„Dein Freund wurde herabgestuft auf AA“
Für was bräuchte man wirklich Ratingagenturen?
Ich kann es nicht mehr hören. Kaum eine Nachrichtensendung kommt in den letzten Wochen noch ohne die neuesten Infos von Ratingagenturen aus. Da werden große Staaten (oder wie gestern Abend ein paar Bundesländer) um ein „A“ beraubt und der Finanzmarkt verschluckt sich innerhalb von Millisekunden. Inzwischen reicht schon das Androhen einer Abwertung um von Hongkong bis New York für Schnappatmung zu sorgen.
Früher waren Leitzinsen bestimmend, jetzt sind es - zumindest von Außen betrachtet - die berühmten Triple-As. Vergeben von privaten und gewinnorientierten Einrichtungen mit ihren ganz eigenen Interessen. Doch auf plumpes Bashing von Ratingagenturen habe ich heute keine Lust. Deren Ansehen rangiert bei den meisten Deutschen meiner Erfahrung nach inzwischen sowieso irgendwo zwischen Fußpilz und Gegenwind beim Radfahren.
Ich frage mich: Warum stellen wir mit den Agenturen nicht lieber etwas Sinnvolles an? So viele Dinge müssten wirklich mit einem Rating versehen werden: Singles, DJs, Bio-Produkte, Nachbarn, Politiker, das Wetter. Könnte das nicht von denen übernommen werden?
Was würdet ihr am liebsten bewerten lassen? Vor welche Sache hätte euch ein Rating zuletzt vielleicht bewahrt? Und in welcher Kategorie vergebt ihr euch selbst ein AAA?




Kommentare
Um Deine erste Frage zunächst zu beantworten: sich selbst, gegenseitig. Das wäre mein Vorschlag.
03.08.2012, 14:43 von LoRatingagenturen stellen zunächst ein sehr interessantes Instrument zur Verfügung: Die unabhängige und fundamentierte Bewertung von Ländern und Unternehmen. Theoretisch. Spätestens nach Fällen wie "Enron" oder "Argentinien" könnte man jedoch auf die Idee kommen, die absolute Zuverlässigkeit dieser Agenturen in Frage zu stellen.
Das die oft zitierten Agenturen zudem ausschließlich in einem Land ansässig und gewinnorientierte Unternehmen sind, kann diesen Agenturen selbstverständlich keiner übel nehmen, aber die Betitelung der "Unabhängigkeit" in den Augen eines kleinbürgerlichen Tageszeitunglesers hervorrufen.
Warum gibt es eigentlich keine große Ratingagentur in Europa oder international?
Die Bertelsmanstiftung hat Anfang 2012 ein solches Konzept vergestellt. INCRA (International Non-Profit Credit Rating Agency) soll durch einen Fond von ca. 300 Mio. Euro finanziert werden, beteiligen sollen sich Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und Privatleute.
Stimmt, aber in dem Spiel sind die Ratingagenturen die, die sagen: Hey, dem Spieler geht’s schlecht, lasst die Finger von ihm, kündigt alle Freundschaften und solange er noch Geld hat raubt ihn aus, und wer das Risiko liebt und meint, dass er überlebt, der leihe ihm Geld zu doppelten und dreifachen Zinssatz, auf dass er jahrzehnte in Eurer Schuld steht und ihr euch auf seine Rücken ein bequemes Leben macht.
27.07.2012, 12:34 von CyroTja, nun ist die Frage: Wer mag schon solche „netten“ Mitspieler, die die Macht haben, die Teilnehmer willkürlich in den Ruin zu treiben ? Natürlich all die, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld uns es möglichst gewinnbringend anlegen wollen. Dabei vergessen sie nur dass sie auch ins Visier der Agenturen kommen können, denn die sind allenfalls, wenn überhaupt, bei der Bewertung ihrem Heimatland treu, aber sonst ... keine Hemmungen.
Die olle Petze auf dem Schulhof hat auch keiner gemocht, doch die hatte was zu petzen, die Ratingagenturen hingegen können sich eine beliebigen Mix der Daten aus Wirtschaft, Politik und Gerüchten aus anderen Ländern besorgen, das Ganze nach eigenen Gutdünken bewerten und dann ihr Urteil weltweit verkünden.
Ratingagenturen sind moderne Buchmacher.
27.07.2012, 11:12 von PhilantropDas Finanzsystem ein großes Wettbüro.
Wofür wir das brauchen?
Zum Spielen!
Uups, jetzt ist meine Antwort über Deinem Kommentar gelandet statt hier ... sorry.
27.07.2012, 12:35 von CyroIn dem Spiel kann man auch auf's Verlieren wetten, das macht das Spiel so lukrativ ;)
27.07.2012, 12:38 von PhilantropWenn bei diesem Spiel nicht reale Personen die Zeche zahlen müssten, letztendlich über Steuergelder, wär’s ja einen Versuch wert. Sofern man genug Geld zum Zocken hätte. Doch das ist wieder viel zu kleingeistig von mir gedacht .. offenbar gibt’s jede Menge Akteure, die Milliarden verzocken und andere dafür bluten lassen. So mancher wünscht sich in anderen Zusammenhängen die Todesstrafe.. ich komme bei diesem Thema in Versuchung.
27.07.2012, 12:47 von CyroDafür gibt es ja die Occupy-Bewegung...
27.07.2012, 13:05 von PhilantropMan wacht langsam auf ...
Zu viel in der "Realwirtschaft" verdientes Geld wird verzockt und verdoppelt ohne eine Gegenwert zu haben. Weder in Bargeld, noch in Gold, noch in Arbeitskraft.
Tja, und wenn der Crash wieder kommt, und das ist
27.07.2012, 13:44 von Cyromal sicher, dass er kommt, werden 800 Milliarden nicht reichen .... letztes mal
wollten die Banken ja gerne 4 Billionen Euro zum weiterzuzocken, ich will nicht
wissen was sie nächstes mal anstellen.
Nun könnte man die perversesten Arten der Zockerei ja verbieten .. aber das
scheint ja kaum jemanden zu interessieren. Schließlich hat der Staat sich
herauszuhalten wenn die Wirtschaft Geschäfte macht ... Freiheit für die Zocker,
alle Macht den Finanzmärkten. Regulierung ist Kommunismus, und Vermeiden
von Katastrophen unpopulär. Es lebe der Neoliberalismus. Und wenn es uns nicht
nur verschuldet, sondern Wirtschafts- und Ordnungspolitische Katastrophen nach
sich zieht ... dann hat’s keiner vorher gewusst, und irgendwer wird daran
Schuld sein ... dann haben diese arbeitsfaulen dem Staat auf der Tasche
liegenden HartzIV- Empfänger und die Geringverdiener, die Zuschüsse zum Leben
brauchen weil sie nicht genug verdienen, haben den Staat ruiniert und die
Demokratie zu Fall gebracht. Und
freundlicherweise nehmen sich die Zocker, die ihre Milliarden ins Trockene
gebracht haben, sich dann eines neuen Geschäftsfeldes an, schließlich will die
Bevölkerung ja den vermeintlich Schuldigen verantwortlich machen. Bricht Europa
auseinander und die Nationalstaaten leben wieder auf, kommen auch wieder Kriege
in Frage, Kriege, bei denen es dann um Ressourcen geht und ... na ja, genug davon für den Moment. Hauptsache die
Politik macht nichts und die Banken und andere Finanzakteure haben ihren
Spaß, von jeglicher Verantwortung
befreit.
Stiftung Warentest? Nur eben ohne Test? Jap, da könnte man vieles bewerten...machen das die Neon-User nicht unlängst? Die Überschrift war spitze...der Text dafür etwas unterfordernd...
25.07.2012, 23:39 von chrisbowübrigens neben den altbekannten Lachern über die Namen "Standard and Poors" "Moodys" etc...fällt mir gerade auf, wenn man Rating eindeutscht, kommt "raten" raus, ist das zufall?
Ich versuch's mal nett: Wieso findet sich in Deinem Kommentar weder ein Komma noch ein Punkt?
26.07.2012, 10:31 von BlackendIn Österreich sagt man Rufzeichen?
26.07.2012, 13:36 von BlackendNoch mehr Unterschiede?
26.07.2012, 13:39 von BlackendDu willst 'n ganzes Land über einen Kamm scheren?
26.07.2012, 13:46 von BlackendDas merkt man sogar.
26.07.2012, 13:59 von BlackendIch gestehe, ich raff das ganze Procedre noch nicht wirklich. Wenn mir das mal jemand erklären kann? Bitte aber nicht nur mit nem Link. Googlen kann ich zur Not auch selber. Danke :)
25.07.2012, 19:10 von topfbluemchenAber ist das nicht irgendwie verdreht, wenn Deutschland so viel ausgibt wird es runtergeratet (?), und weil Deutschland runtergeratet wird, wird auch der ganze Rettungsschirm runterger... Also wenn man einfach Deutschland das A wiedergibt kriegt automatisch der Schirm auch sein A und alle sind happy? Oder wie...
26.07.2012, 09:39 von halbkindmfNa ich mein das dritte A. Und weil in dem Artikel steht
26.07.2012, 10:12 von halbkindmf"Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Rettungsschirms EFSF auf negativ gesenkt. Diesen Schritt begründete die Ratingagentur mit Verweis auf die Herabsetzung des Ausblicks für Deutschland"
dachte ich halt..
Ok.. Finds halt irgendwie blöde, eine Sache abzuwerten, mit der Begründung, das eine andere Sache abgewertet wurde- und zwar von mir. Weißt? Na egal:)
26.07.2012, 10:19 von halbkindmfVielen Dank für die Erklärung :-)
26.07.2012, 18:32 von topfbluemchenWas mich jetzt noch interessiert - gibt es nur US-Ratingagenturen? Gibt es auch deutsche Ratingagenturen? Und wer be"rät" wen?
Ich liebe die Ratinger.
25.07.2012, 13:01 von B.tinaHält das der Ratinger Hof?
25.07.2012, 13:18 von sailor'da', nicht 'das'...
25.07.2012, 13:18 von sailor:D
Mttlerweile Anders ist ein schöner Name.
25.07.2012, 14:13 von sailorIch kenn'ne Band, die heisst 'Freibier, die haben immer volles Haus.
Deshalb heiße ich ja auch Frau Unterschiedlich.
25.07.2012, 15:48 von B.tinaunersichtlich unterschichtlich?
25.07.2012, 19:27 von libidoNee. Unterschiedliche Nachnamen trotz Trauschein.
25.07.2012, 22:02 von B.tinaIch rate zur Vorsicht, im Ratinger Hof hat mich mal der DJ gehauen.
03.08.2012, 16:23 von EliasRafaelHast Du Dein Altglas auf seinen platten Teller gestellt?
03.08.2012, 17:27 von sailorso ähnlich, ich habs nach ihm geschmissen
03.08.2012, 17:28 von EliasRafaelKloppe am DJ-Pult.
03.08.2012, 17:30 von sailorDanach Polente...
Es hat aber auch schlechte Musik gespielt, außerdem war es ein Kölner
03.08.2012, 17:36 von EliasRafaelSkandal!
03.08.2012, 17:37 von sailorRate mal mit Rosenthal...
25.07.2012, 12:22 von sailorIch bin doch auch nur ein einfacher Kopist im Weinberg des Herrn...
25.07.2012, 13:41 von sailorIm übrigen bin ich doch für jedes Wortspiel zu haben.
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....
25.07.2012, 13:45 von sailorHat dir das nie jemand gesagt?
*hach.seufz*
25.07.2012, 13:50 von sailor:D
Na, logo...
25.07.2012, 13:52 von sailorWarum auch nicht.
Vor oder nach der Party?
25.07.2012, 12:22 von Max-Jacob_Ost