Operation Walküre: Stauffenberg vs. Cruise
Was ist Fiktion, was ist Wirklichkeit an "Operation Walküre" mit Tom Cruise? Hier die wichtigsten Abweichungen von den geschichtlichen Tatsachen.
>1. Der Mythos der Bunker-Bombe
Film: Claus Graf Stauffenberg und seine Mitstreiter analysieren die Wirkung des Sprengstoffs, den Stauffenberg in seiner Aktentasche in Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“ zünden will. Sie gehen fest davon aus, dass die entscheidende Lagebesprechung in einem Bunker mit meterdicken Betonwänden stattfinden wird, wo schon der Luftdruck der Bombe alle Anwesenden töten muss. Am 20. Juli wird Stauffenberg dann von der Nachricht überrascht, dass die Lagebesprechung in letzter Minute aus Hitlers Bunker in eine offene Holzbaracke verlegt wurde, wo der Druck der Bombe verpuffen wird.
Realität: Stauffenberg und die anderen Planer der „Operation Walküre“ wussten genau, dass Hitlers sogenannte „Mittagslage“ im Juli 1944 fast ausschließlich in jener offenen Holzbaracke stattfand, in der Stauffenberg am Tag des Attentats die Bombe auch gezündet hat. Sie planten nicht mit einem tödlichen Luftdruck-Effekt im Bunker, und sie wurden auch nicht in letzter Minute von einer Änderung überrascht. Das Attentat scheiterte unter anderem deshalb, weil es Stauffenberg unter extremem Zeitdruck nicht gelang, die zwei präparierten Sprengstoffpakete scharf zu machen, sondern nur eines. Was genau geschah, beschreibe ich in meinem Sachbuch "Operation Walküre - Das Drama des 20. Juli".
2. Stauffenberg trifft auf seinen Hauptgegner
Film: Nachdem die Bombe in der „Wolfsschanze“ explodiert ist und Stauffenberg Hitler für tot hält, wird er zum entschiedensten Antreiber des Staatsstreichs in Berlin. Beinah gelingt des dem Widerstand, die Hauptstadt mit Soldaten des Ersatzheeres zu besetzen – bis ein hitlertreuer Truppenkommandeur, Major Otto Ernst Remer, Verdacht schöpft und sich von Goebbels zu einem Telefongespräch mit Hitler verbinden lässt. Danach fährt Remer direkt zu Stauffenberg, um ihn zu verhaften, es kommt zu einer Begegnung vor den Diensträumen in der Benderstraße.
Realität: Zwar beschreibt der Film korrekt die Rolle des Major Remer bei der Niederschlagung des Staatsstreichs in Berlin, er und Stauffenberg waren tatsächlich so etwas wie Hauptgegner. Eine direkte Konfrontation mit Stauffenberg fand jedoch nie statt – als Remer im Bendlerblock ankam, war Stauffenberg bereits auf Befehl seines direkten Vorgesetzten hingerichtet worden.
3. Stauffenberg holt Hitlers Unterschrift
Film: Im Film wird Spannung durch die Tatsache erzeugt, dass Hitler den von den Verschwörern geänderten „Walküre“-Einsatzbefehl zur Niederschlagung innerer Unruhen persönlich unterzeichnen muss, damit er wirksam werden kann - was er auch tut, als Stauffenberg ihm im „Führerhauptquartier Berghof“ in den bayerischen Alpen zum ersten Mal persönlich gegenübertritt und das Schriftstück zur Unterschrift vorlegt. Dabei redet Hitlers auch über die Musik Richard Wagners und ihre Bedeutung für den Nationalsozialismus.
Realität: Hitlers Unterschrift war für die Gültigkeit der geänderten „Walküre“-Befehle nicht notwendig, er hat sie auch nicht unterschrieben. Stauffenbergs Begegnung mit Hitler auf dem „Berghof“ hat zwar tatsächlich stattgefunden, es ist jedoch nicht dokumentiert, ob Hitler das Wort direkt an ihn gerichtet hat – oder gar, was der Inhalt ihres Gesprächs gewesen sein könnte.
4. Stauffenberg überzeugt einen Mitverschwörer
Film: Stauffenberg benutzt einen Trick, um in der Toilette eines Offizierskasinos auf den General Erich Fellgiebel zu treffen und ihn als Mittäter für das Attentat gegen Hitler zu gewinnen. Fellgiebel hat große Bedenken.
Realität: Der Inspekteur der Wehrmacht-Nachrichtenverbindungen Erich Fellgiebel musste von Stauffenberg nicht gewonnen werden. Er war ein entschiedener Gegner Hitlers und bereits vor Stauffenberg in die Staatsstreich-Planungen involviert. Es ist auch nicht dokumentiert, dass er Stauffenberg konspirativ in einem Offizierskasino getroffen hat.
5. Henning von Tresckow, der Mastermind der Operation Walküre
Film: Schon bei seinem ersten Auftritt auf dem Flugfeld von Smolensk wird Henning von Tresckow, gespielt von Kenneth Branagh, mit den Rangabzeichen eines Generalsmajors gezeigt. Er wird im folgenden auch immer als „General“ angesprochen. Im Abspann ist er als „Major-General“ verzeichnet.
Realität: Während der kompletten Dauer seiner aktiven Beteiligung an den Attentatsplanungen (also während der Zeit, die im Hauptteil des Film zu sehen ist) hatte Henning von Tresckow den Rang eines Obersten. Erst nach seiner Rückversetzung an die Ostfront, die seine weitere Mitwirkung an der Verschwörung verhinderte, wurde er 1944 zum Generalmajor befördert. Ein recht unerklärlicher Fehler, weil sein realer Dienstgrad als Oberst auch dramaturgisch interessanter ist.
Weitere Abweichungen zwischen Film und Wirklichkeit erläutere ich auf www.operationwalkuere.de




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