hib 08.03.2011, 14:32 Uhr 13 13

Ich bin ein Panzer

Ich bin ein Panzer. Ich will das Gute, aber ich schieße den Menschen ins Gesicht.

Ich bin ein Panzer. Ich will das Gute, aber ich schieße den Menschen ins Gesicht.

Du kannst mich rufen, wenn du Probleme hast oder dir langweilig ist oder du dich abreagieren musst. Dann komme ich angefahren mit lautem Krachen, es stinkt dann nach Benzin und nach Schmieröl und wenn ich an deinem Haus vorbeifahre klappern deine Tassen im Schrank und deine Zähne, wenn du welche hast. Meine Ketten wühlen erst den Asphalt auf und dann dich. Wer mich kommen hört hat Angst, auch wenn er mich nicht kennt. Aber so wie ich klinge hat vorher nichts geklungen, das ganze Leben lang nicht. Wenn die Menschen mich treffen denken die meisten das erste Mal ans Sterben. Auf meiner Fahrt zu dir reiße ich Wände ein, fallen hinter mir Brücken zusammen, rolle ich über jeden hinweg, der mit einem Plastikbeutel in der Hand vor mir steht, mit den Armen in der Luft fuchtelt und glaubt, Frieden könne man mit dem eigenen wertlosen Menschenleben erzwingen. Lächerlich. Glaub mir, richtig und falsch ist keine Frage der Perspektive, sondern eine Frage des Kalibers. Glaub ja nicht, dass ich Skrupel habe. Wer Skrupel hat, hat schon verloren. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich jemals welche hatte. Jetzt habe ich eine Kanone und der Abzug wird niemals kalt. Bang Bang.

Ich bin ein Panzer. Ich treffe gern andere Menschen.

Was kann ich für dich tun? Soll ich ein paar Häuser für dich einreißen mit meinem stählernen Arsch? Vielleicht Wände, die dir im Weg stehen oder an die jemand einen bunten Friedensspruch geschrieben hat oder ein Anarchiezeichen gemalt? Sag mir wohin ich zielen soll und kein Stein wird mehr auf dem anderen stehen. Da wo ich hin schieße wächst keine Hoffnung mehr. Steht dir was im Weg? Frag mich, ich kenne einen Weg. Und dieser Weg geht immer mitten hindurch oder darüber hinweg. Ich lache über die, die meinen man müsste seinen Weg finden. Das ist Bullshit. Man muss ihn nicht finden, man muss ihn machen. Walzen. Planieren. Plätten. Denn nur wenn man das Leben anderer nieder reißt wie eine morsche Pappel erinnern sich die Menschen an einen. Soll ich in das Wohnzimmer von jemandem schießen, der dir so richtig auf die Nerven geht? Vielleicht weil er einfach anders ist als du? Vielleicht wenn er abends gerade beim Fernsehen sitzt und sich in ihm gerade die vage Hoffnung regt, dass der nächste Tag besser werden könnte als der, den er gerade so eben hinter sich gebracht hat? Würde dir das gefallen? Ich könnte sogar so genau zielen, dass ich den Fernseher schieße, falls dir das Freude macht. Es sieht toll aus, wenn erst die Bildröhre platzt und dann der Kopf. Was auch immer du möchtest. Was auch immer du haben willst. Ich kann es zerstören. Ein Ziel gibt es immer. Und ich habe nachgerechnet. Ein Leben ist gar nicht so viel wert, wie man immer denkt. Da hat sich einer wie beim Spinat mit der Kommastelle vertan. Also, unterm Strich steh immer ich. Klar?

Ich bin ein Panzer. Halt die Klappe, dann darfst du weiter leben.

Komm steig ein, wir drehen eine Runde. Wir fahren um den Block und deuten mit meiner Kanone auf ein paar Gesichter. Willst du sehen wie einer alles vergisst nur weil er Angst hat, dass er gleich alles verliert? Grandioser Anblick, wenn aus einem Gesicht all die Einbildung verschwindet, dass man irgendwas ist und nur noch die Angst bleibt. Was hier drinnen in der Luft hängt ist Schweiß, was hier so stinkt ist Macht. Schau durch meine schmalen Augen nach draußen und lern das Gefühl kennen, wie es ist, wenn man alles und jeden binnen einer Sekunde zerstören kann. Du wirst dich dran gewöhnen wollen, dein Zeigefinger wird zu jucken anfangen und es wird erst besser werden, wenn du den Abzug gedrückt hast. Hier drinnen bist du sicher, keiner sieht dich, keiner hört dich, hier kannst du den Haufen Fleisch noch in aller Ruhe beschimpfen, in den du gerade reingeschossen hast. Keiner wird dir einen Vorwurf machen, ein Echo gibt?s hier drinnen nicht, macht die gute Verkleidung der Wände. Sehr praktisch. Wenn du mal scheißen musst scheiß auf die anderen, sag ich immer. Aber raus willst du nicht. Denn sobald du deinen Kopf aus der Luke steckst werden sie dir eine Kugel zwischen die Augen jagen. Ja, jeder sieht, welche Spur der Verwüstung du hinter dir her ziehst. Die kennen dich. Aber deren Angst ist größer als deine, glaub mir. Die Angst der anderen lässt dich abends ruhig schlafen. Wenn die anderen Angst haben, hörst du das schwarze Rauschen in deinem Kopf nicht. Und wenn doch dann ballerst du der Angst einfach eine. Und mach dir keine Sorgen, meine Wände sind so dick, dass keiner dir was kann. Und wenn du doch mal einen von den anderen Panzern triffst, dann musst du einfach schneller sein. Also Killer, Augen auf und lade immer Granaten nach.

Ich bin ein Panzer. Leck mich an meinem Stahlarsch.

Weißt du was? Ich war früher wie du. Ich hab gedacht ich könnte Dinge gut machen, Konflikte lösen, Meinungen ändern, einfach nur weil ich da war. Ich hab dann meine Kanone im Kreis gedreht und ein bisschen mit dem Maschinengewehr geklappert. Ich hab oben aus der Luke raus geschaut, meinen Helm abgenommen und den Leuten zugewunken. Aber die haben irgendwann keine Blumen mehr geworfen, sondern Granaten. Und wenn du dann eine 18cm Granate im Bauch hast, dann wirst du sie irgendwann auch benutzen. Ich meine hey, die haben angefangen. Irgendeiner fängt ja immer an und wenn ich etwas habe dann allen Grund dazu, sauer zu sein. Irgendwann verteidigst du dich selbst, weil du nicht einsiehst, dass diese Wixer da draußen sich das Recht nehmen, dir das Recht zu nehmen. Wenn du nicht schießen lernst hat keiner Respekt. Wenn du nicht treffen kannst hört dir keiner zu. Wenn du nicht gepanzert bist tut dir jeder weh. Wenn du nicht zum Panzer wirst gehst du drauf. Und ich will noch nicht drauf gehen. Zumindest werde ich dafür sorgen, dass die anderen vor mir gehen. Panzer sterben nicht, Panzer explodieren.

Ich bin ein Panzer. Und es hat keinen Sinn, dass du mich ändern willst. Ich weiß es besser, aber ich will so sein, kapiert? Also spar dir dein Gelaber vom Frieden, Frieden wird erst sein, wenn du nicht mehr bist. Ich bin ein Panzer verdammt noch mal. Ich weine mich jeden Abend in den Schlaf, weil mich hier keiner rausholt. Und wenn ich mit meinem Fahrrad durch die Stadt fahre, dann ziele ich auf Menschen.

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13 Antworten

Kommentare

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  • 0

    sehr guter text... hat mich zu meinem artikel "nur ein toter Penner" inspiriert, auch wenn ich deinen immernoch besser finde ;)

    17.03.2011, 13:19 von He4vy
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    ich muss bei dem text eher an "schrei nach liebe" von den ärzten denken..

    09.03.2011, 07:20 von RedSonja
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      @RedSonja Das fasst's ganz gut zusammen glaub ich. Reicht halt auch manchmal ein Satz.

      09.03.2011, 12:14 von mixtapeape
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      @mixtapeape nein. irgendwie trifft es dieser satz ganz und gar nicht. es ist kein schrei nach liebe. ganz sicher nicht.

      09.03.2011, 14:07 von hib
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    Im Grundsatz gefällt mir der Text - über Sinn und Hintergrund und (eventuelle) Alternative könnte man trefflich (*harr*) nachdenken und diskutieren.

    Aber der vorletzte Satz, das Bekenntnis, verdirbt Alles.
    Du bist ein "Humphrey van Weyden" - unfreiwillig hart geworden durch Umstände, die Du wahrscheinlich nicht kontrollieren konntest. Aber Du bist kein "Wolf Larsen", Du hast es nicht verinnerlicht. (Zu den Personen siehe Jack London "Der Seewolf"...)

    Du hast dieses Dasein nicht verinnerlicht, Du lebst es nicht wirklich. Du bist kein Panzer - Du spielst Panzer oder verkleidest Dich als Einer. Mag ja sein, dass Schläge und Granaten abprallen - aber Worte schlagen durch. Wenns wirklich drauf ankommt, schießt Du mit Platzpatronen und Dein Panzer ist aus Pappmaché...
    Zumindest transportiert das der Text. Nicht schlimm - geht den meisten "Panzern" so.

    Wenn Du raus willst - geh selber. NIEMAND wird Dich rausholen! Die, die Dich ernst nehmen, haben Angst, sich Dir zu nähern und die, die Dich durchschauen lassen Dich in Deinem eigenen Schmerz liegen - wenn sich jemand selber ins Knie schießt, spart das nur Munition.

    Wenn Du aus dem Panzer raus kommst, schießen die anderen auf Dich. Na und? Da Dein Panzer eh nicht echt ist, bietest Du als "Möchtegern-Panzer" nur mehr Angriffsfläche.
    Klar, das tut weh - aber wie heißt es so richtig bei "Lawrence von Arabien":
    "Tut das nicht weh?"
    "Natürlich tut es weh."
    „Und was ist dann der Trick?“
    "Der Trick ist, sich nichts daraus zu machen."

    Also - entweder Du BIST ein Panzer, dann sei glücklich damit. Oder Du bist im Grunde Deines Herzens keiner - was soll dann das Getöse? Es macht den Gegner nur auf Dich aufmerksam...

    09.03.2011, 03:48 von akmsu74
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      @akmsu74 „Aber der vorletzte Satz, das Bekenntnis, verdirbt Alles.“

      Na zum Glück kam dieser Satz ... denn wie soll ein Panzer glücklich sein, und welchen verheerende Schäden richtet er bei anderen an ? Das ruft doch nur wieder Frust und Hass auf der Gegenseite hervor, und von der Rüstungsspirale hatte ich weder emotional / privat nichts und auch nicht auf der politischen Ebene, in Deutschland konnte man das ja zu Zeiten des sog kalten Krieges beobachten.
      Ja, es mag Leute geben die wirklich ein Panzer sind, nicht weil sie dazu gemacht worden sind sondern (böse Unterstellung ?) weil sie Spaß am Leid anderer haben. Das möchte ich nicht näher ausführen. Dass viele irgendwo einen Knall / Spleen haben ist nichts Neues, aber wenn es Züge annimmt die gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel sind (ich denke jetzt an Verhaltensweisen / Taten, unter denen Mitmenschen zu leiden haben bis hin zum Mord) besteht Handlungsbedarf.
      Gerade wegen des vorletzten Satzes ist das Ganze erträglich geworden. Ansonsten wäre es nicht nur tragisch für den Autor, sondern auch gefährlich bis tödlich für alle, mit denen er zu tun hat. Denn ich sehe keine Abgrenzung des Ganzen als Phantasie, die in Bezug auf den Hass auf Mitmenschen nicht umgesetzt werden soll. Ja klar, mag sein, dass man den Fußgänger der weder links nach recht schaut und einem vors Auto rennt, gerne platt fahren will, oder allgemein auf bestimmte Erlebnisse / Situationen mit Hass reagiert. Ungesund, aber menschlich. Nur wenn es zum Dauerzustand wird, nun ja, sehe ich das Ganze schon als Problem an. Da sehe ich auch nicht die Möglichkeit glücklich zu sein, egal ob cholerisch veranlagt oder nicht. Hass als Philosophie / Religion, nein danke .... aber ein Schutzpanzer in Folge von Verletzungen, nun ja, wird wohl vielen bekannt sein. Aber ich beginne mich zu wiederholen, sorry.

      09.03.2011, 09:43 von Cyro
    • 0

      @Cyro Du wertest, das ist an dieser Stelle Unfug.
      Natürlich kann ein "Panzer" glücklich sein - wenn wir den Begriff mal für eine ganz bestimmte Lebenseinstellung verwenden wollen. Genauso, wie jeder glücklich sein kann, der sich selbst "ausleben" kann.
      Eventueller Schaden für die Umwelt ist DAFÜR irrelevant. Exzessive Mutterliebe kann letztlich ebenso destruktiv sein, wie ein 9mm...

      Aus "Panzersicht" war das prima geschrieben und konsistent - bis eben auf den vorletzten Satz. Denn in dem Moment, in dem klar ist, dass der Protagonist eben KEIN echter Panzer ist, ist auch klar, dass er damit eben nicht glücklich wird. Ebenso, wie jemand, der seine sexuelle Ausrichtung verleugnet oder Ähnliches.

      Und auch dabei klammere ich die eventuellen Folgen für die Umwelt völlig aus - das hier ist (so erscheint es mir jedenfalls) eine Sache aus dem personellen "Innenverhältbis". Dritte haben hier nur am Rand Bedeutung - als Zielscheiben, erhoffte Retter, mögliche Ursache oder was auch immer.

      Aber das Innenleben entzieht sich jeder moralischen Bewertbarkeit...

      09.03.2011, 22:31 von akmsu74
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      @akmsu74 ‚Aus "Panzersicht" war das prima geschrieben und konsistent - bis eben auf den vorletzten Satz. ‚

      Das ist richtig, aber warum wird jemand zum Panzer ? Das passiert doch nicht von allein, sondern durch (negative) Erfahrungen mit der Umwelt bzw. mit den Menschen um einen herum. Darum kann ich nicht sagen: ‚Betrachte den Panzer ohne die Umwelt, nur als Panzer, dann ist alles o.k. bzw. kann der Panzer auch glücklich sein.’ Das funktioniert nicht, weil er ja weiterhin nicht auf einer einsamen Insel lebt.
      In dem Moment, wo man mit anderen interagiert kommt für mich automatisch eine ethische, moralische Komponente dazu. Und da spielt es eine Rolle ob es ein Schutzpanzer ist oder ein angreifender Panzer. Oder ein Mensch im Panzer, oder ein ‚echter’ Panzer, also jemand, der mit Absicht und Lust zerstört und dabei keinerlei Gewissenbisse hat, der auf Ethik und Moral nichts gibt, dem nur Freude bereitet anderen Leid zuzufügen. Letzteres scheint auf den Autor nicht zuzutreffen, deshalb bin ich dankbar für den Satz, der zeigt, dass ein Mensch im (Schutz)panzer unterwegs ist.

      14.03.2011, 12:27 von Cyro
    • 0

      @Cyro Darum gings hier nicht - wenn der Autor darüber hätte schreiben wollen ... er hatte die Tastatur ja vor der Nase.
      Mal ganz abgesehen davon, dass "Panzer" nicht zwingend "böse" sein müssen - es gibt tatsächlich Menschen, die werden schon "böse" geboren...

      18.03.2011, 20:55 von akmsu74
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    Där Sommar soll durschwaggsn werdn!

    09.03.2011, 01:15 von Der_Misanthrop
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    riiichtig gut! gefällt mir total!

    09.03.2011, 00:43 von soulvocals
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    ich lese keinen krieg herraus.
    harte schale, weicher kern lese ich herraus.
    der panzer ist die maske, die mauer.
    lieber geht man in angriffsstellung als sich verteidigen zu müssen.

    kann natürlich auch völliger humbug sein.

    08.03.2011, 22:40 von konsTante
    • 0

      @konsTante ich lese nur "emo mit 30 - und deutsch". mehr nicht.

      09.03.2011, 07:35 von limbonic
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  • 0

    Der Text erzeugt Abscheu in mir; regt mich aber nicht zum Nachdenken an. Ziel verfehlt, denke ich mal.

    08.03.2011, 16:42 von Jackie_Grey
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      @Jackie_Grey Ja, ich hatte ähnliche Empfindungen beim Lesen.
      Gedanke beim Anfang: Hm, wann kommt die Auflösung ?
      Gedanke in der Mitte des Textes: In wessen Diktatorhirn war der Autor heute Nacht im Traum zu Gast ... in einem historischem oder einem aktuellerem, gibts ein Bezug zu Lybien ?
      Gedanke beim Weiterlesen:
      Hm, ein allen bekannten Diktator fing auch mal klein an ... ein frustrierter Anstreicher, der auch mal Panzer sein wollte, später dann aber Herrscher über alle Panzer, alle Menschen, kurzum, einer der die Weltherrschaft haben wollte. Dumm, wenn so jemand an die Macht kommt ...
      Gedanke beim letzten Absatz: Alles klar. Im Grunde will ich es gar nicht wissen, was nun konkret den Ausschlag gab, diesen Text zu schreiben. auch wenn es interessant wäre. Doch Krieg ist momentan so gar nicht mein Thema, denn es kommt der Früüüüühling ... und irgendwann startet wieder die Sache mit den Bienchen und Blümchen und so .. ich habe gerade anderes im Sinn als Frust zu schieben.

      08.03.2011, 17:44 von Cyro
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    Ich weiss noch nicht ob ich die Einstellung blöd oder bemitleidenswert finde...
    Oh. Sorry. Die Granate is' von selber losgegangen.

    08.03.2011, 16:32 von mixtapeape
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  • 0

    super, bin mir nichts anderes gewohnt. wahnsinn, wie du worte gebrauchst.

    08.03.2011, 16:13 von Fideltiy
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