Club-Fan82 15.09.2005, 16:08 Uhr 10 3

Tut mir Leid...falsche Hautfarbe

Obwohl die Rassentrennung in den USA vor knapp 40 Jahren aufgehoben wurde, werden Afro-Amerikaner immer noch stark benachteiligt.

Die Flutkatastrophe im Süden der USA hat uns wieder einmal deutlich vor Augen geführt, dass es die schwarzen Amerikaner auch knapp 150 Jahre nach dem Ende der Sklaverei und gut 40 Jahre nach den Erfolgen der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King nicht leicht haben.

Eigentlich kein Wunder, denn die Weißen, die momentan zur Mittel- und Oberschicht der Vereinigten Staaten gehören, hatten Generationen lang Zeit, Einfluss und Wohlstand aufzubauen, während Schwarze erst seit weniger als einem halben Jahrhundert theoretisch die gleichen Rechte genießen wie ihre weißen Landsleute.
Theoretisch deshalb, weil die Praxis natürlich ganz anders aussieht. Schwarze genießen in den USA nur Ansehen, solange sie als Sportler glänzen oder die Massen als Rapper oder Entertainer begeistern. Die meisten Mitglieder der black community können aber von solchen Lebensbedingungen nur träumen.

Knapp ein Drittel der Afro-Amerikaner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Armut ist gerade in den USA, wo Bildung nur gegen Geld zu haben ist, ein Makel, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben eines Menschen zieht. Ohne Geld keine Bildung, ohne Bildung kein Job, die Wahrscheinlichkeit, kriminell zu werden steigt an (jeder Dritte schwarze Amerikaner sitzt mindestens ein Mal in seinem Leben im Gefängnis), Ghettos bilden sich heraus - und das Problem beginnt von neuem.

Es wäre also dringend nötig, dass sich die Politik stärker für die Belange der Schwarzen, die immerhin gut 12% der Gesamtbevölkerung stellen, einsetzt. Gerade von der Bush-Regierung darf man in dieser Hinsicht allerdings gar nichts erwarten. Traditionell ist die Wahlbeteiligung unter Afro-Amerikanern eher gering und von denen, die zur Wahl gehen, würden die meisten nicht im Traum daran denken, den Republikanern ihre Stimme zu geben. Konservative Hardliner wie John McCain oder Dennis Hastert sehen darin Grund genug, die Schwarzen völlig außen vor zu lassen. Und das ist leider auch erfolgreich gelungen. Zur Zeit besetzt kein "richtiger" Afro-Amerikaner in den USA ein wichtiges politisches Amt. Außenministerin Condoleezza Rice mag, wie auch ihr Vorgänger Colin Powell, eine dunkle Hautfarbe haben, aber vom Denken her sind sie nicht anders als ihre konservativen weißen Kollegen. Dieses weiße Denken bewies auch der farbige Bundesrichter Clarence Thomas, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein Programm, das College-Stipendien an arme schwarze Jugendliche verteilt, als illegal erklären und daraufhin einstellen ließ. Dass ihm eben dieses Programm selbst einmal ein Jura-Studium ermöglicht hatte, hat Thomas dabei großzügig übersehen.

Die USA treten nach außen hin gerne als Weltverbesserer, der sich für Frieden auf Erden einsetzt, auf. Die Tatsache, dass im eigenen Land ganze Bevölkerungsgruppen krass benachteiligt werden, macht dieses Image nicht unbedingt glaubwürdiger.

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10 Antworten

Kommentare

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    Empfehlenswert zum weiterlesen:
    "Südstaaten der USA: Aus der Traum",
    GEO, März-Ausgabe 2007

    22.03.2007, 14:37 von Paul_Anka
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    Der Beitrag beinhaltet leider nur Dumpfes und Undifferenziertes, was wahrscheinlich nicht an Club_Fan liegt, sondern an der Qualitaet der Buecher die er liest.

    1. John McCain ist alles andere als ein konservativer Hardliner sondern einer der gemaessigten Republikaner. Er war bspw. sehr engagiert bei der Aufklaerung zur Abu-Ghraib Problematik. Die angesprochenen "konservativen Hardliner" in der republikanischen Partei nennen ihn vielmehr "Republican in name only", da er sich vor allem fuer sozial Benachteiligte einsetzt.

    2. Clarence Thomas ist sicherlich einer der konservativsten Supreme Courtrichter. Das er jemals gegen schwarze Stipendien gestimmt haette ist jedoch voellige Entstellung der Tatsachen. Wahrscheinlich spricht deine ideologisch verblendete Quelle die Entscheidung Missouri v. Jenkins von 95 an. Darin entschied der Supreme Court (unter Fuersprache von Justice Thomas) das ein Gesetz, dass eine Ausgeglichenheit der Rassenzusammensetzung auf den Schulen in einem bestimmten Schulbezirk "kuenstlich" hergestellt werden soll. Clarence Thomas Meinung war insoweit, dass schwarze Schueler keine weisse Mitschueler brauchen um ihre Schueler und ihren Bildungsstandard zu heben. So bspw. "The mere fact that a school is black does not mean that it is the product of a constitutional violation." Diese Operation hat mit Clarence Thomas Jurastudium aber noch weniger zu tun als die von dir in einen Hut geworfenen Denkweisen von Condoleeza Rice und Colin Powell.

    3. Zu den (faelschlich angesprochenen) Stipendien fuer schwarze Studenten: Die Chancen eines Sohns einer weissen Mittelklasseschuelers im Vergleich zu denen einer schwarzen Unterschichtschuelerin auf ein Stipendium koennten zum Vorteil der Schuelerin liegen. Das ist mein eindeutiger Eindruck nach einem Jahr Schule in den USA und einem (erfolglosen) Bewerbungsprozess an US-Colleges. Ich suche dafuer eine Quelle aber es ist eine problematische Thematik die man kaum Ansprechen kann ohne als Rassist dazustehen. Daher ist es schwer etwas Gutes zu finden. Aber wer bei Google "ethnicity based scholarships" eingibt, wird sehen, dass es viele Stipendien gibt, und dass diese nicht eingestellt wurden wie im Beitrag angedeutet.

    Gegen Ideologien und Hysterie
    Fuer Wahrheiten und Mut
    (Entschuldigt bitte den Pathos)

    Viele Gruesse

    12.05.2006, 12:06 von Pupsinferno
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    Pipikram in einem Land in der die Bush Junta regiert
    die Demokratie aushebelt (Patriot Act) und Folter ok ist ( Abu Ghraib, Guantanamo).

    29.10.2005, 04:14 von ulf
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    ich weiss das viele afro-amerikaner arm sind. Das ist allerdings nur ein teil der 'black community'.

    bei meinem einjährigen USA aufenthalt habe ich auch sehr viele Afro-Amerikaner kennengelernt die eine normale arbeit, eine große Familie und ein eigenes haus haben.

    ein afro-amerikanischer freund von mir ist schon unabhängig seitdem er 17 war (jetzt ist er mitte zwanzig). Er hat ein paar college klassen besucht und ist jetz Computerfachmann, er hat sich vor knapp einem Jahr ein eigenes Haus gekauft und vor 6 monaten ein neues auto. jeden monat kriegt er es irgendwie hin das er all die rechnungen zahlt, er hat nie viel geld übrig aber er schafft es und er ist sehr stolz darauf.
    man kann es also als afro-amerikaner auch ohne unterstützung der eltern und ohne ein startguthaben schaffen (und ohne stipendien!).

    ausserdem habe ich in der kleinstadt wo ich gelebt habe in einer organisation gearbeitet, die obdachlosen und sehr armen leuten ein warmes essen bereitstellt. Die meisten Leute die da aufgetaucht sind waren weiss und es waren nur sehr wenige afro-amerikaner dabei (ich würd schätzen das 70% weiss waren)

    Natürlich sind die meisten Bewohner der ghettos schwarz, aber alle anderen afro-amerikaner die nicht darin wohnen haben meiner meinung nach eine chance ein normales leben mit einer normalen arbeit zu führen.

    Keiner sagt, dass es einfach ist in der USA, aber das gilt auch für die weissen, die latinos, die natives, die asiaten....

    07.10.2005, 12:19 von Chiristella
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    An welchen Fakten machst Du diese Aussage fest???

    03.10.2005, 16:05 von ulf
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    Bei allen Vertretern aus Minderheiten läuft es gleich. Auf dem normalen Weg durch die Institutionen nach oben passen sie sich der Mehrheit an und leugnen ihre Herkunft. Sonst bleibt ihnen der Weg nach oben versperrt.

    Nicht nur bei Afrikanern in den USA. Als 1939 der Galicier Franco Führer in Spanien wurde endete für die galicische Minderheit jede Autonomie. Franco verbot sogar die galicische Sprache, seine eigene Muttersprache.

    Mit dem Georgier Stalin war es ähnlich. Als Generalsekretär in Moskau ließ er alles zerstören, was in seiner Sicht die georgische Kultur präsentierte. Zehntausende georgische Künstler und Intelektuelle verbannte er nach Sibirien oder ließ sie hinrichten. Seine Muttersprache verbot er auch.

    Es ist ein Fluch. Diejenigen die unter Minderheiten am ehesten Macht und Einfluss erreichen, entlarven sich als Verräter.

    20.09.2005, 20:23 von E-Golfer
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      @E-Golfer Im Prinzip geht es den hier lebenden türken ja auch nicht besser...

      20.09.2005, 21:29 von Club-Fan82
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