige hier schon angemerkt haben müsste wirklich die Bürokratie komplett entrümpelt werden damit Unternehmer wieder die Zeit haben sich ihren eigentlichen Aufgaben zu widmen.
11.07.2004, 16:42 von ford_prefect@[Benutzer gelöscht] Teilweise interessante Diskussion, auch einige gute Ansätze, aber dann kommt immer wieder Klischee-, Klassen- und Wunschdenken hoch.
12.07.2004, 01:29 von MachopanAlle haben hier ihr Fett abbekommen, die Politiker, die Gewerkschaften, die Arbeitgeber, die Beamten und die Arbeitnehmer. Teils zu Recht, teils zu Unrecht. Wir können hier endlos darüber diskutieren, ohne dass sich auch nur das Geringste ändert.
Das bestehende System wird sich auch nicht aus sich selbst erneuern, weil die Personen, die dieses System verändern könnten, gleichzeitig auch die Nutznießer dieses Systems sind.
Daher sollte man sich einfach mal fragen, was die Menschen machen, denen die Existenzgrundlage entzogen ist. Ob sie ihre Situation nun selbst verschuldet haben oder nicht, das können wir bei der Betrachtung der Konsequenzen außer acht lassen.
Laut Statistik sind unter den 4 Millionen Arbeitslosen etwa 1,3 Millionen Langzeitarbeitslose.
Dazu kommen mit Harz IV noch ca. 0,5 Mio. Sozialhilfeempfänger. Da seit Jahren die Statistiken schön gerechnet werden, sind es sicher wesentlich mehr als weniger. Es ist wohl jedem klar, das man mit den neuen Sozialhilfesätzen nicht existieren kann. Und bevor jemand diese Hilfe bekommt, muss erst mal behördenseitig seine Bedürftigkeit festgestellt werden. Ich kann jedem, der sich über dieses Thema auslassen möchte, empfehlen sich zuerst mal die Formulare dazu anzusehen.
Außerdem darf der Antragsteller über keinerlei eigenes Vermögen mehr verfügen.
Das ist auch so gewollt, denn die Menschen sollen ja zu jeder Art von Arbeit gezwungen werden. Sicher wäre das ein vernünftiger Ansatz, wenn Arbeit da ist und man die überwiegende Zahl der Antragsteller für Sozialschmarotzer, Faulenzer und Drückeberger hält.
Doch das ist ein Märchen! Ein Märchen, das nur dazu benutzt wird die Unfähigkeit unserer Systeme zu verdecken und die Schuld auf die Betroffenen selbst zu verlagern.
Dabei wird schlicht ignoriert, dass JEDER normale Mensch, der ein Jahr oder mehr ohne Arbeit und ohne ausreichende Einkünfte ist, zum Sozialfall wird.
Und durch Harz IV entsteht KEIN EINZIGER ARBEITSPLATZ. Das eigentliche Problem wird dadurch nicht gelöst.
Und jetzt sollte mal jeder seine Phantasie walten lassen und sich vorstellen, was er tun würde, wenn er in dieser Gesellschaft keinen Studienplatz, keine Lehrstelle, keinen Arbeitsplatz und kein Geld hat. Und dann noch vorgehalten bekommt, dass er daran immer auch noch selbst schuld ist.
Also ich, das sag ich ganz ehrlich, würde mit solch dummen Schwätzer kurzen Prozess machen und ihnen aufs Maul hauen.
Und wenn ich dann noch höre, dass der Herr Weise von der BA in 2005 mit (offiziellen) 5 Millionen Arbeitslosen rechnet und darunter sind nur 25%, die so denken wie ich – dann .....
Dann gute Nacht BRD!
@[Benutzer gelöscht] Mehr Arbeit bedeutet weniger Familie.
06.07.2004, 10:41 von StyxWeniger Familie bedeutet noch weniger Kinder. Weniger Kinder bedeuten Vergreisung der Bevölkerung, noch mehr Kosten für den Sozialstaat.
Ein Teufelskreis aus dem Deutschalnd ohne ein komplett neues System, dass sich den heutigen Verhältnissen anpasst, nicht mehr rauskommt.
Ausserdem entledigt sich die Wirtschaft seiner Arbeitnehmer. Wer soll den länger arbeiten? Die 50 jährigen die eh keiner mehr einstellen will? Die Jungen, die sowieso schon belastet genug sind mit dem "Ich arbeite für mich und für 5 Rentner"?
Das viele aus der "Arbeitklasse" bereits jenseits der 50-Stunden Woche schuften, interessiert eh den Gasmann. Und diese Überstunden werden weder bezahlt noch bekommt man dafür frei. Somit haben wir das geforderte SOll längst erreicht.
Deswegen finde ich solche Forderungen von Seiten der Wirtschaft inakzeptabel. Die wollen doch nur das legalisieren, was bereits Usus ist.
@Styx Deutschland steckt mitten in einer Struckturkrise. Wir haben eine Staatsform, die in den 50er/60er/70er Jahre, zu der Zeit als die Wirtschaft so richtig gebrummt hat, wunderbar funktioniert hat. Wobei das so auch nicht ganz richtig ist, weil man schon früh gemerkt hat, dass das System in seiner Form nicht überlebensfähig ist. Leider denken die Politiker jedoch nicht langfristig sondern nur bis zur nächsten Wahl!
12.06.2005, 09:11 von Sebastian.MDas entscheidende ist aber, das Instanzen, wie die Gewerkschaften eingerichtet wurden, die das System in seiner Entwicklung einschränken. Die Gewerkschaftsführer handeln, als würden wir in den dicksten Boomjahren stecken, was aber nicht so ganz der Fall ist!
Unternehmen investieren nur, wenn sie Gewinnerwartungen in die Zukunft haben, denn ansonsten wäre jede Investition unsinnig. Für ein Land dessen Größen von heute 82 Millionen auf prognostizierte 60 Millionen im Jahr 2050 zurückgehen wird, mit den hösten Lohnnebenkosten weltweit, und Gewerkschaften die die Macht haben Politik auf Bundesebene zu beeinflussen sieht es da eher düster aus...
VolkerK, ich stimme dir völlig zu, dass wir in unserem Land mit der mehr und mehr herrschenden Abzocker- und Bereicherungs-mentalität (Leute wie J.S. von DaimlerChrysler, die nur Mist gebaut haben und noch zig Millionen dafür einschieben z.B.) nicht weit kommen. Jedoch hast du bei den Ausführungen zur Marktwirtschaft ein ganz entscheidendes Moment vergessen: Deutschland ist im internationalen Vergleich (und wir leben nun mal in einem Europa-weitem freien Markt) eine ziemlich lahme Ente geworden. Die mit Abstand höchsten Lohnnebenkosten (da aufgeblähter Sozialstaat), die meisten Ferien und niedrigsten Wochenarbeitszeiten, hoch unflexibles Kündigungsgesetz (sogar die "reichen" Schweizer lachen über unsere Regelungen) etc etc... Es gibt also heute viele Anbieter von Arbeitskräften wie z.B. in Osteuropa, die viel billiger und mehr arbeiten und auch arbeiten wollen, während wir in Deutschland all ziemlich satt und träge sind, mal ganz pauschal und provozierend ausgedrückt. Wenn ich an meine Woche und die meiner Eltern (besitzen kleine Betriebe) denke, kommt mir die Diskussion um 35 oder 40 Stunden ziemlich lächerlich vor.
25.06.2004, 22:34 von HanbeiDie Folge nun: große Unternehmen verlagern Arbeitsplätze, die auch von weniger qualifizierten in anderen Ländern viel billiger gemacht werden können und wir hier bleiben auf den Belastungen für das Sozialsystem sitzen. Daran schuld sind aber weniger die bösen Unternehmer sondern die Gewerkschaften - der Bremsschuh unserer Volkswirtschaft!!
@Hanbei stimme Hanbei zu! ver.di, der DGB und wie sie alle heißen haben die Lage nicht kapiert. Deutschland darf sich nicht als Insel der Seeligen sehen, sondern auch über den Tellerrand hinüber schauen. Die Standortvorteile Bildung / Infrastruktur sind Deutschland wohl in der letzten Zeit langsam Flöten gegangen, beim Preis konnten wir wohl nie mit den globalen Produktionsmärkten Asien / Osteuropa mithalten. Es ist demnach klar, dass Unternehmen (die KEINE Wohlfahrteinrichtungen sind!!!) über eine Verlagerung der Arbeit in günstigere Rahmenbedingungen nachdenken. Da muss dann auch die Gewerkschaft flexibel sein. Ver.di ist aus meiner Sicht ohnehin der übelste Haufen, durch die Fusion der kleinen Gewerkschaften zu ver.di sind tausende Arbeitsplätze bei denen verloren gegangen; genau so etwas bemängeln sie aber immer in der Wirtschaft. Der DGB duldet bei sich im Haus keine Arbeitnehmervertretung...Doppelmoral...?
28.06.2004, 09:55 von Eierdieb