fortuna.smiles 09.01.2012, 22:09 Uhr 5 0

Neonfarbener Pudding

Von Ökowahnsinn, Bioeitelkeit und Globaler Verantwortung. Hommage an Mutter Natur.

Vorab ...

... muss ich eindringlich betonen, dass ich weder Öko-Terrorist noch Freak, weder Asket noch Neuhippie bin – vielmehr eine gewöhnliche Abiturientin, die sich wünscht, dass ein bewegendes Thema zum Gesprächsstoff der Gesamtgesellschaft wird.

Die erste prägende Erfahrung mit Produkten aus ökologischer Erzeugung bestand darin, als meine Mutter mir eines Tages feierlich verkündete, dass es von nun an keine hellen Brötchen, hellen Nudeln, nicht einmal die Streuselschnecken, die ich so liebte, geben würde – nur noch Dinkelbrot und sonntags ein Stück Dinkelkuchen. Ich war fassungslos. Unbegreiflich war mir, warum sie des Sommers durch die Wälder zog und Kräuter sammelte, anschließend in jedem Winkel der Wohnung trocknete, und Abend für Abend ungezuckerten Tee daraus brühte. Das Öffnen des Kühlschranks widerstrebte mir, denn statt schillerndem Packungsdesign lockten vegetarische Aufstriche in braunen Tongefäßen. Ich hasste den Geruch von Lavendel und Co., kaufte mir aus Rebellion ab und an neonfarbenen Pudding von meinem Taschengeld. Ich konnte nicht verstehen, warum wir uns keinen Familienurlaub, dafür aber diesen, meines Erachtens nach, unnützen Bioluxus leisten konnten.

Mit 16 floh ich vor dem Ökowahnsinn in eine eigene Wohnung. Und kaufte ein paar Wochen lang das Billigste vom Billigsten. Gewiss gönnte ich mir täglich einen Apfel und verzichtete auch nicht auf das Stück Gurke in der Brotbüchse, doch die restliche Ernährung war geprägt von Noname-Spirellis, Billigpudding und Buttertoast. Bis sich meine Kochleidenschaft entfaltete (und ich den Geschmack der Biokartoffeln nun einmal als unübertrefflich empfand). Da ich Süßigkeiten ohnehin abgeneigt bin, bat ich meine Familie fortan, mir Ostern Obst und Weihnachten ein paar Portionen Gans zu schenken (zum Einfrieren). Als ich zunahm erkannte ich, dass das Hinzugeben von Sonnenblumenkernen in Gemüse-Reispfannen wahre Wunder bewirkt. Vor einem Theaterauftritt trank ich täglich Biobuttermilch. Kaufte ich Bio, war es aus egoistischen, eitlen Gründen.

Irgendwann sah ich den Film „We feed the world“, in dem Zustände der globalen Nahrungsmittelproduktion und – verteilung aufs Entsetzlichste dargestellt wurde. Ich spürte, dass sich etwas bewegen muss und entschied mich fortan für Freilandeier.

Durch diverse männliche Subjekte wie dem besten und dem festen Freund, von denen sich der eine seit mittlerweile zwei Jahren für Greenpeace engagiert und der andere für und von Nachhaltigkeit schwärmt und die Umwelt auch beruflich schützen will, erkannte ich ein wenig später, dass die Umwelt- und Konsumproblematik eine politsche ist. Und nicht nur das. Denn unsere Existenz hängt von unserem Lebensraum, der Umwelt ab. Wasser, Luft und Nahrung wird nicht bei Penny und Co geboren - es ist ein Geschenk von Mutter Natur.

Darum lautet mein Appell: Gebt dem Essen ideelen Wert, kauft mit moralischer Achtsamkeit.

Denn wir profitieren nicht nur von unserer Nahrung  - sie wird ein Teil von uns.


Tags: Nahrung, Lebensmittel, Öko, Bio, Werte, Achtsamkeit, Natur, Umwelt, Umweltschutz, Konsum
5 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Weil es uns noch nicht gelungen ist, den eigentlichen Wert der Lebensmittel zu erfassen...

    21.01.2012, 20:01 von fortuna.smiles
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Und trotzdem essen wir Hühnchen aus dem Supermarkt, das mit Antibiotika vollgepumpt wurde...

    16.01.2012, 16:22 von MisterSauber
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Danke! :) Ja, "Taste the waste" habe ich gesehen und es ist schockierend, wenn man bedenkt, wie viele Güter entsorgt werden, während auf der anderen Erdhälfte noch immer Menschen an Hunger sterben... Und @sailor: Selbstverständlich sind es nicht nur die Lebensmittel - mein Text bezieht sich nur auf diese! Unser Lebensstil sollte insgesamt möglichst umweltfreundlich sein... ;)

    15.01.2012, 15:26 von fortuna.smiles
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Wenns doch nur die Lebensmittel wären...

    »Denn unsere Existenz hängt von unserem Lebensraum, der Umwelt ab.«
    Kein Kommentar...

    10.01.2012, 09:53 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich mag dein Text. :).
    Hast du den Film 'Taste The Waste' geschaut?. Guter Film!.

    10.01.2012, 08:46 von marasocke.
    • Kommentar schreiben

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare