Kaddinsky 19.01.2009, 11:26 Uhr 61 13

Mehr Frauen in die Politik!

Die alte Frage: Gibt es sie nicht, die Frauen, die etwas Schlaues zur Politik zu sagen haben? Oder traut man es ihnen nicht zu?

Heute habe ich mich wieder sehr aufgeregt. Ein Kommentator bei Spiegel Online, namentlich Claus Christian Malzahn, musste zum Xten Mal zu Andrea Ypsilantis “Wahlkampflüge” schreiben - wie kreativ…! Doch nicht nur, dass das Thema mittlerweile total zum Gähnen ist, nein, er schreibt einfach Mist:

"Es ist im Rückblick geradezu gespenstisch, wie es einer Person gelingen kann, fast im Alleingang das kostbarste Gut ihrer Partei zu verspielen: Vertrauen."

Ich habe schon einmal einen ausführlichen Artikel zum Thema Politik, Macht, Wahlversprechen etc. geschrieben und belasse es deswegen bei folgender knappen, aber eigentlich ganz einfachen Feststellung: Andrea Ypsilanti hat in der Hessenwahl vor einem Jahr zwei Wahlversprechen gegeben: 1. Ich werde Koch ablösen. 2. Nicht mit der Linkspartei. Das Ergebnis war hinterher derart, dass man sich für eines von beiden - und damit gegen das andere - entscheiden MUSSTE. Was war Andrea Ypsilanti dabei wichtiger? Ist diese Prioritätensetzung etwa falsch? Dass die Entscheidung gegen Koch als Lüge, als Bruch eines Versprechens und als Vertrauensbruch hochstilisiert wurde ist doch nicht Andrea Ypsilantis Verdienst, sondern in erster Linie das ihrer GegnerInnen - zu denen offensichtlich auch die Mehrheit der deutschen Medien zählte. Niemand stellte fest, dass Ypsilanti sich nicht nur FÜR eine Duldung durch die Linke sondern auch FÜR das Ablösen Roland Kochs entschieden hatte und damit ihr vielleicht wichtigstes Wahlversprechen hielt.

Genug zu diesem Thema. Ich wollte eigentlich etwas anderes herausstellen, nämlich, dass es eine Sache gibt, die mich wirklich tierisch nervt:

Die männliche Vormachtstellung in der politischen Berichterstattung und Meinungsmache der deutschen Medien.

Ich habe jetzt wirklich fünf Minuten lang gesucht, aber bei spiegel.de finde ich keinen einzigen Artikel zum Thema Politik von einer Frau. Eine grobe Schätzung des Frauenanteils der Artikel auf sueddeutsche.de im Politik Teil: vielleicht ein Fünftel (wenn’s hochkommt). FAZ.net: Null. Ich könnte so weitermachen. Selbst bei der taz dominieren im Politik-Teil die Männer.

Die alte Frage: Gibt es sie nicht, die Frauen, die etwas Schlaues zur Politik zu sagen haben? Oder traut man es ihnen nicht zu? Haben sie einfach keine Lust und ziehen sich lieber in “weichere” Themen zurück? Sind sie zu defensiv erzogen und überlassen dieses Feld lieber den Männern? Sind sie einfach gerade in Baby-Pause?

Im Grunde ist es mir recht wurscht, was die Gründe für diesen absolut nervigen Zustand sind. Im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, im Sinne einer geschlechterdemokratischen Gesellschaft ist dieser unhaltbar! Und ich behaupte, dass die Mainstream-Meinung in bezug auf Andrea Ypsilanti in den deutschen Medien war/ist, wie sie war/ist, hängt auch damit zusammen. Und das nervt mich tierisch!

Die Chefs der Zeitungen sollten sich was schämen!

Wenn die Politik-Frauen nicht in Scharen daher gerannt kommen und um eine Anstellung bitten, dann ist es doch - sollte man meinen - nur ein kleiner Schritt zu erkennen, dass dies mit der immer noch zweigeteilten Gesellschaft durch die traditionellen Geschlechterrollen zusammenhängen muss. Frauenförderung beginnt nicht von alleine. Doch anscheinend gibt es diesbezüglich nicht einmal in Ansätzen ein Problembewusstsein. Und das ist das eigentlich schlimme daran. Denn während vordergründig die Themen “Feminismus”, “Geschlechterrollen”, “Geschlechtergerechtigkeit” in den Medien an Präsenz gewinnen und viele der oben Genannten sich mit ihren Inhalten als wahnsinnig progressiv in diesen Fragen gerieren - ein Blick in den Politik-Bereich zeigt schnell:
Es ist nur hohles Gelaber.

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61 Antworten

Kommentare

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    Wir eine gruppe von schülern und studenten aus ganz deutschland unterstützen ebenfalls frauen in der politik, wir interviewen nämlich auch unteranderem frauen auf der überprüfungskonferenz des non nuclear proliferation treaty um ihr wissen und ihre positionen der allgemeinheit vorzuführen! check out: npt-tv.net wenn ihr an abrüstungspolitik interessiert seid! ein thema über das noch zu wenige bescheid wissen über das noch viel mehr berichtet werden müsste!!! also u
    unterstützt unsere arbeit mit euren clicks! :)

    25.05.2010, 21:51 von novayorki
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    Die männliche Vormachtstellung in der politischen Berichterstattung und Meinungsmache der deutschen Medien.

    Wie kommst du zu dieser famosen Erkenntnis???
    Insbesondere da in kaum einem anderen Bereich die weiblich, man muss schon sagen feministische Dominanz so ausgeprägt ist, wie in den Medien. Übrigens auch in den politischen Redaktionen!

    Fußt die Erkenntnis etwa darauf, dass es doch noch den ein oder anderen Mann in diesem Bereich ist, also noch keine 100% Frauenquote erfüllt???

    21.05.2010, 23:09 von TST
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    Hinzu kommen jetzt noch die Kritiken an Ulla Schmidt und ihrer ach so dramatischen Dienstwagenaffäre,Ursula von der Leyn,genannt Zensursula und sogar Merkel wird wegen eines Abendessens für Josef Ackermann in den Medien gerade zu zerstört und in die Klatschspalten gesogen.
    Hat das alles wirklich noch etwas mit Politik zu tun oder eher mit Klatsch,worüber sich Deutschland mal wieder aufregen kann/soll?
    Schade,dass so die Leistungen der Damen schnell in den Hintergrund geraten..

    25.08.2009, 19:13 von xxschnuggi
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      @xxschnuggi Welche Leistungen???

      09.07.2010, 18:43 von TST
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    wirklichkeit einmal ausgetrückt. gute ansichten.

    15.05.2009, 10:24 von lisaklein
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    Das ist alles Unfug!!!

    Die Sache ist so simpel: Um in der Politik ganz nach oben zu kommen, braucht man bestimmte Eigenschaften:

    Rücksichtslosigkeit, Opportunismus, Wendehalsigkeit (im richtigen Moment auf der richtigen Seite stehen), etwas Populismus, viel Ego, wen man angegriffen wird voll dagegenhalten und zurückschlagen, am besten die meiste Zeit selbst austeilen,Rhetorische Fähigkeiten; Härte, Seilschaften, Kämpfermentatlität

    ...und das alles ist (gerade in der Summe) bei Männeren von Natur aus häufiger festzustellen als bei Frauen. Deswegen sind Männer häufiger in der Politik (und auch in hohen Wirtschaftsposten, die ganz ähnliche Eigenschaften erfordern) vertreten. Das hat nichts mit einer Verschwörung oder sonst irgendeinem Scheiss zu tun, es ist einfach Gesetz der Natur und wird sich nie ändern, außer man hilft künstlich nach mit irgendwelchen Quoten...

    23.04.2009, 09:48 von Frostfinger
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    noch keiner von euch ist darauf gekommen, dass es vielleicht daran liegt, dass ein hoher prozentsatz an frauen von einer männlichen erfindung, der pille, künstlich auf dem hormonlevel von schwangeren gehalten wird. da ist keine waghalsigkeit zu erwarten, denn scheinschwangere frauen sind zahmer, bequemer und sicherheitsbedürftiger als "natürliche" frauen. ich habe die pille mal genommen und wurde auch ganz tranig und desinteressiert. die pille nimmt frauen den pep, das kommt den männern gerade recht. ich empfehle die spirale ohne hormone, dann interessiert ihr euch auch wieder mehr für politik. habe ich jetzt alles überspitzt geschrieben, aber es ist was dran, es stehen einfach zu viel frauen unter einem unnatürlichen hormonlevel.

    08.02.2009, 21:59 von Lina_Trebbin
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      @Lina_Trebbin interessanter Punkt. Hier: http://tinyurl.com/cnovjn gibts eine interessante Diskussion zur Pille. Nicht jeder steht ihr so kritisch gegenüber. (ich schon! auch wenn ich nie auf die Idee gekommen bin, dass sie vielleicht diese Folgen hat; ich dachte da eigentlich immer mehr an Sozialisation und Erziehung; als ich schwanger war hatte ich eigentlich auch nicht weniger Lust auf Politik... ;) )

      08.02.2009, 22:06 von Kaddinsky
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    Danke für den Text.
    Auch wenn man Ypsilanti nicht verteidigen will, stellt sich die Frage: Wurde sie in den Medien anders behandelt, als ein Mann behandelt worden wäre? Meine Einschätzung: ja.
    Dann gings ja noch drum, ob Frauen wohl die gleichen Chancen haben, im Politjournalismus erfolgreich zu sein. Ich denke: nein.
    Das hätte man alles schön normal diskutieren können. Aber ein paar Leute scheinen gleich rot zu sehen, wenn eine Frau auf Diskriminierung von Frauen hinweisen will. Die Gehässigkeit mancher Kommentare zeigt vielleicht gerade unfreiwillig, dass man Frauen gegenüber gerne einen härteren Ton anschlägt. Just a thought.

    23.01.2009, 13:28 von Erszi
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      @Erszi Volle Zustimmung.
      Kaddinsky, danke für diesen Artikel.

      Was ich nicht verstehen kann: Wieso wundert sich eigentlich noch jemand darüber, dass Politiker Versprechen brechen??? Warum sich bei Ypsilanti alle dermaßen über etwas aufregen, was andere Politiker ständig tun, ist mir ein echtes Rätsel.

      23.01.2009, 22:27 von Aldera
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      @Aldera @ Kaddinsky: jep, bevor ich hier nur kritisiere. Danke für den Artikel.

      @ Aldera: What??? Wieso regt man sich den bei anderen Politikern nicht darüber auf??? Und wieso ist etwas ok nur weil alle es machen???

      24.01.2009, 18:36 von DasDing
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