Annabel_Dillig 30.10.2012, 11:41 Uhr 64 1
NEON täglich

Nebeneinkünfte

Wie reich darf ein Sozialdemokrat sein?

Was Peer Steinbrück da auf seiner Webseite auflistet, klingt mehr nach Haupt- als nach Nebeneinkünften (Stufe 1: bis 3500 €, Stufe 2: bis 7000 €, Stufe 3: ab 7000 €). 1,25 Millionen Euro verdiente er in den vergangenen drei Jahren durch insgesamt 89 Vorträge. Im Schnitt 14.000 Euro pro Vortrag. Daneben sehen die 7.960 Euro an Diäten, auf die er als Bundestagsabgeordneter Anspruch hat, plus 4.000 Euro steuerfreie Kostenpauschalen, eher mickrig aus. Genau wie die ungefähr 1.800 Euro an Pension pro Monat. Hinzu kommen noch Einkünfte aus Buchverträgen. 

Anders als die Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder oder Frank-Walter Steinmeier versucht Peer Steinbrück erst gar nicht, den Wählern das Bild eines Kandidaten zu vermitteln, der sich aus armen Verhältnissen nach oben gekämpft hat und weiß, wie sich finanzielle Not anfühlt. Das würde angesichts einer solchen Einkommenslage auch schlecht gehen.

Andererseits: Wer sagt, dass Reiche automatisch in der FDP oder CDU Mitglied sein müssen? 

Stellt sich nicht angesichts der Vortragshonorare eher die Frage, wie viel Zeit Abgeordnete für ihr politisches Amt aufwenden müssen? Steinbrück räumte ein, auch an (zwei) Sitzungen mit namentlichen Abstimmungen gefehlt zu haben. 

Wie beurteilt Ihr Steinbrücks Nebenjobs?

1

Diesen Text mochten auch

64 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    seit wann entscheidet die parteizugehörigkeit darüber, wie reich ein mensch sein darf? wäre da jemals die frage gestanden: wie reich darf ein liberaler / christlich-demokratischer politiker sein?

    31.10.2012, 12:10 von horus_falke
    • Kommentar schreiben
  • 2

    also, ich find das ganz gut, dass der seine nebeneinkünfte mal aufn tisch gelegt hat, weil ich jetzt mal einen ansatz dafür hab, was ich meinerseits mal für n vortrag oder sogar n fettes seminar nehmen könnte. ich probier das morgen gleich mal aus, ich sag einfach mal, "ooch, mit 25.000 ocken wär' ich schon zufrieden." haaa, ich bin schon ganz aufgeregt, ich glaub, das wird mein durchbruch!

    30.10.2012, 19:49 von lavish
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ein wulff hätte so eine "affäre" irgendwie nicht gemanaged gekriegt, der hätte irgendwo drohangerufen oder was weiß ich - dumm gelogen, dass er nie gefehlt hätte deswegen und später, dass er sich nicht erinnere und dann doch und dann blabla.

    der steinbrück machts richtig, vom tempo her. und von der art her.

    nichtsdestotrotz wirkt der insgesamt eher wie ein komischer nordmensch ohne herz. wo ist der mensch in steinbrück (außer der geizhals)?

    wo der aufbrausende gabriel, der eitle schröder, der verklemmte steinmeier?


    da wird er noch ein bisschen zuzulegen haben müssen, um den anderen unmenschlichen klotz da oben zu besiegen bei der wahl.


    ich würde mir ja eigentlich schwarzgrün wünschen, damit ich alle feindbilder mal zusammen an der regierung habe - und die sich dann nicht wieder rausreden können wegen irgendwas.

    *weiterträum*

    30.10.2012, 15:55 von libido
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich finds gut dass er es offenlegt. Wie viel EZti er dabei verliert die er lieber in Politik stecken sollte ich der eine Punkt der mich stört. Der andere ist, dass es doch ein Limit geben sollte, wie viel jemand maximal verdienen kann/darf um trotzdem noch Ansprüche auf zusätzliche Zahlungen zu haben. Also maximale Stundenzahl außerhalb des Hauptjobs und Maximales einkommen bevor Zusätze gestrichen werden. Dann wär alles in Butter. Besser als unter der Hand wie so manch anderer Politiker.

    30.10.2012, 15:23 von Schmalzstulle
    • 0

      Zeit, sollte das heißen.

      30.10.2012, 15:23 von Schmalzstulle
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Mir stellt sich eher die Frage, warum jeder Hinz, Kunz und Furz-im-Wind-Politiker mitm Finger auf etwas so offensichtliches zeigt und selber nichmal das Haushaltsbuch durchsehen lässt.

    Für mich is das wieder ne heuchlerische Anschwärzkampagne der SPD-Gegner.

    Genau wie die meisten plagiierten Dissertationen angeblich von FDP und CDU labertaschen sein sollen.

    Ich würd die Knatter vom Nebenjob übrigens auch nehmen. Is immer noch ehrlicher, als Ghostwriter meinen Namenszusatz erbringen zu lassen.

    Wie siehtn das eigentlich mit den Versicherungen so aus? *hust* AXA *hust*

    30.10.2012, 14:51 von Jingeling89
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Wenn Leute so viel bezahlen, um dem Steinbrück zuhören zu dürfen...

    Und auch wenn der Vorträge z.B. bei der Deutschen Bank hält, heißt das noch nicht, dass der deren Meinung im Bundestag vertritt. Wenn der da als "Berater" oder Anwalt auf der Lohnrolle stehen würde, würde mir das größere Sorgen machen. Und lieber 200 Vorträge bei verschiedenen Anlässen, als ständig bei dem gleichen Verein, egal ob Deutsche Bank oder Gewerkschaft.

    Generell ist es "unerfreulich", wenn sich Abgeordnete nicht primär um ihr Mandat und ihre Wähler kümmern, weil ihnen die Zeit wegen ihrer Nebenverdienste fehlt.

    30.10.2012, 14:13 von Charlie_B
    • 1

      Es gibt immer noch sowas wie Verhältnismäßigkeit. Und bei so hohen Stundenhonoraren kann man schon mal die Öhrchen spitzen und schauen, wer da alles seine Finger im Spiel hat.

      30.10.2012, 14:57 von quatzat
    • 1

      Büttenredener werden eher selten pro Stunde bezahlt.

      Götz Alsmann nimmt für einen Abend 'Programmmoderation auf deiner Party' 20.000 netto...

      Da rechnet auch keiner die Stunden aus...

      30.10.2012, 19:27 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 3

    Diese scheinheiligen Empörungen darüber sind doch nix anderes als purer Neid. Mir isses doch wurscht, wer welche Einkünfte hat, solange mein Konto dafür nicht geplündert wird - oder grundsätzlich andere dadurch zu Schaden kommen. Ansonsten schließe ich mich Gambit und Smilla an, basta! ^^

    30.10.2012, 13:57 von derHalbstarke
    • 3

      Äh, bei Politikern gehts nicht um Neid, sondern es geht darum inwiefern sie finanziell beeinflußt werden. Insofern kann man das schon gesellschaftliche Debatte nennen. Puristen würden Nebeneinkünfte von Ministern und Abgeordneten sicher verbieten.

      30.10.2012, 14:06 von quatzat
    • Kommentar schreiben
  • 6

    Dieses Geschiss um die Gehälter in Deutschland gipfelt in Diskussionen wie diesen: Einerseits möchte niemand offen darüber reden, andererseits wird sofort eine Diskussion losgetreten, wenn jemand seine Gehälter offenlegt.


    Und ich bin ganz bei Gambo: Unabhängig davon, um wen es geht: Wer würde nein sagen, wenn er oder sie die Möglichkeit hätte, mit einem Vortrag 15000 Euro verdienen zu können?

    Und soweit ich weiß, ist für jede verpasste BuTagsSitzung vom Abgeordneten Geld abzudrücken. 
    Möchte mal die Arbeitnehmer sehen, wenn für jede Nicht-Teilnahme am Jourfix ein Zwanni abzudrücken ist. 

    30.10.2012, 13:37 von frl_smilla
    • 0

      "Wer würde nein sagen, wenn er oder sie die Möglichkeit hätte, mit einem Vortrag 15000 Euro verdienen zu können?"

      Jemand, der genug Geld bspw. Oder diesen Kodex politischer Unabhängigkeit, aus welchen gründen auch immer, höher hält als der durchschnittliche Typ. Auch wenns fern deine Alltagswelt sein mag - diesen luxuriösen Verzicht gibt es.

      30.10.2012, 15:31 von Boahmaschine
    • 0

      Also, wenn mir jetzt jemand 50 Euro für einen Vortrag anbietet, dann bräuchte ich die nicht unbedingt, aber vielleicht habe ich Bock, über das Thema tatsächlich vorzutragen. 


      Ich halte das jetzt nicht automatisch für einen luxuriösen Verzicht, sondern eher für eine Frage des Maßstabes (Thema: Genug Geld). 

      Bliebe noch zu diskutieren, wie sehr der Kodex der Unabhängigkeit nun an dieser Stelle verfolgt wird oder nicht. Das wiederum finde ich nun nicht so sehr abhängig von der Höhe der Vortragshonorare. 


      30.10.2012, 17:13 von frl_smilla
    • 0

      Ich denke schon, dass eine Summe von über einer Million da ein bisschen was aussagt. Das ist ja auch massiv zeit, die da investiert wird, und die andererorts abgezogen werden muß. Da kommt irgendwann die Frage auf, was ist nun der eigentliche Nebenjob. Meinetwegen kann jemand Milliarden mit Vorträgen verdienen, nur wirds schwer mir dann glaubhaft zu versichern, derjenige stellte sein berufliches Leben in den Dienst öffentlicher Politik. Das ist schlicht ein bisschen zuviel Privatwirtschaftsgeplänkel - für einen Sozialdemokraten dann letztlich auch tatsächlich mehr als für einen Liberalen und auch - mittlerweile -  Christdemokraten.


       


      Darum gings mir aber weniger. Steinbrück ist ein ekliger Typ, dem die halbaufgeklärte Mittelschicht irgendwie zuviel abkauft. Diese meientwegen optisch ausgestrahlte Solidität hat keine intellektuelle Sicherheit, er ist ein Dummschwätzer. Er profitiert wahnsinnig von der Unmännlichkeit eines Gabriel oder Steinbrück, nur ist das alles letztlich kein Garant für gute Politik. Blender bleibt Blender.

      31.10.2012, 15:55 von Boahmaschine
    • 0

      äh, eines Steinmeier. Klar gell.

      31.10.2012, 15:56 von Boahmaschine
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3
  • Wie siehst du das, Stefan Bachmann?

    Jeden Mittwoch interviewen wir NEON-Fotografen oder Illustratoren. Auf unsere 10 Fragen dürfen sie uns nur mit Bildern antworten.

  • Die Trümmer­männer

    Millionen Syrer sind auf der Flucht. Doch was passiert mit denen, die blieben? In Aleppo versuchen ehemalige Kämpfer zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

  • Durchs Wochenende mit … Lars

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Text-Praktikant Lars Weisbrod.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare