keke88 02.07.2010, 12:18 Uhr 3 0

Kriegsfotografie – Ausbeutung oder humane Hilfe?

"Hast du je ein Bild geschossen, das niemand ertragen kann?" - "Ja."

„Letzten Monat arbeitete ich mit einem Fotografen in Pakistan und eines Abends fragte ich ihn während des Abendessens, ob er je ein Bild geschossen hätte, das niemand ertragen könne. Ja, sagte er, es zeigt zwei Soldaten, die die Straße hinunter gehen. Einer von ihnen trägt den Oberkörper eines Kindes, das durch eine Bombe halbiert wurde, während der andere den Unterkörper trägt“ (http://www.slate.com/id/2098283).

Für uns Menschen in der westlichen Welt, weit weg vom Krieg, sind diese Worte schwer zu glauben. Wir kennen Krieg nur durch Filme oder historische Dokumentationen, aber für die Einwohner des Iraks oder Afghanistans, die in ständiger Angst leben, ist Krieg ein Teil des täglichen Lebens. Kriegsfotografen versuchen diese Situationen durch Aufnahmen vor Ort und durch die anschließende Veröffentlichung in westlichen Zeitungen zu kommunizieren. Auf diese Art geben sie uns jedoch keine angemessenen Ansätze, wie wir die Unmenschlichkeiten verhindern oder die Situationen verbessern können – im Gegenteil, solche Veröffentlichungen ermutigen oftmals westliche Zivilisten, aufzubrechen, um vor Ort Hilfe zu leisten und somit ihr eigenes Leben zu riskieren.

Im besten Fall wecken Kriegsfotografien unsere Aufmerksamkeit, so dass wir Druck auf unsere Regierungen ausüben. Im schlimmsten Fall fühlen wir uns jedoch aufgefordert, selbst in die Krisengebiete zu reisen, um humane Hilfe zu leisten wie das Beispiel zweier deutscher Frauen zeigt. Sie waren als Krankenschwestern im Jemen, um den Menschen vor Ort zu helfen. Vor einem Jahr wurden sie während eines Picknicks in der Region Saada von Terroristen entführt und ermordet - unschuldig. Natürlich ist dies ein schreckliches Beispiel, aber vielleicht ist es nötig, um andere Menschen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren? Wir müssen verstehen, dass wir als einfache Zivilisten vor Ort nicht viel ausrichten können, sondern im Gegenteil, zu Spielbällen der Politik werden. Das Beispiel der beiden deutschen Frauen zeigt, dass unschuldige Ausländer verschleppt und von Terroristen als Druckmittel zur Erpressung von Geld oder Truppenabzügen missbraucht werden.

Die Medienberichterstattung aus Krisengebieten ist strategisch geplant, um das eigene militärische Handeln zu rechtfertigen. Es herrscht ein Tabu, Fotos von eigenen getöteten Soldaten zu zeigen, um deren Ehre zu wahren. Auf der anderen Seite werden aber auch keine Fotos von getöteten Menschen auf der Gegenseite publiziert, um das eigene grausame Handeln zu vertuschen. Aber hat die Veröffentlichung von Bildern der getöteten Soldaten oder Zivilisten überhaupt noch etwas mit Journalismus zu tun? Fotos werden in den meisten Fällen doch systematisch ausgewählt, um eine bestimmte Aussage zu kommunizieren. Nur wenige Fotojournalisten gehen das Risiko ein, politische Zensuren zu umgehen, um die Öffentlichkeit mit der Realität zu konfrontieren.
Aber was bedeutet es überhaupt, wenn der Fotograf Aufnahmen am Ort des Geschehens macht anstatt den Opfern Hilfe zu leisten? Ist es nicht auch eine Art Pornographie, einfach zuzusehen während jemand um sein Leben kämpft? Wo bleibt da der Respekt? Stell dir vor, du wärst in einer lebensbedrohlichen Situation und anstatt dir zu helfen, stehen die Menschen um dich herum und schießen Fotos, um sie anschließend für viel Geld an Zeitungen zu verkaufen.

Auf der anderen Seite dürfen wir jedoch auch nicht vergessen, dass Kriegsfotografen ihre eigene Gesundheit und manchmal sogar ihr eigenes Leben riskieren, um die Aufmerksamkeit der westlichen Zivilisation auf Krisengebiete zu lenken. Oft hört man von Soldaten, die zurückkehren und an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, einer schweren und emotional andauernden Reaktion auf ein extremes traumatisches Ereignis. Kriegsfotografen, die zwar mit einer Kamera anstatt einem Gewehr schießen, durchleben ähnliche traumatische Ereignisse. Auch sie sind nah an Zerstörung und Tod. Natürlich wählen sie ihren Beruf freiwillig, dennoch dürfen wir die Motivation dahinter nicht vergessen. Im besten Falle wollen die Kriegsfotografen nicht als Helden dastehen und für ihren Mut belohnt werden, sondern wirklich die Menschen in der westlichen Zivilisation auf das Leid in anderen Teilen der Welt aufmerksam machen. Immerhin sind sie damit oftmals auch ein Dorn im Auge der Politik, wenn sie die Zensuren umgehen und somit gegen die Interessen der Regierung handeln.

David Turnley, ein amerikanischer Fotograf, schaffte es, ein brisantes und sehr emotionales an der militärischen Zensur während des zweiten Golfkriegs vorbeizubringen. Es zeigt Sergeant Ken Kozakiewicz, der über den Verlust eines Freundes weint (siehe Link 2).
“Reacting to the censorship of images by military officials, his father, David Kozakiewicz, explained that the military was trying to make us think this is antiseptic. But this is war. Where is the blood and the reality of what is happening over there? Finally we have a picture of what really happens in war” (Lester, Paul Martin: Military Censorship of Photographs). Die Veröffentlichung von Fotos verwundeter oder getöteter Verwandter wird also nicht zwangsläufig als Schandtat angesehen. Im Gegenteil, sie können auch als Licht im Dunkeln betrachtet werden.

Ein Sprichwort lautet “Ein Bild ist wertvoller als tausend Worte“ und das ist der Grund, wieso Kriegsfotografie so wichtig für die heutige Zeit ist. Die Menschen sind überwältigt mit der Anzahl der Informationen, die die Medien bereitstellen, und haben es somit immer schwerer, zwischen wahren und initiierten Berichterstattungen zu unterscheiden. Darüber hinaus ist es weniger zeitaufwändig ein Bild auf sich wirken zu lassen, denn einen langen Artikel zu lesen. Bilder sind überzeugender und einprägsamer, sie sind mehr wert als tausend Worte.

3 Antworten

Kommentare

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    @ surecamp: wer rechtschreibfehler findet, darf sie behalten... you know ;) kann im eifer des gefechts mal passieren, ich bitte deshalb um etwas nachsicht.
    "druck auf die regierung" kann man zum einen dadurch ausüben, dass man auf die straße geht und seine meinung äußert oder einfach, indem man die regierung nicht wieder wählt. kleinvieh macht halt auch mist.

    @ mistergambit: für mich hat "ausbeutung oder humane hilfe" schon einen widerspruch - zwei gegensätze, die so nicht zu vereinen sind. ich meine, die frage ist doch, hilft es den menschen, wenn ich fotos von ihrem leid mache wirklich oder bin ich letztendlich der einzige, der profitiert, weil ich nen arsch voll geld dafür bekomme?

    02.07.2010, 15:23 von keke88
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    World Press Foto.
    Schon mal die Ausstellung angeschaut?

    Es gibt Bilder, die gehen so hart in die Fresse, die vergisst man nicht.

    War Photographer ist der Job, von dem Smilli nachts träumt.

    02.07.2010, 13:58 von frl_smilla
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      @frl_smilla Ich dachte, du träumst von mir :-(

      02.07.2010, 14:00 von Surecamp
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      @Surecamp und wo is da jetzt der widerspruch?

      02.07.2010, 14:05 von MisterGambit
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      @MisterGambit Suri will die volle Aufmerksamkeit.

      02.07.2010, 14:18 von quatzat
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    "Druck auf die Regierungen" ?

    Hä?

    Die dann sagen: "Ey, schießt nur noch mit Wasserpistolen " ??

    Klar, diese Art von Bildern finden immer Leuten, die sie ansehen wollen.
    Wieso nicht ?



    "Ein Bild, das.." da sich das "das" auf das Bild bezieht, you know?!

    02.07.2010, 13:53 von Surecamp
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