AntiFee 15.08.2006, 12:14 Uhr 10 0

Hitler – das personifizierte Böse der Welt?

Dachte sich Adolf Hitler Dinge wie Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus aus? Wohl kaum.

Zuallererst: Hier veröffentlicht kein kleiner verkniffener Springerstiefel-mit-weißen-Schnürsenkeln-Träger seine Propaganda. Sondern eine nett anzuschauende 17-jährige so genannte Afrodeutsche (grr, ich kann mich nicht anfreunden mit diesem Wort) ihre Überlegungen mit zu viel Zeit während der Sommerferien.

Ich glaube nicht, dass Hitler sich in seinen Plänen, deren Ausführungen und seinem Denken so sehr von Napoleon oder jedem anderen großen Herrscher, „Führer“ unterscheidet.
Sogenannte große Reiche sind immer entstanden durch Unterdrückung, Mord, Verletzung der Menschenwürde und –rechte, Rassismus, einem Herren-Diener-System oder Sklaverei.

Man nehme das Römische Reich. Erbaut und nur zu realisieren durch die Hände, auf dem Rücken seiner Sklaven. Und sicher gab es „ethnische Säuberungen“, die man damals nur nicht so nannte oder die nicht überliefert wurden.
Nächster: Napoleon, der verehrte Kaiser der geschichtsverliebten Franzosen. Manchen mag ja bekannt sein, dass der allseits geehrte Napoleon Bonaparte nach der Französischen Revolution die Sklaverei wieder eingeführt hat? Liberté, Egalité, Fraternité, keine Leibeigenschaft – aber nur für Weiße und Franzosen?
Die Briten – wie die wohl an ein Viertel der Welt gelangt sind? Sicher nicht durch diplomatisches Geschick, sondern knallharte Eroberungen.

Worauf ich hinaus will:
Dadurch, dass Alexander der Große, das Römische Reich, der Sonnenkönig, Napoleon und so weiter, alle Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende zurückliegen, sind sie in den Augen der Historiker und der Welt große Strategen, große, mächtige Herrscher, deren militärisches Geschick bewundert wird.

Und Hitler? Bewies er nicht auch strategisches Geschick, als er halb Frankreich und Skandinavien, Polen und den Osten einnahm? Nein, er ist ein Verbrecher. Und weshalb?

Nun, Hitler hat sich ein denkbar ungünstiges Jahrhundert zur Durchführung seines Plans ausgesucht. Eines, in dem Dinge wie Weltfrieden und Menschenrechte begannen, populär zu werden.
Denn hätte Hitler das selbe als Preußischer König im 18. Jahrhundert versucht, würde man heute möglicherweise oder sicherlich anders von ihm reden.
Hitler darf sich wohl kaum den Erfinder von Dingen wie Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus nennen. Als ob er der einzige war, der über Leichen ging, um sein Volk, das vermeintlich Beste, Tollste und Würdigste, zur Weltherrschaft zu führen.

Zum Welttag der Pressefreiheit las ich einen Spruch, der in ähnlichem Wortlaut in einer Tageszeitung stand: ‚Nicht die Verbrechen der Menschen sind schlimmer geworden und haben sich gesteigert im 20. Jahrhundert. Nur die Genauigkeit ihrer Berichterstattung.“
Das ist wahr, finde ich.
Wer weiß denn schon genau von irgendwelchen Grausamkeiten eines Thomas Jefferson, der vorne herum für die Abschaffung der Sklaverei der Schwarzen plädierte und selbst auf seinem Anwesen dreihundert eben solcher in sicherlich nicht würdigen Lebensbedingungen hielt, und nun auf den 2-Dollarscheinen prangt.
Wer kann denn genau sagen, wie die Hunnen damals mit Völkern umgegangen sind, die sie unterworfen haben, als sie sich auf den Weg Richtung Europa machten? Oder wie William the Conqueror war, welche Dinge er angeordnet hat? Oder wie ein sogenannter Friedenspapst auf den Papststuhl gekommen ist?

Nun weiß man aber eben ziemlich genau, was Hitler tat. Er ist das personifizierte Böse der Welt (ohne seine Verbrechen in irgendeiner Weise schmälern oder seine so grausig wie dumme Ideologie verharmlosen zu wollen).
Die Menschheit und allen voran die Herren Amerikaner und Briten mit ihren sorgfältig gehegten Nazi-Phobien machten Hitler dazu, obwohl sie wohl selbst den Stecken vor lauter Dreck kaum mehr halten können (Atombomben, der Folter-Irak etc. – ein anderes Thema).

Hitler ist nicht der erste und einzige skrupellose, menschenverachtende Herrscher (oder Führer, nenn es wie du willst) gewesen und gewiss war auch nicht der letzte.

10 Antworten

Kommentare

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    Mein Schlusssatz bezieht sich ja auch auf den ganzen letzten Abschnitt

    22.08.2006, 09:53 von Le_Chat_Noir
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    Der Autor dieses Textes hat sich augenscheinlich viele Gedanken gemacht, ist aber meines Erachtens nach zu einem nicht ganz korrekten Schluss gekommen.

    "Hitler ist nicht der erste und einzige skrupellose, menschenverachtende Herrscher (oder Führer, nenn es wie du willst) gewesen und gewiss war auch nicht der letzte."

    stimmt.... und? Macht es das nur einen Deut besser?

    Hitler war grausam, kaltblütig, machtbesessen. Eigenschaften die bestimmt auch einigen anderen Herrschern aus der Vergangenheit zugeordnet werden können.

    In ein paar Dingen hebt er sich aber deutlich negativ von seinen Mitstreitern ab. Hitler war krank.

    Gedanken und Entscheidungen eines kranken Geistes eines kranken Herrschers, welche durch ein geblendetes Volk in die Tat umgesetzt wurden und deren Folgen uns allen bekannt sein dürfte.
    Hitler war besessen. Züchtung einer Herrenrasse?

    Das ist in dieser Form und Größe sehr wohl einzigartig.

    17.08.2006, 12:29 von Le_Chat_Noir
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      @Le_Chat_Noir 'Züchtung einer Herrenrasse?'
      Ähm, damit hat der ehem. amtierende Präsident von Peru aber auch geworben - und nur knapp die Wahlen verloren. Bloß dass seine Herrenrasse eben die indigene ist. Diesen Sommer war das, 2006. Sehr einzigartig? Eher nicht.
      Die Form und Größe kommt nur zustande durch die Person PLUS einer Kette von Umständen und das Mitwirken anderer Personen. Oder würdest Du sagen, Hitler war 'kranker' als Ted Bundy oder irgendwelche Leute, die ihre Kinder totprügeln oder diverse Mitglieder des Ku-Klux-Klans?

      19.08.2006, 17:01 von Coogar
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      @Coogar
      Stimmt. Einzigartig ist er zwar - aber nicht ohne die Umstände.

      21.08.2006, 12:51 von LudwigMartin
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    Eine verzerrte Wahrnehmung hat er gehabt am Ende. Wer so absolut erfolglos und konsequent untergeht, kriegt den "Adelstitel" des absoluten Bösen gratis dazu.

    Seine Grausamkeit gegen sich selbst und das eigene Volk heben ihn von anderen Eroberern ab. Wir Deutschen WOLLEN an ihm nichts Gutes finden und ihn für kleine Details loben wie die Franzosen ihren Napoleon.

    Wer sein eigenes Volk letztlich vernichtet, hat schon einen recht einsamen Platz in der Weltgeschichte.
    Daß die Deutschen die Verlierer UND die Bösen des 2.WK sind, werden sie ihrem "Führer" und sich selbst wohl nie verzeihen.

    Ich könnte mir vorstellen, daß Hitler lediglich in Israel einen schlimmeren Ruf als in Deutschland hat.

    15.08.2006, 14:55 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin
      Es kommt bei mir gerade die Frage auf (durch deine besondere Betonung), was denn gewesen wäre, wenn die damaligen Deutschen den 2. Wk gewonnen hätten. Wie man dann als "Nicht-Opfer" von ihm gesprochen hätte?

      Wie es denn dann mit der Tatenbetrachtung von der Welt auf Hitler ausgesehen hätte.
      Was wäre Europa durch diesen Sieg dann jetzt?

      ---> Schaurige Gedanken und Bilder.

      16.08.2006, 00:34 von bibliophile
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      @bibliophile Dazu empfehle ich "Vaterland" von Robert Harris
      (# ISBN: 3453072057).

      Ein Krimi, der im Berlin der 60er spielt. Unter der Hypothese, das Hitler den Krieg gewonnen hat.

      16.08.2006, 10:04 von sailor
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      @sailor Den habe ich auch mal gelesen....sehr erschreckend, aber auch faszinierend (wenn das in dem Zusammenhang überhaupt passt)...

      16.08.2006, 10:10 von joli
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      @joli Natürlich passt das...

      16.08.2006, 10:19 von sailor
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      @sailor Hätte ja sein können, dass irgendjemand ein Problem damit haben könnte, dass ich so ein Buch "faszinierend" finde....

      16.08.2006, 10:23 von joli
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      @joli Zerbrich dir nicht den Kopf anderer Leute.
      Das warscheinlich dann die, die es allein wegen des titels nur mit der Kneifzange anfassen...

      16.08.2006, 10:25 von sailor
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      @sailor ja...womöglich hast du da sogar recht....

      16.08.2006, 11:57 von joli
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      @joli Da sag ich mal lieber nix zu...

      16.08.2006, 12:07 von sailor
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      @sailor sollste ja auch nich....

      16.08.2006, 12:12 von joli
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    Nein, dem stimme ich nicht zu.

    Wenn schon "Dinge wie Weltfrieden und Menschenrechte begannen, populär zu werden", dann hätten nicht 35 Millionen Menschen sterben dürfen.

    Außerdem hatten Napoleon, Alexander der Große oder Jefferson nicht das Ziel ein ganzes Volk bzw. einer Religion zu ermorden und entrechten. Die wollten "nur" die Erweiterung ihres Landes oder Macht.

    Ich versteh zwar im Ansatz was du meinst, aber in Anbetracht von allein sechs Millionen ermordeten Juden ist dein Text unsensibel geschrieben.

    15.08.2006, 14:51 von pseudointellektuell
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      @pseudointellektuell so so ... du kanntest Napoleon und Alexander persönlich ?

      Fakt ist, wenn man ein Weltreich mit Gewalt aufbauen möchte ist kein Platz für bestimmte Völker und Religionen. Das werden sich Napoleon und Alexander auch gedacht haben, sie hatten nur nicht die Mittel die Hitler zu Verfügung hatte ...

      Ich denke mal in 200 Jahren werden wir auch ein anderes Verhältnis zu Hitler haben, immerhin ist er der bekannteste Deutsche der Welt ...

      16.08.2006, 11:45 von Composer
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      @Composer
      Ohne die erwähnten Personen persönlich zu kennen, würde ich doch sagen, daß es unterschiedliche "Stile" gibt.

      "Sie alle zu knechten..." ist mit Sicherheit nicht immer das einzige Hauptmotiv. Unter Alexander war durchaus mehr kulturelle und religiöse Freiheit möglich - nicht, weil er so "schwach" war, sondern weil es dem griechischen Weltbild entsprach.
      Und auch Napoleon wollte das französische Bürgerbewußtsein, welches sich nicht von Dynastien und Kirche knechten läßt, "exportieren".
      Ich glaub, der große Unterschied besteht darin, wie Herrscher zum eigenen Volk steht. Und keiner hat Abweichungen und Minderheiten so bekämpft wie Hitler.

      Damit steht er allein.
      Das kann man weder dem Griechen noch dem Franzosen unterstellen. Und selbst das römische Reich konnte nur deshalb bestehen, weil regionale Eigenheiten geduldet worden sind. ("Rom ist weit")

      17.08.2006, 11:15 von LudwigMartin
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    Danke! Ich mag diese Dämonisierung auch nicht mehr hören. Und ich bin auch kein "kleiner verkniffener Springerstiefel-mit-weißen-Schnürsenkeln-Träger" sondern "eine nett anzuschauende" 32-jährige Halbdeutsche-Halbkroatin ;)
    Ich glaube, dass Hitler immer ein gutes Cover abgibt für andere Kriegsverbrecher, die gerne von sich selber ablenken und dafür mit dem Finger auf andere zeigen. Wenn es um Symbole des Bösen geht, braucht man eigentlich gar nicht mehr in den Geschichtsbüchern zu kramen, traurig aber wahr.
    Zum Thema übrigens zwei ganz tolle etwas andere Geschichtsbücher von Bernt Engelmann: "Wir Untertanen" und zweiter Band: "Einig gegen Recht und Freiheit". Da Geschichte normalerweise von den Gewinnern geschrieben wird, erzählt er die Geschichte der Verlierer und deckt dabei so einiges auf, was man nicht im Geschichtsunterricht lernt. Unterhaltsam geschrieben auch.

    15.08.2006, 12:43 von Coogar
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    Seltsamer Text...

    15.08.2006, 12:41 von sailor
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