Piratenpartei
Wie findet ihr die Piratenpartei?
„Sind die Piraten also eher so eine Spaßpartei?“, fragt ein Fernseh-Interviewer Florian Bischof, den Berliner Spitzenkandidaten der Piratenpartei. Die Kamera steht in einem gesichtslosen Studentencafé in Mitte. Gleich werden sich hier einige Piraten zum Crew-Treffen versammeln. Crews sind so etwas wie die Ortsverbände der Piraten. Florian Bischof schwitzt ein wenig im Scheinwerferlicht und die Ader, die seine Schläfe emporkriecht, schwillt bei Standardfragen wie der nach der „Spaßpartei“ immer ein wenig an. Zu oft hat er sie schon beantwortet, zu oft war er dann enttäuscht, was am nächsten Tag in der Zeitung stand: Dass die Piraten alle ungepflegte und übergewichtige Computerfreaks seien, realitätsfern und internetsüchtig – und Frauen gäbe es in ihren Reihen auch fast keine.
Gerade für Journalisten, deren Branche momentan so gebeutelt wird, ist das Internet mit seiner „Gratiskultur“ der Feind und Arbeitsplatzkiller schlechthin. Und jetzt kommt auch noch eine Partei, die sich dafür stark macht? „Ich habe den Eindruck, viele Journalisten haben beim Schreiben über die Piratenpartei Schaum vor dem Mund“, fasst Dr. Jeanette Hofmann, die am Wissenschaftszentrum Berlin über die Zusammenhänge von Politik und Internet forscht, die mediale Reaktion auf die Piratenpartei zusammen. Im Wissenschaftsbetrieb sei der Ruf der Piraten und ihrer Konzepte dagegen deutlich besser.
Trotzdem, die Piratenpartei ist ein Medienphänomen – keine andere der kleinen Parteien bekommt derzeit so viel Aufmerksamkeit. Und so beantwortet auch Florian Bischof immer wieder die gleichen Fragen: Nein, sie seien keine Spaßpartei, ihr Anliegen sei absolut ernst. Nein, ihr Name störe dabei keineswegs. Nein, ein Vollprogramm mit Meinungen zu Arbeitsmarkt und Klimapolitik halte er derzeit nicht für nötig. Für den Moment wolle man sich unter anderem auf digitale Bürgerrechte, mehr Datenschutz, einen transparenteren Staat und eine Reform des Urheberrechts konzentrieren. Ja, die Fünf-Prozent-Hürde sei ein ambitioniertes Ziel aber im Bereich des Möglichen.
Wie beurteilt Ihr die Piratenpartei? Echte Alternative zu einer politischen Elite, die den Bodenkontakt verloren hat – oder Technik-Nerds mit zu engem Themenspektrum? Die neuen Grünen (wie manchmal behauptet wird) – oder diejenigen, „die gegen die Sperrung von Kinderpornos“ sind (wie andernorts der Widerstand der Piraten gegen die Netzsperren von „Zensursula“ zusammengefasst wurde)?






Kommentare
im grunde macht mich schon allein die notwendigkeit der gründung einer piratenpartei irgendwie traurig. jetzt brauchen wir schon eine neue partei um nur EINIGE grundrechte WIEDERherzustellen...heftig! das was unsere politik schützen sollte hat sich nach und nach mithilfe von zusätzen, änderungen etc. aufgeweicht und eigennützige knospen getrieben. das wahlprogramm ist keineswegs zu dürftig, sondern in den grenzen der machbarkeit gehalten. was bringt es einer partei mit ein paar mitgliedern und entsprechender finanzgrundlage auch noch alle anderen 1000 baustellen in ihr wahlprogramm zu nehmen, wenn die problemlösungen dann schlagwort und aufschub heißen. dann wären sie ja nicht anders als die bestehenden parteien.
21.08.2009, 11:46 von TNTgut finde ich hierbei nur, dass uns das ganze mal wieder deutlich vor augen führt wie sehr die kommunikation von volk zu bestehender volksvertretung funktioniert. eine partei kann nur gegründet werden weil ein starkes interesse von vielen nicht erhört wird. ein hoch auf die einkanalkommunikation in unserem fortschrittlichen informationszeitalter. wäre doch ein grund die piraten auf keinen fall zu wählen..vielleicht bekommt die regierung wenigstens auf diese weise "verläßliche" informationen von ihrem volk das sie vertreten soll. *ggg*
In den etablierten Parteien sitzen tendenziell Leute, die auf der falschen Seite des digitalen Grabens hocken. Dank der Piraten kommt eventuell Druck von der Basis - Druck im Sinne von: "Huhu, uns gehen Pöstchen flöten, weil ihr so unpopuläres Zeug macht. Wir wollen auch mit der S-Klasse nach Spanien".
20.08.2009, 14:46 von Romeo_Flausch79Eine alternative im Sinne der Abschaffung der staatlich institutionalisierten Bevormundung und Kleptokratie abschaffen wollen sind sie nicht. Aber mit dem Alter sind meineTräume klein und dürr geworden.
@Romeo_Flausch79 Wenn du dich mal im Wiki der Piratenpartei umsiehst, findest du auch Themen wie Bedingungsloses Grundeinkommen, Bürokratieabbau, etc. Sie sind mit dem in den Wahlkampf gezogen, wovon sie wirklich Ahnung haben und bei dem sie sich auch einig sind. Sie behaupten nicht die ultimative Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben und die einzig richtigen Lösungen parat zu haben...wie die Anderen. Das macht sie für mich sympathisch. Ich weiß, dass die CDU/FDP Steuern anheben wird...weil sie das Gegenteil im Wahlkampf behaupten. Wenn die regierenden Parteien keine Glaubwürdigkeit besitzen sind ihre Wahlprogramme Altpapier.
20.08.2009, 18:09 von blurosIch finde die Anliegen der Piratenpartei sehr gut und wichtig. Für mich sind sie dennoch absolut keine Wahlalternative, da ich es nicht verantworten will eine Partei in den Bundestag zu schicken, die sich auf ein einziges Thema beschränkt. Es gibt auch sehr viele weitere Probleme, mit denen sich die Piraten bein einem Bundestagseinzug auseinandersetzen müssten und wenn ich nicht weiß, wie ihre Meinung dazu ist, kann ich auch nicht sagen, ob ich dem zustimme.
20.08.2009, 12:22 von strahlexIch denke, dass die FDP noch an ehesten die Bürgerrechte vertritt- Was z.B. der Juli-Vorsitzende in den Interviews sagt, ist genau meine Meinung. Da die FDP außerdem ein Vollprogramm und Chancen auf Regierungsbeteiligung hat, sind hier die Chancen sehr viel höher wirklich was ändern zu könne.
@strahlex "Ich denke, dass die FDP noch an ehesten die Bürgerrechte vertritt"
20.08.2009, 12:57 von derHerrMitDemPixelDas ist super.
Das ist Dadaismus.
Ich finde es so unendlich grotest, dass die Leute inmitten eines schwerten systemischen Schluckaufs unseres Wirtschaftssystems auch noch diese Apologeten einer eierlegenden Wollmilchsau
gut zu finden.
Wie man "Bürgerrechte" und die "freie Marktwirtschaft FDP´scher Bauart" unter einen Hut bringen möchte...das ist mir irgendwie schleierhaft. Ich sehe da einen Interessenkonflikt und ´ne Menge Wahlkampfrhetorik.
@derHerrMitDemPixel Ich sehe bei dir allerdings auch ziemlich viel Wahlkampfrhetorik. Wer in der FDP redet denn bitte von freier Marktwirtschaft? Das musst du mir im Programm mal zeigen. Da geht es nämlich um soziale Marktwirtschaft... Aber um die FDP geht's hier ja gar nicht.
20.08.2009, 14:15 von strahlexWoher wollt ihr denn wissen, was für ein Wirtschaftsmodell die Piraten vertreten, wenn sie dazu gar nichts sagen? Hier geht es schließlich um den Bundestag für die nächsten 4 Jahre!
Und wer garantiert dir denn, dass die Piraten nicht die marktradikalsten von allen sind?
Und zu dem von dir angesprochenen "Interessenkonflikt": Bürgerrechte sind ja wohl mal das urliberalste, was man sich vorstellen kann. Da geht es doch schließlich genau um die Freiheit. Genau wie bei der sozialen Marktwirtschaft. Das passt also ganz wunderbar zusammen.
@strahlex Wieso Wahlkampfrhetorik ? Mir sind die Piraten ganz lieb, ich bin aber kein Fanboy von denen.
20.08.2009, 15:00 von derHerrMitDemPixelBezüglich dem, was ihm Walhprogramm steht (um das es so explizit nicht ging :) ) : Zugestanden..."soziale Marktwirtschaft" wird gerne und oft propagiert. Ich kann mich trotzdem nicht durchringen der FDP über den Weg zu trauen, tut mir leid. Das Fähnchen des Neoliberalismus haben sie gerne und hoch in den Wind gehalten...und angesichts der "kleinen Verwerfungen" am Markt habe ich da die FDP von vor wenigen Jahren noch ganz gut im Ohr, die ganz vorne dabei war irgendwie alles "liberalisieren" und dem Wettbewerb zugänglich zu machen. Natürlich geriert sie sich immer -wie andere auch- als missverstandene Messiaspartei, die bestimmte Dinge nie gesagt und ganz sicher nie gewollt hat...:).
Was Parteiprogramme angeht : Was ist das eigentlich für ein blödes Argument, dass eine Partei, die zu bestimmten Positionen keine Meinung hat keine Existenzberechtigung im Bundestag haben soll ?. Ich erwarte zB von den Piraten nicht, dass sie sich großartig in Wirtschaftsfragen äussern sollen. Oder in Agrarpolitik oder Bildungswesen...da auch nicht zu erwarten ist, dass so eine Partei wie die PP mit absoluter Mehrheit das Land regiert erscheint mir eine entsprechende Argumentation irgendwie völlig irrelevant.
Die Piraten besetzen eine Nische, innerhalb derer sie mutmaßlich Politik machen. Und damit hat es sich. Und in dieser Nische haben sie ordentliche und durchdachte Positionen...(für mich :) ). Nicht mehr, nicht weniger. Was soll also das Getöse um das Wirtscahftsmodell der Piraten...oder um den Fakt, dass sie gar nicht als Ich-bin-für-jeden-da-Volkspartei auftreten...?
Thema Bürgerrechte / sozialer Marktwirtschaft.
Hinsichtlich dessen, was die FDP in der Regel zu Bürgerrechten usw. sagt mag ich sie sogar...ich nehme ihr die "soziale Marktwirtschaft" nicht so wirklich ab, weil ich die Klientel der FDP und ihre Leute für Menschen halte, die von einer sehr sehr fernen Warte über untere und unterste Einkommensklassen reden. Das "sozial" ist imho der hübsche Anstrich, den sich eine Lobbypartei der Wirtschaft/Besserverdiener eben geben muss um Akzeptanz zu erfahren...
Das ist aber nur meine Meinung, natürlich ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit...
Hier ´n Link zu nem Artikel der Zeit...deckt sich zu größeren Teilen mit meiner Meinung über die FDP.
http://www.zeit.de/2009/33/FDP?page=all
@derHerrMitDemPixel
20.08.2009, 19:53 von sailorWer wahr eigentlich an der Regierung, als in den letzten Jahren bespielsweise die Landesbanken ordendlich loslegen wollten und dann, Regierung sei Dank, von der Kette gelassen konnten und jetzt heulend und zähneklappernd dasitzen, weil sie sich eine blutuge Nase geholt haben?
Die FDP?
Mal so meinetwegen auch dumm gefragt...?
@sailor Rot/Grün & Schwarz...ich glaube, dass en detail auseinanderzudröseln wird ein bischen schwierig. Man wird vermutlich gar nicht so wahnsinnig falsch liegen, wenn man alle mit Regierungsverantwortung in den Ländern mal in den Sack stopft und ausnahmsweise mal pauschal draufhaut.
20.08.2009, 20:10 von derHerrMitDemPixelDie FDP wollte -meines Wissens- mehr oder minder das, was sie immer machen will : privatisieren. Inwiefern das, das Beispiel der HRE mal angeführt, jetzt für oder gegen die FDP spricht lass ich mal beinahe unausgesprochen :).
@[Benutzer gelöscht] Man muss sparen, wo's geht.
21.08.2009, 08:30 von sailorWenn man Klopapier beidseitig benutzt, liegt der Erfolg doch auf der Hand...
@sailor Göttliche Scheiße, ich lach mich tot :D
21.08.2009, 08:35 von quatzat@quatzat Sponti-Spruch aus den 80ern, Du Jungspund!
22.08.2009, 16:57 von Romeo_Flausch79Pro PP.
20.08.2009, 11:53 von derHerrMitDemPixelBei den etablierten Parteien gehen die Uhren doch etliche Jahre nach. Insbesondere die etablierten Parteien machen irgendwie den Eindruck, dass sie irgendwie zwischen Industrialisierung und eisernem Vorhang hängengeblieben sind...kein Wunder, dass sie da teilweise Politik absondern, wo ich mich dann zumindest fragen muss, welche Bande von sträflich dummen Irren denn da bitte gerade am Steuer dreht.
Da sind mir die Piraten mit ihrem Fokus auf wichtige Eckpunkte des Informationszeitalters (Informationelle Selbstbestimmung, Urheberrechte / Recht an Information, Partizipation usw.) doch um Längen lieber als die dümmliche Rechts/Links/goldene Mitte- Rhetorik unserer altvorderen Oberdemokraten.
@Surecamp: Und was hast du jetzt vor? Weiterhin "die Großen" wählen und genau wissen, dass sich nie was ändern wird? Das haben einige Anfang der 80er bei den Grünen auch gedacht. Zum Glück gab es auch viele die anders gedacht haben. Und zum Glück gibt es auch heute viele, die anders denken. Ich sage nicht, dass die PP auf alles eine Lösung hat - aber zumindest Ansätze, für die CDU & Konsorten schon viel zu müde und schwerfällig sind.
20.08.2009, 11:13 von flecky@[Benutzer gelöscht] Auf jeden Kommentar kann ernsthaft eingegangen werden. Solche Sprüche sind völlig unnötig für die Diskussion.
20.08.2009, 11:51 von Anne_Draeger@Anne_Draeger Aus Polemik kann man doch durchaus auch unsachlich antworten, oder ? Oder ist mir da ein informationeller Mehrwert abseits von linkophoben Agitieren -hinsichtlich der Piratenpartei sowieso eher nicht so sehr angebracht- entgangen ?
20.08.2009, 12:51 von derHerrMitDemPixelJawoll!
20.08.2009, 10:58 von SurecampDie schaffen das.
Die krempeln alles um, die bringen die Veränderungen.
Jetzt werden alle Banker bluten, jetzt kommt der kleine Mann zu Wort, die Steuergeld fließen wieder direkt in unsere Taschen, die Politiker, die bisher was zu melden hatten, bekommen nur Hartz4 und wir haben endlich unsere Bürgerrechte wieder!
Wir befreien uns aus den Ketten der Sklaverei, jahrelang wurden wir unterdrückt und ausgeraubt!
Jetzt gibt es einen gläserenen Staat!
Jetzt wird der Spieß rumgedreht, das ist die Revolution und
ach, scheisse, gegen diesen Mist, diese leblose Kapitalismuskritik, diese alte Kacke, die so eklig nach 68er und angelesener Revoluzzer- und Freiheitskämpfer-Sutsche stinkt, ist mir mein Sarkasmus sogar zu armselig.
PP degradiert sich von Anfang an selber - jedenfalls bei den Menschen, älter als 16...
@Surecamp Suri, nur weiter so.
20.08.2009, 13:27 von SteifschulzAlles Wesentliche wurde bereits gesagt... ;) Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass es eine Piratengruppe auch auf NEON gibt: Checkt mal Piraten auf Neon!
20.08.2009, 10:52 von fleckyhttp://www.neon.de/kat/gruppen/piratenaufneon/