Bisu 01.09.2010, 23:25 Uhr 3 1

Sarazzin

„Ich hätt gern drei Brötchen“, sagte ich zu der blonden Bedienung. Die bekam ich auch mit. Außerdem bekam ich noch was mit

Die Unterhaltung zweier älterer Damen, die hinter mir darauf warteten, bedient zu werden.
„Also, ich find das ja nicht gut, dass die Sozis den Sarazzin jetzt ausschließen wollen. Es stimmt, was er sagt. Und er sagt, was alle denken“.Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich die Dame dabei in Richtung ihrer Begleiterin neigte, wie ein Tanker mit Rechtsschlag. Sie sprach leise, aber mit einer knarzigen Stimme.
„Ich nicht, ich denk das nicht“, sagte ich zu mir, bekam meine Brötchen und ging. Dabei warfen mir die beiden Damen beim Rausgehen einen Blick zu, den ich für missbilligend hielt, wahrscheinlich, weil ich doch laut gesprochen hatte.
Zu Hause schaltete ich den Fernseher an. Sarazzin hielt grad seine Pressekonferenz zur Buchveröffentlichung. Ich wollte mein Brötchen mit roter Marmelade bestreichen. Die war aber leer, also nahm ich braune Nutella. Sarazzin sprach davon, wie das mit der Aussage gemeint war, dass alle Juden ein gemeinsames Gen hätten.
Ich wollte schon umschalten, da fragte eine junge, aufgeregte Journalistin, was ihn, Sarazzin, denn von einem Rassisten unterscheide. Die Antwort: „Wenn sie mein Buch gelesen haben, was sie offensichtlich nicht getan haben, dann empfange ich sie gerne zu einem Gespräch.“ Bei der Nachfrage war die Kamera auf Friedman gerichtet, der im Publikum saß.
Ich frage mich, warum Sarazzin eigentlich niemand auf seiner Pressekonferenz gesagt hat, dass seine Verallgemeinerungen, die eine weitestgehend gelungene Integration in Deutschland leugnen, zur Spaltung der Integrationsdiskussion beitragen. Die genetische und sozialbiologische Diskussion, die Vorstellung, Juden würden durch ein besonderes Gen zusammengehalten, die Vorstellung, dass die Oberschicht besonders intelligent und die Unterschicht besonders unintelligent ist, dass man sie deswegen am gebären hindern solle – alles abwegig, unwissenschaftlich.
Dass ein beträchtlicher Teil der Migranten zweiter und dritter Generation an der unteren Basis der Sozialpyramide abrutscht in ein präkeres Subproletariat, das muss verhindert werden. Es gibt eine Polarisierung in diesen Bereichen der Gesellschaft, die auch zu soziale Spannungen führen kann. Das löst man aber nicht dadurch, dass man eine Stellschraube hat, auf der die Skalierung lautet: Kürzung, Bestrafung, Ausweisung, Migrationssperre.
Das hat der bekannte Migrationsforscher Prof. Klaus Bade heute im Frühstücksfernsehen gesagt.
Wie viele Menschen ihm wohl zugehört haben?
Die beiden älteren Damen beim Bäcker wohl leider nicht. Ich habe ein flaues Gefühl im Magen. Die Nutella war wohl schlecht.

1

Diesen Text mochten auch

3 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    langweilig , aber politisch korrekt! ..braver deutscher bürger joah haste gut gemacht streichel streichel

    26.09.2010, 22:43 von elefantenherz
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich habe den Namen bewusst falsch geschrieben, weil ich gesehen habe, dass in den Kommentaren h hier oft Rechtschreibfehler angesprochen werden, und ich viele Kommentare möchte -

    oder ich habe mich verschrieben. :)

    02.09.2010, 18:06 von Bisu
    • Kommentar schreiben
  • 0

    laaaaaaaaaaaaaaangweilig.

    ich tauschte die rote Marmelade gegen braunes Nutella.

    hahahahaha

    dein Kampf gegen Rechts in allen Ehren aber das klingt zu sehr nach Lichterkette.

    Und hast du den Namen Sarazzin gegoogelt oder kapier ich da den Witz nicht?

    02.09.2010, 14:56 von Surecamp
    • Kommentar schreiben

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare