zweimannagentur 30.11.-0001, 00:00 Uhr 10 0

Die Jessica-Rabbit-Verschwörung

Die geheimen und dunklen Seiten von Walt Disney, Marlboro und Coca-Cola

Ein schöner Wintertag in einem netten amerikanischen Vorort: Familie Smith verbringt den Nachmittag vor dem Fernseher und gemeinsam mit ihren Kindern sehen sie sich eine Reihe von fröhlichen Walt Disney Zeichentrickfilmen an. Eine Idylle? Nein! Denn sie wissen nicht, dass sie durch subliminale sexuelle Botschaften in den Disney-Filmen beeinflusst werden. Im „König der Löwen“ bildet sich aus dem Sternenfunkeln plötzlich das Wort SEX. Aladdin flüstert den Kindern zu, sie sollten sich die Kleider ausziehen. In der „Kleinen Mehrjungfrau“ bekommt ein Priester bei der Trauung eine Erektion und auf dem Cover dieses Videos prangt versteckt und doch sichtbar ein Phallus!

Aber es kommt noch schlimmer: Die sowieso schon verrucht genug gezeichnete Jessica, Zeichentrick-Freundin des Hasen Roger Rabbit, gibt nach einem Sturz aus einem Auto einen ungeschützten Blick auf ihren Schambereich frei. Sie trägt keine Unterwäsche!

Verschiedene christliche Vereinigungen finden eine Vielzahl solcher Beobachtungen in den Videos von Disney. Für sie ist das ganz klar ein gezielter Angriff auf die ungeschützten Seelen der Kinder mit dem Ziel sie zu verderben.

Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich jedoch die Sternkonstellationen als der Name einer Spezialeffektefirma (SFX) und die Erektion des Priesters als Knie des kleinen Mannes. Und die Frage ob Jessica wirklich keine Unterwäsche trägt, lässt sich selbst bei der Analyse der vier Einzelbilder –die niemand im Normaldurchlauf wahrnehmen kann, auch nicht „subliminal“– nicht eindeutig beantworten.


Die Skepsis der Menschen gegenüber Großmächten ist riesig. Hinter jeder Vereinigung, die nicht absolut transparent ist, wird gerne eine Verschwörung ausgemacht. Dies gilt für staatliche Organisationen (Mitschuld der amerikanischen Geheimdienste am Kennedy-Attentat, Marilyn Monroes Tod, dem 11.September etc.) und nichtstaatliche Verbände (Illuminaten, Freimaurer) ebenso, wie für große Konzerne. Die großen Marken sind Teil unserer Welt, gestalten das Wirtschaftleben mit und sind für Millionen Menschen durch ihre Werbekommunikation täglich sicht- und erlebbar. Dabei vermischt sich die gesunde Skepsis über Geschäftsgebaren mit der Lust am Grusel und verbreitet sich rasend schnell als „Urban Legend“.

Dass das Ganze im Falle Disney nicht nur als harmlose Spinnerei allzu prüder Amerikaner abgetan werden kann, zeigt schon allein, dass sich 1995 sogar das „Wall Street Journal“ mit dem Thema beschäftigte, Disney offizielle Stellungnahmen abgeben musste und sogar auf dem Cover des „Meerjungfrau“-Videos ein Türmchen, das mit viel Phantasie an einen Phallus erinnert ändern ließ.

Aber auch andere Firmen sind von dieser Art der Publicity betroffen. Eine der international bekanntesten Mythen besagt, dass das dachförmige rote Marlboro-Logo deshalb dreimal auf der Packung vorhanden sei, weil der Konzern dem Ku-Klux-Klan gehöre. Weitere Indizien: Das vermeintliche Klan-Motto „Veni, Vidi, Vici“ im Logo, welches in Wirklichkeit von Julius Cäser stammt. Oder auch ein kompliziertes Wortspiel mit dem Logo aus dem man dann „Horrible Jew“ lesen könnte, wobei auch hier die Verbindung zum Ku-Klux-Klan nicht wirklich hergestellt werden kann.

Abgesehen davon, warum sich ein Konzern mit einer solchen Botschaft outen sollte ist auch die wirtschaftliche Seite dieser Vermutung bei näherem Hinsehen äußerst fragwürdig: Marlboro gehört als Marke zum Konzern Philip Morris, der zur Zeit mit einem Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar notiert ist und damit wohl eine Nummer zu groß um von einem Grüppchen Weltverschwörer kontrolliert zu sein.

Auch ein anderer US-Riese ist betroffen: So nimmt Coca-Cola auf der internationalen Website zu einer Vielzahl von Gerüchten ausführlich Stellung. Angefangen von Geschichten über Menschen, die nach Coca-Cola-Konsum plötzlich starben bis hin zu Phantasien, dass die Brause Kokain enthält oder als Verhütungsmittel funktioniere, wenn man nach dem Geschlechtsverkehr nur gründlich damit spüle… Im arabischen Raum hält sich sogar nach wie vor ein Gerücht, dass nur allzu gut in das antiamerikanische Weltbild passt: Wenn man den Coca-Cola-Schriftzug kippt und spiegelt kann man darin die arabischen Schriftzeichen erkennen, die übersetzt „Nein zu Mohammed, Nein zu Mekka“ heißen. Ein Zufall der bei der Logo-Entwicklung 1886 wohl kaum berücksichtigt wurde. Immerhin sind die Auswirkungen heute so gewichtig, dass sogar vor kurzem ein ägyptischer Glaubensführer zu diesem Thema Stellung bezog und dem Logo und damit auch dem Unternehmen die Absolution erteilte: „Das Logo beleidigt die Muslime und den Islam weder indirekt noch direkt“.

Andere Legenden, wie die dass die Formel von Coca-Cola nur zwei Menschen im ganzen Unternehmen bekannt wären und auch ihnen nur je zur Hälfte, sind der Marke ganz nützlich. Das Mysterium um das geheime Rezept wurde über Jahrzehnte in unterschiedlichen Varianten vom Unternehmen kultiviert und half damit auch das Getränk als etwas ganz besonderes darzustellen.

Ein Konzept, dass es auch bei deutschen Marken gibt. So erklärt Jägermeister, dass die Rezeptur aus 56 Kräutern bestehe, worunter „auch einige Geheimzutaten“ seien. Gerüchte, wonach es sich dabei auch um Hirschblut handeln soll konnten bisher nicht bestätigt werden…

10 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Also, eins weiß ich mit Sicherheit: Jessica Rabbit trägt Unterwäsche...
    Habe mir die Szene schliesslich oft genug in Zeitlupe angesehen! ;-)

    08.06.2004, 15:17 von Erbsenbaum
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ganz zu schweigen davon das george washington nicht george washigton war, sondern adam weishaupt, der gründer der illuminaten ; )

    24.05.2004, 14:11 von Leisetreter
    • Kommentar schreiben
  • 0

    schöner text und gute analyse.

    19.05.2004, 14:13 von asklepios
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Geht auch anders herum ...

    Viele Menschen glauben, dass CocaCola den heutigen Weihnachtsmann erfunden hat. Dieses Märchen wird ebenso gern vom Konzern auf dessen Webseiten gepflegt. Aber ... wie so viele Urban Legends ... ist nur ein kleiner wahrer Kern in der Geschichte. Den rot-weiß gekleideten Weihnachtsmann gab es schon vor der CocaCola Werbekampagne von 1931.

    Mehr dazu:
    http://www.zeit.de/stimmts/199952_stimmts_cola_wei.html

    grüsse
    koriander

    18.05.2004, 10:20 von koriander
    • 0

      @koriander Super Bericht, sehr schön und unterhaltsam geschrieben. =)

      @sammy: Also ich bin selber bei dem Unternehmen mit dem großen M tätig und ich weiss nicht so recht... es gehen viele Leute rein ins WC, aber es kommen immer nur so wenig raus, hat mich schon manchesmal gewundert..... ô_O

      18.05.2004, 14:18 von Tyrael
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Leider kann ich Euch da nicht zustimmen.
    Die Macht, die Großkonzerne unterbewußt auf uns ausüben finde ich gar nicht witzig. Vor etwa zwei Jahren wurde ich in Bielefeld auf dem Klo von McDonalds von Kettenrauchern entführt und gezwungen mir tagelang Disneyfilme anzusehen. Seitdem befinde ich mich auf der Flucht, denn ich kenne nun die Rezeptur von CocaCola und die Wahrheit über Jessica-Rabbit.

    18.05.2004, 08:23 von Nico
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Sehr interessant, lustig, unterhaltsam, ....
    Vielen Dank !!
    @ Frene : die Bielefeldverschwörung kenn ich auch ! Möchte mal wissen, wer sich sowas ausdenkt ... :-)

    17.05.2004, 23:12 von KirstyLakolk
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @[Benutzer gelöscht] was mir auf der marlboro-schachtel auch noch gezeigt wurde war, wenn man die schachtel auf den kopf stellt und dann den umgedrehten marlboro schriftzug halb abdeckt, sieht es aus, als wären die beine von zwei personen abgebildet: einer stehend, einer weiter oben: der henker und der gehängte *schauder*.
      was ich sehr witzig finde ist die verschwörungstheorie, dass es die stadt bielefeld ja gar nicht gibt:
      http://fsinfo.cs.uni-sb.de/~abe/mirrors/bielefeld.html
      auf stern.de gibt es sogar einen test, wie gut man sich in verschwörungstheorien auskennt:
      http://www.stern.de/unterhaltung/buecher/index.html?id=520494&nv=hp_as
      ich find's lustig, was es alles für spannende theorien gibt, obwohl manches auch echt beängstigend ist (bzw. dadurch beängstigend wird, dass viele menschen dran glauben..)

      17.05.2004, 22:37 von Frene
  • 0

    Ich finde so verschwörungstheorien witzig. Zum Beispiel soll auch nicht die Titanic, sondern ein anderes Schiff untergegangen sein, Hitler lebt noch (Elvis natürlich auch)...
    Besonders witzig finde ich die Idee, das Mc Donalds auf ihren WCs die Kunden entführt und durch ausserirdische Doubles ersetzt =)
    Nur um noch einen weiteren betroffenen Riesenkonzern zu erwähnen.
    Also ich weiss auch nicht, wie weit man darüber lachen kann oder ab wann man sich wirklich Sorgen um die Menschheit machen muss....

    Sammy

    17.05.2004, 21:48 von Sammy
    • Kommentar schreiben

NEON im Netz

Spezial: Städtereisen

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare