thomas_seibert 20.10.2006, 12:39 Uhr 4 0

Kann denn Spenden Sünde sein?

Thomas Seibert von der Organisation Medico diskutiert, ob wir überhaupt sicherstellen können, dass unsere Spenden auch ankommen.

»Wem hilft meine Spende?« - das wird sich die ehrenwerte Spendergemeinschaft vor allem zur Weihnachtszeit wieder fragen. Und das ist auch gut so ­ Nachdenken und Geld geben ist immerhin besser als gar nichts oder nur eins von beiden zu tun. Wie aber kann ich wirklich garantieren, dass meine Spende auch bei einem hilfsbedürftigen Fischer ankommt ­ und nicht etwa auf das Konto des Tourismusministers gespült wird, der ihn gerade vom Strand vertrieben hat?

Erstmal sollte man sich die Hilfsorganisation anschauen. Man kann sie in zwei Gruppen teilen: solche, die eigenes Personal aussenden, und solche, die mit Partnerorganisationen des jeweiligen Landes zusammenarbeiten. Wer mit Partnern arbeitet, hat den Vorteil, dass »seine« Leute schon vor Ort sind, wenn es zur Katastrophe kommt, und dass sie bleiben, wenn die Schäden beseitigt sind. Ein Beispiel: Batticaloa auf Sri Lanka. Opfer des Tsunami waren hier alle, Hilfe brauchten viele. Das aber nicht nur wegen des Tsunami, sondern auch wegen des Bürgerkriegs, in dem sich seit Jahrzehnten die tamilische Minderheit und der singhalesisch dominierte Staat gegenüberstehen. Zwischen den Fronten leben Muslime, von beiden Seiten bedrängt. In Batticaloa wohnen nun Tamilen, Singhalesen und Muslime. Wer hier helfen will, muss bedachtsam und mit Landeskenntnis vorgehen.
Ausländische Helfer halten sich für »neutral«: Die Leute vor Ort wissen aber, dass Neutralität ebenso illusorisch wie einseitige Parteinahme gefährlich ist. Unsere Partner, selbst überwiegend hinduistische Tamilen, errichteten mit unseren Spendenmitteln Notunterkünfte für muslimische Flüchtlinge. Die hatten schon zum zweiten Mal ihr Dorf verloren, jetzt wegen des Tsunami, und zuvor wegen des Kriegs. Ihnen Unterkunft zu gewähren, schuf nicht nur Hilfe gegen die Natur-, sondern auch gegen die soziale und politische Katastrophe. Natürlich ist das schwieriger und selbst nicht ohne Risiko. Aber wenn überhaupt etwas helfen kann, dann so etwas. Die Frage für die Spender ist dann nicht nur: Wem hilft meine Spende - sondern: Wem hilft sie helfen?

Was meinst du? Können wir als Spender wirklich durchschauen, ob die Spende sinnvoll verwandt wird oder nicht?

4 Antworten

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    "Können wir als Spender wirklich durchschauen, ob die Spende sinnvoll verwandt wird oder nicht?"

    Nein! Das ist vielleicht schon etwas abgegriffen, aber fuer Afrika wird doch schon seit 40 Jahren gespendet. Die Kinder verrecken immer noch auf der Strasse.
    Ich habe eigentlich immer an das Rote Kreuz geglaubt, aber selbst da bin ich mir nicht so sicher.

    26.10.2006, 16:28 von frikadelle
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    Vor allem ist danna uch noch die Frage ob das Geld, wenn es da ankommt, auch sinnvoll eingesetzt wird.
    Nahrungsmittelpakete können zwar für Übergangssituationen sinnvoll sein, wenn die Leute dort aber dann darauf vertrauen dass sie von diese Paketen leben können wird ihnen mehr geschadet als geholfen - man sollte isch auf jeden fall informieren wie die Organisationen helfen. Brunnen oder Pflüge sind in Afrika zB sinnvoller als Essenspakete.

    26.10.2006, 15:36 von dudinka
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    Ich habe selber leider mit zwei großen Organisationen eher schlechte Erfahrungen gemacht. Ich weiss nicht, ob das Geld wirklich angekommen ist, aber ich mag es nicht, wenn nach einer Spende ziemlich regelmässig per Post belästigt wäre und mir ein schlechtes Gewissen gemacht wird, damit ich noch mehr Spende. Mal ganz davon abgesehen, dass mich eine geschenkte CD mit Schlagern der 50er Jahre (kein Witz, hab ich mal vom roten Kreuz bekommen) ganz sicher nicht in bessere Spendenstimmung versetzt. Gibts denn keine Hilfsorganisationen, die einen nach einer Spende einfach in Ruhe lassen?

    26.10.2006, 13:37 von marvis
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      @marvis Die haben dir eine CD geschenkt? Dann weißt du ja, wo die Spenden hingeflossen sind. Das Ganze ist ja schließlich nicht gerade günstig, wenn man bedenkt, dass GEMA-Gebühren, Lizenzen etc bezahlt werden müssen.

      26.10.2006, 13:53 von Kwenda.Mzuri
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    Man kann nie genau wissen, wieviel von den Spendengeldern für Verwaltung oder so draufgeht. Aber es gibt nun mal Einrichtungen, die einen guten Ruf genießen, SOS Kinderdörfer etwa. Da hat man schon das Gefühl, das Geld kommt an.
    Ansonsten wird gerade nach Katastrophen aus einem spontanen "Helfen wollen" Reflex soviel gespendet, dass sich da mit Sicherheit der eine oder andere dran bereichert, für den es nicht gedacht war.
    Also da schmeiß ich lieber 'nem Penner was in seinen Becher, da weiß ich wenigstens, dass es da ankommt wo es hin soll. Auch wenn der vielleicht drei Straßen weiter seinen Benz geparkt hat.

    26.10.2006, 11:05 von Kwenda.Mzuri
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