Icke_un_du_ooch 18.05.2010, 20:39 Uhr 13 7

Schwarzes Johannisbeergelee.

"Ich bin bereit", flüstert sie.

Thorben ist ein hübscher junger Mann, gerade 25 Jahre alt. Irgendwie erwachsen, irgendwie nicht. Er kann sich noch nicht entscheiden. Musste er bis jetzt auch nicht, weil es nicht verlangt war.
Dann lernt er Sabine kennen. Am Telefon. Sie ist Telefonistin bei einem Unternehmen, das Dienstleistungen für seine Firma übernimmt. Sie telefonieren immer mal wieder, dienstlich. Dann irgendwann privat. Dann irgendwann außerhalb der Arbeitszeiten, abends.
Thorben genießt das Telefonieren, er genießt Sabine. Jedes einzelne Wort von ihr, jeden Atemzug.

Als er schüchtern ein Treffen vorschlägt, zögert sie merklich. Nein, sie kann am Wochenende nicht. Und am Mittwoch geht auch nicht. Irgendwann lässt sie sich erweichen. Es ist so, als ob sie das Schicksal kommen sieht, sie warnt ihn stumm. Lass mich los. Halt mich nicht fest, deine Hände werden ganz schwarz, wenn du mich zu lange berührst. Der Wind trägt es zu ihm, er spürt es, schließt die Augen. Der schwarze Wind weht um seine Nase, spielt in seinen Haaren ein dunkles Lied. Er singt es mit.
Das Treffen ist für beide so wunderschön wie all die Telefonate. Sie lachen, sie freuen sich, erfreuen sich aneinander. Thorben spürt nichts befremdliches, Sabine mustert ihn aus ihren dunklen Augen. Sie erzählen sich in ein paar Stunden zwei ganze Leben und beschließen, die nächste Zeit ein gemeinsames Leben zu führen. Sie wollen ein Paar sein, sie stehen auf der Brücke am Fluss und lassen den Wind in ihren Haaren Nester bauen. Als Thorben ihre Hand loslässt, schaut er unbemerkt auf seine eigene. Sie ist rosa-rot, wie immer, ihre Berührung hat ihn nicht schwarz eingefärbt. Ein leichtes Grinsen huscht über beide Gesichter. Haut kann nicht schwarz gefärbt werden, sagt Thorben, Sabine nickt.

Das erste Frühstück der Beiden beginnt mit einem Lachen. Und Rühreiern mit Speck. Und Johannisbeergelee. Sie schmiert ihm ein Johannisbeergelee-Herz auf seine nackte Brust. Und leckt es ab. Der Sex ist wie der Wind, der beide in den Himmel trägt. Wunderschön.
Thorben weiß, dass er Sabine immer lieben wird. Weil sie seine andere Kugelhälfte ist. Das weiß er ebenfalls.

Sie sehen sich jeden Abend. Sie fühlen sich. Sie berühren sich. Nichts wird schwarz.
Als er Sabine eines Abends fragt, warum sie nie das T-Shirt auszieht, wenn sie Sex haben, erwartet er eine bestimmte Antwort. „Meine Brüste hängen“ oder ähnliches.
Sabine gibt ihm die Antwort, die er hören will. Das reicht Thorben.

Wochen vergehen, Liebe entsteht. Liebe aus Johannisbeergelee.

Am 16. des Monats liegen sie im Bett, das Licht ist gelöscht. Er küsst sie, überall und nirgendwo. Auch die Brüste. Durch den Stoff. Den Bauch, durch den Stoff. Er schiebt die Hand unter das Shirt, schaut sie fragend an. „Ich bin bereit“, ist ihre Antwort. Ihre Augen sind schwarz.
Thorben schiebt das Shirt langsam hoch, über ihren Kopf. Küsst im Dunkeln ihre Brust.
Fühlt. Fühlt nichts. Alles normal.
„Ich bin bereit“, wiederholt Sabine und schaltet die Nachttischlampe an.
Thorben blinzelt, küsst nicht weiter.
Seine Hände haben sich dunkel verfärbt. Sie sind schwarz.
„Aber ich bin nicht bereit“, flüstert er, küsst noch ein letztes Mal das Hakenkreuz, welches groß auf Sabines Bauch tätowiert ist und folgt dem Wind, um sich am Fluss die Hände rein zu waschen.

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13 Antworten

Kommentare

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  • 0

    der text gefällt mir gut,vor allem weil das abstoßende zum schluss so plötzlich kommt.
    daumen hoch.

    26.05.2010, 11:58 von ueberleben
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  • 0

    Hast du dir das mit der "Kugelhälfte" selbst ausgedacht?

    20.05.2010, 17:57 von holo...
    • 0

      @holo... das ist nun gemein ;)

      24.05.2010, 11:10 von Gluecksaktivistin
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  • 0

    Sie müssetn sich braun färben, meiner Meinung nach, aber sonst: Sehr gut!

    19.05.2010, 21:03 von Plutarch
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    haut um. Aber so richtig. Bin erschrocken...

    19.05.2010, 20:24 von frau_wachsmalstift
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    Boah, Icke. Ick möchte gerne mal in deinen Kopf und sehen wie lange ich es da aushalte...

    19.05.2010, 14:49 von Steifschulz
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  • 0

    hätteste wenigstens ein hakenkreuzförmiges melanom draus gemacht oder das hakenkreuz lieber (uuuuh, HAKENKREUZ, uhhhhhhhh!) ganz weggelassen oder aus johannisbeergelee hintenrum (sic!) kaviar gemacht, aber so:
    das war gar nichts, nicht halbes und nichts ganzes. und die komische namen-mode nervte spätestens bei quatzat.


    ergo: mit nur ein paar kleinen reparaturen wäre das ein passabler text - komisch, wie viel so ein paar (unbedachte?) sachen kaputt machen können. aber für kritik stellste die texte ja auch hier rein.

    19.05.2010, 12:01 von libido
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Uups ! Da mag man sagen, was man will, Deine Texte sind wirklich nie langweilig.
    Wenn die Geschichte zwischen den Protagonisten wirklich so gut läuft wie oben beschrieben, dann st für mich die Frage, ob Liebe nicht das "Problem" auch überwinden kann. Aber andererseits, es steht nicht in der Story wie Sabine heute zu gewissen Dingen steht. Das lässt Fragen offen .. ist aber wohl auch Absicht :)

    19.05.2010, 08:45 von Cyro
    • 0

      @Cyro zustimmendes nicken

      24.05.2010, 11:10 von Gluecksaktivistin
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  • 0

    Boah, Icke, da haste aber schon hart aufs Pathos-Pedal gedrückt.

    Wendung gefällt, der Rest ist eher mäßig.

    19.05.2010, 08:34 von frl_smilla
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  • 0

    Dein größter Fan drück dit Knöpfchen =)
    I love it

    19.05.2010, 06:56 von Daner
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