Jamaika für Deutschland?
Nichts ist, so wie es scheint, schießt mir durch den Kopf, als ich meine Überlegungen zur Wahl 2005 anstelle.
Ich sitze vor dem Fernseher und schaue gebannt auf die erste Hochrechnung. Es hat nicht gereicht für schwarz-gelb. Das ist für mich nicht sonderlich überraschend, dass die FDP zunächst auf über 10 % kommt, erst mal schon. Arme Angie – sie ist die wirkliche Verliererin und ich möchte am wenigsten mit ihr tauschen. Analysten und Wahlbeobachter sprechen von der Großen Koalition, das scheint am plausibelsten. Mit der Linken will keiner – ist quasi das Aschenputtel unter den Parteien. Oskars PDS ist die andere Überraschung. Der Bisky träumt später in der Berliner Runde schon vom gesamtdeutschen Aufstieg, auch wenn die Seifenblase im Westen eigentlich schon dem Platzen nahe ist. Der Gerd ist kämpferisch und findet, dass er wieder zum Kanzler gewählt worden ist. Da mag er schon recht haben, bis auf die Tatsache, dass seine Partei nicht zur stärksten gewählt worden ist. Was er vor seinen Anhängern sagt, ist ja noch in Ordnung, was er später in der Berliner Runde für eine Show abzieht, ist dann doch ein bisschen peinlich. Also er ist am peinlichsten. Angie schaut sehr gequält und Guido hat jetzt natürlich Oberwasser, was ihn auch nicht wirklich sympathischer erscheinen lässt, der Ede sieht aus, als ob er gleich mit voller Wucht seine Zähne in die Tischplatte hauen möchte. Der geht jetzt sowieso nach Bayern und besorgt bestimmt mit Christian und Roland den parteiinternen Gegenwind. Harte Zeiten brechen an für Angie ...
Auf RTL scheitern die VIVA-Moderatoren wieder an der Politik und der Michel spricht auf N24 von Neuwahlen. Sabine stellt zum ersten Mal in ihrer Talkgeschichte die richtige Frage. „Deutschland hat gewählt. Und nun?“ Die Diskussion erspare ich mir, auch wenn wohl die zwei wichtigsten Männer der kommenden Legislaturperiode dasitzen, der Peer und der Christian.
Man wird den Eindruck nicht los, dass so wie die Wahlen im Vorhinein schon als ausgemacht gelten, nun auch die möglichen Koalitionen schon feststehen. Halbwegs nachvollziehbar mag es sein, gleich zu sagen mit Oskars PDS will keiner, dass der Guido gleich mal alles ausschließt wird nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Die SPD will die Führung in einer großen Koalition und alles hängt nun doch von Dresden ab - das erklärt vielleicht auch Edes Gesichtsausdruck – dort geht es um drei Sitze. Was bedeuten kann, dass die Roten und die Schwarzen gleich viel Sitze haben. Doch Gerd weiterhin als Kanzler?
Die nächsten Wochen werden zeigen, in welche Richtung das Land steuert. Richtig zufrieden war außer dem Guido wohl keiner gestern und auch der könnte noch unglücklich werden, holt das beste Ergebnis für seine Partei seit Jahren und führt sie dann doch in die Opposition. Deutschland im Aufbruch und die Welt schaut zu, so bleiben unterm Strich nur zwei Erkenntnisse: die Medienlandschaft mit all ihren Demoskopen und Analysten ist mal wieder gescheitert, sie hat dem Volk versucht, einzureden, dass die Wahl schon gelaufen sei. Das Volk hat aber gezeigt, dass unsere Demokratie intakt ist. Vielleicht werden für das nächste Mal die richtigen Schlüsse bei den Betroffenen gezogen. Die andere Erkenntnis ist, dass es einen neune Begriff in der politischen Farbenlehre gibt: die Jamaika-Koalition. Warten wir es ab, ob wirklich was gegen karibisches Lebensgefühl in Westeuropa spricht. Ich bin mir da gar nicht so sicher ...



Kommentare
Was haben nur immer alle gegen Westerwelle ?
16.10.2005, 17:36 von T300Eis8Der Mann ist das Schärfste was es in der deutschen Politik gibt,wer mehr wissen will sollte mal seine Homepage aufsuchen......der Typ ist superintelligent und wir Bürger sind ihm das wichtigste......siehe Interview "Portal-Liberal".....
Ich glaube schon das du einen Unterschied feststellen wirst zwischen Schily und Beckstein! Ich genieße hier die CSU ;-)
25.09.2005, 19:03 von KoenigDerNarrenjamaika mit angie als kanzlerin...wo ist da das profil?
23.09.2005, 01:24 von emojoeich hab grün gewählt.
warum?
weil ich dachte,ich mache am wenigsten falsch.
SPD und CDU sind für mich beide nicht wählbar,
weil sie für mich inzwischen jegliches profil verloren haben.
nun schwebt diese wort "jamaika-koalition" im raum
und genauso grotesk wie der name bei betrachtung der koalitions-beteiligten parteien anmutet, ist die Bezeichnung an sich.
Was blüht uns denn mit Beckstein als Innenminister?
bei dem gedanken bekomme ich wirklich nicht gerade karibische gefühlem sondern vielmehr kalte füsse...
mal wieder falsch gewählt, oder doch nicht?
noch bleibt hoffnung..
@emojoe Nach sieben Jahren Schily wirst Du mit Beckstein wirklich keinen Unterschied merken :)
23.09.2005, 10:24 von syriusIch sehe es nicht so, dass die Wähler sich für Schröder als Kanzler entschieden hätten, für Angela Merkel übrigens auch nicht. Dennoch hat schwarz-gelb eine deutliche, relative Mehrheit vor rot-grün. Diejenigen, die die Linke.PDS wählten, sind zwar links von schwarz-gelb, zählen aber nicht, weil sie SPD und grüne auch bestrafen wollten.
22.09.2005, 13:58 von syriusSchwarz-Gelb hat einen prozentpubkt weniger, als vor drei jahren, das ist richtig. Und es stimmt, Merkel hat auf der zielgeraden sehr viel verloren, aber ungefähr 2,5% (das ist viel!) gingen davon an die FDP. also wähler, die unbedingt schwarz-gelb wollten.
Schröder kann nicht so tun, als hätte er ein plebiszit über die kanzlerschaft gewonnen, dafür fehlt im sehr viel an wählerstimmen, so leid es mir für ihn tut. Merkel ist angeschlagen, ist aber immer noch die parteivorsitzende und die kanzlerkandidatin. Sie hat jedes recht, die verhandlungen in ihrem sinne zu führen. Und in zwei-drei jahren (länger wäre eine große koalition sinnlos) kann zuerst die union, und dann der wähler über ihr schicksal entscheiden. Wer weiß, vielleicht würde sie "es" gar nich so schlecht machen.
Jamaika ist ein schönes Gedankenspiel, im Moment dennoch ohne Aussicht, Realität zu werden, die Grünen würden daran zugrunde gehen (bzw. das nächste mal an der 5%-Hürde scheitern). Aber es hat etwas positives, dass man darüber redet - endlich haben die grünen die chance, sich langfristig von der spd zu emanzipieren, und das erweitert doch den spielraum von der Union und von den Grünen gleichermaßen. Vielleicht in 8-10 Jahren?
22.09.2005, 13:11 von syriusJetzt sind die großen parteien gefragt, denn zu Neuwahlen darf es nicht kommen. Die Wähler würden das - zurecht - als Beleidigung auffassen, wenn sie ihr votum nicht ernst nehmen undsie noch einmal vor die urnen bitten. Ich bin mir sicher, die große koalition kommt, und zwar unter Angela Merkel. Den Nervenkrieg kann Schröder nur verlieren, weil er mit jedem Tag peinlicher wird - bereits am Sonntag hat err sehr viele sympathien verspielt. Die Union muss aber an Merkel festhalten, will sie ihr Gesicht wahren.
Heute ist erst Donnerastag, der neue Bundestag muss erst in ca. 4 wochen seine konstituierende sitzung abhalten. Bis dahin ist noch viel zeit, und die zeit arbeitet für den wahlsieger, und das ist die Union.
@syrius syrius, ausnahmsweise muss ich dir da widersprechen. die zeit arbeitet in diesem fall gegen die union oder besser gesagt gegen merkel. nur wenn es ihr gelingt, schnellstens eine koalition zu schmieden, kann sie im sattel bleiben, ansonsten wird der gegenwind aus den länderen insbesondere von den landesfürsten stärker werden. ede macht gerade schon mal den anfang ...
22.09.2005, 13:18 von greatbritainschröder ist machtmensch und diese karte spielt er voll aus. entweder er als kanzler oder nicht. er muss nicht, aber er kann. bei merkel ist es gerade wohl eher andersrum, sie muss, aber kann (noch) nicht.
@greatbritain Hallo GB! Das ist genau die Frage. Ich denke, wenn es nach den wählern geht, werden sie das theater der parteien bald leid sein, und das wird vor allem die spd treffen, denn jeder weiß, dass sie deutlich abgewählt sind, wenn auch nicht so schlimm, wie noch vor einer woche gedacht.
22.09.2005, 13:39 von syriusDu hast schon recht, die spd gibt sich im moment geschlossener und selbstbewusster, der rausch der letzten wochen hat sie zusammengeschweißt. Dennoch: die Unionsführer wissen auch, dass sie sich keinen patzer erlauben dürfen, und sich geschlossen hinter merkel stellen müssen. Merkel ist übrigens auch machtmensch, auch wenn man sie immer unterschätzt. Gerade die landesfürsten dürfen jetzt nicht zu sehr drängeln, weil man ihnen sowieso ständig putschabsichten unterstellt.
Ich bleibe dabei: merkel muss sich nicht zu sehr beeilen, sondern ca. 10 tage warten, dann kippt die stimmung und die große koalition kommt dann mit ihr als kanzlerin.
Ps.: warum wollen so viele die Merkel absägen? Warum gibt es diese szenarien, dass Schröder und Merkel weichen könnte, und dann ist zumindest das Ziel erreicht, dass sie nicht kanzlerin wird? Die sozialdemokraten sollten doch froh sein, dass sie Merkel bekommen! Wenn jemand die Antwort weiß, warum eher Roland Koch als Merkel, bin ich wirklich sehr interessiert.
@syrius nun ja, ich bin auch eher für merkel als irgendeine andere cdu-nase. nur sie hat die wahl verloren. eindeutig. sie hat innerhalb von drei wochen 10%-punkte eingebüßt. die wähler wollen nach wie vor - trotz dem affentheater - schröder als kanzler. er hat den vorteil, er kann sich aus allem raushalten. münte führt die koalitionsverhandlungen. für merkel geht es um die politische existenz, sie muss an zwei fronten kämpfen. falls schröder nicht mehr kanzler wird, wird er sonderbotschafter der uno oder sonst irgendwas. merkel bundestagsabgeordnete. und ist gescheitert wie seinerseits vor ihr barzel.
22.09.2005, 13:49 von greatbritainund selbst wenn die stimmung unter den wählern kippt, bringt ihr das nichts - abgesehen davon, bezweifle ich das stark ... neuwahlen kann sich keiner erlauben, das stärkt momentan nur die extremen parteien.
@greatbritain ach, das ist doch nur die übliche SPD-Propaganda, dass merkel die Wahl verloren habe. Das ist doch genauso unhaltbar wie Schröders Sicht einer "gefühlten Mehrheit". Ich muss schon sagen, was sich die SPD da gerade erlaubt, geht auf keine Kuhhaut mehr. Fakt ist: die Union hat mehr Stimmen erreicht als die SPD. Die SPD hat auch nicht wirklich gewonnen, vielmehr sind viele eigentliche Unions-Wähler zur FDP gewandert, um eine große Koalition zu verhindern. Ich würd das Wahlergebnis auch nicht immer vor den Hintergrund der Umfragen vorher legen, sondern einfach die Zahlen so zu nehmen wie sie sind. Auch glaube ich nicht, dass "die Wähler" Schröder noch als Kanzler wollen, auch das ist eine weitere dreiste Behauptung der SPD. Er hat doch viel von seiner Souveränität eingebüßt, und ich glaube kaum jemand kann sich noch vorstellen, dass er sich wirklich hält. Rot-Grün ist vorbei, Fischer geht, und auch Schröder sollte mal wieder die Realität anerkennen.
22.09.2005, 14:34 von JungeJunge@JungeJunge dass das jetzt eine unglaubliche show ist, stimmt schon. ich sehe das ähnlich, wird langsam peinlich ... auf der anderen seite, hat schröder im direktvergleich immer einen komfortablen vorsprung gehabt auf merkel. gut, man kann jetzt sagen, trau keiner umfrage ...
22.09.2005, 15:02 von greatbritaines geht um die macht. um nicht mehr und auch nicht um weniger. und die cdu/csu soll jetzt mal nicht immer beleidigt spielen, die haben schließlich auch schon oft genug sich im ton vergriffen.
so wie es im augenblick aussieht, wird es echt schwierig, dass überhaupt irgendeine koalition zustande kommt. von aufeinander zugehen der parteien spürt man wenig. jetzt macht die SPD nen putschversuch, indem sie CDU und CSU aufspalten will. aber die glaubt doch nicht ernsthaft, dass danach irgendein unionsabgeordneter auch nur für schröder stimmen wird? das ganze klima wird doch nur vergiftet... so wird das nix
22.09.2005, 10:47 von JungeJungealso bei mir würden die grünen nen pluspunkt sammeln, wenn sie verantwortung übernehmen und die sicherlich schwierige konstellation der jamaika koalition eingehen. @ ulf: ich will keine neuwahlen, das wäre ne schande für die demokratie.
22.09.2005, 10:41 von der_bub_von_der_almund ganz sicher will ich keine neuwahlen die eine schwarz gelbe regierug ermöglicht.
das ist der Heide Simonis Effekt. :-)
22.09.2005, 09:39 von ulfVielleicht gibt es Neuwahlen die von der Union und
21.09.2005, 23:34 von ulfden Liberalen gewonnen werden, ohne Angie.
Das wäre die Mühe wert.
@ulf Kann doch eigentlich nicht sein, dass manche eine Partei wegen der Kanzlerkandidatin nicht wählen. Sie vertritt doch genauso die Ziele der Partei wie alle anderen.
22.09.2005, 09:22 von ch_osScheint aber so gewesen zu sein.
Komisches Deutschland.
@ch_os tja, mediendemokratie halt...
22.09.2005, 10:45 von JungeJungedie leute glauben bei der bundestagswahl ja auch schon, sie wählen den kanzler. dabei wählen sie doch nur parteien, die dann erst den kanzler wählen.
@JungeJunge In erster Linie wählen wir Abgeordnete, die den Kanzler wählen. Denn manchmal wählt ein Abgeordneter nicht so, wie es die Partei will. Siehe die letzten Wahlen in zum Ministerpräsidenten in Schleswig Holstein und Sachsen.
22.09.2005, 13:46 von SiriusWas soll sich bei einer Neuwahl denn ändern? Es wird doch als erstes jeder hoffen, dass "die Anderen endlich Vernunft annehmen" und sich umentscheiden. Und jeder, der einer Partei seine Zweitstimme gegeben hat, der solltesich freuen, dass er damit den inhaltlichen Anteil "seiner" Partei in welcher Koalition auch immer, erhöht hat. Ich freue mich auf eine Minderheitenregierung in Deutschland! Lange wird es ohnehin nicht dauern, bis wir es nochmal versuchen dürfen.
21.09.2005, 23:22 von 7-0-1