Patrick_Bauer 30.11.-0001, 00:00 Uhr 156 30

So links wie Jesus

Der Fall Lothar König in Jena zeigt: Wer Nazis bekämpft, den bekämpft oft der Staat.

Text: Patrick Bauer, erschienen in NEON #01 2012
Fotos: Julian Röder / Ostkreuz

Ist Lothar König ein Linksextremist? Nun: Er sieht aus wie ein obdachloser Karl Marx. Oder wie der liebe Gott in einer anarchischen Phase. Er dreht seine Zigaretten. Er redet gerne vom »System« und ist kein großer Freund davon. Er glaubt daran, dass alle Menschen gleich sind. Er glaubt aber nicht, dass alle gleich behandelt werden. Er mag die Punks, die zu ihm kommen mit ihren Hunden und ihrer Wut, er nennt sie liebevoll »Punkies« und hört ihnen und ihrer Musik zu. Er demonstriert auch noch gegen den letzten Castor-Transport. Und er ist ein Antifaschist, er hat sich den Neonazis immer in den Weg gestellt, in Jena, wo er der Jugendpfarrer ist, aber auch anderswo. Ja, Lothar König steht politisch ziemlich weit links. Und ja, in seinem Engagement für die jungen Leute in seiner evangelischen Gemeinde und für die Sache, die er für richtig hält, ist er extrem, er nimmt keine Rücksicht auf seine Gesundheit, König diskutiert und trinkt mehr, als er schläft. 
 
Aber macht ihn all das zu einem Staatsfeind? Am 10. August 2011 durchsuchten sächsische Polizisten trotz drohender Verletzung des Seelsorgegeheimnisses die Dienstwohnung von Lothar König in Jena. Der Vorwurf: Landfriedensbruch. Während einer Demonstration gegen den Neonaziaufmarsch in Dresden am 19. Februar 2011 soll König von seinem Lautsprecherwagen zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen haben. Zuvor hatte die Dresdner Staatsanwaltschaft bereits ein anderes Verfahren gegen König eingeleitet, wegen der »Bildung einer kriminellen Vereinigung«. Die »Bild«-Zeitung fragte nach der Razzia: »Wie gefährlich ist dieser Pfarrer wirklich?«
 
Aus dem Spinner ist jetzt ein Experte geworden
 
Jetzt ist Lothar König wieder in den Schlagzeilen. Aber nicht als Linksextremer. Sondern als jemand, der die Rechtsextremen kennt. König, 57 Jahre alt, sitzt im Hinterhof seiner »Jungen Gemeinde«, aus den Lautsprechern an der bunt bemalten Fassade läuft Revolutionsliedgut, und der Pfarrer dreht sich noch eine. »Ich muss aufpassen, dass ich mir nicht zu wichtig vorkomme«, sagt er. Jeden Tag hat er Interviews gegeben, der »Spiegel« war da, die ARD, sogar jemand vom »Guardian« aus London. Seitdem bekannt wurde, dass das aus Jena stammende Neonazitrio, das sich angeblich »Nationalsozialistischer Untergrund« nannte – Beate Zschäpe sowie die beiden verstorbenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt –, für mindestens zehn Morde verantwortlich ist und sich offenbar nicht nur auf viele gleichgesinnte Unterstützer, sondern auch auf die bestenfalls unfreiwillige Hilfe von Verfassungsschutz und Polizei verlassen konnte, seitdem wollen alle von Lothar König wissen: Wie konnte es so weit kommen? Aus dem Spinner ist ein Experte geworden.
 
Es ist nicht so, dass Lothar König den Menschen in den Kopf schauen kann, aber er war eben dabei, als die Köpfe der meisten heranwachsenden Männer in Jena kahl geschoren waren, 1990 wurde er hier Jugendpfarrer. Rechte Skinheads hatte es schon in der DDR gegeben, nach der Wende wurden es immer mehr. Die Erwachsenen in Jena waren mit sich selbst beschäftigt, jeder versuchte, halbwegs unbeschadet in den Kapitalismus zu kommen, die Lehrer erzählten von einem Tag auf den anderen von Vorbildern, die vorher Feinde gewesen waren. Die Jugendlichen suchten Halt, gerade in den Plattenbausiedlungen von Lobeda am Rande der idyllischen Universitätsstadt, dort, wo die drei »Neonazi-Terroristen« lebten. Lothar König erzählt den Pressevertretern, wie die Rechten die Jugendclubs unterwanderten, wie Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in SS-Uniform im berüchtigten »Winzerclub« auftauchten, dass ihnen kaum jemand Gegenwehr leistete. Wäre Mundlos, das schlaue Professorensöhnchen, zufällig zu ihm in die Gemeinde gekommen, sagt König, wer weiß, ob er je in den Untergrund gegangen wäre, denn Lothar König nimmt jeden ernst und rennt vor Streit nicht weg.
 
Am Anfang dachte König, man müsse mit Neonazis nur reden
 
König dachte am Anfang, man müsse mit den Neonazis wirklich nur reden. Bis sie ab spätestens 1993 ganz Jena tyrannisierten. In die »Junge Gemeinde« flohen damals alle, die sich nicht mehr allein auf die Straße trauten: die Linken, Alternativen, Andersaussehenden. Die Gemeinde wurde regelmäßig angegriffen, ein Wunder, dass Lothar König nur einmal Gewaltopfer wurde, ein Burschenschaftler schlug ihn 1997 in der Fußgängerzone zu Boden. Eine tiefe Narbe ist auf seiner Stirn geblieben. König, der entweder eine Kippe oder sein Handy oder beides in den Händen hält, ruft nun die engsten Mitarbeiter zusammen, er schreit: »Kommt, schnelle Runde!« Dann soll jeder berichten, woran er gerade arbeitet, aber König hat keine Geduld, er ruft »Schneller!«, um dann selbst langatmig zu erklären, Deutschland habe zumindest in Thüringen kurz vor einem rechten Putsch gestanden. »Tschuldigung, jetzt war ich nicht schnell«, sagt er. Alle lachen. Nur eine nicht: Katharina König. Sie kommt gerne zum Punkt, anders als ihr Vater. König, 33 Jahre alt, einzige Tochter von vier Kindern, sitzt für die Linke im Landtag von Thüringen. Was sie von ihrem Vater geerbt hat: das Talent, sich mit allen anzulegen. In ihrer Fraktion ist König eine Außenseiterin. Sie hält die DDR für einen Unrechtsstaat, ist proisraelisch und radikal antifaschistisch, das sind ein paar klare Positionen zu viel. Wie ihr Vater trägt Katharina König eine Narbe, 1993, mit fünfzehn Jahren, wurde sie mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen. Danach begann ihr Vater, alles über die rechte Szene in Jena zu dokumentieren, Treffen, Personen, Beziehungen. Diese Spuren der Neonazis füllen viele Aktenordner in seinem chaotischen Büro, die »Junge Gemeinde« veröffentlicht seit Jahren Broschüren über rechte Strukturen. In diesen Tagen wird der Vorrat an den gelben Heftchen knapp. Lothar König hat das gemacht, wofür der Verfassungsschutz eigentlich da sein sollte: Informationen gesammelt. Deswegen kann er den Journalisten den Werdegang der drei Terroristen erklären, ohne sie je persönlich getroffen zu haben. Seine Tochter dagegen wurde von Uwe Mundlos einst fast überfahren, und Beate Zschäpe brach einer Freundin auf dem Weihnachtsmarkt den Fuß. »Ich habe in den letzten Jahren immer wieder an die drei gedacht«, sagt Katharina König, »aber so eine Mordserie hätte ich mir nie vorstellen können.« Sie wird derzeit als Parlamentarierin über Hintergründe informiert, die sie fassungslos machen, sie darf darüber nicht reden – es ist unwahrscheinlich, dass all die politischen Verstrickungen je an die Öffentlichkeit gelangen. Man kann das Gefühl bekommen, nicht der Verfassungsschutz habe die Neonaziszene unterwandert, sondern die Neonazis den Verfassungsschutz.
 
»Auf diesen Triumph hätte ich gerne verzichtet«
 
»Auf uns hat nie jemand gehört«, sagt Katharina König. 1998, im selben Jahr in dem Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt untertauchten, sprengte sich ein szenebekannter Neonazi in Jena-Lobeda in die Luft, er hatte mit Sprengstoff hantiert. Wie zuvor das Terrortrio. Die Königs machten die Ermittler auf den Zusammenhang aufmerksam. Es bestehe bei dem verstorbenen Bombenbastler kein politischer Hintergrund, hieß es damals. Heute weiß man es besser, heute weiß die Öffentlichkeit vieles, was die Königs schon 1998 wussten, als niemand sonst es wissen wollte. »Für mich ist die späte Anerkennung kein Triumph«, sagt Katharina König, oder: »Auf diesen schlimmen Triumph hätte ich gerne verzichtet!«
 
Jena sei heute, so sagt es der SPD-Oberbürgermeister Albrecht Schröter, kein »braunes Nest« mehr, bei der letzten Bundestagswahl erhielt die NPD nur 1,9 Prozent der Stimmen. Aber der Spuk ist nicht vorbei. Erst im Oktober soll ein Punk von Neonazis schwer verletzt worden sein, die Ermittlungen gehen mal wieder schleppend voran. Über Lothar König sagt Schröter, selbst Zielscheibe der Neonazis: »Er geht weite Wege mit den Jugendlichen, damit diese nicht zu weit gehen.« Schröter sagt auch: »Lothar ist bisweilen unbequem, weil er vielen zu laut und zu schrill ist.« König musste sich viele Jahre anhören, er beschmutze mit seinem Anti-Nazi-Protest die Stadt Jena, in den Neunzigerjahren hieß es oft, Rechtsradikalismus sei eben ein soziales Problem, die Neonaziüberfälle Teil von Bandenstreitereien. Und selbst in jüngster Vergangenheit, während ein breites Bündnis in Jena  Naziveranstaltungen verhinderte, galt Lothar König als Bürgerschreck, die Förderungen für seine Gemeinde wurden gekürzt. Erst jetzt, als das Ausmaß des rechten Terrors in Thüringen klar wird, fragt sich auch so mancher Jenaer, ob nicht König der Einzige war, der wirklich niemals weggeschaut hat. Im alten Stadtkern von Jena-Lobeda steht das »braune Haus«, wegen Baumängeln derzeit unbewohnbar, im Garten ist eine Reichsflagge gehisst. Hier verschanzten sich ab 2002 rechte Kameradschaften und die NPD, es wurde gesungen, Propaganda gestreut, und es ist gut vorstellbar, dass Menschen wir Ralf Wohlleben, Ex-NPD-Funktionär und einer der Pächter des Hauses, Kontakt zu den abgetauchten Neonazis hielten. Ende November 2011 wurde Wohlleben festgenommen, der Vorwurf: Beihilfe zu sechs Morden. Früh bildete sich gegen das »braune Haus« eine Anwohnerinitiative. Deren Gründerin sagt: »Uns war das nie geheuer, wenn Lothar König zu Mahnwachen mit seinem Lautsprecherwagen kam. Die Nachbarn hier wollen kein Aufsehen. Aber heute muss ich sagen: Wir alle sollten König dankbar sein.«
 
König sagt, sein Handy werde abgehört, und lässt es an
 
Die Solidarität mit Lothar König war bereits nach der Durchsuchung seiner Wohnung groß. Kameraaufnahmen beweisen, dass König während der Dresdener Demonstration wohl eher deeskalierend wirkte. Den sächsischen Behörden, die nicht zum ersten Mal ein fragwürdiges Verhältnis zu rechtsstaatlichen Prinzipien offenbarten, ging es wohl aber vor allem um die Verfolgung jener »kriminellen Vereinigung« nach Paragraf 129, deren Kopf Lothar König sein soll. Die Vorwürfe sind größtenteils abstrus. Der höchst umstrittene Paragraf 129, der Kritikern zufolge überwiegend gegen linke Aktivisten eingesetzt wird, gilt als »Schnüffelparagraf «, da es nur in den wenigsten Verdachtsfällen überhaupt zur Anklage kommt, er aber den Ermittlern vorher die Möglichkeit gibt, Beschuldigte umfangreich abzuhören. Im Zuge der Demonstration in Dresden hatten die Behörden mehr als 250 000 Mobilfunkanschlüsse angezapft.
 
Am Abend, nach der »Volxküche« und den Veggieburgern, kurz vor dem Konzert einer französischen Punkband, gibt es unter dem Dach der »Jungen Gemeinde« eine Informationsveranstaltung zum Paragrafen 129. Fast alle sind hier von den Ermittlungen betroffen, fast alle waren in Dresden, junge Leute, deren Führungszeugnis und damit Leben dauerhaft beschädigt ist, wenn sie verurteilt werden. Über das Verfahren gegen Lothar König wird bald entschieden. Er sagt, sein Handy werde sicher abgehört, er lässt es trotzdem angeschaltet, denn machte er es aus, hieße es bestimmt, er habe etwas zu verbergen. Über das Verfahren wegen Landfriedensbruchs heißt es aus der Staatsanwaltschaft: dem Pfarrer drohten mindestens Sechs Monate Haft. Das klingt, sagt Lothar König, nach dem Versuch, einen Deal auszuhandeln. Würde er zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt, wäre er für die Kirche, die immer hinter ihm stand, nicht mehr tragbar. Kommt König mit einem halben Jahr davon, sind sein Job und seine Gemeinde gerettet. Aber als Gegenleistung müsste König künftig schweigen.
 
Von Linken fühlen sich Polizisten persönlich bedroht
 
König trinkt das ganze Glas Rotwein auf einmal aus und sagt, das alles erinnere ihn an die Stasi, die ihn auch aus dem Verkehr ziehen wollte. Er sitzt mittlerweile im Jenaer Stadtrat, er tut sich sein Leben lang schwer mit den Systemen, die ihn umgeben, aber er ist ein Demokrat. Der Versuch, Lothar Königs Arbeit zu kriminalisieren, zeigt, dass die Behörden nicht nur oft auf dem rechten Auge blind sind, sondern auch auf dem linken besonders scharfsichtig. Mindestens 148 Menschen sind seit der Wende durch rechte Angriffe in Deutschland ums Leben gekommen. Es ist nicht bekannt, dass seit dem Ende der RAF in Deutschland auch nur ein einziger Mensch durch linke Gewalt starb . »Linksextreme« Träume und Überzeugungen können nicht mit rechtsextremen Gewaltexzessen gleichgesetzt werden. Wenn, dann richtet sich linke Gewalt gegen Gegenstände und gegen Polizeibeamte, das gehört natürlich verfolgt, erklärt aber auch, warum die Polizeigewerkschaft nicht müde wird, selbst jetzt, in Zeiten rechten Terrors, vor Linksextremen zu warnen. Von Linken fühlen sich Polizisten eben persönlich bedroht. Selbst die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder handelt immer wieder so, als vertrete sie die Totalitarismustheorie »rechtsextrem gleich linksextrem «, noch vor anderthalb Jahren warnte sie davor, linksextreme Gewalt »zu verharmlosen «. Aber ab wann ist man ein Extremist? Wenn man Straßen blockiert, damit Neonazis nicht marschieren können? Die sogenannte »Extremismusklausel« der Bundesfamilienministerin, mit der geförderte Initiativen sich vage zur »freiheitlich demokratischen Grundordnung « bekennen sollen, erschwert auch in Thüringen die Arbeit gegen rechts und stellt alle Aktivisten unter Generalverdacht, wie eine hauptberufliche Ärztin vom »Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena« beklagt.
 
Während der Diskussion über den Paragrafen 129 schreit irgendwann »Sepp«, einer von Königs »Punkies«: »Jetzt hört doch mal auf, immer nur über Politik zu reden! Mir geht’s nicht um Politik, ich habe nur Hass auf die Scheißnazis. Drei Freunde von mir sind von Nazis getötet worden! Ich will die einfach nur kaputt kloppen! « König schweigt, was nicht oft passiert, dann sagt er: »Sepp, du wurdest gehört. Wir verstehen dich. Aber nur mit Hass geht es nicht.« Die Leute in der »Jungen Gemeinde« haben nicht viel mit Gott am Hut, aber manchmal verstehen sie, woran König glaubt: Er erklärt ihnen, dass, wenn man so will, schon Jesus linksextrem war. Er sagt ihnen, dass sie nicht resignieren sollen, sondern die Gesellschaft mitgestalten. Wenn Lothar König ein Linksextremist ist, gibt es zu wenige Linksextremisten.

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156 Antworten

Kommentare

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    Die in unserer Gesellschaft gängige Definition von "linksextrem", mit der so viele Menschen verschrien werden, ist schon sehr fragwürdig. Es gibt gerade eine Kampagne zu dem Thema, die ich echt gut finde: http://linksextremistin.wordpress.com/.

    07.04.2013, 08:23 von kaffeegedingse
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    Ich bin was die Person dieses Pfarrers angeht, doch zwiespältig. Auf der einen Seite Einsatz gegen Nazis, Kampf gegen diese intoleranten Ideologien. Aber da gab es darüber sogar mal einen Artikel im Spiegel:
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/pfarrerprotest-gegen-papstbesuch-ein-kaefig-fuer-benedikt-a-785294.html

    So sehr der Spiegel diese Geschichte damals aufgebauscht hat, so sind die dort zitierten Aussagen Königs problematisch. Wenn er sagt die Aktion (Papstkäfig) diene der Verteidigung Thüringes als Protestantenland. Und nur weil die Katholiken in Thüringen eine Minerheit stellen: "Benedikt solle nach Bayern fahren". Keine besonders tolerante Einstellung, eingentlich schon absolut fanatischer Protestantismus, den man überwunden geglaubt hatte. Dass Königt dann noch sich über den Umgang der Kirche mit Luther echauffiert, ist ja peinlich, wenn er diesen Menschen, der nicht nur antisemitisch eingestellt war, sondern zur Tötung von Juden aufgerufen hatte, so unreflektiert verteidigt.


    06.04.2013, 22:25 von GIC
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    ich schätze das konstrukt jesus als erhaben gegenüber einer rechts-links-einordnung ein. alles andere ist vereinnahmung.

    04.04.2013, 19:57 von libido
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    am gefärhlichsten sind in meinen Augen diejenigen Rechten, die nicht die einschlägige Kleidung tragen. Da weiß man, woran man ist.
    Die Rechten im "feinen Zwirn" sind schlimmer, zersetzen unsere Gesellschaft und sind umso gefährlicher.
    Der Staat schaut nur zu, gefährlich sind doch die Linken. Sachsens Innenminister meinte vor einiger Zeit, Sachsen hätte ein Problem mit Linken. Da hab ich aber andere Erfahrungen gemacht.

    04.04.2013, 19:03 von Erzieher
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      Die Angst des Staates vor Linksextremen ist offensichtlich größer.

      04.04.2013, 13:29 von JackBlack
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      'Angst' ist kein guter Ratgeber.


      04.04.2013, 13:31 von sailor
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      Das ist halt die einzige Sprache, die diese stalinistischen Linksterroristen verstehen, die das in Stuttgart dem Fortschritt im Wege stehen...

      04.04.2013, 14:02 von sailor
    • 0

      der die das
      wer wie was...

      04.04.2013, 14:02 von sailor
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    • 1

      Verdammte Kukident-Revoluzzer...

      04.04.2013, 14:14 von sailor
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      Ganz schön link, dieser Rechtsstaat.

      04.04.2013, 14:33 von JackBlack
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      Klassische Übersprungshandlung...

      04.04.2013, 14:36 von sailor
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    Menschen, die ihre eigenen Prinzipien vertreten sind nie ganz unumstritten! Ich find ihn gut mit seinen Ansichten.. Das Glück sei mit ihm!

    04.04.2013, 13:13 von Tora
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  • 16

    Jenenser, bitte, Jenaer sind Zugezogene. Und König hieß bei uns ganz einfach 'Gott', wenn wir ihn mal durch die Straßen radeln sahen.

    Es wird immer erzählt und geschrieben, Jena hätte ein Neonaziproblem. Das habe ich so nicht erfahren dürfen. Jena als solche ist eine bunte Stadt, wesentlich bunter als viele miefige Westmetropolen. Allerdings musste sie sich tatsächlich erstmal aus dem braunen Sumpf befreien. Und davon ist noch viel da.

    Thüringen hat nämlich ein Neonaziproblem. Viele der Rechten, die in Jena in Demos auf die Strasse gehen, leben schon länger nicht mehr dort, weil die Atmosphäre für sie nicht mehr zuträglich geworden ist. Zu viele Studenten, zu viele Menschen, denen es sozial gut geht (Jena bildet eine Ausnahme zu den anderen Städten des Ostens, s. z.B. hier). Sogar Lobeda oder Winzerla sind keine wirklichen sozialen Brennpunkte mehr. Die Rechten kommen jetzt von weiter her. Was nicht bedeuten soll, dass es in Jena keine mehr gibt.

    In Thüringen haben viele Menschen, auch welche, die mir sehr am Herzen liegen, einen merkwürdigen Hang zum ich sag mal völisch-konservativen. Nach Lagerfeuer und Mittelaterromantik, nordischen Traditionen und Sagen. Irgendwie ist es in ganz Thüringen so, wie wenn man vom Fuchsturm auf Jena blickt: im Tal scheint der Wind, der oben weht, eher nicht anzukommen: die Zeit ist irgendwie stehen geblieben. Und das meine ich nicht negativ. Ich liebe das eigentlich auch. Allerdings sind Menschen mit so einer Grundhaltung sehr anfällig für xenophobe Ideologien. Was musste ich mir alles über Türken anhören von Menschen, die noch nie einen Türken in ihrem Leben gesehen oder gesprochen hatten.

    Insofern: nicht Jena hat ein Neonaziproblem. Und schon gar nicht das heutige Jena und vor allem nicht im Vergleich zum Umland, zu Gera oder Saalfeld (sic!, Nazihochburg). Dass das Terrortrio aus der braunen Zeit Jenas stammt, ist selbstredend, aber dass die Presse es nicht schafft, die heutige Situation differenzierter darzustellen, ist, naja, ermüdend. König ist ein Kämpfer, aber als solcher braucht er auch ein Feindbild. Das schwindet in Jena. Er ist sicher sehr wichtig für die Stadt, aber von ihm eine neutrale Beschreibung der Situation zu erhalten würde ich als schwierig bewerten.

    Nehmen wir mal das Beispiel des Fests der Völker, das in Jena - u.a. auch als Provokation der rechten Szene - in Jena organisiert wurde. Ich hab da Omas getroffen, die protestiert haben, die mit Pfefferspray besprüht wurden, Kinder, Grüne, Schwarze, Rote, Leute von Studentenverbindungen (sic!, nicht alle sind rechts), die ganze Stadt war jedes Mal zwei Tage auf den Beinen. Sowas gäbs in München nie und nimmer. Und in Saalfeld würden sie alle mitfeiern.

    Die schützende Hand des Staates über den Rechten konnte und kann man in Jena immer spüren. Seien es die Demos, die zugelassen wurden und mit Hundertschaften der bayrischen Polizei geschützt wurden. Sie haben damals sogar mal meine Wohnung gestürmt, weil ich Punkmucke auf sonen kleinen braunen Demohaufen von meinem Küchenfenster runterrieseln ließ. Mein 90jähriger Untermieter hat nur den Kopf geschüttelt, als die Bullen neben ihm über den Zaun sprangen und durch den Hinterhof ins Haus gerannt sind.

    Oder sei es der ewige Kampf der Antifa in Jena gegen die alltägliche staatliche Repression. König kann davon ein Lied singen. Dass er jetzt verhaftet wird, ist eine Bestätigung der Ahnung, die sich in mir schon seit den 90er Jahren breit gemacht hat, die durch die Ermittlung im Fall der 'Dönermorde' (alleine der Name!) nur Bestätigt wurde. Die Exekutive im deutschen Staat ist vollkommen verseucht von rechtsdenkenden, kein Wunder, welcher freiheitsliebende Mensch würde auch in so eine Organisation eintreten. Im übrigen werden wir bald ein ähnliches Problem in einer anderen Institution bekommen: der Bundeswehr. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht werden sich nur noch die krassesten der krassen beim Dienst an der Waffe melden. Würde mich nicht wundern, wenn einige davon aus Saalfeld stammten.

    04.04.2013, 13:11 von quatzat
    • 0

      Immer spannend, mal die Sichtweise von einem zu lesen, der anscheinedn ziemlich na dran ist, an einem Thema und nicht nur darüber schreibt.

      04.04.2013, 13:25 von Tanea
    • 0

      Quatze, so denke ich auch über die Polizei, nicht nur über die Bundeswehr.
      Aber sowas darf man nicht laut sagen in diesem LAnd.

      04.04.2013, 13:55 von Igel75
    • 0

      Sehr gut gesagt. Ausgewogen, wie ich finde. Ich hatte vor 10 Jahren tatsächlich immer etwas Angst wenn ich in Jena war. Inzwischen find ich hat es sich erheblich zum Besseren entwickelt.
      Naziprobleme gibt es in ganz Deutschland. Die konservativen Länder aber doch ein wenig mehr. Das große Problem sehe ich darin, dass der Staat (anscheinend) die Rechten immer stärker schützt als die Linken. Was mir, in Anbetracht der deutschen Geschichte, einfach nicht einleuchten will.

      04.04.2013, 13:55 von Schmalzstulle
    • 0

      @Igel: mein Südamerikanischer NAchbar ist 1992 nach Ostberlin (Friedrichshain) gezogen und wurde dort von der Polizei zusammengeschlagen. In seiner Wohnung. Einen Grund gab es nicht. Eine Verurteilung auch nicht, Polizisten decken sich ja gegenseitig. (Ja es gibt auch gute Polizisten).

      04.04.2013, 13:57 von Schmalzstulle
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    • 1

      @Schmalzstulle, ich lebte lange Zeit in einer Stadt im Ruhrgebiet mit hohem Ausländeranteil, es gab eine Zeit da bekam ich die Nase in privat-PArtys die hauptsächlich von Polizisten besucht wurden.
      Hätte man Gespräche ohne Bild mitgeschnitten, JEDER der Zuhörer hätte geglaubt auf einem Nazitreff zu sein.
      Seitdem habe ich eine sehr vorsichtige Haltung gegenüber dieser Berufsgruppe.
      Das was durch die Medien sickert, ist nur ein Krümel des Kuchens.

      04.04.2013, 14:11 von Igel75
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    • 1

      ja ich stimm euch beiden zu :) wie man vielleicht in meinem vorherigen Beitrag lesen kann wanke ich immer zwischen zwei Meinungen wenns um die Polizei geht.

      04.04.2013, 14:50 von Schmalzstulle
    • 4

      Wenn man mit Menschen arbeitet, so finde ich, sollte es zum HAndwerk dazugehören, sich selbst immer wieder zu reflektieren, möglichst unter proffessioneller Anleitung. Egal in welchem konkreten Berufsfeld.
      Es ist schwierig sich einem Bild, was man sich auf Grund vieler Erfahrungen geschaffen hat, immer wieder kritisch gegenüber zu stellen, gar keine Frage, aber wie Du schon sagst, es gibt Dinge die dürfen einfach nicht passieren und schon gar nicht geschützt oder gedeckelt werden.

      04.04.2013, 14:55 von Igel75
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    • 0

      Schließe mich Tanea an: Sehr interessant mal aus einer Feder eines Nahdranstehenden zu lesen!
      Ansonsten eigentlich schon alles gesagt und somit nichts mehr hinzuzufügen.


      Das Einzige: Auch mein Eindruck ist, dass sich das rechte Gedankengut in konservativen Ecken leichter tut. Es ist nur die Frage, wie offensichtlich es dann zutage tritt. S. z.B. Wahlerfolge der REPs in manchen Gemeinden. Und in diesen Dörfern wird kaum einer offensichtlich als Glatze durch die Gegend hampeln.

      04.04.2013, 16:32 von TheCaptainsFiancee
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    • 0

      Ich frage mich, ob es irgendein Land gibt, das nicht sehr braune Wurzeln hat. Diese Verallgemeinerungen empfinde ich nicht als sehr problemlösend.

      04.04.2013, 13:00 von nuehle
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    • 0

      DAS Land mit einschlägiger Geschichte? Weil dieses Land einen Genozid verübt hat (den ich an dieser Stelle nicht verharmlosen möchte)? Hhhmm, mit etwas nachdenken könnte ich da auch andere Länder aufzählen... Nein, ich wollte mit meiner Antwort auf Deinen Kommentar gar keine Diskussion mit Dir auslösen, wer nun geschichtlich das böseste Volk auf Erden war/ ist.

      Ich finde nur, wir sollten uns in der Diskussion von dieser Vermischung mit der Geschichte trennen. Es geht ja schließlich um aktuelle Probleme unserer Gesellschaft und die ewige Geschichtsbrei verwischt da nur die Sicht. Aus meiner Sicht...

      04.04.2013, 13:17 von nuehle
    • 1

      Ich finde ja, der Geschichtsbrei rückt bestimmte Sachverhalte erst ins *obacht* rechte Licht...

      Ganz egal welches Land, welcher Brei und welcher Sachverhalt...

      »'Geschichte' ist die in der Gegenwart wirksame Vergangenheit.« hat unser Geschichtslehrer mal gesagt.

      Das heißt im Umkehrschluss für mich, wenn ich überhaupt ansatzweise verstehen möchte, was hier gerade wirkt, komme ich um einen Blick in die Geschichte nicht herum...

      04.04.2013, 13:24 von sailor
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    • 0

      @sailor Siehst Du, da stellen wir fest: wir haben bei diesem Thema völlig unterschiedliche Ansichten. Ich sage nicht, dass ich Geschichte nicht interessant finde. Aber lehrreich? Das wär schön. Schön wäre auch, wenn Strafe päventiv gegen neue Straftaten wirken würde.

      04.04.2013, 13:29 von nuehle
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    • 0

      @Pixel Da wiederspreche ich Dir gar nicht. Ich möchte das auch nicht akzeptieren. Ich möchte auch nicht in einem Staat voller Rassisten leben und habe immer gegen eben solche aktiv agiert. Ich finde nur, dass wir unsere Positon immer diesem Kaugummigeschichtenargumenten schwächen.

      04.04.2013, 13:33 von nuehle
    • 0

      Geht mir nicht um 'lehrreiche Vergangenheit'.
      Geht mir um 'Verstehen der Gegenwart', nicht im Sinne abschreckender historischer Beispiele.

      04.04.2013, 13:33 von sailor
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    • 0

      Ja, aber dann müssten wir uns doch eher mit Geschichte beschäftigen in dem Sinne, dass wir uns mit der unserer väterlosen Gesellschaft auseinander setzen, mit unserer Problematik, dass wir uns als Täter auch selbst zu Opfern gemacht haben oder mit DDR-Geschichte und nicht schon wieder mit Hilter (der war jetzt für Pixel ;) ) oder seh ich das so falsch?

      04.04.2013, 13:38 von nuehle
    • 0

      @ Pixel Also, damit wir dieses Gesetz bekommen, hat uns Osama geholfen. Hilft es vielleicht doch, nicht nur auf die eigene Geschichte zu gucken?

      04.04.2013, 13:43 von nuehle
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    • 0

      Differenzierungsfalle. lol Tolles Wort. Nee, das lassen wir uns doch alle nicht mehr gerne reinziehen. Die Diskussionskultur ist einfach nicht mehr so wie im Mittelalter. Das waren noch Zeiten... ;)

      04.04.2013, 14:00 von nuehle
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    • 0

      Ja! :D

      04.04.2013, 14:08 von nuehle
    • 0

      Nein, ich war eigentlich gerade zum Ausstieg auf Spaß umgestiegen Vergess ich dann nur immer zu sagen... ;)

      04.04.2013, 14:09 von nuehle
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