init-admin 07.10.2004, 14:39 Uhr 0 2

Was wird eigentlich aus … der Stinkbombe?

Die Duftforscherin Pamela Dalton entwickelt in Philadelphia im Auftrag des US-Militärs den schlimmsten Gestank der Welt: die ultimative Stinkbombe.

Seit 1998 haben Sie an einem Kampfstoff gearbeitet, der den Gegner nahezu verletzungsfrei außer Gefecht setzt. Zu welchem Ergebnis kommt die Operation Stinkbombe?
Wir haben verschiedene Geruchswaffen entwickelt wie den »Militärkloduft «, »Kläranlage, Ostküste« oder »Verbranntes Haar«. Am eindeutigsten aber wirkt »Stench Soup« – die »Stinksuppe«. Sie besteht aus sieben unterschiedlichen Duftkombinationen, darunter auch zwei der schlimmsten Gestänke der Welt: »Who, me?« und der »USStandard-Toilettengestank«. Im zweiten Weltkrieg entwickelte das amerikanische Militär »Who, me?« und lieferte es französischen Untergrundkämpfern. Die sollten damit hohe Nazi-Befehlshaber betröpfeln und sie auf diese Weise außer Gefecht setzen.

Verraten Sie uns das Rezept Ihrer Stinkbombe?
Natürlich nicht. Nur so viel: Eine Geruchswaffe ist nur dann wirkungsvoll, wenn sie alle Feinde gleichermaßen lahm legt. Es darf also keine Rolle spielen, ob der Gegner aus einem verlassenen Bergdorf im Himalaya oder Midtown Manhattan stammt. Damit das funktioniert, muss der Geruchscocktail mindestens einen unbekannten Duftstoff enthalten. Ein neuer Geruch signalisiert dem Hirn automatisch Gefahr. Die Rezeptoren in der Nasenhöhle senden dann Informationen an den Mandelkern im Hirn. Angriffsziel einer Stinkbombe sind die menschlichen Gefühle, die dort verwaltet und gesteuert werden. Eine Geruchswaffe soll Ängste auslösen, im besten Fall eine Panikattacke – und so den Feind in die Flucht treiben.

Haben alle Menschen gleiche Vorlieben und Abneigungen für Gerüche?
Nein. Grundsätzlich lässt sich aber feststellen, dass sich die Menschen eher in ihren Abneigungen als in ihren Vorlieben einig sind. So empfinden die meisten Menschen Schwefelgeruch als unangenehm, denn historisch bedingt verbinden wir mit ihm Krankheit und Tod. Die individuellen Präferenzen unterscheiden sich aber stark. So würden die meisten Westeuropäer den Duft von Zimt als angenehm beschreiben. Ganz anders empfinden das Afrikaner. Dort kennen die Menschen das Gewürz nicht. Folglich stößt sie Zimtgeruch ab.

In Ihrer Geruchskammer haben Sie schon mehrere hundert Amerikaner, Inder und Chinesen mit Ihren Gestänken traktiert. Hat sich schon mal einer Ihrer Probanden übergeben?
So weit lassen wir es nicht kommen. Alle unsere Testpersonen nehmen freiwillig an dem Versuch teil. Während des Experiments stülpen sie sich einen so genannten Dufthut über ihren Kopf, in den eine geballte Ladung Gestank gepumpt wird. Auf einem Monitor sind Fragen abgebildet: Kratzt die Nase? Wie fühlt sich der Hals an? Und vor allem: Haben Sie schon Angst? Zeitgleich sind auf der Bauchdecke der Probanden zwei Elektroden befestigt. Mit denen messen wir, wie oft sich der Magen zusammenzieht. Sollte sich der regelmäßige Bewegungszyklus auf zehnmal pro Minute erhöhen, stoppen wir den Test. Dann steht der Proband kurz vor dem Erbrechen.

Woher kommen die Zutaten für Ihre Geruchscocktails?
Die meisten werden von Spezialfirmen produziert. Oft gehe ich aber auch selbst auf Recherche. Für »Verrottende Maus« bin ich durch Philadelphia gelaufen, um tote Mäuse aufzutreiben. Die Kadaver habe ich in einer Plastiktüte reifen lassen, bis sie die richtige Duftnote hatten. Manchmal geht es auch einfacher: Für »Verbranntes Haar« habe ich mir beim Friseur mein abgeschnittenes Haar einpacken lassen.

Und was macht eine Stinkbombenforscherin, nachdem sie die ultimative Geruchswaffe entwickelt hat?
Sie startet das Projekt »Golfkrieg« – und versucht die eigenen Soldaten möglichst gut auf die Kampfstoffe des Gegners vorzubereiten. Bereits während des ersten Golfkriegs Anfang der neunziger Jahre kamen viele US-Soldaten mit Gerüchen in Berührung, die noch heute posttraumatische Stresssymptome auslösen können. Deshalb arbeiten wir an einer Duftkombination, die die amerikanischen Soldaten vor einem Einsatz riechen sollen, um ihr Hirn auf die bestialischen Gestänke des Gegners vorzubereiten.

INTERVIEW: SABINE HOFFMANN

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