on.the.road.again 26.09.2007, 18:46 Uhr 0 1

Myanmar- Momentaufnahme der Hilflosigkeit

Hier sitz ich, 1253.585km von dem Land entfernt in dem ein Militär- Regime unschuldige Menschen erschießt...

...Hier sitze ich in einem Land was genau dieses Regime unterstützt.

Ich beginne die Berichte über die Lage der Proteste in Burma zu lesen, nur die Deutschen, die englischen Seiten sind mal wieder von der landesweiten Firewall blockiert.
Je mehr ich lese desto trauriger werde ich, ich klicke mich durch Berichte und Bildergalerien.
Auf einer Seite stoße ich auf das Photo eines jungen buddhistischen Mönchs, welches während einer der Demonstrationen aufgenommen wurde.
Mit großen Augen und einem Ausdruck, den man sowohl als von Furcht als auch von Fragen geprägt interpretieren könnte, schaut er in die Kamera.

Ich muss plötzlich an die buddhistischen Mönche in Thailand denken, die mich durch ihre offene und vollkommen liebevolle Art für so sehr sich eingenommen hatten.
Der Mönch auf dem Bild ist vielleicht im gleichen Alter wie die Mönche in Thailand und auch wie ich.
Ich sehe die typischen Südostasien Bilderbuchhintergründe, die goldenen Pagoden unter strahlend blauem Himmel und frage mich, wie ein Mensch es mit seinem Gewissen vereinbaren kann ein so zauberhaftes Land nicht nur verrotten zu lassen sondern herzlos und ohne Rücksicht zu zerstören.


Die Welt schaut auf Myanmar heißt es in einem Artikel.
Tut Sie das wirklich?
Im ARD Blog wird munter und ausführlich über die verschiedenen Namen des Landes und deren Berechtigung beziehungsweise Benutzung geplaudert, auf einer anderen Seite reicht es schon nicht mehr für den ersten Platz, da steht jetzt schon das neueste Popsternchen Gerücht.
Anscheinend schaut, zumindest die Medienwelt nicht wirklich genau auf die Geschehnisse in Myanmar.

Aber, wer tut das schon?
Bereits morgen werde ich wieder das beste Beispiel von partieller politischer Wahrnehmung bewundern dürfen- im Chinesischen Geschichtsunterricht, von uns „Langnasen“ nur „Propagandaclass“ genannt.
Wir werden wohl kaum über die erschossenen Mönche diskutieren, nimmt einer der Studenten tatsächlich mal den Aufwand auf sich mit der Lehrerin ernsthaft über ein, bei der chinesischen Regierung unbeliebtes Thema sprechen zu wollen, wird dieser Versuch umgehend mit eingewachsenen Propagandasprüchen im Keim erdrückt.
Tibeter sind eine, oft alkoholkranke, Minderheit gerettet vom großen gütigen Mutterland China und Taiwan ist die größte Insel Chinas- ist doch klar, oder?
Bei einer kritischen Frage nach der chinesischen Unterstützung der Militärregierung Myanmars wird morgen (sollte das Thema überhaupt aufkommen) wohl auch wieder mit zuckersüßem Lächeln und einem Satz, welcher bei jedem Anwesenden einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen sollte, gekontert.

Auch wenn es inzwischen zahlreiche positive Ausnahmen gibt, kommt man manchmal selbst bei einigen befreundeten Chinesen gegen diverse von klein auf eingeschworene Parolen nicht an.
Der letzte Satz der Diskussion ist dann oft: „du bist nicht hier aufgewachsen, du bist nicht Chinese, also kannst du das Problem auch gar nicht wirklich verstehen. Die westlichen Medien stellen Das doch alles viel schlimmer dar als es ist“.
Mag sein das dem so ist, vielleicht bin ich voreingenommen und habe in die politische Myanmar- China Verbindung oder bezüglich „der Taiwan Frage“ nicht die gleiche Einsicht wie ein Chinese oder jemand aus Myanmar.
Trotzdem denke ich, ist es wichtig, dass wir alle, egal welche (politischen) Ansichten Medien und Regierungen verbreiten, nicht den Blick für das Wesentliche verlieren- die Menschen.
Im Fall von Myanmar: die Mönche und Zivilisten, die in Rangun und anderen Städten friedlich protestieren und bereit sind ihr Leben für eine positive Veränderung ihres Landes zu geben.

1

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare